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    <title>Nahaufnahme - Journalistenaustausch (Artikel mit Tag chai)</title>
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    <pubDate>Sat, 17 Mar 2012 19:29:07 GMT</pubDate>

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    <title>Chai in der Untertasse</title>
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    <author>nospam@example.com (Philipp Dudek, Hyderabad)</author>
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    Nicht zu genau hinschauen: Fast immer ist die kleine Tasse sehr alt, hat mindestens einen Sprung und ist oft auch ein bisschen dreckig. Immer steht sie in einem kleinen Chai-Teich in ihrer Untertasse. Nie sind Tasse und Untertasse von der gleichen Garnitur. Aber Chai-Trinken in Hyderabad ist ein großartiges Erlebnis. Besonders wenn man kurz zuvor drei mal mit der Faust in die Flache Hand geschlagen, dabei laut „Strong! Strong! Strong!“ gerufen und damit dem Kellner signalisiert hat, dass man in die Milch auch Tee haben möchte. Chai-Trinken ist in Hyderabad zu meiner Lieblings-Freizeitbeschäftigung geworden. Dabei trinke ich zuhause fast nie Tee. Aber Chai ist anders. Tatsächlich ist jeder einzelne Chai anders. Das liegt an der Zubereitung. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;div class=&quot;serendipity_imageComment_center&quot; style=&quot;width: 600px&quot;&gt;&lt;div class=&quot;serendipity_imageComment_img&quot;&gt;&lt;!-- s9ymdb:132 --&gt;&lt;img class=&quot;serendipity_image_center&quot; width=&quot;600&quot; height=&quot;400&quot;  src=&quot;http://blog.goethe.de/nahaufnahme/uploads/IMG_7259.JPG&quot;  alt=&quot;&quot; /&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class=&quot;serendipity_imageComment_txt&quot;&gt;Chai, Chai-Tasse, Chai-Untertasse, Chai-Teich in Chai-Untertasse&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alle Bestandteile werden zusammen aufgekocht. Teeblätter, Milch, Zucker, Gewürze. Es gibt weder ein festes Rezept noch eine spezielle Zubereitungsmethode – aber jede Familie und jeder Chai-Laden hütet sein Rezept wie einen Schatz. Meistens wird der Tee mit Kardamom gewürzt, ich habe aber auch schon Chai mit einer deutlichen Ingwernote gefunden. In Chai-Läden kocht das Gebräu oft  stundenlang, in Familien wird der Tee aufgekocht und dann mit ausladenden Bewegungen mehrmals zwischen zwei Tassen hin und her geschenkt. Dadurch wird die Milch im Tee etwas aufgeschäumt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dann beginnt das eigentliche Chai-Ritual: Obwohl in fast allen Chai-Läden große „Rauchen verboten“-Schilder hängen, wird sich erstmal eine Fluppe angesteckt. Da ist es ganz praktisch, das vor wirklich jedem (ich habe in Hyderabad keine Ausnahme entdeckt) Chai-Laden ein kleiner Kippen-Kiosk steht. Hier gibt es Zigaretten. In Schachteln oder als Einzelstücke. An der Aussenwand des Kippen-Kiosks ist normalerweise ein kokelndes Stückchen Seil aufgehängt – als Dauerfeuerzeug. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Kippe brennt, jetzt wird dem Kellner ein kräftiges „Strong! Strong! Strong!“ entgegengerufen und Platz genommen. Meistens hat sich auf den Tischen bereits ein dünner Chai-Film gebildet, der langsam fest trocknet. Das liegt an dem Teich in der Untertasse. Zum Ritual gehört nämlich, die Tasse aus der Untertasse zu heben, den Chai, der am Tassenboden hängt, behutsam an der Untertasse abzustreifen, die Tasse dann auf den Tisch zu stellen und mit einer langsamen kreisförmigen Bewegung anschließend, die letzten Chai-Reste vom Tassenboden zu entfernen. Dann tropft auch nichts wenn man im nächsten Schritt die Tasse langsam zum Mund führt, und mit möglichst lautem Schlürfen der erste Schluck getrunken wird. Tatsächlich ist es eher eine Mischung aus pusten und trinken. Daher auch das Geräusch. Nach dem ersten Schluck können dann die Gespräche beginnen. Über Politik zum Beispiel. Eigentlich nur über Politik. Aber nicht zu intensiv. Schließlich ist das hier ein Chai-Laden. Und da steht der Chai im Mittelpunkt und sonst nichts.  
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    <pubDate>Sat, 17 Mar 2012 20:29:07 +0100</pubDate>
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    <category>chai</category>
<category>hyderabad</category>
<category>zigaretten</category>

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    <title>Gute Nacht</title>
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    <author>nospam@example.com (Philipp Dudek, Hyderabad)</author>
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    In der Nacht wirkt diese Stadt nur auf den ersten Blick verlassen. Ab 1 Uhr morgens sind Hyderabads Straßen leer, es ist angenehm kühl. Keine lärmenden Autos, keine stinkenden Busse, keine hupende Motorroller – nur schlecht beleuchtete und überladende Lastwagen dieseln jetzt durchs Schummerlicht der Straßenlaternen. Die Fernfahrer machen sich um diese Zeit auf den Weg nach Mumbai oder Delhi. Am Straßenrand schlafen Kokosnusshändler in provisorischen Hütten, die Polizei fährt in alten Jeeps langsam Streife. Durch den schicken Stadtteil Banjara Hills rollen jetzt die Lastwagen, die den Schutt von den zahlreichen Baustellen des aufstrebenden Viertels abtransportieren. Völlig ungesichert schlingern riesige Felsbrocken auf der Ladefläche umher. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf den zweiten Blick jedoch tobt auch nachts das Leben in Hyderabad. Am Bahnhof Secunderabad verkaufen Händler Zigaretten und Chai. In zwei Hauseingänge am Bahnhofsvorplatz gedrängt und mit einer kleinen Funzel beleuchtet, locken sie zahlreiche Nachtschwärmer an. Reisende, die auf den ersten Zug warten, ein paar Junge Männer, die von einer Hochzeit kommen. Eigentlich darf hier um diese Uhrzeit gar nichts mehr verkauft werden. Deshalb wird auch schnell die Glühlampe aus- und die Herdplatte abgedreht als sich ein Polizei-Jeep im Schritttempo nähert. Langsam, unaufgeregt schlendern die Kunden weiter. Die Chai-Pappbecher und die Zigaretten noch in der Hand. Der Zigaretten-Händler kommt noch mal davon. Der Chai-Verkäufer hat weniger Glück. Die Polizisten lassen die Fenster des Jeeps herunter, rufen ihn beim Vornamen und winken ihn an die Heckklappe. Der Chai-Mann steigt ein, die Klappe schließt sich, langsam rollt der Streifenwagen davon. „In einer halben Stunde ist er wieder da, sagt der Zigaretten-Verkäufer. „Die schütteln jetzt 100 Rupien aus ihm heraus und bringen ihn wieder zurück.“ The Chai must go on.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;div class=&quot;serendipity_imageComment_center&quot; style=&quot;width: 600px&quot;&gt;&lt;div class=&quot;serendipity_imageComment_img&quot;&gt;&lt;!-- s9ymdb:126 --&gt;&lt;img class=&quot;serendipity_image_center&quot; width=&quot;600&quot; height=&quot;400&quot;  src=&quot;http://blog.goethe.de/nahaufnahme/uploads/IMG_7190.JPG&quot;  alt=&quot;&quot; /&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class=&quot;serendipity_imageComment_txt&quot;&gt;Secunderabad: Der Bahnhofsvorplatz um 2 Uhr nachts&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Bahnhof warten derweil Hunderte auf den ersten Zug des neuen Tages. Sie schlafen auf dem Boden der Vorhalle oder direkt auf dem Bahnsteig. Ein kleines Restaurant verkauft Frühstück und Abendessen zugleich. Ein Güterzug rollt langsam durch den Bahnhof.  55 leere Kohle-Waggons. Die Passage dauert fast drei Minuten. Dann ist es wieder still am Bahnsteig. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;div class=&quot;serendipity_imageComment_center&quot; style=&quot;width: 600px&quot;&gt;&lt;div class=&quot;serendipity_imageComment_img&quot;&gt;&lt;!-- s9ymdb:124 --&gt;&lt;img class=&quot;serendipity_image_center&quot; width=&quot;600&quot; height=&quot;400&quot;  src=&quot;http://blog.goethe.de/nahaufnahme/uploads/IMG_71811.JPG&quot;  alt=&quot;&quot; /&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class=&quot;serendipity_imageComment_txt&quot;&gt;Der Bahnhof Secunderabad. Passagiere warten auf den ersten Zug des neuen Tages&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Restaurant „Pickles“ gegenüber der „Deccan Chronicle“-Redaktion ist auch um halb drei morgens noch Hochbetrieb. Fast alle Tische sind besetzt. Es wird gegessen und getrunken, als wäre es acht Uhr abends. Stammkunden bekommen sogar noch Bier und harten Alkohol. Die offizielle Sperrstunde ist da schon seit dreieinhalb Stunden Geschichte. Normalerweise ist in Hyderabad um 23 Uhr Schluss mit Alkohol. Normalerweise. Tatsächlich bekommt man natürlich auch in Hyderabad zu jeder Tages- und Nachtzeit Alkohol. In einer kleinen Seitenstraße unweit des „Pickles“ wird aus einer alten Garage heraus Alkohol verkauft. Durch kleine Löcher in der Wand wird das Geld in die Garage und die Flaschen herausgereicht. Vor den Löchern herrscht reger Betrieb. „Wichtig ist nur, nicht mit der Flasche in der Hand in einem der Löcher stecken zu bleiben“, sagt einer. „Erklär das dann mal der Polizei.“ &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;div class=&quot;serendipity_imageComment_center&quot; style=&quot;width: 600px&quot;&gt;&lt;div class=&quot;serendipity_imageComment_img&quot;&gt;&lt;!-- s9ymdb:125 --&gt;&lt;img class=&quot;serendipity_image_center&quot; width=&quot;600&quot; height=&quot;450&quot;  src=&quot;http://blog.goethe.de/nahaufnahme/uploads/IMG_0123.JPG&quot;  alt=&quot;&quot; /&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class=&quot;serendipity_imageComment_txt&quot;&gt;Diese Garage ist ein Getränkeautomat&lt;/div&gt;&lt;/div&gt; 
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    <pubDate>Mon, 12 Mar 2012 12:35:08 +0100</pubDate>
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    <category>alkohol</category>
<category>chai</category>
<category>hyderabad</category>
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