Fünf Gedichte wie fünf abgerissene kleine Mauern
Es war Tag oder Nacht an irgendeinem Sonntag in der Bibliothek meiner Gefühle. Die ersten Einträge von verflossenen Abenteuern drängten sich in mein liniertes Heft, dazu die genossenen Bestrafungen. Es war Tag oder Nacht und die Liebe verdeutschte alles, im Osten, im Westen und im dunklen Loch. Trostlos erschauerte ich beim Lebensmonolog und wenn ich auf die Straße hinausging. Ich musste den Erstbesten fragen: Welches Ich ist ich? Ich stieg von einem Buch zum nächsten die Treppe hinunter, während die Brummer der Sehnsucht durch die Luft surrten, und ließ meine steinernen Sätze fallen, einen nach dem anderen.
Ich will kein Vergessen mehr mit Worten. Ich setze mich und sehe die deutschen Frauen vorübergehen. Welcher Zoom aus welcher ungenauen Ecke verschiebt die Grenze des für sie Denkbaren? Welche Vorstellungen sortieren ihre Neugier? Was ahmen sie nach, um sich vor den Männern zu schützen? Es regnet wilde Schmerzen von spitzen Zähnen. Tief Luft holen, mein Herz. Ganz ruhig. Du wirst nicht ins intime Genre verfallen. Für solche Übergriffe fehlt dir noch eine Menge. Dafür musst du erst alles lieben, was verletzt und verletzt und verletzt. Den Schatten im Schatten. Die nächtliche Privatsammlung, wenn der Mond eine einsame Frau ist und das eigene Fehlen ersehnt.
Es muss sie geben, die Art, nicht als koloniale Frau zu schreiben, die Strategie fürs Eisessen und gegen den Erfüllungszwang. Ich bin nicht für endgültige Lösungen und will es auch nicht sein. Was heißen kann, dass Ziele vage bleiben: sich einschließen, dummes Zeug reden und der Sehsucht als Bad im Mondlicht der Existenz frönen. Ein vergossener Baum. Silhouetten in einem nebligen Traum. Ich selbst, zerlegt in lauter kleine Stücke. Ich habe Wein getrunken, um mein weiches Herz zu beruhigen.
Tage, an denen ich mich mit der Reise und ihren Motiven sehr identifiziere. Ich schließe mich im Schreibzimmer ein, alle Utensilien drinnen und keine Landschaft draußen. Nichts als die Sinnlichkeit des Nichts. Draußen, auf der Straße nebenan, können alle deutschen Frauen an die Grenzen irgendeiner Wirklichkeit gehen, die genauso unwirklich ist wie meine eigene. Was geht es mich an. Ich würde gerne malen ohne zu malen. Mich, wenn sich die Plätze leeren und die Stunde des 19. Jahrhunderts anbricht, in die wärmende Sonne meines eigenen Körpers setzen. Morgen erzähle ich dir, wie es war.
Heute ist kein Guss gefallen, hat die Sonne nicht geregnet. Ich habe gelacht wie verrückt, als ich in einem Spiegel meine Umzugsgebärden sah. Ich musste stehen bleiben und nach Luft schnappen. Es hat mich Mühe gekostet, die Verben der Zugehörigkeit zu deklinieren. Nur nachts verliere ich alles für immer und es ist mir einerlei. Nur nachts strecke ich die Hand nach der Leere aus und gebe alles für mein Staunen.


Übersetzung: Elisabeth Müller



