Meistens geht es um Bargeld. Immer öfter aber auch um Flachbildfernseher, Computer oder Autos. Die Mitgift spielt bei vielen indischen Hochzeiten nach wie vor eine große Rolle - obwohl das Geben und Nehmen seit fast 51 Jahren gesetzlich verboten ist. Aus gutem Grund: Je nach sozialem Status der Brauteltern kann die Mitgift schon mal in die Hunderttausende gehen. Euros wohlgemerkt. Im besten Fall dient der Brauch heute unter reichen Familien zum Angeben. Die Mitgift als Statussymbol. Im schlimmsten und extremsten Fall, quetscht die Familie des Bräutigams die Brauteltern aus bis ihnen nichts mehr bleibt. Die für die Bräutigam-Familie wertlos gewordene Braut wird mit Benzin übergossen und verbrannt.
Im Jahr 2010 kam es in Indien in 8391 registrierte Fällen zu Braut-Verbrennungen - statistisch gesehen bedeutet das, dass fast stündlich eine Frau verbrannt wird. Frauenrechtsorganisationen glauben, dass auf jeden registrierten Fall 250 nicht registrierte kommen und dass weniger als 10 Prozent der gemeldeten Fälle dann auch strafrechtlich verfolgt wird. Im Jahr 2010 kam es in nur 3,6 Prozent aller Fälle zu einer Anklage.
Regelmäßig trifft sich in Hyderabad eine große Gruppe engagierter Menschen zur Diskussion. Mittelschicht-Bürger, Intellektuelle, Studenten. Es geht um Nahverkehrsthemen, Herausforderungen der Großstadtarchitektur oder um die Zukunft der Mega-Städte. Gestern ging es um Mitgift. Und von den etwa 140 regelmäßigen Teilnehmern kam nur die Hälfte. Die Veranstalter sind ein bisschen überrascht. "Es gibt eigentlich nur zwei Möglichkeiten", sagt eine von ihnen. "Entweder sie wollten nicht darüber reden, weil sie selbst Mitgift gegeben oder genommen haben oder sie sehen Mitgift nicht als ein Problem unserer Gesellschaft und halten es nicht für notwendig darüber zu diskutieren. Sie halten es für eine Tradition."
Die Journalistin Kalpana Sharma hat an der Diskussion teilgenommen. Seit den 70er Jahren kämpft Sharma für Frauenrechte in Indien. Im "Hindu" erscheint ihre landesweit bekannte und beachtete Kolumne "The Other Half". Bei Thema Mitgift sieht sie schwarz, auch wenn sie das so nicht sagen würde. "Die registrierten Fälle von Brautverbrennungen haben sich in den vergangenen zehn Jahren fast verdoppelt", sagt sie. Mitgift sei in Indien zu einem festen Bestandteil der Gesellschaft geworden und allgemein akzeptiert. "Sogar Autofirmen werben mittlerweile indirekt dafür, dass ihre Autos die perfekte Mitgift seien", sagt Sharma. Tatsächlich läuft derzeit im Fernsehen ein Skoda-Spot in Dauerschleife in dem das Auto zum Mittelpunkt einer Hochzeitsgesellschaft wird. "Das setzt Familien weiter unter Druck", sagt Sharma."Wenn eine Frau verbrannt wird, weil sie nicht genug Mitgift in die Ehe bringt, was sagt das über den Status der Frauen in der indischen Gesellschaft?"
