Ich will damit sagen, dass ich mich wieder wie eine Kulturimmigrantin gefühlt habe. So in etwa wie eine Reisende, die der großen Tour etwas überdrüssig ist, die die Postkartenfassaden dieser protestantischen deutschen Kleinstädte etwas satt hat, die alle in der Vergangenheit eingefroren worden zu sein scheinen. Weimar stellt dabei natürlich eine Ausnahme dar. Weimar war Anfang des 20. Jahrhunderts aus drei Gründen bekannt: weil Nietzsche dort im Haus seiner Mutter starb, nachdem er in Turin den Verstand verloren hatte; wegen der Bauhaus-Studenten – alles „Freaks” – , die mit Gropius an der Spitze die Architektur revolutionierten; und weil die Politiker – während sich in Deutschland das Chaos ausbreitete - die thüringische Hauptstadt wählten, um eine Republik zu gründen, die nicht lange hielt, und der Rest ist allgemein bekannt (Buchenwald liegt genau 8 km von Weimar.). Ich glaube, ich muss bald mit jemandem über Politik sprechen. Ohne dass ich es bemerkt habe, bin ich ganz schön – fast schon wahnsinnig – abgedriftet von den KZs zur Aktualität. Ich beteuere, dass ich das lieber hätte vermeiden sollen. Es kam noch nie etwas Gutes dabei heraus, wenn ich so abgeschweift bin.
Zu guter Letzt müsst ihr auch noch unbedingt das Foto vom Hundewagen sehen, das mich ein äußerst stolzer Hundebesitzer in Jena hat schießen lassen.

Übersetzung: Christin Kleinhenz



