In Frankfurt, oder jedenfalls in der Innenstadt, sieht man keine Supermärkte, weder große noch kleine. Ich weiß nicht, wo die Leute einkaufen. Es gibt auch keine chinesischen Läden, die bei uns die Rettung sind, wenn man abends um halb elf einen Liter Milch braucht oder Kaffee oder Wein. Im Tiefgeschoss von Karstadt habe ich heute den ersten Lebensmittelladen entdeckt, so was ähnliches wie ein Supermarkt. Sie verstecken ihn, damit niemand drauf kommt.
Dagegen ist es ganz üblich, auf der Straße zu essen, und viele Lokale stellen kleine Tische raus, wo man im Stehen essen kann. Das ist ein kultureller Unterschied, denn wir Argentinier würden keine Sekunde auf die Erwägung verwenden im Stehen zu essen, oder gar im Gehen! Um die Frühstückszeit oder nachmittags, wenn die Leute von der Arbeit kommen, hat eine Kette mit Namen BackWerk, viel Zulauf, ein Selbstbedienungslokal mit Kaffee, Kuchen und belegten Brötchen. Einmal trinke ich morgens dort einen Kaffee und esse dazu eins dieser großen Croissants, aber da bin ich der Einzige: Alle anderen nehmen mit Sesam bestreute Brötchen, dick belegt mit Aufschnitt und Salat.
Am Abend gehe ich zu den Brücken. Ich habe inzwischen die Übersetzung des Verses aus der Odyssee gefunden, der auf Griechisch an einer der Brücken steht: „Jetzo schifft' ich hier an; denn ich steure mit meinen Genossen über das dunkle Meer zu unverständlichen Völkern”. Athene sagt das, als sie Telemachos am Anfang des Gesangs rät, sich auf die Suche nach dem Vater zu machen, und ihm dazu in der Gestalt des reisenden Königs Mentes erscheint. Ich verstehe den Sinn dieses Satzes nicht, zumal der Main nur auf deutschem Boden fließt und nie zu „unverständlichen Völkern“ führt.
Bei den alten Brücken sind die Zwischenräume von Pfeiler zu Pfeiler ziemlich eng. Ich bewundere die Geschicklichkeit der Kapitäne von den riesigen Frachtschiffen (die wir in Argentinien „chatas”, platt, nennen würden), wenn sie genau die Lücke zwischen den Pfeilern treffen. Ich warte oben auf der Brücke, um den Führerstand zu sehen, und dann sehe ich den Kapitän, umgeben von Monitoren und allen möglichen Geräten. Trotz der Technik behält dieser Mann am Steuer des riesigen Frachters, der in der Nacht durch eine Brücke nach der anderen fährt, etwas bewunderungswürdiges.
Bemerkenswert finde ich diese ökologischen Fahrradtaxis:

Übersetzung: Elisabeth Müller




Essen im Stehen auf der Straße ist keineswegs die übliche Form in Frankfurt zu Speisen.
Vielleicht hätte sich de Santis jemanden anvertrauen sollen, der stadtkundig ist.