Lina, die in Heidelberg studiert hat, nimmt mich mit zur Besichtigung dieser etwa 45 Bahnminuten entfernten Stadt. Im Ausland ist das Zugfahren immer eine Gaudi und die Welt ein Vergnügungspark; mit der Sarmiento-Bahn in den Westen des großen Buenos Aires zu fahren, ist etwas anderes. Nach unserer Ankunft nehmen wir die Bergbahn zum Schloss hinauf. Es ist die Jahreszeit des „Federweißen“, einem „neuen Wein“, der nur im September und Oktober ausgeschenkt wird. Angeblich hat er wenig Alkohol - in mein Glas müssen sich aber mehr Prozent gemogelt haben. Man isst dazu einen mit Zwiebeln belegten flachen Fladen, „Zwiebelkuchen“ genannt. Eine Engländerin fragt die Wirtin, ob das etwas ähnliches sei wie die Quiche Lorraine. Worauf ihr die Wirtin antwortet, die deutsche Variante sei viel besser.

Zurück in Frankfurt, gehe ich durch das Bahnhofsviertel, wo es wimmelt von Wettbuden, kleinen Speiselokalen, schmuddeligen Internet-Cafés. Die pralle Multikultur, wie immer in den umgebenden Straßen von Hauptbahnhöfen. An einem Kiosk gibt es Zeitungen in einem halben Dutzend Sprachen. Ich betrete eine Buchhandlung, die innen größer ist als auf den ersten Blick vermutet. Es gibt dort Unmengen von Büchern auf Spanisch. Die Inhaberin bedient mich in meiner Muttersprache. Ich entdecke Bücher von argentinischen Autoren, die sogar in Buenos Aires schwer zu kriegen sind, wie El viaje de los siete demonios, von Manuel Mujica Laínez. Als ich mein Erstaunen zum Ausdruck bringe, dass sie so viele Titel von Mujica Laínez vorrätig hat, sagt sie: „Wo sind die denn? Gestern hat jemand danach gefragt und ich konnte sie nicht finden”. Sie hat so viele Bücher, dass sie sich schon gegenseitig zudecken. Schließlich kaufe ich Plenilunio, einen Krimi von Antonio Muñoz Molina, nach dem ich seit einiger Zeit gefahndet habe.
Übersetzung: Elisabeth Müller



