
Die Skulptur von Tinguely, aufgenommen mit einem Fotoapparat, der fast so alt ist wie ihre Bestandteile. Hier eine weitere Aufnahme mit lebendigen Farben und scharf umrissenen Konturen.

Die Eleganz der Schwäne ist hier nicht konkurrenzlos.

Lost, Version Schweiz. Um die privaten Stege betreten zu dürfen, muss man ein paar Franken bezahlen, dann kann man ins Wasser, manche haben sogar im See kleine Schwimmbereiche mit Sperrseilen abgetrennt. Trotzdem habe ich im Wasser nicht mehr als ein paar „Temperaturamorphe“ gesehen (neben der Lufttemperatur wird hier auch über die Wassertemperatur in den unterschiedlichen Seen informiert (neben dem Verfallsdatum steht auf den Verpackungen auch das Datum, bis zu dem die Geschäfte dieses Produkt verkaufen dürfen (keine Ahnung, was der Zusammenhang zwischen beiden Informationen ist, aber nun gut, wissen ist immer besser als nicht wissen))).
In Anbetracht der Frauen, die sich im Bikini sonnten, halte ich es wirklich für bedauerlich, dass dieses Land nie kommunistisch gewesen ist. Die Freikörperkultur, wie das nackte Wort dafür ist, ist das beste Erbe, das uns die DDR und vielleicht der gesamte Kommunismus hinterlassen haben.

Die in der Mitte, hinter dem mit dem roten T-Shirt, scheint im Bikini zu sein. Tja, mehr gibt's halt nicht.


Auch hier keine Frauen im Bikini. Das männliche Publikum möge verzeihen.
An einem der Seeufer gelangte ich zu der Restaurant-Buchhandlung Cucina e libri, eine kommerzielle Kombination, − ich kann mich nicht erinnern, diese je anderswo gesehen zu haben −, und am anderen lief ich bis zu einem kleinen Botanischen Garten mit Sukkulenten, einem Namen, den die Kakteen anscheinend auch auf Spanisch tragen.


Auf der Straße fielen mir die vielen Cabrios auf, bedenkt man, dass der Stoff, den sie als Dach haben, den größten Teil des Jahres unzureichend sein muss. In meinen Zeiten als auf Autos spezialisierter ghost journalist erinnere ich mich, gelesen zu haben, dass in den Ländern Mitteleuropas die meisten Cabrios verkauft werden, auch wenn dies paradoxerweise die Länder mit den durchschnittlich meisten Regentagen pro Jahr sind.
Außerdem fiel mir auf, dass es neben den Gebäuden vom Anfang des 20. Jahrhunderts viele aus den 50er Jahren gibt, diese quaderförmigen, grauen, die unweigerlich die ganze Straße verschandeln. Sagte man mir, dass Zürich im Zweiten Weltkrieg zerbombt und wieder aufgebaut worden sei, würde ich es sofort glauben. Es gibt viele Radwege, aber nicht so viele Radfahrer, was mir bei den vielen Steigungen und Senkungen in der Stadt nur zu verständlich scheint.

Cabrios sind ein bisschen prollig. Das hier hat Klasse!
Abends übte ich mit Tele-Züri Schwyzerdütsch. Es erinnerte mich in Punkto Bildqualität und Inhalte an den Nachbarschaftskanal von Vicente López, damals in den 90ern, heute ist der vermutlich nicht mehr so basic wie das hier (was wohl auch die Einheimischen nicht so ernst nehmen, wie dieser Zwischenfall zeigt). In der talkshow verstand ich praktisch nichts, alle sprechen durcheinander wie Italiener und variieren den Klang aller Laute wie im Französischen. Ich glaube, sie diskutierten über eine bevorstehende Wahl, bei der das Parlament anschließend aus mehr Frauen als Männern bestehen könnte, skandalös in einem Land, wo die Frauen bis in die 70er Jahre hinein, in manchen Gegenden bis in die 90er, nicht gewählt haben. So geht's ihnen, weil sie keinen Peronismus hatten.
Die Nachrichten (präsentiert von einer nicht sonderlich attraktiven Frau, als solle man im Fernsehen endlich mal normale Frauen zu sehen bekommen) waren vom idiomatischen Ausdruck her weiterhin unverständlich, doch die Bilder waren vielsagend. Die erste Nachricht war, dass zwei Gruppen von Jugendlichen aneinandergeraten waren, eine von jungen Leuten „mit thailändischem Hintergrund“ und die anderen mit Ich-weiß-nicht–welchem-Hintergrund, vermutlich balkanisch. Um die Aufnahmen von vier Tropfen Blut, die die Auseinandersetzung auf dem reinlichen Boden eines Asphaltplatzes hinterlassen hatte, aufzupeppen, fingierten drei Männer mit Schweizer Hintergrund eine Messerstecherei, eine Art Rekonstruktion der Geschehnisse zugunsten derer, die noch nie (und jetzt immer noch nicht) eine Prügelei gesehen hatten. Die zweite Nachricht war, dass Vandalen eine Schule mit Eiern beworfen hatten. Und das, wo die Eier so teuer sind! Am Ende der Aussagen (ein Anwohner, der aussah, als hätte er lange kein Wasser getrunken; der Hausmeister der Schule) beruhigte es mich zu erfahren, dass die Übeltäter die (insgesamt 200) Eier nicht gekauft, sondern von einem benachbarten Bauernhof geklaut hatten. Noch beruhigter war ich aber am nächsten Tag, als dasselbe Nachrichtenmagazin mich informierte, dass man die Eierwerfer gefasst hatte. Ihr Alter: 14, 15 und 18. Ich sehe schon voraus, dass Tele-Züri mir bald den Marsch der Schweizer Blumbergs zeigen wird, die eine Herabsetzung der Altersgrenze für Straffreiheit fordern.
Übersetzung: Silke Kleemann



