Punta del Este ohne Meer. Ein luxuriöses städtisches Spa, voller alter Leute, die nie aussterben (wie die zugekleisterten Seniorinnen auf der 5th Avenue in Manhattan). Zu seinen Glanzzeiten, heißt es, war es das bevorzugte Resort der europäischen Aristokratie, insbesondere der russischen. So etwas wie ein deutscher Lido. Inzwischen das Nichts selbst, wo das größte Ereignis das lauwarme Leitungswasser war, das man mir – für 20 Cent – als „Mineralwasser” zu trinken gab. Es heißt, nachdem er ein Vermögen in den Casinos verspielt hatte, habe Dostojewski hier
Der Spieler geschrieben, und dass Tolstoi eine Szene aus
Anna Karenina in diese Straßen verlegt habe. Wer weiß. Die Langeweile ist eine tödliche Krankheit und hinterlässt Spuren. Manchmal scheint sie auch ganze Städte ihrem eigenen Traum zu überlassen. Ich fahre von Baden-Baden ab und denke an Alain Resnais, der sich wie kein anderer darauf verstand, die erstickende Leere dieser Nicht-Orte in
Letztes Jahr in Marienbad zu filmen. Beim Wegfahren denke ich auch an die Promenade von Coney Island, eine weitere russische Replik des verlorenen Paradieses, allerdings übertrifft sie mit ihrer Stimmung trunkener Traurigkeit und ihrer leicht seekranken Nostalgie die anderen haushoch.
Übersetzung: Elisabeth Müller