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    <title>Nahaufnahme - Journalistenaustausch (Artikel mit Tag bollywood)</title>
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    <pubDate>Mon, 28 Mar 2011 04:11:11 GMT</pubDate>

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    <title>Bollywood, Pünktlichkeit und ein bisschen Ruhe. Halbzeit in Mumbai.</title>
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    <author>nospam@example.com (Anja Wasserbäch, Mumbai )</author>
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&lt;br /&gt;
Ich hielt es für ein Gerücht. Einmal den Colaba Causeway hinunter gehen, die Hauptverkehrstraße in dem Viertel mit den Backpacker-Hostels und Krimskrams-Ständen, vor dem Café Leopold stehen und schon würde man angesprochen werden, von einem „Model-Scout“. So steht es in jedem „Lonely Planet“. Und ja, es war in etwa so in der Art. Etwas zögerlich war ich zu Beginn. Die Neugierde aber ließ mich am nächsten Tag um 8 Uhr vor dem McDonalds warten. So wie zwanzig andere „Western looking people“. Es war, nun ja, lustig. Die meiste Zeit aber doch sehr langweilig. Bericht vom Bollywood-Set folgt.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Jeden Tag wehre ich mich gegen noch mehr Casting-Agenten. „No, no“, sage ich. „Danke, ich habe schon in meinem Bollywood-Film mitgespielt.“ Hier im Touristenviertel Colaba ganz im Süden der Stadt sind aber auch viele Bettler. „Wo Touristen sind, sind die Bettler“; sagt Sunil, ein Guide von Realitytours, die im übrigen einen respektablen Job machen und die Einnahmen in Bildungseinrichtungen im Slum investieren.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Die Bettler haben ihre Arbeit hier angeblich sehr professionell aufgezogen. Es heisst, dass sich die Frauen Babies leihen. Dass manche unter Drogen gesetzt werden. Und schlimmeres. Ich solle Milch für das Baby kaufen, sagt eine. Ein paar Kinder wollen Kinder-Überraschungen vom Kiosk. Ich kaufe ihnen Wasser und Vollkornkekse. Das macht das Elend aber eben auch keinen Deut besser, beruhigt zumindest für wenige Sekunden das Gewissen. Und wenn man einem Kind etwas gibt, stehen auf einmal zwanzig andere um einen herum und zupfen am Oberteil. Wie auswählen? Nur den sehr dünnen Kindern etwas geben? Denen mit den traurigsten Augen? Den Leprösen? Den Verstümmelten?&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Es ist jeden Tag eine Herausforderung auf der Strasse durchzukommen. „Madame, money“. „Madame jewellery.“ Madame sagt: „No no, thank you.“ Es wird besser. Mit der Zeit.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Ach, die Zeit. Die „Indian Standard Time“ ist vielleicht so etwas wie die „Indian Subjective Time“. Die Inder haben ein, sagen wir mal, anderes Verhältnis zur Zeit. Pünktlichkeit ist hier eher ein Fauxpas denn eine Stärke.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;div class=&quot;serendipity_imageComment_center&quot; style=&quot;width: 266px&quot;&gt;&lt;div class=&quot;serendipity_imageComment_img&quot;&gt;&lt;!-- s9ymdb:20 --&gt;&lt;img class=&quot;serendipity_image_center&quot; width=&quot;266&quot; height=&quot;400&quot;  src=&quot;http://blog.goethe.de/nahaufnahme/uploads/DSC03324.JPG&quot; title=&quot;Gerüstbau zu Mumbai.&quot; alt=&quot;Gerüstbau zu Mumbai.&quot; /&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class=&quot;serendipity_imageComment_txt&quot;&gt;Gerüstbau zu Mumbai.&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Es ist Halbzeit. Viel ist passiert, viel habe ich gelernt. Wie man beispielsweise Taxi fährt, ohne jedes Mal dabei übers Ohr gehauen zu werden. Natürlich sind die Preise für uns geradezu lächerlich. Die Taxifahrer sind aber gesetzlich dazu verpflichtet keine Fantasiepreise zu bestimmen, sagen die indischen Kollegen. Sobald ein Europäer im Taxi sitzt, schein die Fantasie mit ihnen durchzugehen, und sie verlangen das Doppelte, wenn nicht das Dreifache. Meine indischen Kollegen mahnen mich immer auf den Preis zu bestehen, der in einer Tariftabelle abzulesen ist. Als ich es mal gemacht habe, als der Taxifahrer sehr dreist war, waren sie sehr stolz auf mich.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Was ich noch gelernt habe? Ich weiß nun, dass man nicht alles glauben kann, was in „Slumdog Millionaire“ gezeigt wird. Das meiste aber schon. Ich verstehe ein bisschen etwas von Cricket. Ich weiß, wo ich einen anständigen Kaffee in meinem Viertel bekommte Ich habe so viel SMS geschrieben, wie vermutlich das ganze vergangene Jahr nicht, weil man hier nur per Handy kommuniziert. Und das ständig. Ich kann mindestens drei Götter benennen. Ganesh ist ein Toptyp. Der elefantenköpfige Gott bringt Glück und ist der „Überwinder aller Schwierigkeiten“. Sein Reittier ist eine Ratte.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Und ich bin immer wieder auf der Suche nach stillen Plätze in der so unfassbar lauten Stadt. Einer, der recht nah dran ist, ist das prachtvolle Prince of Wales-Museum, in dem man allerlei Götterskulpturen, Kalligraphie-Kunst, Waffen, Rüstungen und sogar Renaissance-Gemälde anschauen kann. Und: Es war fast ruhig. Das Hupen von der Straße hört man kaum.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;div class=&quot;serendipity_imageComment_center&quot; style=&quot;width: 400px&quot;&gt;&lt;div class=&quot;serendipity_imageComment_img&quot;&gt;&lt;!-- s9ymdb:19 --&gt;&lt;img class=&quot;serendipity_image_center&quot; width=&quot;400&quot; height=&quot;266&quot;  src=&quot;http://blog.goethe.de/nahaufnahme/uploads/DSC03144.JPG&quot; title=&quot;Prince of Wales-Museum.&quot; alt=&quot;Prince of Wales-Museum.&quot; /&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class=&quot;serendipity_imageComment_txt&quot;&gt;Prince of Wales-Museum.&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;&lt;br /&gt;
 
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    <pubDate>Mon, 28 Mar 2011 05:58:05 +0200</pubDate>
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