Seit ich in Frankfurt bin, habe ich nur einmal eine Hupe gehört. Ich frage mich, wie sie einen derart geordneten Verkehr hinbekommen.
Ich gehe in die Schirn Kunsthalle und schaue mir eine Art Brut-Ausstellung unter dem Titel „Weltenwandler - Die Kunst der Outsider“ an. Als erstes stoße ich auf die Zeichnungen von Henry Darger, die ich bereits 1993 im Nationalmuseum Zentrum der Künste Königin Sofía in Madrid entdeckte. Die Geschichte fasziniert mich seit jeher. Darger war Hausmeister in einem Gebäude in Chicago, lebte allein und nichts deutete darauf hin, dass er sich für Kunst interessierte. Als er 1973 (mit 81 Jahren) starb, fand man in seiner Wohnung 15.145 Blätter mit Manuskripten und Illustrationen, auf denen er die Geschichte eines endlosen Krieges zwischen ein paar Männern in Uniform und ein paar neun- bis zehnjährigen Mädchen erzählt. Jetzt, wo ich die Blätter noch einmal vor mir habe, sehe ich, dass es eigentlich eine Bildergeschichte ist, mit nebenstehenden Texten und Sprechblasen. Dargers Malereien erinnern an die Illustrationen von Kinderbüchern zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Die Unschuld der Mädchen steht im krassen Gegensatz zur Gewalt der Szenen: Zerstückelungen, Erdrosselungen, Köpfungen. Dargers Geschichte ist die einer totalen Vereinsamung: Über ein halbes Jahrhundert lang hat er sich mit derselben Geschichte befasst, ohne je einem Menschen auch nur ein einziges seiner Blätter zu zeigen.
In einem Restaurant mit dem Namen Thai Express bekomme ich eine riesige Krabbensuppe und einen sehr großen Schoppen Bier, den ich nicht schaffe.
Ich gehe ins Historische Museum der Stadt. Der Star der Sammlung ist das Altstadtmodell der Brüder Hermann und Robert Treuner, das Frankfurt so zeigt, wie es im 19. Jahrhundert war. Da die Stadt 1944 bei den Bombenangriffen der Alliierten zerstört wurde, diente das Modell sicher als Vorlage für den Wiederaufbau: So erhob man es von seinem niederen Rang einer Kopie und Abbildung zum Original. Ein weiteres Modell aus den fünfziger Jahren zeigt die Stadt nach der Zerstörung; da war kein Stein mehr auf dem anderen. Diese Arbeit stand irgendwo vergessen in einer Hessischen Behörde, bis man sie in den achtziger Jahren wieder hervorholte.
Übersetzung: Elisabeth Müller



