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    <title>Jürgen Gerrmann, Kolkata - Nahaufnahme - Journalistenaustausch</title>
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    <pubDate>Thu, 05 Apr 2012 08:34:32 GMT</pubDate>

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        <title>RSS: Jürgen Gerrmann, Kolkata - Nahaufnahme - Journalistenaustausch - </title>
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    <title>Kali und Shani</title>
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    <author>nospam@example.com (Jürgen Gerrmann, Kolkata)</author>
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    Allüberall sieht man in Calcutta kleine Tempel am Wegesrand. Die Hindus sind sehr religiös, und damit sollen sie die Möglichkeit haben, quasi im Vorbeigehen beten zu können.&lt;br /&gt;
&lt;P&gt;&lt;br /&gt;
Am Shantiniketan Building, wo das Büro der Times of India ist, hängt am Eingang ein Bild der Göttin Kali, der Calcutta ihren Namen verdankt. Viele Menschen, die in den 16 Stockwerken dort arbeiten, beginnen und beenden ihr Tagwerk, indem sie dort ein kurzes Gebet sprechen.&lt;br /&gt;
&lt;P&gt;&lt;br /&gt;
&lt;div class=&quot;serendipity_imageComment_center&quot; style=&quot;width: 300px&quot;&gt;&lt;div class=&quot;serendipity_imageComment_img&quot;&gt;&lt;!-- s9ymdb:137 --&gt;&lt;img class=&quot;serendipity_image_center&quot; width=&quot;300&quot; height=&quot;225&quot;  src=&quot;http://blog.goethe.de/nahaufnahme/uploads/DSC00273-300x225.jpg&quot;  alt=&quot;&quot; /&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class=&quot;serendipity_imageComment_txt&quot;&gt;Ungleiches Götter-Pärchen: Kali und Shani (in Blau). &lt;br /&gt;
&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;&lt;br /&gt;
&lt;P&gt;&lt;br /&gt;
Am Ballygunge Phari, ganz in der Nähe meines Gästehauses, indem ich sechs Wochen verbracht hatte, ging ich jeden Abend an einem anderen kleinen Bethaus vorbei. Darinnen steht ein ungleiches Pärchen. Kali, die Schutzgöttin der Stadt, und Shani, der Regent des Planeten Saturn.&lt;br /&gt;
&lt;P&gt;&lt;br /&gt;
Die eine ist zwar auch die Göttin der Zerstörung, aber zugleich steht sie auch für Neubeginn, für Fruchtbarkeit und Erotik (was ja alles positive Dinge sind). Kalis Kleid ist (wie man auf dem Bild oben sieht) rot. Wie das Blut. Auch das Menstruationsblut der Frau.&lt;br /&gt;
Ihr Gefährte in diesem Mini-Tempel ist da ein ganz anderes Kaliber: “Shani ist verantwortlich für alles Durcheinander und Unglück im Leben der Menschen”, hat mir schon in Calcutta Basav Bhattacharya, mein Journalistenkollege, mit dem ich oft unterwegs war, erklärt. Er trägt Blau: “Denn alles Böse ist blau.” Sagt Basav. Der Sohn des Sonnengottes Surya  und der  Chaya („Schatten“) wird von einer Krähe begleitet, und er führt stets Speer und Pfeilbogen mit sich.&lt;br /&gt;
&lt;P&gt;&lt;br /&gt;
Kein Wunder also, dass keiner so recht mit ihm zu tun haben will: “Niemand will ihn in seiner Wohnung haben”, erzählt mir vorhin meine Kollegin Aditi Guha, die zur Zeit bei uns zu Besuch in der Nürtingen Zeitung ist: “Deswegen verehrt man ihn nur am Straßenrand. Niemals daheim.”&lt;br /&gt;
 
    </content:encoded>

    <pubDate>Thu, 05 Apr 2012 10:33:15 +0200</pubDate>
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    <title>Grüne Dächer für Indien?</title>
    <link>http://blog.goethe.de/nahaufnahme/archives/132-Gruene-Daecher-fuer-Indien.html</link>
    
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    <author>nospam@example.com (Jürgen Gerrmann, Kolkata)</author>
    <content:encoded>
    Indien ist ein faszinierendes Land. Aber auch eins mit vielen Umweltproblemen. Wie gut es uns in dieser Richtung geht, das ist meiner Kollegin Aditi Guha von der Times of India schon in den ersten Tagen ihres Aufenthalts aufgefallen: Blauen Himmel und die Sonne nicht nur hinter grauem Dunst zu erahnen, sondern auch den ganzen Tag über zu sehen – das ist in Calcutta wahrlich etwas ganz Besonders. Während meiner fünf Wochen dort war mir dieses Glück nie beschieden.&lt;br /&gt;
&lt;P&gt;&lt;br /&gt;
Klar also, daß Umweltthemen für Aditi bei ihrem Besuch am Neckar ganz obenan stehen. Und super, daß Nürtingen in dieser Richtig etwas ganz Besonders zu bieten hat: In Indien  sammelt man zwar nun auch Regenwasser und baut Niedrigenergie-Häuser, aber Dachbegrünung kennt man in Calcutta gar nicht. Und in Nürtingen gibt es ja einen der Weltmarktführer auf diesem Sektor – die Firma Zinco, die seit kurzem in der Bachhalde bei Oberensingen beheimatet ist.&lt;br /&gt;
&lt;P&gt;&lt;div class=&quot;serendipity_imageComment_center&quot; style=&quot;width: 300px&quot;&gt;&lt;div class=&quot;serendipity_imageComment_img&quot;&gt;&lt;!-- s9ymdb:136 --&gt;&lt;img class=&quot;serendipity_image_center&quot; width=&quot;300&quot; height=&quot;225&quot;  src=&quot;http://blog.goethe.de/nahaufnahme/uploads/DSC00050-300x225.jpg&quot;  alt=&quot;&quot; /&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class=&quot;serendipity_imageComment_txt&quot;&gt; Gespräche über Dachbegrünung: Aditi Guha mit Wolfgang Ansel (links) und Roland Appl auf dem Dach des Zinco-Neubaus in der Bachhalde bei Oberensingen. &lt;br /&gt;
&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;&lt;br /&gt;
&lt;P&gt;&lt;br /&gt;
Deren Chef, Dieter Schenk, ist leider kurzfristig krank geworden. Aber Wolfgang Ansel, der bei der International Green Roof Association (IGRA)  tätig ist, und Roland Appl, seines Leiters Technischer Leiter bei Zinco, nehmen sich gerne Zeit für den Gast aus der 14-Millionen-Metropole in West-Bengalen. Und für Ansel trifft es sich ohnehin großartig: Er bereitet gerade den Auftritt seiner Organisation bei der “Roof India” vor – einer Fachmesse, die demnächst in Chennai stattfindet.&lt;br /&gt;
&lt;P&gt;&lt;br /&gt;
Und er informiert Aditi ausführlich über die Anfangsjahre der Dachbegrünung in Deutschland vor 30, 40 Jahren: “Zu Beginn war es wichtig, dass die Sache bezahlbar wurde, damit die Städte  Dachbegrünung auch vorschreiben konnten.” Und der Experte unterstreicht, dass die Unterhaltskosten für grüne Dächer sehr niedrig seien, so daß sie auch etwas für Garagen und Carports seien.&lt;br /&gt;
&lt;P&gt;&lt;br /&gt;
Auch in anderer Richtung kann er die Journalistin aus Indien beruhigen: die Pflanzen, die man für die Dächer auswähle, hielten auch extreme Klimabedingungen aus. Im Falle Calcutta heißt dies: zum Teil extreme Hitze, dann aber auch gewaltige Regenfälle über Monate hinweg. Und die Vorteile für den Subkontinent leuchten der Frau von der Times of India ein: Wasser werde zurückgehalten, die grünen Dächern wirkten kühlend für die Städte, die Biodiversität (Artenvielfalt) werde erhöht, und man erhalte auch einen ökologischen Ausgleich  für verbrauchte Flächen.&lt;br /&gt;
&lt;P&gt;&lt;br /&gt;
Indien sei gewiss ein großer Markt mit vielen Bauaktivitäten, ist Ansel überzeugt. Aber das Basiswissen über Dachbegrünung sei nicht so verbreitet wie in Europa: “Da muss man was tun!” Aditi gibt ihm recht: “Ja, das stimmt. Unsere Leute müssen in dieser Richtung ausgebildet werden.” Und sie hat durchaus Hoffnung: “Calcutta ist eine Metropole mit viel Problemen, aber auch viel Potential.” Und sie atmet auf, als die beiden Gesprächspartner ihr versichern, dass man durchaus auch Dächer von Altbauten begrünen könne, wenn entsprechende Voraussetzungen vorlägen.&lt;br /&gt;
&lt;P&gt;&lt;br /&gt;
Roland Appl stellt ihr dann noch die Firma Zinco und deren Neubau in der Bachhalde vor. Die Inderin ist beeindruckt, als sie hört, dass dort mehr Energie produziert als verbraucht und demnächst nicht  nur das Dach und die Tiefgarage, sondern auch eine Hauswand begrünt werden soll.&lt;br /&gt;
&lt;P&gt;&lt;br /&gt;
Aditi ist fasziniert. Was sie gehört hat, will sie nun nicht zuletzt dem Chef des Entwicklungsamtes der Metropolregion Calcutta, Vivek Bharadwaj, weitergeben.&lt;br /&gt;
&lt;P&gt;&lt;br /&gt;
Wer weiß, vielleicht ergibt sich ja bald eine ganz neue Verbindung zwischenden Städten am Neckar und am Hugli (respektive Ganges). . .&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 
    </content:encoded>

    <pubDate>Tue, 03 Apr 2012 10:29:00 +0200</pubDate>
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    <title>Der erste Eindruck von Nürtingen</title>
    <link>http://blog.goethe.de/nahaufnahme/archives/131-Der-erste-Eindruck-von-Nuertingen.html</link>
    
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    <author>nospam@example.com (Jürgen Gerrmann, Kolkata)</author>
    <content:encoded>
    Aditi fühlt sich wohl. Das steht schon nach dem ersten Morgen meiner Kollegin von der Times of India in Nürtingen fest. Wie erwartet war der Wochenmarkt der ideale Einstieg in das Leben der Stadt am Neckar. Auch wegen der Herzlichkeit vieler unserer Leser, die die Journalistin vom Ganges (respektive Hugli) mit viel Freude auch persönlich willkommen geheißen haben. Das tat und tut uns beiden gut.&lt;br /&gt;
&lt;P&gt;&lt;div class=&quot;serendipity_imageComment_center&quot; style=&quot;width: 300px&quot;&gt;&lt;div class=&quot;serendipity_imageComment_img&quot;&gt;&lt;!-- s9ymdb:133 --&gt;&lt;img class=&quot;serendipity_image_center&quot; width=&quot;300&quot; height=&quot;225&quot;  src=&quot;http://blog.goethe.de/nahaufnahme/uploads/DSC00022-300x225.jpg&quot;  alt=&quot;&quot; /&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class=&quot;serendipity_imageComment_txt&quot;&gt;Die erste Recherche in Nürtingen: Aditi Guha am Stand der Blumenmönche auf dem Nürtinger Wochenmarkt. &lt;br /&gt;
&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;&lt;br /&gt;
&lt;P&gt;&lt;br /&gt;
Daß das Wetter eine solch große Rolle für den Umsatz auf dem Markt spielt, das hatte  sich Aditi Guha nicht vorstellen können. Eine Verkäuferin am Stand der Blumen-Mönche hat erwähnt, dass man zwar zufrieden sei, aber sicher mehr Kunden gekommen wären, hätte die Sonne geschienen. “Bei uns gehen die Leute auch bei Regen auf den Markt”, sagt Aditi. Die Erklärung für den Unterschied liefert Jan-Manik Nerurkar, dessen Mutter in Calcutta lebt und den die Liebe als Student nach Nürtingen verschlagen hat: 30 Jahre lebt er nun schon hier, und man fragt sich, ob er denn nun mehr Inder oder mehr Schwabe ist, wenn man ihn erlebt. Er ist auf jeden Fall ein guter Botschafter Indiens in Deutschland und ein guter Botschafter Deutschlands in Indien. Und er wollte die Frau seiner Heimat schon am allerersten Tag ihres Besuches unbedingt treffen.&lt;br /&gt;
&lt;p&gt;&lt;br /&gt;
“Die Leute hier haben mehr Geld”, erklärt er Aditi: “Die können auch mal für eine ganze Woche einkaufen und brauchen nicht jeden Tag auf den Markt.” So kann man es auch sehen. Auf jeden Fall dürfen die Möglichkeiten, Vorräte aufzubewahren, besser sein, als in Bengalen, wo es durchgehend wärmer ist und zudem Kühlschränke Luxus sind.&lt;br /&gt;
&lt;P&gt;&lt;br /&gt;
Aditi fällt es auch auf, dass am Eierstand alle frischen Eier braun sind und sich kein einziges weißes drunter findet. Und die bunten kennt sie schon gar nicht, und so notiert sie den Osterbrauch aus Deutschland sofort auf ihrem Block.&lt;br /&gt;
&lt;P&gt;&lt;br /&gt;
Zu den Dingen, die Aditi gleich am ersten Tag begeistern, zählt, dass hier alles so gut organisiert ist: “Und alles ist so sauber. Das ist einfach brilliant!” Als ihr ihr Landsmann von der schwäbischen Kehrwoche erzählt (und davon, dass hier jeder für das Stück Straße vor seiner Haustür verantwortlich ist), ist sie Feuer und Flamme und findet, daß man so was eigentlich auch in Calcutta einführen sollte.&lt;br /&gt;
Als sie sich in der Buchhandlung Zimmermann umsieht, kommt die Inderin ebenfalls ins Schwärmen. Auch findet sie, dass die Mischung zwischen Tradition und Moderne in diesem Städtchen einfach wunderschön ist: “Das hat schon was ganz eigenes hier.”&lt;br /&gt;
&lt;P&gt;&lt;br /&gt;
Auch dass die Menschen hier so gut miteinander verbunden seien, beeindruckt sie: Dass ganze Familien zusammen auf den Markt kämen, dass die einen dann Käse oder Gemüse kauften und sich die anderen im Media-Markt nach den neuesten Computerspielen umschauen, um sich danach wieder auf dem Schillerplatz zu treffen –  das begeistert sie.&lt;br /&gt;
&lt;P&gt;&lt;br /&gt;
Und Pia Schwarz, eine junge Grötzingerin, die in Tübingen Jura studiert  und nebenher im Café Zimmermann als Bedienung jobbt, erweist sich als tolle touristische Botschafterin Nürtingens. Als sie mitkriegt, dass wir uns auf Englisch unterhalten, bringt sie sofort und ungefragt eine Speisekarte in englischer Sprache. Das ist einfach klasse, und genau so muss es einfach sein! Von dieser jungen Frau könnten noch manche was lernen.&lt;br /&gt;
&lt;P&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;div class=&quot;serendipity_imageComment_center&quot; style=&quot;width: 300px&quot;&gt;&lt;div class=&quot;serendipity_imageComment_img&quot;&gt;&lt;!-- s9ymdb:134 --&gt;&lt;img class=&quot;serendipity_image_center&quot; width=&quot;300&quot; height=&quot;225&quot;  src=&quot;http://blog.goethe.de/nahaufnahme/uploads/DSC00027-300x225.jpg&quot;  alt=&quot;&quot; /&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class=&quot;serendipity_imageComment_txt&quot;&gt;Tolle Tourismus-Botschafterin für Nürtingen: Pia Schwarz vom Café Zimmermann zwischen Aditi Guha (rechts) und Jan-Manik Nerurkar. &lt;br /&gt;
&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;&lt;br /&gt;
&lt;P&gt;&lt;br /&gt;
Während wir da so eine Stunde am Rande des Schillerplatzes sitzen, entdecken die beiden aus Südasien (zurecht) ihre Begeisterung für ihre Heimat wieder. “Aus Indien stammen alle Dinge, die die moderne Welt am Laufen halten”, sagt Jan-Manik (ein absolutes Sorachgenie, denn er spricht nicht nur fast alle Sprachen Europas, sondern auch Chinesisch und Koreanisch). Beispiele gefällig? “Die Zahlen (inclusive der Null), die Astronomie, viele Musikindustrie, die erste Medizin überhaupt (Ayurveda), Seide (“das haben wir zwar von den Chinesen geklaut, aber wir machen es besser).” Und Aditi setzt noch eins drauf: “Die Tonleiter.” In Europa kennt zwar (fast) jeder “Do, re, mi, fa, so”, aber das indische “Sa – Re – Ga – Na- Pa – Dha – Ni – Sa” ist viel viel älter.&lt;br /&gt;
&lt;P&gt;&lt;br /&gt;
Aber dann bricht Jan-Manik auch noch eine Lanze für seine neue Heimat: “Was in der Urzeit der Menschen Indien für die Welt war, war Deutschland zu Beginn der Neuzeit.” Musterbeispiel Buchdruck, aber auch viele Erfindungen und philosophische Ideen. Damit hat er ideal die Brücke vom Hugli zum Neckar  geschlagen.&lt;br /&gt;
&lt;P&gt;&lt;br /&gt;
Was viele hierzulande nicht wissen dürften: Indien kannte lange Zeit keine Soldaten.   Kaiser Ashoka (dessen Wappen, das Rad, noch heute in der indischen Flagge zu sehen ist) hatte das Militär abgeschafft. Lange lebte man gut damit, doch als 1000 Jahre später die Araber kamen und das Land eroberten, erwies es sich nicht als die unbedingt pfiffigste Idee. Dieses Trauma wirkt heute noch weiter. Denn nun hat Indien (nach China) die zweitgrößte Armee der Welt. Aber die generell pazifistische Einstellung der Inder führt Aditi heute noch auf Ashoka zurück.&lt;br /&gt;
&lt;P&gt; &lt;br /&gt;
So gibt es sehr viel zu erzählen, und die Zeit vergeht wie im Fluge. Nachmittags stand noch der Ausflug in die Kreishauptstadt Esslingen an, wo meine Tochter Annika Linsenmaultäschle mit Gemüsesoße und Salaten für den Gast aus Indien gekocht hat. Und auch hier kommt Aditi aus ihrer Begeisterung nicht heraus: Zum einen über das Familienleben im Schwabenland (denn auch mein Enkel Levi überwindet seine Fremdelphase und bedenkt die Inderin mit strahlendem Lachen, und sein Papa Michael hat ja ohnehin immer viel Witziges zu erzählen), zum anderen über die saubere Luft, die es tatsächlich ermöglicht, die Sonne und den blauen Himmel überm Neckar zu sehen (was in Calcutta eine Seltenheit ist). Auch dass die Scheiben im Regionalexpress sauber und der Zug sogar pünktlich ist, genießt fast den Tang einer Sensation.&lt;br /&gt;
&lt;P&gt;&lt;div class=&quot;serendipity_imageComment_center&quot; style=&quot;width: 300px&quot;&gt;&lt;div class=&quot;serendipity_imageComment_img&quot;&gt;&lt;!-- s9ymdb:135 --&gt;&lt;img class=&quot;serendipity_image_center&quot; width=&quot;300&quot; height=&quot;225&quot;  src=&quot;http://blog.goethe.de/nahaufnahme/uploads/DSC000331-300x225.jpg&quot;  alt=&quot;&quot; /&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class=&quot;serendipity_imageComment_txt&quot;&gt;Freude statt Fremdeln: Auch Levi strahlt den Gast aus Indien an. &lt;br /&gt;
&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;&lt;br /&gt;
&lt;P&gt;&lt;br /&gt;
Als “entspannt, freundlich und herzlich” hat Aditi die Nürtingen am ersten Tag erlebt, sagt sie immer wieder. Fröhlich geht sie ins Bett. Morgen, am Sonntag, steht das nächste Abenteuer an: der Brezelmarkt in Altenriet.&lt;br /&gt;
 
    </content:encoded>

    <pubDate>Sat, 31 Mar 2012 10:22:00 +0200</pubDate>
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    <title>Die Spuren im Sand</title>
    <link>http://blog.goethe.de/nahaufnahme/archives/120-Die-Spuren-im-Sand.html</link>
    
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    <author>nospam@example.com (Jürgen Gerrmann, Kolkata)</author>
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    Auf der Buchmesse in Calcutta war es. Samarjit Guha, der Mann meiner Kollegin Aditi von der Times of India, hatte bei Kolkata TV Lieder von Rabindranath Tagore, der 1913 den Nobelpreis für Literatur erhielt, gesungen und damit das Gespräch zwischen Moderatorin Kanika Rey und der Rezitatorin Ratna Mita bereichert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alles auf Bengali natürlich. So daß ich kein Wort verstand. Aber Samarjits  warme Stimme hat mich einfach begeistert. Und so will ich schon wissen, worum es eigentlich ging. Zum Beispiel bei “Shukher Mathey Tonayay Dekechi”. Samarjit arbeitet normalerweise beim British Council – genau gegenüber der Times of India in der Camac Street. Wie gut, daß auch sein Kollege Arnab Banerjee mit dabei ist, der mir den Text ins Englische übersetzen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
“Das ist ein Gespräch mit Gott”, erklärt mir der junge Mann. Ein Mensch beklage sich darüber, daß er dessen Nähe nur in Zeiten des Glücks erlebt habe, nicht aber, als es ihm dreckig ging. Gott antworte, daß dort, wo auf dem Lebensweg des Menschen nur eine Spur zu sehen sei, er ihn getragen habe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Moment mal, Moment mal! Das kommt mir doch sehr bekannt vor! Das ist doch fast dasselbe wie das Gedicht “Spuren im Sand”, das in der westlichen Welt ebenfalls sehr bekannt ist, aber der Amerikanerin Margaret Fishback Powers zugeordnet wird. Die soll das Poem 1964 nach einer Lebenskrise verfasst haben. Da freilich hatte Rabindranath Tagore schon 23 Jahre das Zeitliche gesegnet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um die “Spuren im Sand” gab es übrigens schon früher Urheberrechtsstreitigkeiten. Fishback Powers musste gerichtlich dafür kämpfen, als Autorin anerkannt zu werden. Einen Hinweis auf die erstaunlichen Parallelen zum literarischen Stolz der Bengalen habe ich aber bislang noch nirgends gefunden. Aber der kann ja jetzt ohnehin nicht mehr klagen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sei’s drum: Das Gedicht ist einfach schön. Ordnen wir es daher einfach mal dem gemeinsamen spirituellen Erbe der Menschheit zu. Und es bereichert einen immer wieder. Daher sei hier Margaret Fishback Powers’ Version nochmal veröffentlicht:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;
Spuren im Sand&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eines Nachts hatte ich einen Traum:&lt;br /&gt;
Ich ging am Meer entlang mit meinem Herrn.&lt;br /&gt;
Vor dem dunklen Nachthimmel erstrahlten,&lt;br /&gt;
Streiflichtern gleich, Bilder aus meinem Leben.&lt;br /&gt;
Und jedesmal sah ich zwei Fußspuren im Sand,&lt;br /&gt;
meine eigene und die meines Herrn.&lt;br /&gt;
Als das letzte Bild an meinen Augen vorübergezogen&lt;br /&gt;
war, blickte ich zurück. Ich erschrak, als ich entdeckte,&lt;br /&gt;
daß an vielen Stellen meines Lebensweges nur eine Spur&lt;br /&gt;
zu sehen war. Und das waren gerade die schwersten&lt;br /&gt;
Zeiten meines Lebens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Besorgt fragte ich den Herrn:&lt;br /&gt;
“Herr, als ich anfing, dir nachzufolgen, da hast du&lt;br /&gt;
mir versprochen, auf allen Wegen bei mir zu sein.&lt;br /&gt;
Aber jetzt entdecke ich, daß in den schwersten Zeiten&lt;br /&gt;
meines Lebens nur eine Spur im Sand zu sehen ist.&lt;br /&gt;
Warum hast du mich allein gelassen, als ich dich am&lt;br /&gt;
meisten brauchte?”&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da antwortete er:&lt;br /&gt;
“Mein liebes Kind, ich liebe dich und werde dich nie&lt;br /&gt;
allein lassen, erst recht nicht in Nöten und Schwierigkeiten.&lt;br /&gt;
Dort wo du nur eine Spur gesehen hast,&lt;br /&gt;
&lt;strong&gt;da habe ich dich getragen&lt;/strong&gt;.”&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 
    </content:encoded>

    <pubDate>Wed, 29 Feb 2012 10:13:00 +0100</pubDate>
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    <title>Wasser ist zum Waschen da</title>
    <link>http://blog.goethe.de/nahaufnahme/archives/119-Wasser-ist-zum-Waschen-da.html</link>
    
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    <author>nospam@example.com (Jürgen Gerrmann, Kolkata)</author>
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    Nicht alle Kinder und Pubertierende in deutschen Landen empfinden die allergrößte Freude, wenn sie unter die Dusche oder in die Badewanne gehen sollen. Speziell die Jungs. In vielen Familien zählt das Gezerfe darüber schon zum Familienritual.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Calcutta kann man indes auch das Gegenteil erleben: Dass Menschen sich danach sehnen, ihren Körper einseifen und mit (auch noch kaltem Wasser) übergießen zu können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;div class=&quot;serendipity_imageComment_center&quot; style=&quot;width: 300px&quot;&gt;&lt;div class=&quot;serendipity_imageComment_img&quot;&gt;&lt;!-- s9ymdb:94 --&gt;&lt;img class=&quot;serendipity_image_center&quot; width=&quot;300&quot; height=&quot;225&quot;  src=&quot;http://blog.goethe.de/nahaufnahme/uploads/DSC00025-300x225.jpg&quot;  alt=&quot;&quot; /&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class=&quot;serendipity_imageComment_txt&quot;&gt;Morgenwäsche am Straßenrand von Calcutta &lt;br /&gt;
&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Szenen wie diese kann man in der Metropole West-Bengalens Tag für Tag beobachten: Männer knien vor den uralten Handpumpen oder primitiven Brunnen aus britischer Zeit und betreiben Körperpflege. Oft schrubben sie auch ihre kleinen Kinder ab, denn sie wollen nicht, daß der Dreck und der Staub hier Macht über sie gewinnt. Selbst wenn sie alle im Dreck am Straßenrand schlafen und der Ruß aus den Auspuffen der Autos oder vom Holzkohlefeuer, mit dem hier gekocht wird, im Laufe des Tages unentrinnbar auf sie herniederrieselt: Zumindest einmal am Tag wollen sie sauber sein. Auch wenn ich nicht die Hand dafür ins Feuer legen würde, dass das, was da aus der Pumpe quillt, den europäischen Gesundheitsvorschriften entspricht. So mancher dieser Brunnen wäre bei uns wohl schon längst gesperrt worden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;div class=&quot;serendipity_imageComment_center&quot; style=&quot;width: 300px&quot;&gt;&lt;div class=&quot;serendipity_imageComment_img&quot;&gt;&lt;!-- s9ymdb:95 --&gt;&lt;img class=&quot;serendipity_image_center&quot; width=&quot;300&quot; height=&quot;225&quot;  src=&quot;http://blog.goethe.de/nahaufnahme/uploads/DSC00269-300x225.jpg&quot;  alt=&quot;&quot; /&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class=&quot;serendipity_imageComment_txt&quot;&gt;Auf dem Lande wäscht man sich in dreckigen Tümpeln. &lt;br /&gt;
&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und mir wird hier vielleicht zum ersten Mal in ganzer Konsequenz bewusst, daß auch Körperhygiene zur Würde eines Menschen gehört. Frauen habe ich übrigens noch keine direkt am Straßenrand beim Waschen gesehen. Ich nehme an, das liegt am Schamgefühl. Vermutlich werden sie mit einem Eimer das Wasser dorthin transportieren, wo sie keiner sieht. Auf dem Land wiederum steigen sie mit Sari in oft entsetzlich aussehende Tümpel mit abgestandenem Wasser. Die Kleider trocknen dann zuhause.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Wasser ist zum Waschen da“, verkündete ein deutscher Schlager aus den 50er-Jahren. Und zum Zähneputzen sollte man es auch benutzen können. In Calcutta mit seiner völlig veralteten Wasserversorgng, deren Großteil noch aus der Kolonialzeit stammt, ist sauberes Wasser ein knappes Gut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gleich am ersten Tag sind mir auf dem Weg vom Flughafen zum Goethe-Institut Tankwagen aufgefallen, die vor einem Aquädukt Schlange standen und dann wie die Dampfloks mit Wasser befüllt wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Denn nicht mal jede Wohnung in Calcutta hat einen Wasseranschluss. Die Lastwagen fahren dann in die Armenviertel, wo die Menschen sich Kanister abfüllen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;div class=&quot;serendipity_imageComment_center&quot; style=&quot;width: 300px&quot;&gt;&lt;div class=&quot;serendipity_imageComment_img&quot;&gt;&lt;!-- s9ymdb:96 --&gt;&lt;img class=&quot;serendipity_image_center&quot; width=&quot;300&quot; height=&quot;225&quot;  src=&quot;http://blog.goethe.de/nahaufnahme/uploads/DSC00055-300x225.jpg&quot;  alt=&quot;&quot; /&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class=&quot;serendipity_imageComment_txt&quot;&gt;Vom Rotaryclub gestiftet: Trinkwasserstation in der Park Street im Herzen Calcuttas. &lt;br /&gt;
&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und daher engagiert sich auch der Rotary-Club auf diesem Sektor. Die öffentlichen Anlagen, wo sich jeder mit sauberem Trinkwaser versorgen kann, sind ein Segen für diese Stadt.&lt;br /&gt;
 
    </content:encoded>

    <pubDate>Mon, 27 Feb 2012 10:10:00 +0100</pubDate>
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    <title>Vier Kittel kälter</title>
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    <author>nospam@example.com (Jürgen Gerrmann, Kolkata)</author>
    <content:encoded>
    Ja, ich bin wieder in Nürtingen. Schön, daß mich soviele Menschen so herzlich willkommen daheim geheißen haben – sei es nun am Samstag auf dem Nürtinger Wochenmarkt oder am Sonntag in der Stephanuskirche im Roßdorf. Sehr gefreut hat es mich auch, daß die Berichte über Indien auf so großes Interesse gestoßen sind – sei es in der Zeitung oder auch hier im Internet. Es gibt auch noch weiter viel zu erzählen. Und deswegen wird dieses Blog auch nicht eingestellt, nachdem der Alltag am Neckar wieder für mich beginnt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heute kommt erst einmal ein Nachtrag, der dem “Funkloch” in der Tee-Metropole Darjeeling geschuldet ist. Geschrieben wurde er am 16. Februar, dem Tag meiner Ankunft dort. Alsdenn, legen wir los:&lt;br /&gt;
Auf der Alb sei es einen Kittel kälter als im Neckartal, pflegt der Schwabe zu sagen. So zwei bis drei Grad seien dies umgerechnet. Im Vergleich zur Calcutta, wo es gestern Nachmittag drückend schwül war, ist es hier in Darjeeling im Moment also mindestens vier Kittel kälter. Wenn nicht gar fünf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;div class=&quot;serendipity_imageComment_center&quot; style=&quot;width: 300px&quot;&gt;&lt;div class=&quot;serendipity_imageComment_img&quot;&gt;&lt;!-- s9ymdb:91 --&gt;&lt;img class=&quot;serendipity_image_center&quot; width=&quot;300&quot; height=&quot;225&quot;  src=&quot;http://blog.goethe.de/nahaufnahme/uploads/DSC000023-300x225.jpg&quot;  alt=&quot;&quot; /&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class=&quot;serendipity_imageComment_txt&quot;&gt;Koloniale Atmosphäre auf der Terrasse des Planter&#039;s Club in Darjeeling.&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während ich dies schreibe, kommt dich tatsächlich über der Terrrasse des Planter’s Club, wo zu Kolonialzeiten die britischen Teeplantagenbesitzer dem Alkohole frönten, die Sonne zum Vorschein. Nun ist es wieder einen Kittel wärmer. Die Briten sollen übrigens früher bis zum Abend gezecht haben und dann sturzbetrunken aufs hohe Ross gestiegen sein. Die Pferde hätten schon alleine heimgefunden.&lt;br /&gt;
Nun, bis abends will ich hier nicht sitzen. Gleich soll mich ein Auto holen und zum Steinthal Tea Estate bringen. Ort, inmitten von Teebüschen, soll dann für die nächsten beiden Nächte mein Domizil sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Womit eine Frage beantwortet wäre: Die etwas mehr als zehnstündigeFahrt im Nachtzug vom Bahnhof Sealdeahl in Calcutta nach Siligui hab ich gut überstanden. Abenteuerlicher war schon der Ritt im Jeep-Taxi hier hoch in die Berge. Streckenweise zu elf sind wird dringesessen. Und Michael, ein Musiker aus Buffallo in den USA, der vier Monate durch den Osten Indiens reist, und ich, wurden herzlichst von allen Seiten gedrückt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wild ging es zu auf den holprigen Straßen in die Berge. Der Bahnhof lag auf etwa 60 Meter Seehöhe. Jetzt sind es rund 2000. Zuweilen war der Pass so eng, daß ich nicht glaubte, daß hier zwei Autos aneinander vorbei kämen. Es klappte aber doch. Nur Bus habe ich in diesen dreieinhalb Stunden, die wir für die 80 Kilometer brauchten, keinen gesehen. Was mich nicht wundert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Schmalspur-Bahnlinie von Siliguri ist übrigens gesperrt. Wegen Erdrutsch, sagt man mir. Ich habe nicht den Eindruck, daß sie allzu schnell saniert würde. Vielleicht ist das ja auch ein Konjunkturprogramm für Jeep-Taxis.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was mir während der Fahrt auch noch auffällt: Die Tempel wechseln. Nun dominieren nicht mehr Kali und Krishna, sondern buddhistische Gebetsstätten, auch Klöster dieser Religion sieht man. Die Gegend hier ist nämlich gar nicht so lang besiedelt. Sie war weitgehend menschenleer, als sie die Briten als Sommerfrische entdeckten und vom König von Sikkim pachteten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und da Menschen aus Nepal als Wallfahrer über die Berge kamen, fragten sie die Briten, als der Teeanbau vor etwas mehr als 150 Jahren startete, ob sie nicht zum Arbeiten bleiben wollten. Mittlerweile stellen die Nepali übrigens die Bevölkerungsmehrheit. So, der Fahrer ist da. Er wird mich zu einer der ältesten Plantagen bringen, die es hier gibt: Steinthal-Singtom.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;div class=&quot;serendipity_imageComment_center&quot; style=&quot;width: 300px&quot;&gt;&lt;div class=&quot;serendipity_imageComment_img&quot;&gt;&lt;!-- s9ymdb:92 --&gt;&lt;img class=&quot;serendipity_image_center&quot; width=&quot;300&quot; height=&quot;225&quot;  src=&quot;http://blog.goethe.de/nahaufnahme/uploads/DSC00076-300x225.jpg&quot;  alt=&quot;&quot; /&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class=&quot;serendipity_imageComment_txt&quot;&gt;Von einem deutschen Pfarrer ins Leben gerufen: die Teeplantage von Steinthal-Singtam in Darjeeling. &lt;br /&gt;
&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vor etwas mehr als 150 Jahren machte hier ein Pfarrer aus Deutschland Versuche mit Teesträuchern und entschied sich für die chinesische Variante, die (wie sich später herausstellte) erheblich langlebiger ist als das indische Pendant, das zum Beispiel im Flachland von Assam angepflanzt wurde. Steinthals Interesse für Tee verschaffte übrigens   den armen Menschen dort eine Perspektive. Es gibt Familien, die nun schon in der vierten oder fünften Generation in der Plantage (im Darjeeling spricht man von “Teegarten”) nicht nur arbeiten, sondern auch leben. In kleinen Häuschen, die im Vergleich zu Calcuttas vielen Halb-Ruinen fast schon luxuriös anmuten. Drumherum halten sie sich ein Schwein und ein paar Hühner. Bescheidener Wohlstand, der aber drauf schließen läßt, daß es den Menschen hier gut geht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Des Pfarrers Engagement führte auch dazu, daß es in dieser Region überdurchschnittlich viele Christen gibt. In Darjeeling residiert sogar ein katholischer Bischof, der für Darjeeling, Sikkim und Bhutan zuständig ist. Auf etwas mehr als 48 000 Quadratkilometern (etwa so viel wie Niedersachsen hat) gibt es allerdings nur 35 Pfarreien. Zum Vergleich: Rottenburg hat auf knapp 20 000 Quadratkilometern fast 1000.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;div class=&quot;serendipity_imageComment_center&quot; style=&quot;width: 300px&quot;&gt;&lt;div class=&quot;serendipity_imageComment_img&quot;&gt;&lt;!-- s9ymdb:93 --&gt;&lt;img class=&quot;serendipity_image_center&quot; width=&quot;300&quot; height=&quot;225&quot;  src=&quot;http://blog.goethe.de/nahaufnahme/uploads/DSC00071-300x225.jpg&quot;  alt=&quot;&quot; /&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class=&quot;serendipity_imageComment_txt&quot;&gt;Wasser für die Menschen im Teegarten: der Jesus-Brunnen. &lt;br /&gt;
&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber nicht so sehr Darjeelings Stellung als Bischofssitz ist es, die mich beeindruckt, sondern eher die kleinen Zeichen des Glaubens. Etwa der “Jesus-Brunnen”, der den Menschen inmitten der Plantage Wasser spendet oder das kleine Gebetshaus, in dem man sich trifft und in dem offensichtlich ein reiches Gemeindeleben stattfindet: Als ich durch die Fensterscheiben blicke (die Tür ist leider abgeschlossen) sehe ich eine Menge moderner Instrumente am Altar stehen: Gitarren, aber auch viele Trommeln. Kein Wunder – denn die Kirchen in Indien sind Kirchen der Jugend. Und das spiegelt sich wohl auch in der Musik wieder.&lt;br /&gt;
 
    </content:encoded>

    <pubDate>Sun, 26 Feb 2012 10:04:00 +0100</pubDate>
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    <title>Bonbibi schützt vor Tigern</title>
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    <author>nospam@example.com (Jürgen Gerrmann, Kolkata)</author>
    <content:encoded>
    Zu den populärsten Göttinnen Indiens zählt sie nicht. Das aber liegt daran, das Bonbibi ein recht begrenztes Zuständigkeitsgebiet hat: den Dschungel in den Sundarbans. Dort aber finden sich zuhauf Tempel für sie. Denn Bonbibi soll vor Tigern schützen. Und die sind dort nicht nur eine virtuelle Gefahr. Sondern eine höchst konkrete Bedrohung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;div class=&quot;serendipity_imageComment_center&quot; style=&quot;width: 300px&quot;&gt;&lt;div class=&quot;serendipity_imageComment_img&quot;&gt;&lt;!-- s9ymdb:90 --&gt;&lt;img class=&quot;serendipity_image_center&quot; width=&quot;300&quot; height=&quot;225&quot;  src=&quot;http://blog.goethe.de/nahaufnahme/uploads/DSC00426-300x225.jpg&quot;  alt=&quot;&quot; /&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class=&quot;serendipity_imageComment_txt&quot;&gt;Seite an Seite: Bonbibi, ihr Zwillingsbruder Shaha Jangoli und ihr Widersacher Dakshin Rai (in Gestalt eines Tigers) &lt;/div&gt;&lt;/div&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Fischer, die sich bei Flut in die kleinen Kanäle des Nationalparks trauen, die Honigsammler, die im Mangrovenwald den süßen Saft ernten wollen – sie alle wissen nicht, ob sie abends wieder heimkommen. Die Macht des Tigers ist hier allgegenwärtig. Und daher wird Bonbibi nicht nur von den Hindus verehrt, sondern sogar  von den Moslems, die sich hier (in der Regel nach ihrer Flucht aus dem nahen Bangla Desh) niedergelassen haben. Und auch die Anhänger der Naturrreligionen, die Adivasi, fürchten das mächtige Tier.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
An Bonbibis Seite findet man in den kleinen (oft aus Bambus errichteten) Tempeln häufig ihren Zwillingsbruder Shaha Jangoli. In den Sundarbans ranken sich eine Menge Legenden um die beiden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
An Bonbibis Seite findet man in den kleinen (oft aus Bambus errichteten) Tempeln häufig ihren Zwillingsbruder Shaha Jangoli. In den Sundarbans ranken sich eine Menge Legenden um die beiden. Und manchmal wird neben ihnen auch noch ein Tiger dargestellt – der soll Dakshin Rai darstellen. Einst soll er ein brahmanischer Weise gewesen sein, dann aber aus Gier beschlossen haben, Menschen zu verspeisen. Als er einen jungen Mann auffressen möchte, betet der zu Bonbibi. Die eilt flugs samt Shaha Jangoli herbei und besiegt den Bösen.&lt;br /&gt;
Übrigens: Bonbibis Schutz hilft nur, wenn die Menschen keine Spuren im Urwald hinterlassen. Und daher verzichten die Fischer und Honigsammler doch tatsächlich dort auf das ansonsten in Indien so beliebte Spucken auf den Boden…&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 
    </content:encoded>

    <pubDate>Sat, 25 Feb 2012 10:01:00 +0100</pubDate>
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<item>
    <title>Subhash Chandra Bose</title>
    <link>http://blog.goethe.de/nahaufnahme/archives/107-Subhash-Chandra-Bose.html</link>
    
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    <author>nospam@example.com (Jürgen Gerrmann, Kolkata)</author>
    <content:encoded>
    Bei manchen Dingen fragt man sich, warum sie so sind, wie sie sind. Ich zum Beispiel frage mich, ob es Zufall ist, dass ich bisher noch nie was von Subhash Chandra Bose gehört habe, obwohl doch Zeitgeschichte im Allgemeinen und die Jahre von Beginn des Ersten bis Ende des Zweiten Weltkrieges durchaus mein Steckenpferd sind. Sie kennen den Mann auch nicht? Dann herzlich willkommen im Club!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber es ist ja immerhin besser, etwas spät zu erfahren, als gar nicht. Mir ist  Subhash Chandra Bose im kleinen westbengalischen Dörfchen Karanjali zum ersten Mal ins Bewusstsein gerückt. Auch da war er auf vielen Plakaten zum Nationalfeiertag, die ich später auch in Kolkata entdeckt habe, zusammen mit Mahatma Gandhi und  Jawaharlal Nehru zu sehen, die auch in Deutschland als Helden der Befreiung Indiens vom britischen Kolonialjoch wohl jeder kennt. Auf dem Subkontinent ist ihnen Subhash Chandra Bose indes mindestens ebenbürtig, wenn nicht sogar einen Tick voraus. Oscar-Preisträger und Kult-Komponist A. R. Rahman (“Slumdog Millionaire”) hat dem früheren Oberbürgermeister von Calcutta, der von den Briten mehrfach ins Gefängnis gesteckt und unter Hausarrrest gestellt wurde, gar eine Suite geschrieben, die  beim Konzert des Filmorchesters Babelsberg hier im Stadtteil Science City vor kurzem vom Publikum umjubelt wurde.&lt;br /&gt;
Boses Unbekanntheit in Deutschland rührt vermutlich daher, dass er (sagen wir mal so) “die falschen Freunde hatte”. Bose war nämlich völlig anderer Meinung als Mahatma Gandhi, der die Engländer friedlich aus dem Land ekeln wollte. Er wollte den Weg der Gewalt gehen. Und tat das auch, indem er in Singapur die Indische National-Armee gründete und damit Richtung Heimatland marschierte – als Hilfstruppe der Japaner, die 1943 noch weite Teile Asiens besetzt hielten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;div class=&quot;serendipity_imageComment_center&quot; style=&quot;width: 500px&quot;&gt;&lt;div class=&quot;serendipity_imageComment_img&quot;&gt;&lt;!-- s9ymdb:82 --&gt;&lt;img class=&quot;serendipity_image_center&quot; width=&quot;500&quot; height=&quot;667&quot;  src=&quot;http://blog.goethe.de/nahaufnahme/uploads/DSC00340-768x1024_500.jpg&quot;  alt=&quot;&quot; /&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class=&quot;serendipity_imageComment_txt&quot;&gt;Der &quot;Führer&quot; wird auch heute noch hoch verehrt: Subhash Chandra Bose &lt;/div&gt;&lt;/div&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zuvor hatte er allerdings einige Zeit in Deutschland verbracht. Und damit wären wir wohl bei des Pudels Kern. Er machte Adolf Hitler den Hof, weil er sich erhoffte, mit Deutschlands Diktator gemeinsam die Briten zu verjagen. Doch der hielt ihn hin, weigerte sich erstaunlicherweise, eine Erklärung zur Unabhängigkeit Indiens abzugeben (vermutlich, weil die Inder seinen Rassen-Ideologie nicht entsprachen), nahm aber die Gründung der “Indischen Legion”, die sich aus den Reihen indischer Kriegsgefangenen rekrutierte, dankend an. Die wurde unter anderem in Annaburg (etwa 70 Kilometer von Nürtingens Partnerstadt Zerbst in Sachsen-Anhalt gelegen) ausgebildet und dann der Waffen-SS unterstellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Boses Rückreise nach Fernost lief übrigens unter abenteuerlichen Umständen ab: Am 8. Februar 1943 legte er mit einem U-Boot in Kiel ab und wurde damit gen Madagaskar geschippert, in dessen Nähe ihn dann am 28. April die Japaner übernahmen – wieder mit einem U-Boot. In Singapur ging es dann wieder Wochen später  an Land.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit seiner INA, die auch heute noch in Indien höchstes Ansehen genießt, überschritt er im Jahre 1944 von Birma die Grenze seines Heimatlandes. Als jedoch seine Schutzmacht Japan kapitulierte, war es auch mit der gewaltsamen Befreiung Indiens vorbei. Auch die INA gab auf.&lt;br /&gt;
Da war Bose schon tot. Oder nicht? Es hieß, er sei am 18. August 1945 auf dem Flug nach Tokio über Taiwan abgestürzt. Seine Leiche wurde indes nie gefunden – was in Indien zu vielen Mythen führt. Auch in Deutschland waren in den Nachkriegszeiten ja viele überzeugt, “der Führer” lebe noch. In Argentinien. Oder sonstwo.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
“Führer” wurde übrigens auch Subhash Chandra Bose genannt. Auf Bengali: “Netaji“.&lt;br /&gt;
Mittelbar hat seine INA übrigens doch zum Abzug der Briten aus ihrer Kolonie beigetragen: In der Armee rebellierten die indischen Soldaten, in der Navy gab es eine Meuterei, weil sich die Inder in diesen Truppen weigerten, auf ihre Landsleute von der INA zu schießen. Auf den Schlachtfeldern in Birma kam es gar zu Verbrüderungsszenen. Und so mußte die Weltmacht auch auf diese Weise einsehen, daß sie die indische Sache nicht mehr unter Kontrolle halten konnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Boses Nähe zu Hitler sehen die Inder von heute vermutlich ebenso gelassen wie dessen Zeitgenossen. Der habe eben unter dem Motto “Der Feind meines Feindes ist mein Freund” gehandelt, höre ich immer wieder. Und Basav Bhattacharya, der mich nach Karanjali begleitet hat, sagt denn auch: “Uns war eben jeder Recht, der uns gegen die Engländer half.” Der Reputation des Freiheitskämpfers hat dies in seiner Heimat keinen Abbruch getan.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Übrigens: Der Flughafen von Calcutta, von dem aus ich jetzt gleich starte, heißt – Netaji Subhash Chandra Bose! Sogar den “Führer” haben sie also drin gelassen.&lt;br /&gt;
 
    </content:encoded>

    <pubDate>Fri, 24 Feb 2012 10:29:34 +0100</pubDate>
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<item>
    <title>In letzter Minute</title>
    <link>http://blog.goethe.de/nahaufnahme/archives/106-In-letzter-Minute.html</link>
    
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    <author>nospam@example.com (Jürgen Gerrmann, Kolkata)</author>
    <content:encoded>
    Es geht eben nichts über einen gesunden Nervenkitzel! Diesen Beitrag schreibe ich im Nachtzug von New Jalpaiguri (oder ganz kurz NJP, wie die Inder sagen) nach Calcutta. Seit 28 Minuten rollt er. Das muss extra erwähnt werden, denn lange Zeit sah es gar nicht so aus, als würde ich das schaffen. Und das, obwohl ich ein dickes Sicherheitspolster eingebaut hatte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um 8 Uhr abends verlässt der Postexpress den Bahnhof von NJP. Da muss es doch dicke reichen, wenn ich das Share-Taxi um 1 mittags nehme. Immerhin sind es gerade mal 113 Kilometer von Sikkims Hauptstadt Gangtok dorthin, und ich mache mir schon Gedanken, wie ich an einen Tipp für ein schönes Lokal mit heimischer Küche komme, wo ich noch mein Nachtmahl zu mir nehmen kann, bevor ich in den Zug steige.&lt;br /&gt;
Den Morgen hab ich also noch frei. Ich bekomme mein Frühstück aufs Zimmer serviert, denn das Restaurant im Hotel Tibet hat heute geschlossen. Den Grund dafür bekomme ich quasi auf dem Tablett serviert: Tibetische Neujahrskekse sowie eine Brühe, die ich nicht so recht einordnen kann. “Das ist wie tibetisches Bier”, sagt mir der Kellner: “Das müssen Sie an Neujahr einfach probieren.” Und das um kurz nach 9! Ich tu ihm dennoch den Gefallen. Wie Bier schmeckte es zwar nicht, aber gar nicht so übel. Der Herr Ober freut sich auf jeden Fall über das Lob.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich packe meine Sachen und entschließe mich, noch dem Zoo einen Besuch abzustatten. Ein Gemälde tags zuvor beim Mittagessen mit Sundip in Namchi hat mir richtig Lust drauf gemacht. Bis dahin wußte ich nämlich noch gar nicht, daß es auch einen roten Panda gibt. Und der soll dort in Gangtok zu sehen sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;div class=&quot;serendipity_imageComment_center&quot; style=&quot;width: 300px&quot;&gt;&lt;div class=&quot;serendipity_imageComment_img&quot;&gt;&lt;!-- s9ymdb:76 --&gt;&lt;img class=&quot;serendipity_image_center&quot; width=&quot;300&quot; height=&quot;225&quot;  src=&quot;http://blog.goethe.de/nahaufnahme/uploads/DSC00011-300x225.jpg&quot;  alt=&quot;&quot; /&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class=&quot;serendipity_imageComment_txt&quot;&gt; Da schaut auch der Kuschelbär im Taxi: Tibeter demonstrieren zu Neujahr in Gangtok. &lt;br /&gt;
&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Taxifahrer verlangt zwar aus meiner Sicht unverschämt viel (250 Rupien oder 4 Euro oder sechs Kilo Reis für zwei Stunden), aber was soll ich machen? Zudem dachte ich eigentlich, daß der Zoo in der Stadt Gangtok sein muss. Aber es geht Serpentinen um Serpentinen bergauf, einmal mehr wird das Hochfest der Schlaglöcher gefeiert – und dan bremst uns auch noch ein Demonstrationszug aus. Etwa 1000 Tibeter protestieren zu Neujahr gegen die Unterdrückung ihrer Landsleute durch China: “Free Tibet!” Aus Solidarität warte ich natürlich gerne.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Kurven-Orgie danach scheint kein Ende zu nehmen, und als wir endlich im Zoo angekommen sind, bleibt im Grunde nur noch eine halbe Stunde. Also heißt es: Im Schweinsgalopp durch den Tiergarten! Gottseidank habe ich ein gutes Orientierungsvermögen und weiß zudem genau, was ich sehen will. Meine Erfahrung aus den Tiroler Bergen hilft mir zudem, die 150 Höhenmeter bis zum Schneeleoparden zügig zu überwinden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und da liegt er doch tatsächlich vor mir. Ich muss an das Gespräch ein paar Tage zuvor im Öko-Tourismus-Dorf von Tinchuley denken. “Ein Leopard ist nicht zu vergleichen mit einem bengalischen Tiger”, haben mir Dipendra Gurung und seine beiden Onkel  da gesagt: “Ein Tiger frisst auch Menschen. Der Leopard ist aber nicht mehr als eine größere Katze.” Naja, ganz kann ich das nicht glauben. Aber die drei sind ja Gorkha und damit Angehörige eines Kriegervolkes. Denen macht so schnell nichts Angst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;div class=&quot;serendipity_imageComment_center&quot; style=&quot;width: 300px&quot;&gt;&lt;div class=&quot;serendipity_imageComment_img&quot;&gt;&lt;!-- s9ymdb:77 --&gt;&lt;img class=&quot;serendipity_image_center&quot; width=&quot;300&quot; height=&quot;225&quot;  src=&quot;http://blog.goethe.de/nahaufnahme/uploads/DSC00018-300x225.jpg&quot;  alt=&quot;&quot; /&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class=&quot;serendipity_imageComment_txt&quot;&gt; Ein Super-Model: der Schnee-Leopard. &lt;br /&gt;
&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich aber gehe schon ein paar Schritte zurück, als sich die große Katze schnell und geschmeidig auf mich zubewegt. Obwohl ich hinter dem Zaun ja eigentlich sicher bin. Doch was ich dann erlebe, bestätigt, die Gorkha-Theorie: Der Leopard schnurrt und reibt sein Haupt dann genauso wohlig auf dem Boden und an einem Pfosten wie früher mein Mohrle und jetzt die Lina. Und dann wirft der Herr oder die Dame (so genau kann ich das auf die Schnelle nicht feststellen) sich auch noch traumhaft in Positur. Ein Super-Model!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das kann man vom roten Panda nicht gerade behaupten, der ein paar Mezer tiefer in einem Riesen-Gehege träge auf einem hohen Baumstumpf direkt in der Mitte hockt. Da muss das Zoom der Kamera schon alles geben, damit ich auch noch ein bissle davon festhalten kann. Aber immerhin: Aus der Ferne habe ich ihn mal gesehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;div class=&quot;serendipity_imageComment_center&quot; style=&quot;width: 300px&quot;&gt;&lt;div class=&quot;serendipity_imageComment_img&quot;&gt;&lt;!-- s9ymdb:78 --&gt;&lt;img class=&quot;serendipity_image_center&quot; width=&quot;300&quot; height=&quot;225&quot;  src=&quot;http://blog.goethe.de/nahaufnahme/uploads/DSC00054-300x225.jpg&quot;  alt=&quot;&quot; /&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class=&quot;serendipity_imageComment_txt&quot;&gt; Da ist er doch noch: der rote Panda! &lt;br /&gt;
&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Meine Jogging-Tour auf 2200 Meter Höhe geht wieder in Richtung Parkplatz. Ich bin zehn Minuten vor der Zeit da, also kann ich noch zu den Vögeln, die sich hier in der Natur erstaunlich rar machen. Silber- und Goldfasan defilieren vor mir, und dann höre ich aus einem Gehege um die Ecke komische Laute. Ich sehe nach und vor mir steht – ein roter Panda! Sein Pfleger, ein freundlicher Nepali, lockt ihn mit Futter auch dorthin, wo ich einigermaßen durch den Zaun fotografien kann. Einfach Klasse!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von diesem Erfolgserlebnis beflügelt lasse ich mich 600 Höhenmeter nach unten zum Taxi-Stand bringen. Ich sitze hinten rechts. Scheint mein Stammplatz in den Bergen zu  sein, irgendwie haben sich die Taxifahrer da abgesprochen. Drei junge Leute quetschen sich neben mich, aber diesmal sind wir nur zu neunt – und nicht 21 wie auf der Hinfahrt. Da kommt man sich ja richtig einsam vor!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;div class=&quot;serenipity_imageComment_center&quot; style=&quot;width: 300px&quot;&gt;&lt;div class=&quot;serendipity_imageComment_img&quot;&gt;&lt;!-- s9ymdb:79 --&gt;&lt;img class=&quot;serendipity_image_center&quot; width=&quot;300&quot; height=&quot;225&quot;  src=&quot;http://blog.goethe.de/nahaufnahme/uploads/DSC000621-300x225.jpg&quot;  alt=&quot;&quot; /&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class=&quot;serendipity_imageComment_txt&quot;&gt; So ein Pech: Plattfuß nach 20 Kilometern. &lt;br /&gt;
&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gut gelaunt geht es nun zu Tale. Aber schon nach 20 Minuten kommt der erste unfreiwillige Halt. Es rumpelt und pumpelt unter mir, wir müssen links ran. Klare Sache. der Reifen unter mir hat den Geist aufgegeben. Ich denke mir noch nicht viel dabei, wundere mich eher, wie schnell man hier mit einfachsten Mittel einen Reifenwechsel direkt an der Hauptverkehrader zustande bringt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch die Grenzformalitäten gehen schnell. Ich muß meine Sondergenehmigung wieder abgeben und im Pass eine Unterschrift eintragen lassen. Die anderen brauchen nicht lange zu warten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schon ein paar Meter weiter in West-Bengalen, auf der anderen Seite des Teesta, ändert sich das. Wir stehen fast eine Stunde und erkennen den Grund erst später: Die marode Straße wird asphaltiert. Mit vorsintflutlichen Geräten. Oder zumindest solchen, die aus der britischen Kolonialzeit stammen. Und deswegen hat die Polizei den Verkehr erst einmal in beide Richtungen dicht gemacht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun haben wir schon ganz schön Zeit auf der Piste gelassen. Umso mehr wundert es mich, daß der Mann am Steuer zwar zuerst tüchtig Gas gibt, nach 20 Minuten aber an einer Straßenküche anhält und eine Pause ausruft. Für die anderen ist das offensichtlich völlig normal. Sie nehmen auch noch in aller Ruhe etwas zu sich, während ich im Dorf auf und ab gehe und den Blick kaum von der Uhr wenden kann.&lt;br /&gt;
“Mach Dir keine Sorgen”, sagt der Mann vor mir. Wie sich herausstellt, ein früherer internationaler Fußball-Schiedsrichter (doch davon später). Deswegen glaube auch seinem: “Das reicht noch dicke!”&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir unterhalten uns blendend. Bis wieder ein verhängnisvolles Geräusch an unsere Ohren dringt. Wieder direkt unter mir. Wieder ein Platter. Ob das an mir liegt? “Oh je, wir haben ein Problem”, raunt mir der junge Lepcha, der zuhause in Sikkim zu Besuch war und zurück nach Calcutta zum Studieren will, zu: “Meinen Bus nach Kolkata, den kann ich jetzt vergessen.” Und auch mir schwant Übles.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;div class=&quot;serendipity_imageComment_center&quot; style=&quot;width: 225px&quot;&gt;&lt;div class=&quot;serendipity_imageComment_img&quot;&gt;&lt;!-- s9ymdb:80 --&gt;&lt;img class=&quot;serendipity_image_center&quot; width=&quot;225&quot; height=&quot;300&quot;  src=&quot;http://blog.goethe.de/nahaufnahme/uploads/DSC00098-225x300.jpg&quot;  alt=&quot;&quot; /&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class=&quot;serendipity_imageComment_txt&quot;&gt;Kampf gegen den zweiten Plattfuß. &lt;/div&gt;&lt;/div&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Doch während ich die Situation als ziemlich hoffnungslos einschätze, erlebe ich in der Dunkelkeit die positive Seite Indiens. Es dauert keine zehn Minuten, bis ein anderer Jeep anhält und uns bereitwillig sein Ersatzrad überlässt. Unser Fahrer soll ihm halt an beider Ziel, dem Taxi-Stand von Siliguri, wieder eins zurückgeben. Das bedeutet wieder Zeitverlust, auch wenn ich wieder über die Geschwindigkeit des Radwechsels staune. Die Jungs hier hätten Talent für die Formel 1. Eine Viertelstunde später machen wir an der nächsten Werkstatt halt. Bisher habe ich mich immer gewundert, warum es in Indien so viele Reifen-Services gibt. Seit heute frage ich mich nicht mehr, warum dem so ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Zeit verrinnt unerbittlich. Doch nun lerne ich auch die Flexibilität der Inder kennen. Der Schiri vor mir legt sich für einen jungen Maschinenbauingenieur, der auch nach Calcutta zur Arbeit muß, und mich ins Zeug. Er und der Fahrer finden eine Lösung. auf einem Markt ein paar Kilometer außerhalb von Siliguri werden sie uns absetzen. Von dort geht es dann mit der Auto-Rikscha weiter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So gut wir uns unterhalten haben, so hektisch muss nun der Abschied sein. Es reicht gerade mal zum Austausch der Visitenkarten (das ist in Indien offensichtlich Ritual und muss ganz einfach sein), alle legen Hand an, um das Gepäck vom Dach des Jeep in das überdachte Dreirad zu hieven, und dann beginnt der große Wettlauf mit der Uhr. “Tuk Tuk” gegen “Tick Tack, Tick, Tack”. Der Blutdruck steigt, der Puls wird schneller – aber am Ende siegt Tuktuk gegen Ticktack. Wir haben es geschafft. In letzter Minute.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und ich bin um ein indisches Erlebnis reicher.&lt;br /&gt;
 
    </content:encoded>

    <pubDate>Thu, 23 Feb 2012 12:15:36 +0100</pubDate>
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</item>
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    <title>Völkerkunde beim Thungba</title>
    <link>http://blog.goethe.de/nahaufnahme/archives/105-Voelkerkunde-beim-Thungba.html</link>
    
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    <author>nospam@example.com (Jürgen Gerrmann, Kolkata)</author>
    <content:encoded>
    Ein Hauch von Al Capone wehte durch den Nebel vom Sikkim: Mein zweiter Ausflug im kleinen indischen Bundesstaat an der Grenze zu China führt mich nach Namchi. Erneut zu (erstaunlich neuen) buddhistischen oder hinduistischen Heiligtümern, aber auch durch herrliche Wälder und einen riesigen Teegarten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Drei Stunden dauerte die Fahrt durch Dunst und Nebel, der Kanchenzunga gab sich erneut nicht die Ehre. Sundip Rai, der 25jährige Christ am Steuer, hat tapfer durchgehalten und wußte bestens über die Details der Klöster und Tempel Bescheid, setzte aber nie einen Fuß in deren inneren Bezirk, wo man die Schuhe ausziehen muss. Er wartete lieber draußen, bis ich wieder zurückkam.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf dem Rückweg vom “hohen Himmel” (so heißt Namchi, das auf 1625 Metern liegt  und etwas mehr Einwohner als Aichtal hat, übersetzt)  kommen wir durch ein kleines Dorf. Zehn Häuser. Davon fünf mit Läden. “Hast Du schon mal Bambuswein getrunken”, fragt Sundip mich. Ich schüttle den Kopf. “Den mußt Du probieren, warte mal!”&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und jetzt wird es konspirativ. Wie zur Zeiten der Prohibition in Amerika, als die Mafia große Geschäfte machte. Sundip fragt ein Mädchen, das am Eingang eines der Läden steht, etwas auf Nepali. Das schüttelt ganz erschrocken den Kopf. Bei einem jungen Mann hat er mehr Glück. Der zwinkert mit dem linken  Auge und deutet auf den Laden gegenüber.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mein Fahrer steigt aus dem Wagen und flüstert dort einer jungen Frau was ins Ohr. Sie nickt und winkt uns in die kleine Bude, schickt ihre kleine Schwester nach hinten – wohl um bei der Mutter was zu holen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Etwa fünf Minuten später steht ein erstaunliches Gebräu vor mir. In einem Plastikbecher befindet sich eine Masse, die ich nicht so recht einordnen kann. Drei junge Einheimische betreten den Laden und grinsen breit, als sie mich am roten Plastiktisch sitzen sehen. Und sie recken den Daumen nach oben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während die junge Wirtin mir heißes Wasser auf das rot-violette Etwas gießt und sagt, ich müsse nun etwa fünf Minuten warten, bis die Sache zu gären anfange, erklären sie mir, dass vor mir “Thungba” steht. Ihr  Nationalgetränk. Sie nennen es sogar “tribal drink”. Stammesgetränk.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Maische besteht offensichtlich aus jungen Bambusblätter und Hirse, und langsam fängt sie zu blubbern an. Jetzt darf ich den Strohhalm ansetzen. Die Jungs aus Sikkim machen es spiegelverkehrt. Sie greifen zu Westlich-Hochprozentigem:  Whisky. Und zwar so, wie es J.R. und Sue Ellen dereinst in Dallas alle Ehre gemacht hätte. Bei den Buddhisten gibt es offensichtlich kein generelles Alkoholverbot. Mir kommt in den Sinn, was Dipendra Gurung, in dessen Öko-Tourismusprojekt im Darjeeling ich übernachtet habe, mir zwei Tage zuvor sagte: “Wir Gorkha hier sind Krieger. Wir trinken gerne. Aber dann arbeiten wir auch wieder hart.”&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;div class=&quot;serendipity_imageComment_center&quot; style=&quot;width: 300px&quot;&gt;&lt;div class=&quot;serendipity_imageComment_img&quot;&gt;&lt;!-- s9ymdb:75 --&gt;&lt;img class=&quot;serendipity_image_center&quot; width=&quot;300&quot; height=&quot;225&quot;  src=&quot;http://blog.goethe.de/nahaufnahme/uploads/DSC00086-300x225.jpg&quot;  alt=&quot;&quot; /&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class=&quot;serendipity_imageComment_txt&quot;&gt;Konspiratives Treffen mit Bambus-Hirse-Wein (im Vordergrund): Thungba-Trinken ist in Sikkim anscheinend nicht ganz legal &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man bedeutet mir, dass der Thumba-Ausschank hier nicht gerade legal ist – ohne dass ich allerdings dahinter komme, warum. Auf jeden Fall besteht einer der Jungs darauf, beim Erinnerungsfoto das Tuch, das hier viele gegen den Smog über dem Mund tragen, hochzuziehen. Ob er wirklich fürchtet, per Internet gefasst zu werden? Sei’s drum. Es sieht auf jeden Fall spektakulärer aus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und während Frau Wirtin heißes Wasser nachgießt und damit eine Art Bambus-Hirse-Glühwein zaubert, bekomme ich einen Crashkurs in Sachen Völkerkunde. In Sikkim sind “die Inder” nämlich in der Minderzahl. Die Mehrzahl stellen die Bergvölker.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Wortführer der drei ist Nepali (was mir noch am ehesten ein Begriff ist). Seine beiden Kumpels gehören zu den Lepcha, die als Ureinwohner Sikkims gelten – ohne dass man weiß, woher sie denn kamen (Tibet gilt als die wahrscheinlichste Variante). Und Frau Wirtin zählt zu den Bhutia mit Wurzeln in Bhutan. Die Dinge sind eben oft viel differenzierter als man denkt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber nun müssen wir wieder aufbrechen. Sonst kommen wir zu sehr in die Nacht hinein. Sundip (übrigens ein Bengale) drückt mir noch ein Blatt in die Hand, das mit Kardamom und einigen Holzstücken gefüllt ist und  auf dem ich herumkauen soll. “Danach ist der Alkohol weg”, sagt er: “Außerdem gibt es frischen Atem.” Wie sich herausstellt, ist beides  leicht übertrieben. Aber auch das muss man mal probiert werden.&lt;br /&gt;
Die Fahrt zieht sich und zieht sich. Kurve reiht sich an Kurve. Und dann wird Sundip plötzlich ganz persönlich: “Weißt Du, vor einem Jahr war ich sehr traurig. Da ist unser erstes Kind gleich am ersten Tag gestorben. Aber jetzt bin ich glücklich. Meine Frau ist wieder schwanger, und in vier Monaten kommt unser zweites Baby!”&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ob es da nach der Taufe Thungba gibt, weiß ich nicht. Aber daß mir ein 25-jähriger, den ich noch vor Stunden gar nicht kannte, auf einem Bergpass im Himalaya plötzlich sein Herz ausschüttet, das berührt mich schon sehr. Und es zeigt mir die Kraft des Gesprächs von Mensch zu Mensch. Ob mit Thungba oder ohne.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
PS: In einer früheren Version des Artikels war noch von “Thumba” die Rede. Mein Freund und Experte Basav Bjattacharya aufgeklärt, was korrekt ist: Thungba.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 
    </content:encoded>

    <pubDate>Tue, 21 Feb 2012 12:06:00 +0100</pubDate>
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</item>
<item>
    <title>Nebel über Sikkim</title>
    <link>http://blog.goethe.de/nahaufnahme/archives/104-Nebel-ueber-Sikkim.html</link>
    
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    <author>nospam@example.com (Jürgen Gerrmann, Kolkata)</author>
    <content:encoded>
    Warum hatte ich mir doch gleich diesen Ausflug nach Sikkim vorgenommen? Achja, ich erinnere mich dunkel: Ich wollte die Gipfel des Himalaya sehen. Doch der zickt herum. Vermutlich ist er eingeschnappt, weil er weiß, welch großer Fan der Alpen ich bin. Also verbirgt er sich, seit ich hier bin. Schon beleidigt! Und ich genieße auf meiner Rundfahrt in und um Gangtok vor allen eins: den Ausblick auf den Nebel.&lt;br /&gt;
Mein Taxifahrer, der zudem als Stadtführer fungiert (wobei sich diese Eigenschaft darauf beschränkt, daß er mir sagt, wo ich nun hinlaufen soll), ist unerschütterlich, wenn es gilt, das Programm abzuspulen. An der ersten Station, den Wasserfällen von Bakthang, ist zumindest noch ein bißle was zu erkennen. Was mich in der Nebelsuppe richtig freut, obgleich für mich die Uracher Wasserfälle wesentlich spektakulärer sind. Aber auf der anderen Seite zeigt es ja auch, welch hohen Rang in Indien Wasser genießt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;div class=&quot;serendipity_imageComment_center&quot; style=&quot;width: 300px&quot;&gt;&lt;div class=&quot;serendipity_imageComment_img&quot;&gt;&lt;!-- s9ymdb:68 --&gt;&lt;img class=&quot;serendipity_image_center&quot; width=&quot;300&quot; height=&quot;225&quot;  src=&quot;http://blog.goethe.de/nahaufnahme/uploads/DSC00039-300x225.jpg&quot;  alt=&quot;&quot; /&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class=&quot;serendipity_imageComment_txt&quot;&gt;Hinter dem Pavillon: Herrlicher Ausblick auf Indiens höchsten Berg (sofern es nicht gerade Nebel hat). &lt;br /&gt;
&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
An der dritten Station fühle ich mich indes gewaltig an die Hoch-Zeit des absurden Theaters erinnert. Der junge Mann, erklärter Fan von Manchester United, fährt mich doch tatsächlich zum Tashi-Aussichtspunkt. Von der Straße muß ich noch etwa 30 Höhenmeter überwinden und sehe dann – absolut nichts!&lt;br /&gt;
Aber immerhin weiß ich nun, dass ich hinter dem Pavillon Indiens höchsten Berg, den Kangchendzönga (mit 8598 Metern die Nummer 3 auf der Welt) sehen könnte, wenn ich ihn denn sehen könnte. Sehr interessant! Aber Bewegung tut ja auch im Nebel gut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;div class=&quot;serendipity_imageComment_center&quot; style=&quot;width: 300px&quot;&gt;&lt;div class=&quot;serendipity_imageComment_img&quot;&gt;&lt;!-- s9ymdb:74 --&gt;&lt;img class=&quot;serendipity_image_center&quot; width=&quot;300&quot; height=&quot;225&quot;  src=&quot;http://blog.goethe.de/nahaufnahme/uploads/DSC000291-300x225.jpg&quot;  alt=&quot;&quot; /&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class=&quot;serendipity_imageComment_txt&quot;&gt;Zeremonie im Gansong Kloster &lt;br /&gt;
&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dazwischen lag aber ein echter Höhepunkt: Schon auf dem Fußweg zum Gansong Kloster bewundere ich die Malereien an der Mauer. Vor der großen Halle weiß ich nicht so recht, ob ich rein darf. Ich verständige mich per Handzeichen mit einem jungen Klosterschüler, der denn anderen gerade Tee bringen will, er nickt mir freundlich zu, ich ziehe meine Schuhe aus (das hab ich angesichts der vielen Sandalen vor der Tür schon begriffen), gehe hinein – und befinde mich mitten in einer Zeremonie. Eine Trommel wird geschlagen, gewaltige Blasinstrumente ertönen und zugleich rezitieren Mönche und ihr Nachwuchs uralte heilige Texte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich bin unsicher und weiß nicht, ob ich nun fotografieren darf oder nicht. Aber alle sehen  die Kamerain meiner Hand, alle schauen mich interessiert an, aber keiner schüttelt den Kopf. Also drücke ich einfach diskret ab. Mein Stadtführer sagt mir nachher, daß das vermutlich strikt verboten gewesen sei. Er könnte recht haben. In den anderen Klöstern, die ich an diesem Tag besuche, finden sich auf jeden Fall deutliche Verbotsschildern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;div class=&quot;serendipity_imageComment_center&quot; style=&quot;width: 225px&quot;&gt;&lt;div class=&quot;serendipity_imageComment_img&quot;&gt;&lt;!-- s9ymdb:69 --&gt;&lt;img class=&quot;serendipity_image_center&quot; width=&quot;225&quot; height=&quot;300&quot;  src=&quot;http://blog.goethe.de/nahaufnahme/uploads/DSC00070-225x300.jpg&quot;  alt=&quot;&quot; /&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class=&quot;serendipity_imageComment_txt&quot;&gt; Orchideenpracht im botanischen Garten von Gangtok. &lt;br /&gt;
&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun geht es aber erstmal über Ganeshtok (einen Hindu-Tempel) zum botanischen Garten in der Nähe des einstigen Königspalastes (den man nicht besichtigen kann, weil immer noch die Familie des von den Indern abgesetzten Monarchen drin wohnt). Draußen sieht man nun in fast 2000 Meter Höhe natürlich nicht viel, aber in einer Halle weckt ein Meer aus Orchideen und Primeln durchaus Frühlingsgefühle.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;div class=&quot;serendipity_imageComment_center&quot; style=&quot;width: 225px&quot;&gt;&lt;div class=&quot;serendipity_imageComment_img&quot;&gt;&lt;!-- s9ymdb:70 --&gt;&lt;img class=&quot;serendipity_image_center&quot; width=&quot;225&quot; height=&quot;300&quot;  src=&quot;http://blog.goethe.de/nahaufnahme/uploads/DSC00092-225x300.jpg&quot;  alt=&quot;&quot; /&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class=&quot;serendipity_imageComment_txt&quot;&gt;Weiblicher Buddha-Darstellung im Kunsthandwerk-Museum von Gangtok. &lt;br /&gt;
&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch im staatlichen Zentrum für Kunsthandwerk stört der Nebel nicht groß. Und hier gerate ich erneut in Konflikt mit einem Fotografierverbot. Das ist zwar nirgends per Plakat kenntlich gemacht, aber eine resolute Aufseherin setzt es dennoch durch. Auch wenn ich da schon ein paar Aufnahmen gemacht habe. Auch da faszinieren mich die buddhistischen Malereien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;div class=&quot;serendipity_imageComment_center&quot; style=&quot;width: 225px&quot;&gt;&lt;div class=&quot;serendipity_imageComment_img&quot;&gt;&lt;!-- s9ymdb:71 --&gt;&lt;img class=&quot;serendipity_image_center&quot; width=&quot;225&quot; height=&quot;300&quot;  src=&quot;http://blog.goethe.de/nahaufnahme/uploads/DSC00125-225x300.jpg&quot;  alt=&quot;&quot; /&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class=&quot;serendipity_imageComment_txt&quot;&gt; Von Bhutan nach Sikkim: buddhistischer Mönch. &lt;br /&gt;
&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am Heiligtum von Dro-dul Chorten spricht mich danach ein Mönch an, dem aufgefallen ist, wie interessiert ich mich dort in der Nähe der Gebetsmühlen umsehe. Er kommt aus Bhutan, erzählt er mir, und ist seit einer Woche hierher umgezogen. Gerade hat er eine Stunde Pause, bevor die nächsten Zwei-Stunden-Meditation beginnt. Daß sich  jemand ganz alleine aus Deutschland nach Indien und speziell nach Sikkim traut, das kann er gar nicht fassen. Dreimal fragt er mich danach, bevor er sich fotografieren lässt. Das Bild gefällt ihm, aber er sagt auch: “Zeig es den anderen nicht!” Ob er das gar nicht gedurft hätte?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Viele Fragen zum Buddhismus beantwortet auch das Tibet-Museum nebenan. Hier spürt man, wie sehr die Buddhisten es schmerzt, dass eine uralte Kultur von der Weltmacht China so brutal unterdrückt wird. Das Gelände dafür hat Sikkims letzter König zur Verfügung gestellt, eingeweiht wurde es dann vom Ministerpräsidenten des Landes, das ebenfalls Gewalt anwendete, um sich das Königreich einzuverleiben: Indiens erstem Regierungschef Jawaharlal Nehru.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;div class=&quot;serendipity_imageComment_center&quot; style=&quot;width: 300px&quot;&gt;&lt;div class=&quot;serendipity_imageComment_img&quot;&gt;&lt;!-- s9ymdb:72 --&gt;&lt;img class=&quot;serendipity_image_center&quot; width=&quot;300&quot; height=&quot;225&quot;  src=&quot;http://blog.goethe.de/nahaufnahme/uploads/DSC00133-300x225.jpg&quot;  alt=&quot;&quot; /&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class=&quot;serendipity_imageComment_txt&quot;&gt;Rumtek: Sikkims bedeutendstes Kloster.&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Wunde Tibet wird auch in Rumtek sichtbar, so prächtig das  reichste Kloster Sikkims auch sein mag. Denn es handelt sich dabei um einen Nachbau einer Anlage in Tibet. Der 16. “Schwarzhut-Lama”, einer der höchsten Würdenträger des tibetischen Buddhismus, dessen Asche nun in einem goldenen Heiligtum verehrt wird (um seine Nachfolge ist ein  heftiger Kampf entbrannt), hatte es nachbauen lassen, nachdem er 1959 mit 160 Mönchen und Laien im Gefolge vor den Chinesen über Bhutan nach Sikkim geflüchtet war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im “Natacha-Cafe” auf dem Klostergelände trinke ich dann noch einen tibetischen Buttertee. Der junge Mann, der ihn mir serviert, ist in Bhutan als Sohn von Exil-Tibetern geboren worden und vor sechs Jahren nach Sikkim gekommen: “Aber meine Heimat ist Tibet”, erzählt er mir stolz, als er mir erklärt, was ich da gerade zu mir nehme: Tee mit Salz und Yakbutter. Ihn wundert es, daß ein Europäer das probieren will, deswegen fragt er mich auch viermal, ob das mein Ernst ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Tibet trinkt man dieses Gebräu (so übel ist es übrigens nach den ersten beiden Schlücken gar nicht), weil es nährt und optimal erwärmt. Das passt ja. Denn nun muss ich wieder hinaus in den Nebel und die klamme Kälte. Zum Taxi ist es ein Stück, denn das darf nicht aufs Klotergelände. Und dann geht’s wieder zurück nach Gangtok. Für 34 Kilometer brauchen wir eine Stunde.&lt;br /&gt;
 
    </content:encoded>

    <pubDate>Mon, 20 Feb 2012 11:50:00 +0100</pubDate>
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<item>
    <title>Der Ritt nach Gangtok</title>
    <link>http://blog.goethe.de/nahaufnahme/archives/103-Der-Ritt-nach-Gangtok.html</link>
    
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    <author>nospam@example.com (Jürgen Gerrmann, Kolkata)</author>
    <content:encoded>
    Nun bin ich wieder raus au dem Funkloch. Drei Tage war ich im Darjeeling abgetaucht, die Berichte darüber folgen peu a peu.&lt;br /&gt;
Nun will ich die Blog-Leser erst mal wieder auf den aktuellen Stand bringen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heute ist Sonntag. Mein letzter Sonntag in Indien, wie mir vorhin beim Abendesssen im Hotel Tibet in Gangtok ein- und aufgefallen ist. Kaum zu glauben, daß die sieben Wochen in und um Calcutta so schnell vorüber gegangen sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gestern Nacht hab ich noch in einem 17-Häuser Dorf im Darjeeling (oder wie die Einheimischen sagen: “Gorkhaland”) geschlafen. Doch davon später. Heute mußte ich im Grunde nur 60 Kilometer weiter. Aber mit einstündigem Warten beim Taxi-Umsteigen  hab ich dazu mehr als sechs Stunden gebraucht. So schnell geht es in Indien eben nicht voran.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber dafür warten immer wieder ganz besondere Erlebnisse auf einen. Heute hatte ich zum Beispiel das erste Mal das Vergnügen, in einem Jeep einer von 21 Insassen zu sein. Doch halt! Das stimmt nicht ganz: einer saß ja auf dem Dach. Und einer stand auf dem Trittbrett an der geöffneten Hintertür. Fünf drängten sich im Kofferraum, fünf auf der Bank davor (darunter ich), nochmal eine Handvoll in der Reihe vor mir und vier dann am Armaturenbrett. Sinnigerweie hatte der Fahrer auf dem Schoß eines Mitreisenden Platz genommen. Schön gemütlich also!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;div class=&quot;serendipity_imageComment_center&quot; style=&quot;width: 300px&quot;&gt;&lt;div class=&quot;serendipity_imageComment_img&quot;&gt;&lt;!-- s9ymdb:65 --&gt;&lt;img class=&quot;serendipity_image_center&quot; width=&quot;300&quot; height=&quot;225&quot;  src=&quot;http://blog.goethe.de/nahaufnahme/uploads/DSC00181-300x225.jpg&quot;  alt=&quot;&quot; /&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class=&quot;serendipity_imageComment_txt&quot;&gt;So richtig gemütlich: zu 22 im Jeep (vorne rechts: der Fahrer). &lt;br /&gt;
&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von Kalimpong, dem Verkehrsknotenpunkt im Darjeeling Richtung Norden, muss ich zwei Stunden lang einen wilden Ritt durchhalten. Zuvor war es geradezu luxuriös: Zwar ging es auch holterdipolter über miserable Straßen, aber von Tinchuley, wo ich in einem Ökotourismus-Projekt des WWF einen Tag lang herrlich ausspannen konnte, war ich ganz allein mit meinem Fahrer. Und der hatte während der ebenfalls zwei Stunden (für 34 Kilometer) auch Gelegenheit, mal anzuhalten und mir Sehenswürdigkeiten zu zeigen – zum Beispiel den Blick aufs ehemalige “Dreiländereck” Sikkim/Bhutan/Bengalen am Zusammenfluss zweier Flüsse, die von den Gletschern des Himalaya gespeist werden.&lt;br /&gt;
Aber auch der unbequemsten Tour kan man hier noch was abgewinnen. Zum Beispiel das Staunen darüber, was in Indien so alles noch als Hauptverkehrsader gilt – zum Beispiel eine Trasse, die von der Breite her der von Neckartailfingen nach Schlaitdorf ähnelt und die jene in puncto Schlaglöcher im Vergleich zu deren übelster Zeit noch mindestens um das Zehnfache übertrifft. Für wohligen Nervenkitzel sorgen Gefällstrecken, deren Neigung wohl jeder Achterbahn zur Ehre gereichen würde – gottlob sind die dann aber nur zwischen 10 und 20 Meter lang.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;div class=&quot;serendipity_imageComment_center&quot; style=&quot;width: 225px&quot;&gt;&lt;div class=&quot;serendipity_imageComment_img&quot;&gt;&lt;!-- s9ymdb:66 --&gt;&lt;img class=&quot;serendipity_image_center&quot; width=&quot;225&quot; height=&quot;300&quot;  src=&quot;http://blog.goethe.de/nahaufnahme/uploads/DSC00187-225x300.jpg&quot;  alt=&quot;&quot; /&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class=&quot;serendipity_imageComment_txt&quot;&gt;Ob das noch was wird? Eine Panne erfordert in Indien viel persönliches Knowhow. &lt;/div&gt;&lt;/div&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und manchmal geht es auch nicht weiter, weil ein liegengebliebenes Fahrzeug die Gegenfahrbahn blockiert und erstmal durch Schieben rückwärts und zur Seite rangiert werden muss. Unter der Motorhaube scheint da nachgerade eine Ölquelle zu sprudeln, von des Fahrers Armen tropft es ebenfalls. Den Kampf mit der Panne hat er bislang verloren, obwohl eine Menge Ratgeber um ihn herum Tips und Anweisungen geben. Ob er sein Vehikel bis zum Abend wieder flott bekommen hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Rangpo muss ich den Jeep leider verlassen. Was werden meine Mitreisenden nur ohne mich machen? Denen wird sicher was fehlen, wenn sie nur noch zu 20 unterwegs sein müssen…&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Warum ich ausgestiegen bin? Nun, zum ersten Mal, seit ich hier bin, verlasse ich West-Bengalen. Ich möchte nach Sikkim, das ein selbständiges Königreich war, bevor es vor 39 Jahren von Indien gewaltsam annektiert wurde. Nun ist es zwar einer von 27 Bundesstaaten dieses riesigen Landes, aber dennoch nicht so wie alle anderen: Man braucht nämlich als Ausländer eine spezielle Erlaubnis, es zu bereisen.&lt;br /&gt;
Dieses “Permit” muss ich mir erst an der einstigen Grenze am Fluss Teesta holen. Es ist zwar viel viel weniger aufwändig und viel viel viel schneller, als ehedem an der innerdeutschen Grenze, die Leute sind auch alle sehr freundlich. Ich brauche für den Passierschein auch keine fünf Passbilder, wie man mir in Calcutta sagte, sondern nur ein einziges. Und ich muß auch (entgegen der Auskünfte in West-Bengalens Metropole) keine 100 Rupien zahlen, sondern bekomme Pass und Papiere einfach so in die Hand gedrückt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber ich muß eben in dem Grenzstädtchen ein neues Taxi suchen. Das geht relativ schnell. Aber es ist fast schon enttäuschend: Diesmal sind wir in drei Reihen nur ganze zwölf Leutchen! Da kommt man sich während der letzten beiden Stunden ja regelrecht einsam vor…&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gehen 16 Uhr bin ich dann in Gangtok, Sikkims Hauptstadt, angekommen. Schon auf der Fahrt sind mir hier die vielen buddhistischen Gebetsfahnen aufgefallen. Kein Wunder, denn Tibet ist ganz nah, und allüberall sieht man Solidaritätsbekundungen für die Menschen, die unter dem Joch Chinas zurechtkommen müssen. Auch viele Klöster führen dazu, daß Gangtok zu den Zentren des Buddhismus zählt.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;div class=&quot;serendipity_imageComment_center&quot; style=&quot;width: 300px&quot;&gt;&lt;div class=&quot;serendipity_imageComment_img&quot;&gt;&lt;!-- s9ymdb:67 --&gt;&lt;img class=&quot;serendipity_image_center&quot; width=&quot;300&quot; height=&quot;225&quot;  src=&quot;http://blog.goethe.de/nahaufnahme/uploads/DSC00191-300x225.jpg&quot;  alt=&quot;&quot; /&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class=&quot;serendipity_imageComment_txt&quot;&gt;Westliche Tänze auf dem kalten Marktplatz von Gangtok &lt;br /&gt;
&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf der anderen Seite kommt mir  die Stadt, die ungefähr so viele Einwohner wie Nürtingen hat, sich aber über 400 Höhenmeter erstreckt, auch sehr weltlich-westlich vor. So meine ich fast, daß die relative Dichte der Alkohol-Shops (in Indien gibt es Bier, Wein und Schnaps nicht im Supermarkt, sondern nur in lizensierten Läden) die Calcuttas weit übertrifft. Und auf dem Marktplatz gibt es beim Sikkim Snow and Culture Festival (von Schnee ist übrigens weit und breit nichts zu sehen) tänzerische Darbietungen, die mit Himalaya-Folklore wohl in etwa so viel wie der Hohenneuffen mit dem Mount Everest zu tun haben, aber dennoch kräftig beklatscht werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So weit mein erster Eindruck. Für morgen hab ich eine Stadtführung gebucht. Bin mal gespannt, welches Bild sich dann bietet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 
    </content:encoded>

    <pubDate>Sun, 19 Feb 2012 14:24:00 +0100</pubDate>
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</item>
<item>
    <title>Morgens so, abends so</title>
    <link>http://blog.goethe.de/nahaufnahme/archives/102-Morgens-so,-abends-so.html</link>
    
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    <author>nospam@example.com (Jürgen Gerrmann, Kolkata)</author>
    <content:encoded>
    „Heute so, morgen so“ – mit diesem Schlager hat Roberto Blanco dereinst Dieter Thomas Hecks Hitparade gestürmt. In Calcutta freilich geht es noch rasanter zu. Auch und gerade auf den riesigen Aus- und Einfallstraßen, auf denen sich die Menschen zur Arbeit und dann wieder nach Hause kämpfen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;div class=&quot;serendipity_imageComment_center&quot; style=&quot;width: 300px&quot;&gt;&lt;div class=&quot;serendipity_imageComment_img&quot;&gt;&lt;!-- s9ymdb:64 --&gt;&lt;img class=&quot;serendipity_image_center&quot; width=&quot;300&quot; height=&quot;225&quot;  src=&quot;http://blog.goethe.de/nahaufnahme/uploads/DSC00060-300x225.jpg&quot;  alt=&quot;&quot; /&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class=&quot;serendipity_imageComment_txt&quot;&gt;In Calcutta wird die Richtung vieler Einbahnstraße mitten am Tag gedreht - selbst auf der Park Street, einer Hauptverkehrsader&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Calcutta wird die Richtung vieler Einbahnstraße mitten am Tag gedreht - selbst auf der Park Street, einer Hauptverkehrsader. Da hat das Ganze sogar System. Vielleicht geht es ja gar nicht anders. Auf jeden Fall werden viele Einbahnstraßen buchstäblich mitten am Tag gedreht. Dorthin, wo die meisten wollen, geht es dann lang.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich male mir aus, wie es wohl wäre, wenn man dieses System zum Beispiel auf die Neuffener Straße anwendete: Morgens nur rein in die Stadt, abends nur raus ins Täle. Ob dieses funktionierte? Ich glaube eher an ein heilloses Durcheinander im Schwabenland. Oder sollte es tatsächlich der Königsweg auch zur Lösung der Nürtinger Verkehrsprobleme sein? Selbst in Richtung Autobahn?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Calcutta allerdings funktioniert das erstaunlich gut. Mir ist noch kein Geisterfahrer aufgefallen. Wobei ich schon meine Probleme habe: Muss ich morgens den Spruch, den ich als Schulbub gelernt habe, wegen des Linksverkehrs nach britischem Muster umdrehen und mir innerlich sagen: „Erst rechts, dann links, dann grade aus, dann kommst Du sicher gut nach Haus!“, so gilt abends wieder die deutsche Variante. Aber was soll’s: Bisher hat mich noch keiner auf die Hörner genommen. Obwohl die Autofahrer hier nicht bremsen, wenn die einen Fußgänger auf der Fahrbahn sehen. Im Gegenteil: Sie halten eher noch draufzu , damit dessen erhöhter Pulsschlag den Kreislauf in Schwung bringt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So hat eben alles seine Vor- und Nachteile.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 
    </content:encoded>

    <pubDate>Sun, 19 Feb 2012 14:20:00 +0100</pubDate>
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</item>
<item>
    <title>Das Lied zum Tage</title>
    <link>http://blog.goethe.de/nahaufnahme/archives/101-Das-Lied-zum-Tage.html</link>
    
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    <author>nospam@example.com (Jürgen Gerrmann, Kolkata)</author>
    <content:encoded>
    Deim einen sitzt meine Nase zu weit links im Gesicht,&lt;br /&gt;
Zu weit rechts erscheint sie dem anderen&lt;br /&gt;
und das gefällt ihm nicht.&lt;br /&gt;
Und flugs ergreift das Wort der Dritte&lt;br /&gt;
Und der bemerkt alsdann:&lt;br /&gt;
Sie sitzt zu sehr in der Mitte&lt;br /&gt;
Und ich sollt was ändern daran.&lt;br /&gt;
Und ich bedenk, was ein jeder zu sagen hat,&lt;br /&gt;
Und schweig fein still,&lt;br /&gt;
Und setz mich auf mein achtel Lorbeerblatt&lt;br /&gt;
Und mache, was ich will.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die eine hör ich sagen,&lt;br /&gt;
Ich sei der alte nicht mehr,&lt;br /&gt;
Und andere wieder sich beklagen,&lt;br /&gt;
Daß ich noch der alte wär.&lt;br /&gt;
Dann sagt ein noch ein Kritiker,&lt;br /&gt;
Dems an Argumenten gebricht:&lt;br /&gt;
“Sie warn doch früher einmal dicker”&lt;br /&gt;
Da widersprech ich ihm nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und ich bedenk, was ein jeder zu sagen hat,&lt;br /&gt;
Und schweig fein still,&lt;br /&gt;
Und setz mich auf mein achtel Lorbeerblatt&lt;br /&gt;
Und mache, was ich will.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit großer Freude sägen&lt;br /&gt;
Die einen an meinem Ast,&lt;br /&gt;
Die andern sind noch beim Überlegen,&lt;br /&gt;
Was ihnen an mir nicht paßt,&lt;br /&gt;
Doch was immer ich tuen würde,&lt;br /&gt;
Ihre Gunst hätte ich schon verpatzt,&lt;br /&gt;
Also tu ich, was ein Baum tun würde,&lt;br /&gt;
Wenn ein Schwein sich an ihm kratzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und ich bedenk was ein jeder zu sagen hat,&lt;br /&gt;
Und schweig fein still,&lt;br /&gt;
Und setz mich auf mein achtel Lorbeerblatt&lt;br /&gt;
Und mache, was ich will.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gibt noch ein paar Leute,&lt;br /&gt;
Und an die hab ich gedacht,&lt;br /&gt;
Für die hab ich meine Artikel&lt;br /&gt;
So gut es geht gemacht,&lt;br /&gt;
Die beim großen Kesseltreiben&lt;br /&gt;
Nicht unter den Treibern sind.&lt;br /&gt;
Solang mir ein paar Freunde bleiben,&lt;br /&gt;
Hängt meine Fahne nicht im Wind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und ich scher mich den Teufel um Goliath,&lt;br /&gt;
Und schweig fein still.&lt;br /&gt;
Habt Dank für das achtel Lorbeerblatt,&lt;br /&gt;
Auf dem ich tun kann, was ich will!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Reinhard Mey)&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Meiner Familie, all meinen Freundinnen und Freunden und allen, die sich mir im Herzen verbunden fühlen, sag ich heute von Herzen Dank!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 
    </content:encoded>

    <pubDate>Fri, 17 Feb 2012 14:17:00 +0100</pubDate>
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</item>
<item>
    <title>Wo das Herz von Alt-Calcutta schlägt</title>
    <link>http://blog.goethe.de/nahaufnahme/archives/100-Wo-das-Herz-von-Alt-Calcutta-schlaegt.html</link>
    
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    <author>nospam@example.com (Jürgen Gerrmann, Kolkata)</author>
    <content:encoded>
    Pulsierendes Leben herrscht in Kalighat (dort wo viele Hindus von Calcutta ihre Identität und die ihrer Stadt spüren können)  auch noch, wenn die Nacht hereingebrochen ist, und sich die Bettler schon auf den Straßen zum Schlafen legen. Die Devonotalienhändler halten freilich noch ihre Waren feil, denn der große Kali-Tempel schließt erst um 8. Und die Menschen  strömen auch noch kurz zuvor dorthin, um ihre Sorgen los zu werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
“Wenn Du Calcutta und auch uns verstehen willst, mußt Du mit mir dorthin!”, hat mit Basav Bhattacharya, mit dem ich in den letzten Wochen so oft unterwegs war, gesagt. Und das will und werde ich ihm natürlich nicht abschlagen. Mit Mandira Mitra, der Mitarbeiterin in seiner PR-Agentur und seiner Organisation “Sporsho”, mit der Basav schon einige Sozialprojekte verwirklicht hat, gehen wir also in dieses Viertel von South Calcutta. Dort verbrachte Basav seine Jugend,  und auch die neue Ministerpräsidentin West-Bengalens, Mamata Banerjee, wohnt dort.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Häuser, die ich bei diesem Abendspaziergang sehe, machen indes nicht gerade den Eindruck, als seien sie die optimale Residenz der Prominenz. Aber Basav klärt mich auf, daß dies hier durchaus noch zu den besseren Vierteln Calcuttas zählt: “Hier in Kalighat wohnt der Mittelstand.”&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was mir noch auffällt: Mit Ausnahme der je 200 Meter links und rechts des Konsulats der USA (sinnigerweise in der Ho-Chi-Minh-Straße gelegen), ist dies der einzige Platz, den ich bisher in ganz Calcutta gesehen habe, der für Autos tabu ist. Vor Kali, der Kolkata seinen Namen verdankt, müssen also auch die sonst allgegenwärtigen Blechkarossen weichen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
An den Buden entlang der Straße herrscht noch Hochbetrieb. Nicht nur, dass viele Hindus hier Räucherstäbchen oder Blumenketten kaufen, um sie im Tempel als Opfer darzubringen, nicht nur, daß sie nach Götterfiguren für zuhause suchen –  auffallend viele sind auch festlich gekleidet. Es sind Brautpaare mit ihren Familien: “In diesen Läden kann man auch heiraten”, sagt Basav: “Das ist das billigste und schnellste Verfahren. In fünf Minuten ist alles erledigt.”&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die, die nicht so viel Geld ausgeben können wie die Mittel- und Oberschicht,  die mit einem großen Büfett in schöner Umgebung feiern, gehen danach zum Festmahl. Nicht ins Gourmet-Lokal, sondern zu den Imbiss-Buden im Tempel-Bezirk, an die sich wohl kaum ein Deutscher traut (ich zumindest nicht) und die gleichwohl auch als  ”Restaurant” firmieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dass wir uns dem Tempel nähern, merke ich zunächst mal an der immer größer werdenden Zahl von Bettlern. Die meisten sind behindert. Aber der Hungertod droht ihnen nicht. Sie haben es besser als ihre Leidensgenossen in den Slums: “Jeder bekommt vom Tempel zwei Mahlzeiten am Tag”, sagt Basav.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und dann ertönt plötzlich ein ohrenbetäubender Lärm, bei dem es uns schwer fällt, uns noch zu unterhalten. An einem kleinen Radha-Krishna-Tempel an der Straßenecke vor dem großen Heiligtum beginnt das Abendritual. Und jung und alt macht es wohl riesigen Spaß.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Langsam kriege ich trotz des Lärms mit, was Basav mir nahe bringt: Schon in uralter Zeit stand hier wohl ein kleiner Tempel aus Holz, Stroh und Schlamm – der Kombination, die heute auch noch für die Götterfiguren verwendet wird. Ein bengalisches Buch aus dem 15. Jahrhundert, das Mansar Bhasan, berichtet darüber. Ein reicher indischer Landadliger, Srabonya Choudhuri, ließ dann den prächtigen  Kuppelbau errichten. Die grüß-weißen Kacheln, die ihn zieren, stammen übrigens aus Arabien und der Türkei, erzählt mein Begleiter. Vorher habe man so was in Indien nie beim Tempelbau verwendet. Und Schlamm und Stroh mussten mit den Jahren auch Zement weichen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;div class=&quot;serendipity_imageComment_center&quot; style=&quot;width: 300px&quot;&gt;&lt;div class=&quot;serendipity_imageComment_img&quot;&gt;&lt;!-- s9ymdb:63 --&gt;&lt;img class=&quot;serendipity_image_center&quot; width=&quot;300&quot; height=&quot;225&quot;  src=&quot;http://blog.goethe.de/nahaufnahme/uploads/DSC00043-300x225.jpg&quot;  alt=&quot;&quot; /&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class=&quot;serendipity_imageComment_txt&quot;&gt; Abend am Tempel von Kalighat. &lt;br /&gt;
&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Übers Mitschreiben habe ich gar nicht so richtig mitbekommen, daß wir jetzt schon an einem der Eingänge zum Tempel angelangt sind. Auch hier herrscht (wie an so vielen Plätzen in Indien) höchste Sicherheitsstufe. Inclusive Mtalldetektor. Meinen Rucksack mit Laptop und Foto darf ich gar nicht mit reinnehmen. Mandira bleibt draußen vor der Tür und passt auf meine Habseligkeiten auf.&lt;br /&gt;
Der innere Tempelbezirk ist weitgehend in roter Farbe gehalten – wie das Menstruationsblut der Frau. Denn Kali ist bei den Hindus im Tantra auch für die Sexualität zuständig.  “Nur wenn man gerne mit seinem Partner schläft und Erfüllung findet, entsteht neues Leben und ein schöner Mensch”, gibt Basav die Überzeugung wieder.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kali sei auch Shivas Gattin. Dieser Gott werde auch Kal genannt: “Zeit”. Seine Frau symbolisiere als Göttin der Zerstörung also auch die Endzeit – und damit den Kreislauf des Lebens: Alle Lebensformen müssten einmal sterben, damit neues Leben entstehen könne. Und Kali werde auch als “Mutter” bezeichnet: “Denn nach dem Tod gibt es eine neue Geburt”, sagt Basav, legt aber Wert darauf, daß dies ein großer Unterschied zu der im Westen immer populärer werdenden Theorie von der Reinkarnation ist. Von der hält er gar nichts.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun sind wir im Innersten des Tempels angelangt, wo sich viele Menschen drängen. Schnell muss es gehen, und so kann ich nur kurz einen Blick auf die Figur der Göttin Kali werfen –  das Ziel der Sehnsucht von Millionen Menschen hier in Calcutta und Abermillionen in ganz Indien.&lt;br /&gt;
Laut Basav bestand auch die früher aus Stroh und Schlamm, nun bildet ein schwarzer Stein den Körper. Es soll der große Zeh der Göttin Sati sein. Die eine Legende besagt, man habe ihm im Wasser des nahen Flusses Bhagirathi gefunden, die andere, er sei aus der Erde gewachsen.&lt;br /&gt;
Sicher aber ist, daß das Gesicht aus einem Silberblock und die Zunge aus purem Gold besteht. Und Kali trägt auch 15 Kilo feinsten Schmucks: Gold, Diamanten, Perlen und Edelsteine.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;div class=&quot;serendipity_imageComment_center&quot; style=&quot;width: 300px&quot;&gt;&lt;div class=&quot;serendipity_imageComment_img&quot;&gt;&lt;!-- s9ymdb:62 --&gt;&lt;img class=&quot;serendipity_image_center&quot; width=&quot;300&quot; height=&quot;225&quot;  src=&quot;http://blog.goethe.de/nahaufnahme/uploads/DSC00033-300x225.jpg&quot;  alt=&quot;&quot; /&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class=&quot;serendipity_imageComment_txt&quot;&gt;Nach dem Besuch bei Kali: das Tika (ein Segenszeichen) auf der Stirn. &lt;/div&gt;&lt;/div&gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Tempelwächter (ihr Oberkörper ist übrigens nackt) wissen gar nicht, wohin so schnell mit den Blumenketten, Geldscheinen und anderen Devonotialien. Hektisch reichen sie die Opfern in einen Nebenraum. Sie malen auch mir das Tika, ein Segenszeichen, auf die Stirn (wo es das als “drittes Auge” bezeichnete Energiezentrum schützen soll), gehen mich dann aber ziemlich offensiv (und nicht gerade dezent) um Geld an.&lt;br /&gt;
Basav zeigt sich als Diplomat von Rang: Er schubst mich einfach durch. Wenn schon, will er das erledigen.&lt;br /&gt;
 Zuflucht für kranke Obdachlose: eines von Mutter Teresas Häusern in Kalighat. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und als wir wieder draußen sind und zum Abendessen schlendern, merke ich, daß Huren und Heilige Kalis Nachbarn sind: Nur ein paar Schritte entfernt findet man Har Kata Goli, das Rotlichtviertel Calcuttas – aber auch zwei Häuser Mutter Teresas, die dort alte sterbende Obdachlose aufgenommen und gepflegt hat. Und das geschieht heute noch.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 
    </content:encoded>

    <pubDate>Wed, 15 Feb 2012 14:15:00 +0100</pubDate>
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    <title>Time to say Goodbye</title>
    <link>http://blog.goethe.de/nahaufnahme/archives/98-Time-to-say-Goodbye.html</link>
    
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    <author>nospam@example.com (Jürgen Gerrmann, Kolkata)</author>
    <content:encoded>
    Wenn ich ins Büro komme, sitzt er im ersten “Einzelzimmer” rechts – mit Blick auf die umtriebige Camac Street. Wir sind uns täglich begegnet, haben uns freundlich begrüßt und beim Fest an den Fischteichen länger und bei der Fete im Pseudo-Nachtclub “Shisha” kürzer miteinander geredet (da war so ein Remmidemmi, daß man sein eigenes Wort nicht verstand).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;div class=&quot;serendipity_imageComment_center&quot; style=&quot;width: 225px&quot;&gt;&lt;div class=&quot;serendipity_imageComment_img&quot;&gt;&lt;!-- s9ymdb:61 --&gt;&lt;img class=&quot;serendipity_image_center&quot; width=&quot;225&quot; height=&quot;300&quot;  src=&quot;http://blog.goethe.de/nahaufnahme/uploads/DSC000022-225x300.jpg&quot;  alt=&quot;&quot; /&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class=&quot;serendipity_imageComment_txt&quot;&gt;Einer der indischen Alltags-Weisen: C.N. Muralidharan &lt;br /&gt;
&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gestern ist C.N. Muralidharan zu mir an meinen Arbeitsplatz gekommen. “Nicht wahr, du gehst diese Woche?”, hat mich der Chef der Anzeigenabteilung der Times of India gefragt. Und auf mein Nicken hinzugefügt: “Schon schlimm. Wenn man gerade mit etwas vertraut ist und sich wohlfühlt, dann muss man wieder gehen!”  Der gemütliche Mann kann sich offensichtlich gut in mich hineinversetzen. Und dann fügt er noch einen Satz hinzu, der ihn mich ab sofort zu den indischen Alltagsweisen zählen läßt, denen ich hier in Calcutta und West-Bengalen immer wieder begegnet bin: “Eigentlich ist es ja mit dem ganzen Leben genau so.”&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ja, heute ist mein letzter Arbeitstag im zwölften Stock des Shantiniketan Building. Ich habe noch eine Aufholjagd vor mir. So viel zu schreiben, noch so viele Ideen – und noch soooo wenig Zeit. Noch bin ich fast allein in der Redaktion, so daß ich in Ruhe schreiben und diesen Text dann heute Abend Ortszeit ins Blog stellen kann. Aber nachher wird sicher die Abschiedszeremonie beginnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ziemlich stressig ist es in den letzten Wochen hier zugegangen, die Kolleginnen und Kollegen hatten eine Menge Sonderveröffentlichungen zu basteln: Bildung und Weiterbildung, Schmuck, Hochzeit (hier ist zurzeit Heirats-Hochsaison, weil es mit 23 bis 27 Grad, die am Abend auch mal knapp unter 20 sinken, “angenehm kühl” ist), Buchmesse und natürlich Valentinstag.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
“Happy Valentine’s Day”, wünscht mir gerade Debashish Mukherjee, der als erster von den Grafikern im Büro erschienen ist. Von Mann zu Mann klingt das zwar ein bißle komisch. Aber ich schüttle ihm dennoch die Hand. Vielleicht (oder vermutlich?) haben die Inder ja eine andere Einstellung zu diesem Tag. Das kann ich auch nach vier Wochen noch nicht so genau einzuschätzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist vielleicht auch besser, einfach herumzublödeln, als allzu sehr in Wehmut zu verfallen. Insofern hat der Stress des letzten Tages ja auch sein Gutes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Time to say Goodbye: Morgen werde ich dann meinen Koffer packen, mit Aditi Guha, die im Frühling nach Nürtingen kommen wird, und Basav Bhattacharya, mit dem ich so viel unterwegs war, Mittagessen, dann vielleicht doch noch ein paar Stunden im Büro verbringen. Um 22 Uhr fährt am Mittwoch auf jeden Fall auf dem Bahnhof Sealdah der Nachtzug Richtung Norden, und am nächsten Morgen bin ich dann in New Jalpaiguri, von wo es noch drei Stunden mit dem Bus nach Darjeeling sind. In diese Region verbringe ich dann drei Tage, bevor es weiter nach Sikkim geht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Freunde dieses Blogs brauchen übrigens nicht zu verzweifeln: Hier wird es weiterhin Berichte aus Indien geben. Und in der Nürtinger Zeitung und der Wendlinger Zeitung natürlich auch. Wen es interessiert, wie es so zugeht in Calcutta, aber auch an der Grenze Indiens zu Nepal und China, der sollte einfach mal reinschauen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich freu mich schon jetzt über viele Besucher!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 
    </content:encoded>

    <pubDate>Tue, 14 Feb 2012 14:07:00 +0100</pubDate>
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    <title>Welchen Tourismus braucht Indien?</title>
    <link>http://blog.goethe.de/nahaufnahme/archives/97-Welchen-Tourismus-braucht-Indien.html</link>
    
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    <author>nospam@example.com (Jürgen Gerrmann, Kolkata)</author>
    <content:encoded>
    Für viele Deutsche ist Indien das Land der Sehnsucht. Doch sie zieht es zumeist in die Städte mit ihren Sehenswürdigkeiten, aber auch Trubel. Dort aber sehen sie allenfalls das halbe Indien, wie Amitava Bhattacharya sich ganz sicher ist. Er ist beseelt von der Kraft des ländlichen Indien und hat manchen Traum davon mit seiner Organisation “Banglanatak” (zu deutsch: “BengalischeTrommel”) und dem Projekt “Art for life” schon Wirklichkeit werden lassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;div class=&quot;serendipity_imageComment_center&quot; style=&quot;width: 225px&quot;&gt;&lt;div class=&quot;serendipity_imageComment_img&quot;&gt;&lt;!-- s9ymdb:60 --&gt;&lt;img class=&quot;serendipity_image_center&quot; width=&quot;225&quot; height=&quot;300&quot;  src=&quot;http://blog.goethe.de/nahaufnahme/uploads/DSC000021-225x300.jpg&quot;  alt=&quot;&quot; /&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class=&quot;serendipity_imageComment_txt&quot;&gt;Anwalt der indischen Landbevölkerung: Amitava Bhattacharya. &lt;/div&gt;&lt;/div&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
“Die Inder sind sehr warmherzige Leute” – das ist für Amitava einer der größten Trumpfkarten seiner Heimat. In der Stadt sei das schon etwas verblasst, je mehr das Geld in Indien an Macht gewinne: “Aber draußen auf dem Land, da kann man noch die echte indische Seele erleben.”&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und daher ist er auch überzeugt: “Die Welt ist nicht an Sieben-Sterne-Hotels bei uns interessiert. Sondern am ländlichen Indien, seiner Kultur, seinem Essen – und der Wärme und der Herzlichkeit seiner Menschen.” Besonders schwärmt Amitava zum Beispiel von Purulia, etwa sieben Stunden von Calcutta entfernt. Uralte Jain-Tempel stünden dort in herrlicher Landschaft, Natur pur verbinde sich da mit uralter Kultur. Die es offiziell gar nicht in Indien gebe. Die Menschen dort freuten sich aber sehr, wenn sich jemand dafür interessiere, und nähmen die Fremden gerne als Gäste auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Kultur dort ist nämlich noch älter als die der Jain, deren Tempel kaum mehr benutzt werden. Denn in Purulia kann man noch Stämmen begegnen, von denen in Deutschland kaum jemand was weiß: In den Bevölkerungsstatistiken werden sie nicht erwähnt, nur ab und zu liest man, sieben bis acht Prozent der indischen Staatsbürger seien “Adivasi”. Das heißt so viel wie “die ersten Menschen” – einen Begriff, der aus der indischen Verfassung von 1947 tunlichst herausgehalten wurde. Suggeriert er doch, daß es vor der Hindu-Gesellschaft auch noch eine andere Kultur auf dem Subkontinent gab.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch heute noch fristen die meisten Adivasi ein Dasein als Ausgestoßene der Gesellschaft. Aus den Urwäldern, wo sie meist leben, wurden sie vertrieben, wenn mal wieder ein Großprojekt anstand – wie zum Beispiel ein von deutschen Großkonzernen wie AEG, Krupp und Siemens mit Entwicklungshilfegeldern Ende der 50er-Jahre gebautes Stahlwerk.&lt;br /&gt;
Dennoch haben die Adivasi ihre Jahrtausende alte Kultur zum Großteil noch bewahrt. Im Rahmen des “sanften Tourismus”  erhalten sie wieder eine Perspektive. Denn das, was sie können, können nur sie.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hier ein kleiner Eindruck davon (wenn auch nicht aus Purulia, sondern aus dem Grenzgebiet zu Bangla Desh): eine Folklorevorführung im Sundarban Tiger Camp im Nationalpark Sundarbans im Ganges-Delta. Dorthin waren die Adivasi schon vor einigen Jahrhunderten vertrieben worden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wer sich für Puluria und andere Reiseziele im ländlichen Indien interessiert, kann Amitava Bhattacharya schreiben: amitiva@banglanatak.com.&lt;br /&gt;
Bei ihm erfährt man auch alle Details über Preise. Wer bereit ist, im Zelt zu schlafen, zahlt zum Beispiel für drei Tage Vollpension inclusive Wasser Abholung vom Bahnhof pro Person 2000 Rupien – nach aktuellem Kurs 32 Euro. In einer einfachen Hütte der Ureinwohner ein bissle mehr.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Luxuriöser, aber auch um einiges teurer ist es, die Adivasi im Sundarban Tiger Camp zu besuchen. Für Menschen, die auf Komfort nicht verzichten wollen, aber durchaus eine Alternative: www.sunderbantigercamp.com.&lt;br /&gt;
 
    </content:encoded>

    <pubDate>Mon, 13 Feb 2012 14:02:00 +0100</pubDate>
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    <title>In St. Andrew’s</title>
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    <author>nospam@example.com (Jürgen Gerrmann, Kolkata)</author>
    <content:encoded>
    Mein letzter Sonntag in Calcutta. So schnell rast die Zeit dahin. Und daher will ich heute, da ich frei habe, den Rat von Jörg Zimmer befolgen, den der mir hier im Blog gegeben hat: “Fahren Sie mal Straßenbahn! Nicht in den modernen, sondern in den uralten!”&lt;br /&gt;
Mach ich doch glatt. Wobei mir die Wahl nicht schwer fällt. In den fast vier Wochen, in denen ich nun hier bin, habe ich keine einzige neue gesehen. Also nehme ich gleich die erste, die am Ballygunge Phari in der Nähe meines Gästehauses auf mich zurattert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Schaffner will wissen, wohin ich möchte. Zumindest schließe ich das aus seinen bengalischen Worten, die er mir zuruft, nachdem  ich fast unter Lebensgefahr über die  dreispurige Fahrbahn, die manchmal fünfspurig befahren wird, im Zickzack zwischen Autos gerannt und in den zweiten Wagen gehechtet bin. Für den ersten war ich wohl nicht mutig genug. Mir wird klar, warum die Straßenbahnlinien auf dieser Linie immer so spärlich besetzt sind: Es erfordert schon eine gewisse Portion Courage, da hineinzukommen. Denn die Gleise verlaufen nicht etwa am Gehweg, sondern am Mittelstreifen einer insgesamt sechsspurigen Aus- und Einfallstraße aus und in den Süden Calcuttas.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und schreien muß der gute Herr Schaffner schon. Denn es rumpelt und pumpelt und knarzt und knauzt und rattert und knattert in diesen alten Waggons so sehr, dass man sein eigenes Wort nicht mehr versteht. Paaren, die sich nichts mehr zu sagen haben, sei daher ein Straßenbahn-Urlaub in Kolkata wärmstens empfohlen. Da kann man gar nicht miteinander reden. Selbst, wenn man es wollte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Irgendwann versteht mein Freund, der die Fahrkarten für die Calcutta Tram Company (CTC) verkauft, dass es mir Wurst ist, wohin ich fahre. Er soll mich einfach bei der Endstation rausschmeißen. Er nickt und strahlt: “BBD Bag!” Ich weiß zwar nicht, wo das ist, aber egal!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
BBD Bag stellt sich als altes Zentrum des britischen Calcutta heraus. Ein weitläufiger Platz, in der Mitte ein Teich, auf dem munter jeden Menge Plastik schwimmt und dessen Wasserqualität  ich nicht unbedingt die höchste Qualitätsstufe zuerkennen würde – und dennoch sehe ich eine Hütte des Anglervereins am Ufer. Na denn, guten Appetit!&lt;br /&gt;
Am nordwestlichen Rand des Teiches erhebt sich aber in strahlendem Weiß eine Kirche – mit dem Hahn auf der Turmspitze. Eigentlich will ich sie nur fotografieren, dann sehe ich, daß die Türe offen ist – und will auf jeden Fall reingehen. Hätte ich ja in Nürtingen am Sonntag auch getan.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;div class=&quot;serendipity_imageComment_center&quot; style=&quot;width: 225px&quot;&gt;&lt;div class=&quot;serendipity_imageComment_img&quot;&gt;&lt;!-- s9ymdb:59 --&gt;&lt;img class=&quot;serendipity_image_center&quot; width=&quot;225&quot; height=&quot;300&quot;  src=&quot;http://blog.goethe.de/nahaufnahme/uploads/DSC00005-225x300.jpg&quot;  alt=&quot;&quot; /&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class=&quot;serendipity_imageComment_txt&quot;&gt;Von Schotten errichtet: Die St. Andrew&#039;s Kirk im Herzen von Calcutta &lt;br /&gt;
&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich gehe durchs Portal. Im Vorraum sitzt ein freundlicher Herr, der mir in Zeichensprache bedeutet, daß gerade Gottesdienst ist, und strahlt, als ich meine Kamera wegpacke und ihm verständlich mache, daß ich dennoch (oder gerade deswegen) hineinmöchte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Innenraum erinnert mich an eine calvinistische Kirche. Alles weiß. Kein einziges Bild. Schotten haben sie 1818 erbaut – sehr zum Missfallen der anglikanischen Gemeinschaft  übrigens. Heute ist das Gotteshaus Heimat der Gemeinde der Church of North India in Calcutta – eines Zusammenschlusses von sechs protestantischen Richtungen. Wenn ich richtig verstehe, nicht zuletzt von Baptisten und Methodisten geprägt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Gemeinde singt gerade, als ich die Kirche betrete. Ich fühl mich gleich wohl, denn das Lied kenn ich irgendwo her. Aber ich komm nicht drauf, wie es heißt. Rechts vorne in der sechsten Reihe ist noch ein Platz frei. Der ältere Herr neben mir hält sein Gesangbuch zu mir hin. Nur kann ich damit nichts anfangen. Die schwarzen Zeichen auf weißem Papier sagen mir gar nichts. Und die Sprache ist auch nicht Bengali. Aber das Lied, das Lied, wie heißt nur das Lied? Ich nehme mir vor, daheim unsere Kantorin Angelika Rau-Culo zu fragen, sofern ich mir die Melodie so lang merken kann. Und dann abends, als ich mit der Auto-Rikscha wieder gen Ballygunge düse, fällt es mir unvermittelt doch noch ein: “Welch ein Freund ist unser Jesus!”&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gebetet wird viel in diesem Gottesdienst, und so manches Gebet ist länger als eine  katholische Predigt in Mitteleuropa. Ich verstehe zwar immer noch nichts, aber das stört mich eigentlich nicht. Ich fühl mich dennoch hier zuhause. Und mir fällt auf, wie jung diese Gemeinde hier ist. Während ich in St. Laurentius wohl fast noch zum jüngeren Drittel zähle, könnte ich hier fast der Alterspräsident sein. Die meisten sind so zwischen 20 und 30.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei den Lesungen wird – ich vermute mal, weil man mich gesehen hat – die Bibelstelle auf Englisch angesagt, aber der Rest bleibt nach wie  vor unverständlich. Und so genieße ich einfach den Sprachrhythmus, der mir vertraut ist, auch wenn ich die Worte für mich ein Rätsel bleiben. Und ich merke sehr wohl, wann das Vaterunser gesprochen wird. Ich bete es auf Deutsch, die anderen auf Nepali.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Denn das ist, wie mir nachher erklärt wird, die Sprache des Gottesdienstes. Um 9.30 Uhr wird auf Englisch gesungen, gebetet und gepredigt. Aber viele Christen in Calcutta stammen aus der Region Darjeeling und sind zum Arbeiten oder Studieren in die Metropole West-Bengalens gezogen. Und sie feiern in ihrer Heimatsprache.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein (ebenfalls sehr langes) Gebet wird dann zum Schluss doch noch in Englisch gesprochen. Man bittet für Mitglieder der Gemeinde, aber auch für Indien. Man ruft Gott sogar an, der Korruption auf dem Subkontinent ein Ende zu bereiten (in den letzten Tagen wird mir immer klarer, wie sehr die Mnschen dieses Thema umtreibt). Und man dankt dafür, daß man hier in Calcutta anders als anderswo seinen christlichen Glauben frei, offen und ohne Angst leben könne. Als ich mich nachher erkundige, sagt man mir, dass in vier Bundesstaaten, die von der Ultra-Hindu-Partei BJP regiert werden, ein Anti-Konvertierungs-Gesetz erlassen wurde. Kein Hindu darf dort seinen Glauben wechseln, weder in Richtung Christentum, noch in Richtung Islam. Für mich ist das eine wichtige Ergänzung zum Bild des angeblich so toleranten Indien, das im Westen von vielen gepflegt wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dass jemand eine ganze Stunde mit ihnen verbringt, ohne dass er ein Wort versteht, das freut die Menschen hier in der St. Andrew’s Kirk. Nach dem Amen zum Segen kommt sofort jemand her: “Du musst unbedingt noch mit hoch kommen. Da gibt es Tee!” Und so werde ich in die Gemeinschaft hineingenommen und erlebe die Calcutta-Variante des Kirchenkaffees. Da erfahre ich dann, daß der Priester heute woanders hin musste und daher der Gottesdienst von Laien zelebriert wurde. Und sie verraten mir sogar, wie hoch das Opfer war: “Etwas mehr als 3000 Rupien.” Ungefähr 50 Euro. “Das ist gut”, sagt mir einer der Kirchenältesten: “Unsere Mitglieder gehören zur unteren Mittelklasse, so viel haben die nicht.” Und immerhin entspricht das ja in Calcutta einem Doppelzentner Reis.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und eins ist dem herzliche Mann auch noch wichtig, als er mir die Hand zum Abschied reicht: “Es kommt auch nicht nur aufs Geld an. Sondern aufs Gemeindeleben. Und das ist sehr reich bei uns.”&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nch diesen eineinhalb Stunden in der St. Andrew’s Kirk hab ich nicht den geringsten Zweifel daran. Und vielleicht sollte man sich das auch in unserer manchmal so verzagten Württembergischen Landeskirche wieder mehr ins Bewusstsein rufen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 
    </content:encoded>

    <pubDate>Sun, 12 Feb 2012 14:00:00 +0100</pubDate>
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    <title>Von Ferne und Nähe</title>
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    <author>nospam@example.com (Jürgen Gerrmann, Kolkata)</author>
    <content:encoded>
    Die indische Weisheit ist weltberühmt. Aber spiegelt sich nicht nur in den Veden oder anderen philosophischen Schriften wieder. Man findet auch im Alltag weise Menschen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So kommt auf jeden Fall Dicky Banerjee vor. Ich treffe ihn im Garten des Goethe-Instituts nach der Präsentation des Theaterstücks “Call cutta in a box”, mit dem das deutsche Rimini-Protokoll unter Mithilfe von jungen Leuten aus dem St. Xavier’s College in Calcutta (die eines der hier massenweise vorhandenen Callcenter simulieren) vom 17. bis 25. Februar beim Theaterfestival von Auckland in Neuseeland vertreten ist. Darüber wurde ja auch hier im Blog unter dem Titel “Hier spricht Calcutta” berichtet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dicky freilich ist ein Veteran dieses Theaterprojekts. Der Video-Filmer war schon bei der Weltpremiere von “Call cutta” vor sieben Jahren mit dabei. Nun will er den jungen Menschen, die die (abgespeckte) Fortsetzungs-Version in die Welt tragen, Mut zusprechen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;div class=&quot;serendipity_imageComment_center&quot; style=&quot;width: 225px&quot;&gt;&lt;div class=&quot;serendipity_imageComment_img&quot;&gt;&lt;!-- s9ymdb:58 --&gt;&lt;img class=&quot;serendipity_image_center&quot; width=&quot;225&quot; height=&quot;300&quot;  src=&quot;http://blog.goethe.de/nahaufnahme/uploads/DSC00203-225x300.jpg&quot;  alt=&quot;&quot; /&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class=&quot;serendipity_imageComment_txt&quot;&gt;&quot;Nur Gefühle sind noch etwas Spezielles&quot;: Dicky Banerjee &lt;br /&gt;
&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und im Gespräch mit dem Journalisten aus Deutschland entwickelt er interessante Gedanken. Über die ganze Welt habe sich ein Einheitsbrei ergossen: Überall sei die Werbung gleich. Überall gebe es Samsung und Apple, Coca Cola und McDonald’s, Starbuck’s und Pizza Hut. Überall werde dieselbe (amerikanische oder englische) Musik gespielt. Überall seien Webcams aufgestellt, alles sei im Internet dokumentiert: “Da brauche ich doch gar nirgends hinfahren. All das habe ich Calcutta doch auch.”&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dass durch die Globalisierung überall alles gleich sei, habe die Menschen aber nicht einander näher gebracht: “Im Gegenteil, es trennt uns immer mehr voneinander.” Technisch finde man quasi keine Unterschiede mehr, nur noch kulturell. Aber gerade durch den Austausch darüber könne eine neue Nähe entstehen, auch wenn man (wie in “Call cutta”) nur miteinander telefoniere oder per Skype Gedanken austausche.&lt;br /&gt;
“Nur Gefühle sind noch etwas sehr Spezielles”, sagt Dicky Banerjee: Nicht nur in New York und Seoul, Moskau und Pretoria, Berlin und Calcutta seien sie unterschiedlich, sondern im Grunde in jedem einzelnen Menschen. Und wenn man sich auf dieser Ebene unterhalte, ist der Filmemacher überzeugt, “dann spüre ich plötzlich eine innere Verbindung zwischen einem Radsportler, der in Helsinki für die Olympiade trainiert, und mir”. Dann sei mit einem Mal Nähe da, selbst über Zigtausende Kilometer hinweg. Mit dieser Erfahrung habe ihn “Call cutta” beschenkt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und diese Weisheit möchte Dicky daher möglichst vielen Menschen weitergeben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 
    </content:encoded>

    <pubDate>Sun, 12 Feb 2012 13:57:00 +0100</pubDate>
    <guid isPermaLink="false">http://blog.goethe.de/nahaufnahme/archives/95-guid.html</guid>
    
</item>
<item>
    <title>Was soll i bloß heit wieder essa?</title>
    <link>http://blog.goethe.de/nahaufnahme/archives/94-Was-soll-i-bloss-heit-wieder-essa.html</link>
    
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    <author>nospam@example.com (Jürgen Gerrmann, Kolkata)</author>
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    “Was soll i bloß heut wieder kocha?”, grübelte Ruth Mönch dereinst in einem schwäbischen Kult-Schlager. Nun: Für mich stellt sich diese Frage nicht. In meinem Gästehaus in Ballygunge Place hab ich keine Kochnische, und zudem hätte ich gar keine Zeit, mir groß was zuzubereiten. Bin schließlich von früh bis spät unterwegs, und Artikel für die Nürtinger Zeitung und Blog wollen ja auch geschrieben sein.&lt;br /&gt;
Ich muss über vielmehr über das Gegenteil nachdenken: “Was soll i bloß heut wieder essa?” Selbst wenn die Speisekarten nicht in Sanskrit, sondern in lateinischen Buchstaben gedruckt sind,  nutzt mir das relativ wenig. Ich weiß zwar mittlerweile, dass mit “Dal” Linsen gemeint sind – aber auch im Grunde keine solchen, wie wir sie von den Spätzle her gewohnt sind. Und es gibt unzählige Varianten davon. Also verlasse ich mich auf “Koch Zufall” und deute auf irgendwas auf der Liste – da ich kein so Göckeles- und Lamm-Fan bin, meistens auf was Vegetarisches. Wenn ich heim nach Nürtingen komme, fängt ja ohnehin die Fastenzeit an. Da kann ich schon mal üben.&lt;br /&gt;
Damit bin ich bisher ganz gut gefahren. Schlecht war es eigentlich nie.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am Mittwoch war ich allerdings mit Basav Bhattacharya, dem Journalisten, PR-Berater und Vater von vielen Sozialprojekten, von dem ich den letzten Wochen sehr viel über Indien gelernt habe, und seiner Mitarbeiterin Mandira Mitra im Stadtteil South Calcutta unterwegs. Zum Ausklang des Abends haben sie mich zum bengalischen Essen eingeladen. Und daher kann ich nun endlich den Wunsch vieler Leser erfüllen und was einigermaßen Fundiertes über die Küche hierzulande schreiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zunächst mal habe ich gelernt: Was ich bisher gegessen habe, war zwar indisch. Aber eigentlich nicht typisch für diese Region, in der sich der Ganges verzweigt und dem Meer entgegenströmt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Deswegen essen die Menschen hier auch viel Fisch, und daher können viele Menschen auch ihren Lebensunterhalt damit verdienen. Die einen gehen im Meer auf Fang, die anderen in den diversen Ganges-Armen. Um 3 Uhr morgens finden in der Regel die Fischmärkte auf den Dörfern statt, damit die Ware noch rechtzeitig die Läden und Stände in Calcutta erreicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und von den Bengalen, die ihrer Heimatküche treu bleiben, wird er dann so zubereitet, wie das ihrer Tradition entspricht – ziemlich scharf. Um nicht zu sagen: höllisch scharf. Das beschert sogar mir, der ich meine, in dieser Richtung eines vertragen zu können, den Schluckauf (oder “Häcker”, wie der Schwabe zu sagen pflegt) und lässt die Nase rinnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie gut, dass im “Bhojo Hari Manna”, dem Lokal, in dem wir sitzen (es gleich eher einem deutschen Imbiss denn einem Restaurant, was allerdings auf die Qualität keinen Einfluss hat), gleich die Zitronenscheiben mit auf den Tisch gestellt werden. Wenn ich da reinbeiße, retten die mich immer wieder.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bhojo Hari Manna ist übrigens eine Gestalt aus der bengalischen Literatur, erzählt mir Mandira. Der Held der Geschichte lernt das Kochen dadurch, dass er  um die Welt reist. “Eine schöne Art Kochkurs”, denke ich mir.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Basav malt mir derweil das Patol Dolma auf, das mir gleich serviert wird: Ein bitterer kleiner Kürbis wird ausgehölt, mit einer scharfen Mischung gefüllt und dann gekocht. Schmeckt prima, wie sich nachher herausstellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;div class=&quot;serendipity_imageComment_center&quot; style=&quot;width: 300px&quot;&gt;&lt;div class=&quot;serendipity_imageComment_img&quot;&gt;&lt;!-- s9ymdb:57 --&gt;&lt;img class=&quot;serendipity_image_center&quot; width=&quot;300&quot; height=&quot;225&quot;  src=&quot;http://blog.goethe.de/nahaufnahme/uploads/DSC00046-300x225.jpg&quot;  alt=&quot;&quot; /&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class=&quot;serendipity_imageComment_txt&quot;&gt;Portugiesische Erbschaft in der bengalischen Küche: Shukto &lt;/div&gt;&lt;/div&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf die scharfen Dinge zum Hauptgang soll ich übrigens mit Shukto vorbereitet werden, das die Bengalen von den Portugiesen gelernt haben, wie mir Basav verrät. Als  ”bitterer Gemüseeintopf” könnte man das beschreiben, außer dem kleinen Kürbis sind noch Spinat, Linsen, Ingwer, Kartoffeln, Kochbananen und ein Gemüse namens Drumstick mit dabei. Für letzteres habe ich noch keine Übersetzung außer “Trommelschlägel” gefunden. aber das trifft es auch ziemlich gut. “Kau einfach drauf rum!”, rät mir Basav. Und tatsächlich: Langsam wird auch der Drumstick mürbe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch Palang Shaker Ghanto wird aufgetischt. Dort geht es ebenfalls mit Kartoffeln, Spinat, Linsen und  Auberginen ab, wieder mit anderen (natürlich superscharfen) Gewürz-Varianten kombiniert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;div class=&quot;serendipity_imageComment_center&quot; style=&quot;width: 300px&quot;&gt;&lt;div class=&quot;serendipity_imageComment_img&quot;&gt;&lt;!-- s9ymdb:56 --&gt;&lt;img class=&quot;serendipity_image_center&quot; width=&quot;300&quot; height=&quot;225&quot;  src=&quot;http://blog.goethe.de/nahaufnahme/uploads/DSC00047-300x225.jpg&quot;  alt=&quot;&quot; /&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class=&quot;serendipity_imageComment_txt&quot;&gt;Süßes nach all dem Scharfen: Meesti Doi gibt&#039;s als Dessert. &lt;/div&gt;&lt;/div&gt;&lt;br /&gt;
Das Tüpfelchen aufs I des Dinner setzt allerdings der Bengalen andere große  Leidenschaft: die Süßigkeiten.  ”Meesti Doi” heißt der süßen Quark dort, der das üppige Mahl beschließt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zahlen bitte! Wobei wir natürlich fast automatisch bei der urschwäbischen Frage angekommen wären: “Was koschtet dees?” Nun, Mandira und Basav wollen nicht so recht mit der Sprache heraus. Schließlich haben sie mich eingeladen. Eine grobe Auskunft krieg ich dann doch. Mit Lobster (also Hummer), auf den ich verzichtet habe, etwa 400 Rupien (etwas unter 7 Euro). Ansonsten so ab 300 Rupien (5 Euro). Womit auch diese Frage beantwortet wäre.&lt;br /&gt;
 
    </content:encoded>

    <pubDate>Fri, 10 Feb 2012 13:52:00 +0100</pubDate>
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    <title>Let’s talk about sex!</title>
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    <author>nospam@example.com (Jürgen Gerrmann, Kolkata)</author>
    <content:encoded>
    Das hätten sich die drei Minister des indischen Bundesstaates Karnataka auch nicht träumen lassen, dass sie so schnell so weltberühmt werden: Laxman Savadi (zuständig für die Landesbeteiligungen), Krishna Palemar (dem sowohl Häfen als auch Wissenschaft und Technologie zugeordnet sind) und C.C. Patil (sinnigerweise Chef des Ressorts für Frauen und Kinder) wurden dabei ertappt, wie sie sich im Parlament in Bangalore per Handy Pornofilme reinzogen. Natürlich nicht zum Vergnügen, sondern rein dienstlich. Sie gehören schließlich zur Hindu-Partei BJP, die sich immer und überall für Sittenstrenge einsetzt, und wollten sich mit dem Video  nur auf eine Debatte über die schändlichen Folgen von Techno-Partys vorbereiten. Zurückgetreten sind sie dennoch alle drei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sei’s drum:  Eigentlich aber ein guter Anlass, um das Verhältnis der Menschen in Calcutta zum Sex zu reden. Zumal mir Basav Bhattacharya, der Journalist und Vater vieler sozialer Projekte, mit dem ich gestern in seinem Heimat-Stadtteil South Calcutta unterwegs war, zufälligerweise am Tag, als der Skandal ruchbar wurde, einiges darüber erzählt hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir schlenderten nämlich durch die Budengassen in der Nähe des großen Tempels der Göttin Kali – das Viertel also, das für viele das alte Herz Calcuttas ausmacht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Basav zieht mich zu einem der Verkaufsstände und zeigt auf etwas, das hier allüberall zu sehen ist. “Weißt Du, was das ist?”, fragt Basav. Ich bin mir zwar ziemlich sicher, dass es sich dabei um eine Darstellung dessen ist, was den Mann zum Mann und die Frau zur Frau macht, handelt – aber kann das andererseits auch nicht glauben, nachdem selbst die Reklame hier auf züchtige Bekleidung größten Wert legt, in den Filmen  allenfalls geküsst werden darf (das ist buchstäblich das höchste der Gefühle) und ich in den drei Wochen hier in dieser Riesenstadt ganze fünf indische Frauen in Kleid oder Rock gesehen habe (und auch die nicht im Büro oder auf offener Straße, sondern im “Shisha” – was sich zwar Nachtclub nennt, aber bei uns wohl allenfalls als Mischung aus Hotelbar und Disco durchgehen würde).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was ich vermute, kann also nicht sein. Weil ich mich nicht blamieren will, schweige ich lieber. Und Basav nickt mit dem Kopf, als ob er ahnte, was ich denke: “Genau! Das ist das Shiva Lingam. Das kombiniert die männlichen und die weiblichen Geschlechtsorgane und steht bei uns in jeder Wohnung.”&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;div class=&quot;serendipity_imageComment_center&quot; style=&quot;width: 300px&quot;&gt;&lt;div class=&quot;serendipity_imageComment_img&quot;&gt;&lt;!-- s9ymdb:55 --&gt;&lt;img class=&quot;serendipity_image_center&quot; width=&quot;300&quot; height=&quot;225&quot;  src=&quot;http://blog.goethe.de/nahaufnahme/uploads/DSC00029-300x225.jpg&quot;  alt=&quot;&quot; /&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class=&quot;serendipity_imageComment_txt&quot;&gt;In jeder indischen Wohnung: Shiva Lingam &lt;/div&gt;&lt;/div&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit dem Phallus- und Vagina-Symbol verehrten die Menschen in Calcutta den Gott Shiva wesentlich lieber denn als ganze Figur. Mit diesem Zeichen symbolisiere und huldige man Fruchtbarkeit sowie die Vereinigung von Mann und Frau.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vor allem Frauen (ob nun verheiratetet oder ledig) träufelten jeden Morgen eine Mischung aus Milch und Wasser drauf, sagt Basav – als Sinnbild für den Höhepunkt der sexuellen Vereinigung. “Sie wollen, dass ihre jetzigen oder künftigen Männer so schön wie Shiva sind”, schmunzelt Basav:  ”Und natürlich auch, dass sie wie Shiva…” Wie soll man das jetzt (um)schreiben?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Naja, Sie wissen schon, was ich meine!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nur ein paar Schritte von der Budengasse mit den Devotionalien an die vielen Götter der Hindus beginnt Kalighat Har Kata Gol, die “Gasse der geschabten Knochen” (wie der Name der Straße übersetzt lautet). Dort, wo sich früher die Metzger konzentrierten, geht es nun um Fleischeslust der anderen Art: Auch Calcutta hat sein Rotlicht-Viertel, und zwar schon seit urdenklichen Zeiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist eine Art indische Schizophrenie: “Prostitution ist bei uns verboten. Obwohl wir sie schon immer hatten”, sagt Basav: “Früher nannte man die Prostituierten Kurtisanen.” Und in den Speiselokalen oder sonstigen öffentlichen Räumen sind auch eine Menge alter bengalischer Malereien aufgehängt, wo genau dies thematisiert wird. Von den Familien, die an der Har Kata Gol wohnen, habe wohl jede zumindest solch eine Vergangenheit, wenn nicht gar eine Gegenwart, höre ich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie gesagt: Prostitution ist verboten. In der Theorie. In der Praxis aber wächst sie weiter an. “Die Armut treibt die Leute dazu”, sagt mir Mandira Mitra, Basavs Mitarbeiterin. Übrigens suchen nicht nur junge Frauen auf diese Art und Weise, zu ein paar Rupien zu kommen. Mit der Globalisierung hat auch die Homosexualität, früher strenges Tabu in Indien, Einzug gehalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Geschäftsleute auf Reisen machen einen Großteil der Kunden von Frauen und Männern aus, die hoffen, auf diese Art und Weise dem Elend zu entkommen. Und nicht zuletzt Lkw-Fahrer, deren Touren über den Subkontinent oft zwei, drei Monate dauern, bis sie wieder daheim bei ihren Frauen  sind. Nicht zuletzt diese beiden Gruppen tragen dazu bei, die Seuche der modernen Zeit durch ganz Indien zu tragen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wobei ich der Aids-Statistik, die unter anderem im World Fact Book der CIA abgedruckt ist, ganz und gar nicht traue. Im Jahr 2009 (das sind die jüngsten Daten) sollen in Deutschland zum Beispiel 0,1 Prozent der Erwachsenen  HIV-infiziert gewesen sein. Das ist noch glaubhaft. Auch die 1,1 Prozent in der Ukraine, wo der Nürtinger Frieder Alberth so engagiert gegen diese Krankheit gekämpft hat. In Indien soll diese Rate aber seit 2001 sogar zurückgegangen sein – von 0,9 auf 0,3 Prozent!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und noch eins: Deutschlands 0,1 Prozent machen etwa 67 000 Infizierte aus. In der Ukraine redet man von 350 000 Angesteckten. Selbst wenn man die offiziellen Zahlen für Indien als korrekt unterstellt, wären das immer noch 2,5 Millionen (das wären mehr als in Sachsen-Anhalt wohnen, wo Nürtingens Partnerstadt Zerbst liegt). Wobei man sich fragen muss, wohin dann binnen zehn Jahren 5 Millionen Kranke verschwunden sein sollen? Geheilt können sie ja schließlich nicht sein. Man kann nur vermuten: Sie sind gestorben, ohne große Therapie (respektive mit gar keiner).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und zudem sagen mir mittlerweile immer mehr Inder, dass unter den offiziellen 1,2 Milliarden Bürgern die Ärmsten der Armen in den Slums  noch  gar nicht mitgezählt sind. Wenn Mandira und Basav recht haben, dann tickt indes gerade da die größte Zeitbombe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da kann einem angst und bange werden.&lt;br /&gt;
 
    </content:encoded>

    <pubDate>Thu, 09 Feb 2012 13:44:00 +0100</pubDate>
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    <title>Murmeltier TV: Wetterbericht und Kulinarisches</title>
    <link>http://blog.goethe.de/nahaufnahme/archives/99-Murmeltier-TV-Wetterbericht-und-Kulinarisches.html</link>
    
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    <author>nospam@example.com (Jürgen Gerrmann, Kolkata)</author>
    <content:encoded>
    Kurz vor Ende des letzten Arbeitstages bei der Times of India dreht Kameramann Debashish Mukherjee auf dem Balkon des 12. Stocks des Shantiniketan Building in der Camac Street die Abendnachrichten für Murmeltier TV in Deutschland.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Themen: Wetterbericht und Antwort auf Leserfragen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach Redaktionsschluss von Murmeltier TV  eingegangen ist Basav Bhattacharyas Antwort auf Regina Lüderts zweite Frage:&lt;br /&gt;
“Warum gibt es zumindest in Südindien nicht mehr die traditionell geflochtenen Sandalen aus Leder?Hat das was mit der Politik gegenüber den Dhalits (Unberührbaren) zu tun?”&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Antwort unseres Sozialexperten: ”Die einfachen Leute tragen keine traditionell geflochtenen Ledersandalen  mehr – weil die einfach zu teuer sind im Vergleich zu synthetischem Leder aus Kunststoff oder anderen künstlichen Produkten. Selbst die Schuhe, die ich trage, haben oben Leder und sind unten aus Kunststoff. Das ist gut bei Regen und darüber hinaus langlebig. Lederschuhe, wie ich sie verwende, kosten 2500 Rupien je Paar. Das sind umgerechnet 40 Euro – und damit sehr viel, wenn man es mit dem Einkommen anderer Menschen vergleicht.&lt;br /&gt;
Mit den Dhalits hat das nichts zu tun. Dank der Ausbildung, die ihnen in den letzten Jahren zuteil worden ist, haben viele es in gute Positionen geschafft. Viele haben inzwischen auch Arbeitsplätze. Die einen sind besser, die anderen schlechter.”&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 
    </content:encoded>

    <pubDate>Tue, 14 Feb 2012 14:10:00 +0100</pubDate>
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    <title>Mit Musik aus der Armut und zum Frieden</title>
    <link>http://blog.goethe.de/nahaufnahme/archives/92-Mit-Musik-aus-der-Armut-und-zum-Frieden.html</link>
    
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    <author>nospam@example.com (Jürgen Gerrmann, Kolkata)</author>
    <content:encoded>
    “Sufi Sutra” – unter diesem Motto wurde Kolkata drei Tage lang zum Nabel der spitutuellen Musik in Indien. Doch wenn es nach  Amitava Bhattacharya, dem Organisator des Festivals geht, ist das noch nicht genug: Er möchte Calcutta zum Weltzentrum der spirituellen Musik machen. Und damit auch sein Projekt “Art for Life” voran bringen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dessen Konzept ist einfach und begeisternd zugleich: Bhattacharya hat es keine Ruhe gelassen, dass es gerade im ländlichen Indien herausragende Musiker gibt, die sich aber nicht ihrer wahren Begabung widmen können, sondern niedere Arbeiten verrichten müssen, um ihre Familien überhaupt über die Runden zu bringen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
“Banglanatak” (übersetzt: “Bengalische Trommler”), wie seine Organisation heißt, spürt diese Talente auf, fördert sie, organisiert auch Austauschprogramme mit der westlichen Welt und kümmert sich auch sonst um Auftritte für sie. Mittlerweile hat er schon 3200 Musiker (natürlich nicht nur Solisten, sondern auch in Ensembles) in seiner Kartei. Früher hätten die gerade mal 400 Rupien (6,50 Euro)  im Monat zur Verfügung gehabt, bei “Art for Life” –  das sich übrigens nicht auf Musik beschränkt, sondern auch Künstlern und Kunsthandwerkern eine Plattform bietet – verdienten sie mittlerweile zwischen 65 und 550 Euro. Das ist schon ein Sprung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;div class=&quot;serendipity_imageComment_center&quot; style=&quot;width: 300px&quot;&gt;&lt;div class=&quot;serendipity_imageComment_img&quot;&gt;&lt;!-- s9ymdb:50 --&gt;&lt;img class=&quot;serendipity_image_center&quot; width=&quot;300&quot; height=&quot;225&quot;  src=&quot;http://blog.goethe.de/nahaufnahme/uploads/DSC00291-300x225.jpg&quot;  alt=&quot;&quot; /&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class=&quot;serendipity_imageComment_txt&quot;&gt;Tanmoy Bose, Amitava Bhattacharya und Ustad Amjad Ali Khan eröffnen die Sufi Sutra 2012. &lt;/div&gt;&lt;/div&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die “Sufi Sutra” dient offensichtlich der Eigenwerbung für dieses auch von der Unesco anerkannte Projekt. Im Mohar Kunj einem wunderschönen (und vor allem: sauberen) Park in der Nähe des Victoria Memorials, ist eine große Open Air-Bühne aufgebaut, sind Stühle für etwa 2000 Menschen vorhanden (solange der Abend noch einigermaßen lau ist, sind die bei freiem Eintritt auch fast alle besetzt), noch im entferntesten Winkel des Parks kann man auf Großleinwänden das Geschehen verfolgen. Die Creme de la Creme der bengalischen Volksmusik – wie Ustad Amjad Ali Khan (ein Meister der Sarod, der indischen Laute) oder Tanmoy Bose (ein brillianter Tabla-Spieler)  – und sonstige Ehrengäste sitzen in zwei Polsterbank-Reihen ganz vorne.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie erleben acht Ensembles aus sechs Ländern, die beim “Sufi Sutra” die Kraft der Humanität und des Friedens feiern wollen – mit spiritueller Musik, aber jenseits konkreter Religionen. Die Melodien sollen nicht trennen, sondern zusammenführen. Denn Calcutta habe immer an die Pluralität der Gedanken geglaubt, heißt es im Programmheft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;div class=&quot;serendipity_imageComment_center&quot; style=&quot;width: 300px&quot;&gt;&lt;div class=&quot;serendipity_imageComment_img&quot;&gt;&lt;!-- s9ymdb:49 --&gt;&lt;img class=&quot;serendipity_image_center&quot; width=&quot;300&quot; height=&quot;225&quot;  src=&quot;http://blog.goethe.de/nahaufnahme/uploads/DSC00279-300x225.jpg&quot;  alt=&quot;&quot; /&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class=&quot;serendipity_imageComment_txt&quot;&gt;Musik aus West-Bengalen: Drei der Bauls and Fakirs from Nadia and Murshidabad &lt;/div&gt;&lt;/div&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den Auftakt macht Gastgeber West-Bengalen. Die Bauls und Fakirs aus Nadia und Murshidabad erweisen sich als gute Einheizer. Das Publikum hat gleich was, womit es sich identifizieren kann, und die Gruppe begeistert auch dadurch, dass jeder sowohl im Hintergrund spielt als auch als Solist vorne agieren darf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;div class=&quot;serendipity_imageComment_center&quot; style=&quot;width: 300px&quot;&gt;&lt;div class=&quot;serendipity_imageComment_img&quot;&gt;&lt;!-- s9ymdb:51 --&gt;&lt;img class=&quot;serendipity_image_center&quot; width=&quot;300&quot; height=&quot;225&quot;  src=&quot;http://blog.goethe.de/nahaufnahme/uploads/DSC00300-300x225.jpg&quot;  alt=&quot;&quot; /&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class=&quot;serendipity_imageComment_txt&quot;&gt;Weltmusik aus Ungarn: Söndörgö &lt;/div&gt;&lt;/div&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Söndörgö, die Gäste aus Ungarn, lassen freilich daran zweifeln, ob sie in ein spirituelles Konzept hineinpassen. Was sie spielen, ist Balkan-Folklore vom Feinsten –  was aber dadurch ins Sufi Sutra-Schema hineingepresst wird, dass sich die Gruppe auch musikalisch für eine Versöhnung von Serben und Kroaten einsetzen wolle. Klasse Weltmusik zweifelsohne, selbst Anklänge an den Sirtaki sind dabei, und das Publikum spendet auch (für indische Verhältnisse) enormen Applaus. Gut also, dass die Veranstalter ihr Motto nicht allzu ernst genommen haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;div class=&quot;serendipity_imageComment_center&quot; style=&quot;width: 225px&quot;&gt;&lt;div class=&quot;serendipity_imageComment_img&quot;&gt;&lt;!-- s9ymdb:52 --&gt;&lt;img class=&quot;serendipity_image_center&quot; width=&quot;225&quot; height=&quot;300&quot;  src=&quot;http://blog.goethe.de/nahaufnahme/uploads/DSC00307-225x300.jpg&quot;  alt=&quot;&quot; /&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class=&quot;serendipity_imageComment_txt&quot;&gt;Lobpreis Allahs: Marouane Hajj aus Marokko &lt;/div&gt;&lt;/div&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beim-Schluss-Act des ersten Tages passt es wiederum ganz genau: Marouane Hajj und sein Ensemble Akhawane zelebrieren den Lobpreis Allahs überaus beeindruckend. Das Mantra zu ehren des Schöpfers kann zugleich beruhigen und unter die Haut gehen. Aber dann wird es dann doch zu kalt. Immer mehr Menschen (darunter ich im kurzärmeligen Hemd) verlassen kurz nach 22 Uhr den Mohar Kunj. An Marouane Hajj und seiner Musik lag dies freilich garantiert nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;div class=&quot;serendipity_imageComment_center&quot; style=&quot;width: 300px&quot;&gt;&lt;div class=&quot;serendipity_imageComment_img&quot;&gt;&lt;!-- s9ymdb:53 --&gt;&lt;img class=&quot;serendipity_image_center&quot; width=&quot;300&quot; height=&quot;225&quot;  src=&quot;http://blog.goethe.de/nahaufnahme/uploads/DSC00319-300x225.jpg&quot;  alt=&quot;&quot; /&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class=&quot;serendipity_imageComment_txt&quot;&gt;Musik verbindet Juden, Moslems und Christen: der Orient West Choir aus Dänemark &lt;/div&gt;&lt;/div&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Europas zweiter Vertreter ist am nächsten Abend der Orient West Choir – aus Dänemark. Ein höchst bemerkenswertes Ensemble ist da aus Skandinavien angereist. Es versucht, die musikalischen Verbindungen zwischen den drei monotheistischen Religionen dieser Erde aufzuspüren und leben zu lassen – und schafft es, mit der Musik eine Brücke zwischen Juden, Moslems und Christen zu schlagen. Vielleicht noch darüber hinaus, denn den Bengalen hier gefällt nicht zuletzt der von einer Tänzerin auch optisch umgesetzte Loblied auf die Bäume.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;div class=&quot;serendipity_imageComment_center&quot; style=&quot;width: 300px&quot;&gt;&lt;div class=&quot;serendipity_imageComment_img&quot;&gt;&lt;!-- s9ymdb:54 --&gt;&lt;img class=&quot;serendipity_image_center&quot; width=&quot;300&quot; height=&quot;225&quot;  src=&quot;http://blog.goethe.de/nahaufnahme/uploads/DSC00327-300x225.jpg&quot;  alt=&quot;&quot; /&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class=&quot;serendipity_imageComment_txt&quot;&gt;Tolle Kostüme: das Staatsensemble für alte Musikinstrumente aus Aserbaidschan &lt;/div&gt;&lt;/div&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
European Song-Contest Aserbaidschan verblüfft einmal mehr: Das Staatsensemble für alte Musikinstrumente entführt in einer Klangwelt, die zunächst uralt scheint, aber einfach zeitlos klingt und mitunter auf Instrumenten gespielt wird, die ich noch nie gesehen, geschweige denn gehört habe. Und die Kostüme dazu sind auch einfach herrlich. Kein Wunder, dass die Menschen hier ebenso begeistert sind wie das Publikum in Stuttgart, wo die Truppe 2008 ein Konzert gab.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dann muss ich aber heim. Denn am nächsten Morgen geht es früh raus. Der Bus in den Nationalpark Sundarbans wartet nicht.&lt;br /&gt;
Und so verpasse ich die Ägypter der der El Kawmeya Folklore Music Troupe sowie die Nizami Khusro Bandhu aus Delhi und die Kashmir Music Society.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber auch so war es schön, mal in andere musikalische einzutauchen, die man in Deutschland kaum kennt. Ich bin gespannt, ob Amitava Bhattacharyas Traum von Calcutta als Welthauptstaft der spirituellen Musik in Erfüllung geht (wobei es der Ausfruck “Weltmusik” auch täte).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich drücke ihm auf den jeden Fall die Daumen.&lt;br /&gt;
 
    </content:encoded>

    <pubDate>Thu, 09 Feb 2012 11:09:55 +0100</pubDate>
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<item>
    <title>Aditis Mann singt</title>
    <link>http://blog.goethe.de/nahaufnahme/archives/91-Aditis-Mann-singt.html</link>
    
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    <author>nospam@example.com (Jürgen Gerrmann, Kolkata)</author>
    <content:encoded>
    Meine Kollegin Aditi Guha, die uns im Frühjahr besuchen wird, ist schon ganz aufgeregt: “Du warst noch nicht auf der Buchmesse? Dann musst Du unbedingt heute hin! Mein Mann singt da nämlich! Um 4 Uhr nachmittags bei Kolkata TV.”&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und so mach ich mich auf zum Messegelände in Science City, wo die Massen zur Kolkata  Book Fair, der weltweit größten Publikums-Veranstaltung dieser Art, strömen. Ich bin etwas in Hektik (aber das ist bei mir ja sowohl daheim als hier immer der Fall und insofern nichts Besonderes), und freu mich erst mal über die Ehrlichkeit der Inder. Als ich nämlich im Taxi meinen Foto aus dem Rucksack holte, hatte ich doch glatt vergessen, dessen Reißverschluß wieder zuzumachen. Ohne große Schwierigkeiten hätte man mir den Laptop rausklauen können. Der lag quasi auf dem Serviertablett da. Aber schon nach zehn Metern auf dem Messegelände klopfen mir gleich zwei Männer auf die Schulter und warnen mich. Nochmal gut gegangen!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gut gegangen ist auch meine Suche nach dem Stand von Kolkata TV. Obwohl der Schriftzug des Lokalsenders in Sanskrit (für mich immer noch ein Buch mit sieben Siegeln) gehalten ist, führt mich mein Instinkt direkt dorthin. Aber was heißt hier schon “Lokalsender”? Seine Zielgruppe ist zahlenmäßig fast exakt so groß wie die des angeblich so bedeutenden SWR. Und der sendet für zwei Bundesländer. Kolkata TV eigentlich nur für eine Stadt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als meine unsichere Frage, ob ich hier richtig bei Kolkata TV bin, mit heftigem Kopfnicken beantwortet wird, bin ich schon richtig stolz auf mich, packe mein Notizbuch aus, das mir meine Nichte Julia mit auf den Weg gegeben hat, und schaue gespannt auf die Szenerie. Aditis Mann Samarjit, der beim British Council arbeitet, aber auch schon einige CDs als Volkssänger aufgenommen hat, sitzt schon da. Links neben ihm ein junger Mann mit dem Keyboard, der wohl für eine etwas modernere Note sorgen soll, rechts von ihm zuerst die Moderatorin Kanika Rey und danach die Rezitatorin und Tagore-Expertin Ratna Mitra.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;iframe width=&quot;560&quot; height=&quot;315&quot; src=&quot;http://www.youtube.com/embed/9BtAdwqalj4&quot; frameborder=&quot;0&quot; allowfullscreen&gt;&lt;/iframe&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und vor sich hat er eine Art querliegendes Akkordeon auf dem Tisch liegen, das mich an das Harmonium erinnert, das bei den schwäbischen Pietisten, eine so große Rolle spielt. Und in der Tat: Es ist auch eins!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit begleitet sich Samarjit bei einer ganzen Reihe von Liedern des Literatur-Nobelpreisträgers selbst: “Dariye Aacho” und Akash Bhora” sind beides Liebeslieder. Beim ersten wartet die Angebetete auf der anderen Seite des Flusses, beim zweiten wird sie mit einem Himmel verglichen, an dem die Sonne, der Mond und die Sterne zugleich stehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alles geht hier natürlich auf Bengali ab. Es werden Anekdoten erzählt, geschmunzelt und gelacht. Ich verstehe kein Wort, höre aber eine ganze Stunde lang intensiv zu, weil mich die Begeisterung der Menschen für ihren großen Dichter so fasziniert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zumal Samarjits kräftige, warme Stimme auch mich zum Träumen anregt.&lt;br /&gt;
 
    </content:encoded>

    <pubDate>Wed, 08 Feb 2012 13:27:54 +0100</pubDate>
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    <title>Hare Krishna!</title>
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    <author>nospam@example.com (Jürgen Gerrmann, Kolkata)</author>
    <content:encoded>
    Wie hatte ich mich drauf gefreut! Mal zwei Tage raus aus dem Smog der Metropole, mal durchatmen können, das Grün der Mangroven statt des Graus des Betons zu sehen – und dann mal durchschlafen statt mehrmals von einem der dauerhupenden Autos geweckt zu werden, die drunten auf dem Sträßlein vor meinem Gästehaus hartnäckig Warnsignale geben, obwohl zu nachtschlafender Zeit niemand unterwegs ist. Das Motto für die meisten Autofahrer in Calcutta lautet wohl: Erst mal Hupen! Es könnte ja hinter dem Eckhaus an der 90-Grad-Linkskurve einer entgegenkommen. Und vorsichtig zu fahren ist unbequemer, als vorbeugend zu hupen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;div class=&quot;serendipity_imageComment_center&quot; style=&quot;width: 300px&quot;&gt;&lt;div class=&quot;serendipity_imageComment_img&quot;&gt;&lt;!-- s9ymdb:48 --&gt;&lt;img class=&quot;serendipity_image_center&quot; width=&quot;300&quot; height=&quot;225&quot;  src=&quot;http://blog.goethe.de/nahaufnahme/uploads/DSC00352-300x225.jpg&quot;  alt=&quot;&quot; /&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class=&quot;serendipity_imageComment_txt&quot;&gt;Willkommen im Sundarban Tiger Camp: Tagsüber sangen nur die Vögel &lt;/div&gt;&lt;/div&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das alles hat in den Sundarbans eigentlich prima geklappt. Bis auf letzteres. Und dabei hatte es im Sundarban Tiger Camp im Nationalpark eigentlich ganz prima begonnen. Ein gutes Essen, ein für indische Verhältnisse außergewöhnlich schönes und vor allem sauberes Zimmer, angenehme Gespräche mit netten Mitreisenden – die besten Vorussetzungen also, um wie in Abrahams Schoß zu schlummern. Daß in der Nähe noch ein Hindu-Fest zu Gange war, das stört nicht groß beim Einschlafen. Das wird ja bald aufhören, spätestens um Mitternacht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um 1 herrscht zwar immer noch munteres Treiben, aber was soll’s. Das ist schließlich manchmal auch daheim in der Heiligkreuzstraße der Fall. Also einfach weiterschlafen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um kurz nach 2 (beim nächsten Aufwachen) schmunzle ich dann: Nur noch ein einziger hat durchgehalten. Und wiederholt mir aus meiner Jugend-Zeit und Disc-Jockey-Tagen wohlbekannte Worte: “Hare Rama , Rama Krishna!” Was George Harrison mit “My Sweet Lord” zu einem Welthit verhalf, wiederholt der Mann aus den Sunderbans in der Endlosschleife. Von Gedanken an die wonnevolle Jugendzeit beseelt, dämmere ich wieder weg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber um 3.25 Uhr wache ich wieder auf – und mein unbekannter Freund ist immer noch mit “Hare Krishna” zugange. Wie mir scheint, direkt unter meinem Fenster. Aber das kann nicht sein. Vermutlich hat er eben ein besonders lautes Organ. Und durch das ständige Aufwachen bin ich nun vielleicht auch etwas genervter als um Mitternacht. Sei es, wie es will: der Gute entwickelt sich für mich langsam zum Alptraum.&lt;br /&gt;
Ich wälze mich hin und her, rechne ständig nach, wie lange ich jetzt noch schlafen könnte, wenn ich denn schlafen könnte, versuche es mit autogenem Training -aber alles hat gegen “Hare Krishna” keine Chance. Die Minuten verrinnen, ich werde immer verzweifelter, aber ich will ja nicht jemand gegenüber aggressiv sein, der seiner Spiritualität Ausdruck verleiht und offensichtlich um Schutz in der Nacht oder etwas anderes Wichtiges bittet. Sonst würde er ja nicht so lange durchhalten. Immerhin waren zwei Tage zuvor die Tiger im Dorf. Hat man uns gesagt. Was aber tun?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gottseidank habe ich mein iPad dabei und lese in meiner Not uralte “Spiegel”-Artikel aus dem Frühling 2011, die jetzt für mich neu sind, weil sie mich damals nicht interessierten und ich sie einfach übersprungen habe. So kriege ich wenigstens mit, welch interessante Filme ich damals nicht gesehen habe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alles hat eben sein Gutes. Und so mache ich mich langsam, so gegen 4.30 Uhr, mit dem Unabwendbaren vertraut: Offensichtlich handelt es sich um ein Ritual, und “Hare Krishna” muss wohl erklingen, bis die Sonne aufgeht. Der unermüdliche Sänger scheint ohnehin in Trance und kommt damit mit der Situation weit besser als ich zurecht. Ich staune, wie er in immer neuen Varianten die Tonleiter rauf- und runterklettert und mir wird klar, daß George Harrisons Version doch sehr an den westlichen Ton-Geschmack angeglättet war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber mit der Zeit werde ich friedlicher, was immerhin der Intention des Ex-Beatles entspricht. Das beruhigt mich ungemein, und ich erkenne neidlos an, welche “Mords-Kuttel”, wie der Schwabe zu sagen pflegt, der Gute da unten hat. Sonst hätte er ja nicht über vier Stunden als Solist durchgehalten. Und mein Erfolgserlebnis hab ich ja auch: Pünktlich mit dem ersten Sonnenstrahl wird (wie von mir erahnt) der Gesang zuerst besonders intensiv und verstummt dann. Gegen 5.45 Uhr.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun habe ich meine Ruhe und nicke ein. Die Vögel im Garten, die “Hare Krishna” übergangslos abgelöst haben, singen mir ein wundervolles Schlaflied.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um 6 Uhr sind die guten Geister der Lodge da. Und servieren den Guten-Morgen-Tee.&lt;br /&gt;
 
    </content:encoded>

    <pubDate>Tue, 07 Feb 2012 13:22:00 +0100</pubDate>
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    <title>Murmeltier TV – Thema des Tages: Recht, Wissenschaft und Wirtschaft</title>
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    <author>nospam@example.com (Jürgen Gerrmann, Kolkata)</author>
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    Wenn einer eine Reise tut beziehungsweise einen Ausflug macht, dann kann er was erzählen – oder sich was erzählen lassen: Murmeltier TV nutzte die Chance, im indischen Nationalpark Sundarban an der Grenze zu Bangla Desh ein Kurzinterview mit einem der renommiertesten Verfassungsrechtler Deutschlands (und zugleich früheren CDU-Abgeordneten der Hamburger Bürgerschaft) zu führen: Professor Dr. Ulrich Karpen von der Universität Hamburg hat nacheinander in China und Indien gelesen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 
    </content:encoded>

    <pubDate>Mon, 06 Feb 2012 13:30:00 +0100</pubDate>
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    <title>Mit dem Tempel um die Stadt</title>
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    <author>nospam@example.com (Jürgen Gerrmann, Kolkata)</author>
    <content:encoded>
    Wie gut, daß nicht nur ich mich in dieser riesigen Stadt Calcutta manchmal zu verirren drohe, sondern das auch Einheimischen durchaus passieren kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das habe ich gerade erlebt, als ich mit Aditi Chamaria, einer jungen freien Mitarbeiterin der Times of India, zum Sufi-Festival sollte und wollte. Auf der Eintrittskarte stand “Mohar Kunj” als Veranstaltungsort. Das sagte weder ihr noch natürlich mir etwas. Und auch keinem der anwesenden Kollegen. Also wurde, wie die jungen Leute von heute nun mal sind, Google Maps befragt. Antwort: Nähe College Street. Ziemlich weit weg. Also nehmen wir ein Taxi, und sind froh, daß der Mann am Steuer uns sagt, er wisse schon, wo Mohar Kunj liege. Ganz klar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als wir nach 35 Minuten Fahrt in der College Street ankommen, stellt sich freilich heraus, daß diese Aussage wohl etwas voreilig war. Ziemlich hilflos kurvt er da herum. Auch die Passanten, die er befragt, schütteln nur den Kopf. “Mohar Kunj? Nie gehört.” Also nochmal ein Anruf bei Kollegin Rajani in der Redaktion. Sie soll nochmal das Internet befragen. Sie hält Google Maps die Treue: “Das muss da irgendwo sein.” Also zahlen wir das Taxi und steigen aus. Wir wollen es zu Fuß versuchen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was auch immer Google Maps für Mohar Kunj hält: Das, was wir suchen, ist es auf jeden Fall nicht. Das wird uns schon klar, als wir Straßenhändler und Menchen, von denen wir glauben, sie wohnen hier, befragen: Keine Spur von Mohar Kunj.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hoffnung schöpfen wir, als einer sagt, dass sei doch an der Esplanade. Die ist zwar wieder weit weg im Stadtzentrum, aber immerhin mal eine konkrete Aussage. Dann versichern wir uns bei einer Gruppe Studenten, die vor dem Tor zu einem Gebäude der Uni stehen. Die besprechen sich kurz und sagen dann: “Mohar Kunj ist bei Victoria Memorial.”&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aditi verliert langsam die Nerven, ist verzweifelt: “Die eine schickt uns dahin, der andere dorthin. Ich halt das nicht mehr aus !” Einer der Studenten lacht uns beide an: “Das ist Indien! Da kannst du eben nie sicher sein.”&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir stoppen dann wieder ein Taxi. Wieder dauert es eine halbe Stunde bis in die Nähe des Riesenbaus zu Ehren von Queen Victoria, das Konzert hat schon lange angefangen. Wieder hat es ungefähr dieselbe Summe gekostet. Eine erstaunliche Parallelität. “Das muß doch eigentlich ganz in der Nähe der Redaktion sein”, denke ich mir daher. Ob wir etwa mit der Kirche ums Dorf (respektive dem Tempel um die Stadt) gefahren sind?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Also versuche ich es am nächsten Abend zu Fuß.&lt;br /&gt;
Ich habe 14 Minuten gebraucht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 
    </content:encoded>

    <pubDate>Mon, 06 Feb 2012 13:16:00 +0100</pubDate>
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    <title>Ein süßes Völkchen</title>
    <link>http://blog.goethe.de/nahaufnahme/archives/87-Ein-suesses-Voelkchen.html</link>
    
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    <author>nospam@example.com (Jürgen Gerrmann, Kolkata)</author>
    <content:encoded>
    Auch die Inder haben ihre Leidenschaften. Nicht nur Cricket und Hockey. Die Westbengalen zum Beispiel sind den Süßigkeiten verfallen. Darauf lassen sie nichts kommen. Egal, was die Ärzte (seien sei nun westlich oder ayurvedisch orientiert) auch sagen mögen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und mit großer Leidenschaft stellen sie die auch selbst her. So wie zum Beispiel Gayatri Ghosh und Malaya Mitra (gemeinhin auch “Tante Mimi” genannt) im Dörfchen Karanjali zweieinhalb Stunden südlich von Calcutta.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn man ein Haus oder eine Wohnung auf dem Land in Westbengalen besucht, dann ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass (so es nicht allzu spät wird) dort gekocht und gebacken wird. Gegessen wird auch noch sehr spät. Das “Abendessen” bei meinem Besuch dort habe ich zum Beispiel kurz vor Mitternacht eingenommen. Und nicht etwa Schmalhans war da Küchenmeister. Ratschläge, nicht mit vollem Magen ins Bett zu gehen, werden dort in aller Regel in den westbengalischen Wind geschlagen, der sie doch bitteschön ins Meer tragen möge.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;div class=&quot;serendipity_imageComment_center&quot; style=&quot;width: 300px&quot;&gt;&lt;div class=&quot;serendipity_imageComment_img&quot;&gt;&lt;!-- s9ymdb:47 --&gt;&lt;img class=&quot;serendipity_image_center&quot; width=&quot;300&quot; height=&quot;225&quot;  src=&quot;http://blog.goethe.de/nahaufnahme/uploads/DSC00282-300x225.jpg&quot;  alt=&quot;&quot; /&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class=&quot;serendipity_imageComment_txt&quot;&gt;Gayatri Ghosh und Tante Mimi füllen die Pithey. &lt;br /&gt;
&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Spezialität von Gayatri und Tante Mimi sind zum Beispiel die Pithey. Eine typisch bengalische Nachspeise: In einen Reismehl-Teig kommen Kokosflocken und Zucker, und das ganze wird dann gedämpft und anschließend mit flüssigem Rohrzucker kredenzt. Einfach köstlich! Aber beileibe nicht die einzige Delikatesse dieser Art in diesem Landstrich. Wer nur ein paar Tage unter ihnen verbringt, der merkt schnell: die Bengalen sind einfach ein süßes Völkchen.&lt;br /&gt;
 
    </content:encoded>

    <pubDate>Sat, 04 Feb 2012 12:33:00 +0100</pubDate>
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    <title>“Spiel mit Deinem Herzen!”</title>
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    <author>nospam@example.com (Jürgen Gerrmann, Kolkata)</author>
    <content:encoded>
    Märchen und Musik verzaubern. Märchen und Musik verbinden aber auch die Menschen. Zu spüren war dies gestern Abend im Goethe-Institut von Calcutta: Mit großen Handpuppen tauchte ein Deutscher (Matthias Kuchta) mit drei Indern (den Sitaristen Subroto Roy Chowdhury und Anjan Saha sowie Swapan Bhattacharya an den Tabla ) an seiner Seite in die Klangwelt der Jahrtausende alten klassischen indischen Musik ein. Eine Stunde voller Romantik brachte groß und klein Melodien nahe, die bis heute nichts von ihrem Zauber verloren haben, auch wenn sie mehr und mehr vom Einheits-Klangteppich der Globalisierung überdeckt zu werden drohen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf der anderen Seite ist dieses Puppen-Musik-Theater ein Multikulti-Stück im besten Sinne: Ein Deutscher hatte die uralte buddhistische Erzählung von Sanjay und seinem Meister aus der Sammlung der “Jatakas” bearbeitet, ein Inder (Dadi Pudumjee aus Delhi) übernahm wiederum die Regie, bei den Kinder-Theatertagen wurde im Oktober in Hamburg Premiere gefeiert, Calcutta war nun die dritte Station einer eine Mini-Tournee durch Indien (New Delhi, Chandigarh und Hyderabat folgen noch). So geht alles kreuz und quer und hin und her – und durchwirkt und verbindet einander gerade deswegen. Die Distanz schwindet. Und plötzlich sind die Indien und Deutschland gar nicht mehr so weit voneinander entfernt, wie man denkt. Zumindest kulturell.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Geschichte vom kleinen Sanjay, der in die große Stadt Benares zieht, um Musiker zu werden, könnte man sich (in Varianten) ja auch in Grimms Märchen vorstellen: Ein böser König, der einen miesen Plan ausheckt, um auf jeden Fall einen Verlierer und dessen Blut zu sehen, würde da genauso hineinpassen wie der Teufel, der sich ins Fäustchen lacht, weil er sich schon an der Seite der schönen Tochter  des Meisters wähnt, oder die Läuterung des Monarchen, der nach dem Wett-Spiel ums Leben dann eben nicht nur einen (über-)lebenden Hofmusiker an seiner Seite hat, sondern deren zwei: den besten Sitaristen und den besten Sänger der Welt. Und wenn sie nicht gestorben sind, dann musizieren die beiden noch heute miteinander…&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zwischen dem Aufbruch des kleinen Helden und dem Happy End ist auch noch viel Philosophisches verpackt. “Alles Leben ist Musik”, schwärmt da etwa Meister Anand: “Am Morgen, am Abend, im Frühling, im Winter, in Freude und Traurigkeit, in der Liebe. Ja sogar in der Stille ist Musik.” Und sie begleitet auch Kuchtas Puppen durch alle Situationen und Emotionen – mal meditativ, mal regelrecht ekstatisch. Tag für Tag, Woche für Woche, Monat für Monat und Jahr für  Jahr muss Sanjay üben und gibt nie auf.     Sitars und Tablas nehmen derweil immer mehr Tempo auf – und plötzlich und endlich ist es so weit: Sanjay kann es alleine.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Erfolgsrezept hat ihm Meister Anand freilich schon am Anfang verraten: “Spiel mit Deinem Herzen!” Ein Ratschlag, der  wohl nicht nur für Musiker gilt. Sondern für jeden Beruf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und auch die vier auf der Bühne spielten mit ihren Herzen: die beiden Sitaristen schlüpfen in die Rolle der Puppen – und der deutsche Puppenspieler in die Seele der Inder. Er hat ihnen den Spiegel ihrer Kultur vorgehalten. Und die kleinen und großen Menschen in Calcutta waren begeistert von dem, was sie dort sahen.&lt;br /&gt;
 
    </content:encoded>

    <pubDate>Fri, 03 Feb 2012 09:41:30 +0100</pubDate>
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    <title>Tag des Murmeltiers</title>
    <link>http://blog.goethe.de/nahaufnahme/archives/84-Tag-des-Murmeltiers.html</link>
    
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    <author>nospam@example.com (Jürgen Gerrmann, Kolkata)</author>
    <content:encoded>
    Exotisches fasziniert die Menschen seit eh und je. Egal, wo sie nun leben. Daher faszinieren uns in Deutschland Elefanten, Schlangen und Tiger. Und die Bengalen am Ufer des Hugli (oder Ganges) – das Murmeltier.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heute, am 2. Februar, ist der Tag des Murmeltiers. In Punxsutawney in den USA wird heute wieder groß gefeiert, was ja spätestens seit dem Film “Und täglich grüßt das Murmeltier” zum humanistischen Grundwissen des Bildungsbürgers gehört.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daher ist es gut, dass mir meine Nürtinger Kollegen noch rechtzeitig zum Welt-Murmeltiertag meine Maskottchen hierher geschickt haben, die zuvor im Rahmen eines ruchlosen Erpressungsversuchs am Neckar entwendet worden waren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hier fühlen sie sich wohl, genießen den Smog als Abwechslung zur gewohnten reinen Luft und spielen nach Herzenslust auf ihrer Ziehharmonika die wunderschönen Lieder der Tiroler Berge, die ja auch ich so liebe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;iframe width=&quot;560&quot; height=&quot;315&quot; src=&quot;http://www.youtube.com/embed/14aGyGU4dSA&quot; frameborder=&quot;0&quot; allowfullscreen&gt;&lt;/iframe&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Murmeltier nervt hier niemand in der Redaktion, bei der Times of India hat es schon den Rang eines Pop-Stars erklommen. Weder Jungs noch Mädels können ihm wiederstehen. Alle wollen es drücken. Die Männer recken den Daumen in die Höhe, wenn sie das muntere Tierchen aus den Alpen entdecken, die jungen Damen finden es “So cute!”, und unsere Putzmänner schließen es jeden Abend weg, wenn ich es in der Hektik mal wieder auf dem Schreibtisch vergesse. Schließlich soll es ja keine erneute Entführung geben. Die fürs Goethe-Institut zuständige Staatsministerin im Auswärtigen Amt, Cornelia Pieper, möchte man davor bewahren, Lösegeld-Verhandlungen führen zu müssen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und daher gibt es heute, am Tag des Murmeltiers, natürlich eine Feier. Die Kollegen haben mich ins “Shisha” eingeladen. Einen Nightclub. Nur ein paar Gehminuten weg. Cocktails und Dinner soll es nachher geben. Zuvor muss ich aber noch arbeiten. Im Goethe-Institut gibt’s Puppentheater: “Sanjay und sein Meister”.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und ich bin gespannt, ob die Kollegen danach die Puppen tanzen lassen&lt;br /&gt;
 
    </content:encoded>

    <pubDate>Thu, 02 Feb 2012 14:10:50 +0100</pubDate>
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    <title>Ein Heimat-Film</title>
    <link>http://blog.goethe.de/nahaufnahme/archives/83-Ein-Heimat-Film.html</link>
    
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    <author>nospam@example.com (Jürgen Gerrmann, Kolkata)</author>
    <content:encoded>
    Italienische Charme-Offensive in Calcutta: Begleitend zur Kolkata Book Fair in Science City, der größten Publikums-Buchmesse der Welt, auf der man heuer Gastland ist, präsentiert das Generalkonsulat von Bella Italia im Rabindranath Tagore Centrum (nur zehn Gehminuten von unserer Redaktion entfernt) ein “Italienisches Film-Festival” im Mini-Format – Cinema italiana in verschiedensten Varianten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum Auftakt am Montag gab es sogar etwas mit direktem Bezug zu Calcutta: “Gangor” von Italo Spinelli, der bei den Filmfestspielen von Rom 2010 mit stehenden Ovationen bedacht wurde. Hier sieht man ihn übrigens gar nicht als italienischen, sondern als bengalischen Film: Nur der Regisseur ist Europäer, die Schauspieler stammen alle von hier. Und das Thema auch: Ein Fotojournalist will in der Bähe von Calcutta eine Story über die Ausbeutung Frauen auf dem Land drehen und entdeckt dabei Gangor, die für ihn der  Inbegriff der uralten indischen Schönheit ist. Es gibt aber kein Happy End. Im Gegenteil: Nachdem der Artikel erschienen ist, löst die Besessenheit des Zeitungsmanns für die Schöne vom Lande eine Katastrophe aus. Und der Journalist wird Teil der Gewalt, die er doch bekämpfen wollte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am Dienstag ging’s dann (auf den ersten Blick) gewohnt romantisch zu: “Biaciami Ancora” – den Titel des Streifens von Gabriele Muccino aus dem Jahr 2010 muss man wohl erst gar nicht übersetzen. Aber es geht nicht nur um Küssen und Liebe, sondern auch um Belastung und Trübsale, die viele Männer überfällt, wenn sie mit Mitte 40 plötzlich feststellen, dass ihr Leben nicht unendlich ist. Und Beziehungsprobleme dürfen selbstverständlich auch nicht fehlen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum Finale heute Abend wird ein etwas älteres Werk gezeigt: Michele Placidos “Un Viaggio Chiamato Amore” (“Eine Reise, die man Liebe nennt”) feierte schon vor zehn Jahren Premiere. Aber das macht ja nix. Das Drama, das sich hier widerspiegelt, spielte sich ohnehin schon vor etwa 100 Jahren ab – die Liebesbeziehung zwischen Sibilla Aleramo und Dino Campana, zwei zu Beginn des 20. Jahrhunderts in Italien berühmten Autoren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gestern war ich selbst vor Ort: bei “L’Abbuffatta” oder “The Binge”. Dass der italienische Titel “Das Fressen” bedeutet und der englische “Das Gelage” ist unerheblich, denn letztlich läuft es ja auf dasselbe hinaus. Mimmo Caloprestis Film begeistert mich mit jeder Minute mehr – denn er ist  nicht nur eine eindrucksvolle Hommage ans Kino, sondern auch eine Hymne an die Kraft der Träume. Fast, als ob in diesem Streifen, der an und von der einsamen, stillen Küste Kalabriens handelt und in dem Gerard Depardieu als “Neben-Hauptdarsteller” sich selbst und seinen eigenen Tod spielt (das nötigt mir höchsten Respekt ab) ein grandioser Satz von Marie von Ebner-Eschenbach zu Zelluloid geworden wäre: “Nenne Dich nicht arm, weil Deine Träume nicht in Erfüllung gegangen sind. Wirklich arm ist nur der, der nie geträumt hat!”&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und ich kann nicht anders: Wenn diese Bilder von der Küste Süditaliens, vom Colosseum, von den Bars in Kalabrien an mir vorüberziehen, wenn ich Gerard Depardieu mitten auf der Piazza mit Meerblick mit einer Horde fröhlicher Menschen ringsum exzessiv tafeln und Rotwein trinken sehe (in dem Film übrigens zum letzten Mal), dann kommt es mir in den Sinn – “das ist ja ein Film von daheim”! Obwohl keine einzige Szene in Deutschland spielt und kein einziger Mime deutscher Zunge mit von der Partie ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vielleicht spür ich ja in der Ferne besonders intensiv, dass dieses im Vergleich zu Asien winzige Europa, diese EU, die nicht einmal halb so viel Einwohner hat wie Indien alleine, meine Heimat ist. Und Caloprestis Streifen ist insofern ein Heimat-Film im besten Sinne. Denn ich werde berührt und kann mitfühlen. Und es macht mich traurig, dass wir gerade dabei sind, uns durch die Euro-Krise auseinanderdividieren zu lassen, statt zusammenzustehen und diese Kraft der gemeinsamen Kultur zu spüren und sie auch Wirkung entfalten zu lassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zwei Sätze, die der (zunächst) ausgebrannte Regisseur Neri zu den jungen Leuten sagt, die davon träumen, einen großen Film zu drehen, gehen mir unter die Haut und nicht mehr aus dem Kopf: “Ihr sucht Hauptdarsteller? Dann geht raus auf die Straße Eures Dorfes – im Leben, da findet Ihr sie!”&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Recht hat der Mann. Nicht nur im Film. Sondern auch im Journalismus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die wahren Hauptdarsteller des Lebens findet man auch nicht bei den Treffen der G20, den Weltwirtschaftskonferenzen in Davos oder den Promi-Partys oder Nord-Süd-Dialogen eines Manfred Schmidt. Sondern auf den Straßen Calcuttas, dem Marktplatz von Karanjali, den Fischerbooten in den Sundarbans oder den Teeplantagen des Darjeeling. Überhaupt: In jedem Ort auf dieser schönen Erde. Und sei er noch so klein. Man muss im Grunde nur vor die Haustür gehen. Dann findet man sie.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 
    </content:encoded>

    <pubDate>Thu, 02 Feb 2012 13:45:14 +0100</pubDate>
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    <title>Mit 88 Jahren…</title>
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    <author>nospam@example.com (Jürgen Gerrmann, Kolkata)</author>
    <content:encoded>
    Mit 66 Jahren, da fängt das Leben an”, heißt einer der größten Ohrwürmer Udo Jürgens. Wohl kein 66. Geburtstag in deutschsprachigen Landen kommt ohne den Evergreen aus. Im kleinen westbengalischen Dörfchen Karanjali könnte Avarani Ghosh über diese Theorie des europäische Schlagersängers nur lächeln. Denn sie weiß aus Erfahrung: Auch mitt 88 Jahren ist noch lange nicht Schluss. Sondern man kann sich immer wieder neue Ziele setzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie selbst erblickte nicht in Karanjali das Licht der Welt. Sie heiratete aus einem Dorf auf der anderen Seite des Hugli (oder Ganges, wie hier alle sagen) dorthin. Eine Tagesreise brauchte sie damals, um zu ihrem Bräutigam zu kommen, mit dem sie sich vor 64 Jahren über den kleinen Ashish freute. Der genießt heute als Nachfolgers seines verstorbenen Vaters nicht zuletzt wegen seines sozialen Engagements hohes Ansehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vor acht Jahren wurde es ihr irgendwie zu langweilig. Außerdem wollte sie, die von vielen nur respektvoll “Großmutter” genannt wird, etwas für ihre geistige Fitness tun. Also fuhr sie ins zweieinhalb Autostunden entfernte Calcutta, wo ihr Enkel lebt und sich im Computerbusinnes selbständig gemacht hat, und besuchte einen Kurs im Puppenmachen. Später nahm sie dann noch Heimunterricht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
“So schwer war das eigentlich gar nicht”, lächelt sie den Gast aus Deutschland an, nachdem er ihr seine Hochachtung dafür zum Ausdruck gebracht hatte. Schon vor 80 Jahren habe sie in der Schule das Nähen mit der Maschine gelernt, und das Sticken dazu. Da sei es jetzt nur noch um die Feinheiten gegangen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den Kopf aus Plastik kauft Avarani. An den drapiert sie dann das Haar und verbindet das Haupt schließlich mit dem Körper, den sie aus mit Sägemehl gefüllter Baumwolle genäht hat. Das ganze wird dann auf einer runden Holzscheibe fixiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;div class=&quot;serendipity_imageComment_center&quot; style=&quot;width: 500px&quot;&gt;&lt;div class=&quot;serendipity_imageComment_img&quot;&gt;&lt;!-- s9ymdb:46 --&gt;&lt;img class=&quot;serendipity_image_center&quot; width=&quot;500&quot; height=&quot;667&quot;  src=&quot;http://blog.goethe.de/nahaufnahme/uploads/DSC003992-e1328095581474-768x1024_500.jpg&quot;  alt=&quot;&quot; /&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class=&quot;serendipity_imageComment_txt&quot;&gt;Puppenmachen als Passion: Avarani Ghosh mit ihrer Milchverkäuferin. &lt;/div&gt;&lt;/div&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und dann geht’s ans Nähen. Die ganze Kollektion hat sie übrigens selbst entworfen. Da ist die Milchverkäuferin, die die große Kanne auf dem Kopf trägt. Oder die Aufsteigerin, die in der noblen Gesellschaft ankommen will. Oder die Arrivierte, die gerade dies schon geschafft hat. Oder die Bengalin, die mit einer echten Muschel in der Hand ihr Abendgebet spricht. Übrigens: an der Kleidung sieht man, woher die Damen alle kommen. Denn Avarani Ghosh näht und bestickt nicht nur die Trachten aus ihrer Heimat, sondern hat  auch Rajastan, Manipur und andere Landstriche hat im Programm. Welches ihre Lieblingspuppe ist, das kann sie nicht sagen: “Ich mag alle. Das sind alles meine Kinder!”&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ihr Wissen und ihr Können möchte sie nicht für sich behalten. Noch mit 88 hat sie begonnen, junge Mädchen zwischen 22 und 24 Jahren zu unterrichten. Die wollten freilich lieber Plüschtiere als die traditionellen Puppen machen, die verkauften sich bei der jungen Generation besser, schmunzelt “Großmutter” nachsichtig. Ihr Problem ist, dass es an Nähmaschinen mangelt – sowohl für den Unterricht als nachher in den Hütten der Frauen, die dadurch vielleicht ihren Lebensunterhalt verdienen und unabhängig werden könnten. Davon träumt die 88-Jährige.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vielleicht stehen die Chancen ja gar nicht so schlecht. Neulich hat eine von Avaranis Schülerinnen eine von deren Puppen auf dem Markt in Calcutta verlauft. 500 Rupien gab es dafür. Auf den ersten Blick nicht viel. Aber in Karanjali bekommt man dafür fast einen halben Zentner Reis.&lt;br /&gt;
 
    </content:encoded>

    <pubDate>Wed, 01 Feb 2012 13:30:00 +0100</pubDate>
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    <title>Kurznachrichten aus Calcutta</title>
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    <author>nospam@example.com (Jürgen Gerrmann, Kolkata)</author>
    <content:encoded>
    Besondere Situation erfordern besondere Mittel. Wegen des vollen Terminkalenders heute mal das Neueste aus Westbengalen im Video-Format – unter anderem aus den Ressorts Sport und Kultur!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;iframe width=&quot;560&quot; height=&quot;315&quot; src=&quot;http://www.youtube.com/embed/dhbktZTKh98&quot; frameborder=&quot;0&quot; allowfullscreen&gt;&lt;/iframe&gt; 
    </content:encoded>

    <pubDate>Wed, 01 Feb 2012 13:41:00 +0100</pubDate>
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    <title>Ganesh</title>
    <link>http://blog.goethe.de/nahaufnahme/archives/80-Ganesh.html</link>
    
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    <author>nospam@example.com (Jürgen Gerrmann, Kolkata)</author>
    <content:encoded>
    Unzähligen Götter kann man in Indien im allgemeinen und in Calcutta im besonderen begegnen. Aber dennoch haben die Inder auch in dieser Beziehung ihre Lieblinge. Außer Saraswati, deren Fest am Wochenende groß gefeiert wurde, gilt dies ganz besonders für Ganesh – den Gott, der sich im Elefanten manifestiert. Im fast jedem Haus und auch in vielen Büros findet man kleine Statuen oder Bilder von ihm.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
“Gebieter der Scharen” ist einer seiner Namen. “Entferner der Hindernisse” ein anderer. So nimmt es nicht Wunder, dass er auch für Gesundheit und Wohlstand steht, wie mir Basav Bhattacharya, mit dem ich das kleine Dörfchen Karanjali besucht habe und der mir  mit seinem enormen Wissen zur Seite stand und steht, erklärt. Ganeshs Begleiter aus dem Tierreich ist übrigens die Ratte, in der die Inder Intelligenz und Stärke verkörpert sehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;div class=&quot;serendipity_imageComment_center&quot; style=&quot;width: 225px&quot;&gt;&lt;div class=&quot;serendipity_imageComment_img&quot;&gt;&lt;!-- s9ymdb:44 --&gt;&lt;img class=&quot;serendipity_image_center&quot; width=&quot;225&quot; height=&quot;300&quot;  src=&quot;http://blog.goethe.de/nahaufnahme/uploads/DSC00392-225x300.jpg&quot;  alt=&quot;&quot; /&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class=&quot;serendipity_imageComment_txt&quot;&gt;Ganesh steht in fast jeder indischen Wohnung. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dass Ganesh halb Tier, halb Mensch ist, deuten viele als Zeichen für die Einheit des Universums: Der Elefantenkopf verkörpere den Makrokosmos, der menschliche Körper den Mikrokosmos. Und da er im Grunde viel Ähnlichkeit mit Lakshmi hat, die wir vor kurzem in diesem Blog vorgestellt haben, werden die beiden in der indischen Mythologie auch oft als Bruder und Schwester dargestellt, sagt mir Basav.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für die, die Ganesh für den Höchsten halten, ist dessen Fest, das je nach Stand des Mondkalenders zwischen Mitte August und Mitte Dezember gefeiert wird, natürlich das Größte. Besonders in Stuttgarts Partnerstadt Mumbai (früher: Bombay) geht es da hoch her. 
    </content:encoded>

    <pubDate>Tue, 31 Jan 2012 11:59:00 +0100</pubDate>
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</item>
<item>
    <title>Nürtinger Nachbarn</title>
    <link>http://blog.goethe.de/nahaufnahme/archives/79-Nuertinger-Nachbarn.html</link>
    
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    <author>nospam@example.com (Jürgen Gerrmann, Kolkata)</author>
    <content:encoded>
    Welche Kreise ein solches Blog doch zieht! “Ich bin zurzeit in Calcutta, da wäre es doch toll, wenn wir uns mal sehen könnten”, schrieb mir Jan-Manik Nerurkar, als er zuerst noch daheim im Schwabenland in der Zeitung von diesem vom Goethe-Institut möglich gemachten Austausch erfahren und dann in Indien, wo er in Coimbatore in dessen Süden für Daimler geschäftlich zu tun hatte, die ersten Beiträge las.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um Missverständnissen vorzubeugen: Nur um mit dem Redakteur seiner Heimatzeitung ein Bier zu trinken, flog er dann doch nicht fast über ganz Indien hinweg. Er wurde vielmehr in der Stadt am Ganges geboren, wo er dann auch seine Ingenieurausbildung absolvierte. 1972 verschlug es ihn wegen eines Praktikums “beim Heller” nach Nürtingen – der Liebe wegen blieb er dann in Deutschland und wohnt noch heute am Neckarstrand. In Calcutta freilich lebt seine 80-jährige Mutter Joyce, und deswegen zieht es ihn alle paar Monate auch dorthin.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wegen der vielen Abendtermine, die ich hier habe, und meines Ausflugs aufs Land hätten wir uns um ein Haar verpasst. Aber am Nationalfeiertag klappte es dann doch noch. Wobei wir feststellten, dass wir in Calcutta fast Nachbarn sind: Jan Nerurkar konnte zu Fuß zum Treffpunkt am Restaurant “Kwality”, wo ich mein Abendesssen einzunehmen pflege, kommen – für Calcutta eine fast unvorstellbare Nähe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wobei wir feststellen mussten, dass wir leider Pech hatten: In anderen Ländern mag es an solch einem Tag hoch hergehen – im “Kwality” freilich waren die Türen verrammelt. Also, auf zu einem Spaziergang: in einer Bar (fünf Gehminuten entfernt) standen wir erneut vor verschlossenen Türen. Wir wollten fast schon aufgeben, als wir im vierten Stock über einem hochnoblen Schmuckladen eine Lounge entdeckten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;div class=&quot;serendipity_imageComment_center&quot; style=&quot;width: 300px&quot;&gt;&lt;div class=&quot;serendipity_imageComment_img&quot;&gt;&lt;!-- s9ymdb:43 --&gt;&lt;img class=&quot;serendipity_image_center&quot; width=&quot;300&quot; height=&quot;225&quot;  src=&quot;http://blog.goethe.de/nahaufnahme/uploads/DSC00408-300x225.jpg&quot;  alt=&quot;&quot; /&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class=&quot;serendipity_imageComment_txt&quot;&gt;Hoch über dem Schmuckladen hatte dann doch eine Bar offen. &lt;br /&gt;
&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da immerhin erhielten wir Einlass – unter ausdrücklichem Hinweis, das heute kein Alkohol ausgeschenkt werde. Was soll’s! Der Ginger Strawberry Mocktail war zwar etwas süßlich, aber schon ganz in Ordnung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Etwas verstörend fanden wir indes das Designer-Ambiente, das gar nicht zu Indien passen will, und die buchstäblich ohrenbetäubende Musik, gegen die wir anbrüllen müssen. Auch die Jungs mit den Wasserpfeifen an den Nebentischen kommen mir nicht ganz koscher vor.&lt;br /&gt;
Sei’s drum! In all dem Radau verstehe ich dann doch, was Jan-Manik an seiner indischen Heimatstadt bemerkenswert findet –  auch wenn er nun schon fast zwei Drittel seines Lebens in Nürtingen verbracht hat. Drei Dinge sind das:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1. “Dass das Chaos hier funktioniert.”&lt;br /&gt;
2. “Dass hier rund 20 Millionen auf engstem Raum zusammenleben und dennoch wenig an Kriminalität passiert.”&lt;br /&gt;
3. “Dass man hier ganz Indien in einer einzigen Stadt findet. Alle Volksgruppen sind hier vertreten.”&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dann verlassen wir diese merkwürdige Bar. Jan-Manik muss am nächsten Tag wieder nach Südindien. Konkret gesagt: nach Tamil Nadu. Unser Gespräch werden wir in Nürtingen fortsetzen.&lt;br /&gt;
 
    </content:encoded>

    <pubDate>Mon, 30 Jan 2012 13:04:49 +0100</pubDate>
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</item>
<item>
    <title>Tag der Republik – auf dem Lande</title>
    <link>http://blog.goethe.de/nahaufnahme/archives/78-Tag-der-Republik-auf-dem-Lande.html</link>
    
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    <author>nospam@example.com (Jürgen Gerrmann, Kolkata)</author>
    <content:encoded>
    Obwohl der Anlass erst zwei Jahrzehnte zurück liegt, pflegen wir Deutschen ja einen eher schwierigen Umgang mit unserem Nationalfeiertag. Die meisten freuen sich zwar, dass der 3. Oktober frei ist, aber sonst möchte man bitteschön möglichst nicht belästigt werden. Auch in Nürtingen hüllt sich die Stadt in Schweigen, und die Parteien scheinen die Lust am Tag der deutschen Einheit auch verloren zu haben. In den ersten Jahren hat die CDU noch was gemacht, aber mittlerweile herrscht durch die Bank Funkstille. Schade eigentlich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da könnte man fast neidisch werden, wenn man auf das kleine Dörfchen Karanjali in Westbengalen blickt. Dort habe ich diese Woche sogar drei Feiern zum Tag der Republik erlebt, obwohl der Tag, ab dem Englands König George VI. (der Vater von Queen Elizabeth) nicht mehr Kaiser von Indien war und die Verfassung des 1947 unabhängig gewordenen Staates in Kraft trat, schon 62 Jahre zurückliegt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für die Inder ist das (aller internen Unterschiede und Zwistigkeiten zum Trotz) ein wichtiger Tag. Im Schulhof von Karanjali sind morgens um 8.30 Uhr Hunderte von Kindern angetreten, und der Schulchor hat schon Tage zuvor fleißig geübt – auch ein Lied des Literatur-Nobelpreisträgers Rabindranath Tagore übrigens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;iframe width=&quot;560&quot; height=&quot;315&quot; src=&quot;http://www.youtube.com/embed/ofcI8Ses7As&quot; frameborder=&quot;0&quot; allowfullscreen&gt;&lt;/iframe&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Los geht es allerdings mit “Vande Mataram”: “Ich verneige mich vor Dir, o Mutter Indien!”. Bankim Chandra Chattopadhyay hat dieses Gedicht vor rund 150 Jahren in Calcutta geschrieben und darin sein Heimatland gepriesen –  ”reich an Wasser, reich an Früchten, gekühlt von den Winden des Südens und gefüllt mit den Erträgen der Ernte”.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ashish Ghosh, Spross einer traditionsreichen Großbauernfamilie und in Karanjali auch noch in der Republik hoch angesehen, hält gemeinsam mit Rakhi Bhattacharya, der Schulleiterin, die indische Flagge. Er ist eingeladen, als Ehrengast die Fahne zu hissen: Das Orange oben ist eigentlich die Farbe des Safrans, und der steht für Weisheit. Das Weiß in der Mitte symbolisiert Reinheit und Wahrheit, und das Grün unten soll sowohl den Wohlstand Indiens als auch dessen Felder und Wälder widerspiegeln. Auf dem Weiß ist auch noch das Rad des altindischen Kaisers Ashoka  drapiert. Pro Stunde des Tages hat es eine Speiche, und soll die ständige Bewegung nach vorne versinnbildlichen: “Es dreht sich nie zurück”, erklärt mir Basav Bhattacharya, der mich hierher gebracht hat und mich begleitet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch Texte aus dem Sanskrit werden werden der Zeremonie rezitiert und gesungen. Die sind über 3000 Jahre alt, und man spürt, wie sehr sich die Republik Indien bemüht, ihre Wurzeln deutlich und sie auch den Menschen von heute erlebbar zu machen. Scohn die Kinder sollen wissen, auf welchem Fundament sie stehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
“Mir hat das Vande Mataram mein Vater beigebracht”, erzählt mir Basav, während wir vom Schulhof zum  Markt spazieren. Der musste während der Rebellion gegen die Briten in den 1940er-Jahren untertauchen: “Ich sollte wissen, was eine Freiheitsbewegung bedeutet.” Denn dieser Ruf an “Mutter Indien” gab den Kämpfern gegen die Kolonialmacht Kraft. Basav wurde 1959 geboren, hat diese schlimmen Zeiten nicht persönlich mitgemacht: “Aber ich habe mein Vater angesichts dessen schon gefragt, warum er mich dann ausgerechnet an eine englische Schule schickt.” Und was sagte der? “Er wollte mir ein Wissen öffnen – zu einer anderen Sprache, einer anderen Kultur. Er war überzeugt, dass mir das im Leben helfen würde.” Aus Basavs Sicht hat sein Vater Recht behalten: “Die meisten meiner Vettern sprechen heute kaum oder gar nicht Englisch. Die haben nur eine bengalische Schule besucht.” Denen fehle was, ist der gelernte Journalist, PR-Berater und WWF-Aktivist überzeugt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mittlerweile sind wir in Ashish Ghoshs Büro auf den Markt (wo ihm noch viele der Hütten gehören) angekommen. Da spielt sich eine regelrecht rührende Szene ab: Dort zieht der frühere Lehrer Arobindu Haldar (auch er heute noch eine Respektsperson) die Flagge hoch. Der 71-Jährige war als Kind Zeitzeuge jener schlimmen Jahre. Als das orange-weiß-grüne Tuch am Mast flattert, beginnt er die Nationalhymne zu singen – übrigens auch ein Lied Rabindranath Tagores:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;iframe width=&quot;560&quot; height=&quot;315&quot; src=&quot;http://www.youtube.com/embed/n8SYD4Fo6Hk&quot; frameborder=&quot;0&quot; allowfullscreen&gt;&lt;/iframe&gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
“Herrscher über den Geist des Volkes, Heil Dir,&lt;br /&gt;
Indiens Schicksalslenker!&lt;br /&gt;
Im Punjab, Sindh, in Gujarat, Maratha,&lt;br /&gt;
Dravida, Utkal und Bengalen,&lt;br /&gt;
über das Vindhya-Gebirge, den Himalaya, durch die Yamuna, den Ganges,&lt;br /&gt;
über die hohen Wogen des Ozeans,&lt;br /&gt;
Dein glückverheißender Name möge erwachen.&lt;br /&gt;
Sie erbitten deinen glückverheißenden Segen,&lt;br /&gt;
Sie singen dein Siegeslied.&lt;br /&gt;
Glückbringer des Volkes, Heil Dir,&lt;br /&gt;
Indiens Schicksalslenker!&lt;br /&gt;
Heil Dir! Heil Dir! Heil Dir!”&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit “Jana Gana Mana” hatte Tagore übrigens die Briten und deren König George V. bei dessen Besuch 1911 ausgetrickst. Die weißen Helden das Lied für eine Huldigung ihres Monarchen. Aber für den Poeten  war nicht der, der sich Kaiser von Indien nannte, Indiens Schicksalslenker. Sondern Gott.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir müssen weiter. Diesmal nur etwa 200 Meter. Auf dem Platz, auf dem samstags und dienstags der große Markt stattfindet, steigt vor dem Tempel der Göttin Kali zum dritten Mal Indiens Fahne gen Himmel. Und plötzlich sind auch wieder Kinder zur Stelle, die schon bei der Zeremonie auf dem Schulhof gesungen hatten. Der Tag der Republik scheint auch ihnen Spaß zu machen.&lt;br /&gt;
 
    </content:encoded>

    <pubDate>Sat, 28 Jan 2012 13:01:00 +0100</pubDate>
    <guid isPermaLink="false">http://blog.goethe.de/nahaufnahme/archives/78-guid.html</guid>
    
</item>
<item>
    <title>Saraswati</title>
    <link>http://blog.goethe.de/nahaufnahme/archives/77-Saraswati.html</link>
    
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    <author>nospam@example.com (Jürgen Gerrmann, Kolkata)</author>
    <content:encoded>
    Heute ist ein großes Fest in Kolkata. Eine Puja. Viele Kinder in Deutschland dürften da aber ganz und gar nicht neidisch werden: denn gefeiert wird Saraswati – die Göttin des Lernens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;div class=&quot;serendipity_imageComment_center&quot; style=&quot;width: 300px&quot;&gt;&lt;div class=&quot;serendipity_imageComment_img&quot;&gt;&lt;!-- s9ymdb:42 --&gt;&lt;img class=&quot;serendipity_image_center&quot; width=&quot;300&quot; height=&quot;225&quot;  src=&quot;http://blog.goethe.de/nahaufnahme/uploads/DSC00371-300x225.jpg&quot;  alt=&quot;&quot; /&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class=&quot;serendipity_imageComment_txt&quot;&gt;Endspurt: An Saraswati wird letzte Hand angelegt &lt;br /&gt;
&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei vielen Handwerkern herrschte in den letzten Tagen Hochbetrieb. Auch im kleinen Dörfchen Karanjali am Rande des Nationalpark Sundarbans, wo ich vor kurzem zwei Tage verbrachte. Unzählige Figuren wurden gefertigt und selbst von dort auf die Märkte von Calcutta gebracht. Dort kaufen sie die Menschen und stellen sie in ihre Gärten oder Wohnungen oder auf ihre Terrassen, um Saraswati  heute an Vasant Panchami zu verehren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Blau ist der See, der sich unter ihr weitet – er steht für das “Urwasser”, denn Saraswati gilt (gemeinsam mit ihrem Mann Brahma) auch als Schöpferin des Universums. Und jede Saraswati-Figur braucht noch drei weitere Dinge: eine Gebetskette, ein Buch (Symbol für die Jahrtausende alten Veden) und die Vina – ein uraltes Saiteninstrument, das auch heute noch erklingt. Ihr Begleittier ist der Schwan, manchmal auch die Gans.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Angesichts der Beinamen wundert man sich nicht, warum Saraswati als Göttin des Lernens gilt: Als “Vac” (Wort) steht sie für die perfekte Rede, zudem nennt man sie “Mahavidya” – große Weisheit. Die spiegelt sich auch in dem Lotos wider, auf dem sie sitzt. Und ihre strahlend weißen Kleider bedeuten Reinheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Figuren für zuhause werden übrigens aus Heu und Schlamm gefertigt. Ein Jahr stehen sie dann in den Wohnungen. Wenn ihre Nachfolgerin kommt, bringt man sie zum Ganges (als den die Menschen hier übrigens sehr wohl auch den Hugli bezeichnen) oder eben den nächsten heiligen Fluss, wie mir meine Kollegin Debolina Sen gerade erklärt. Dann löst sich Saraswati auf und kehr wieder heim: ins Urwasser.&lt;br /&gt;
 
    </content:encoded>

    <pubDate>Sat, 28 Jan 2012 12:56:00 +0100</pubDate>
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    <title>Sehr sehr wichtig</title>
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    <author>nospam@example.com (Jürgen Gerrmann, Kolkata)</author>
    <content:encoded>
    Der Mensch lernt nie aus im Leben. Immer wieder begegnet einem etwas Neues. Und man lernt hinzu und wird gescheiter. So wie ich am Rande des Konzerts des Deutschen Filmorchesters Babelsberg im Auditorium des Science Center in Calcutta.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
“Sie können ganz vorne sitzen”, hat man mir gesagt. Nicht auf den für die Presse eigentlich reservierten Plätzen auf der Seite, sondern in der Mitte, mit bestem Blick auf den aus England stammenden Dirigenten Matt Dunkley und sein renommiertes Ensemble. Welche Freude!&lt;br /&gt;
Zumal die Sitze in diesem riesigen Saal extrem bequem sind. Man kann sie sogar wie im Flugzeug  nach hinten klappen (oder besser gesagt: stufenlos sanft nach hinten gleiten lassen). Fast wie im Fernsehsessel kommt man sich da vor. Zumal man in der ersten Reihe noch eine enorme Beinfreiheit hat. Das fühlt sich so wohlig an, dass man angesichts der angenehm warmen Klänge dort oben aufpassen muss, dass man nach einem ereignisreichen Tag nicht einschläft. Gottlob lässt es das Orchester auf der Bühne aber so richtig krachen. Manchmal lässt von der Macht der Töne her Richard Wagner grüßen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So richtig wohlig fühle ich mich da, nachdem ich den ganzen Tag auf den Beinen war. Ich lehne mich zurück und lasse den Blick leicht nach hinten links schweifen. Da stechen mir ein paar an die Rückenlehne gepinnte Zettel ins Auge: VVIP stet da.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;div class=&quot;serendipity_imageComment_center&quot; style=&quot;width: 225px&quot;&gt;&lt;div class=&quot;serendipity_imageComment_img&quot;&gt;&lt;!-- s9ymdb:41 --&gt;&lt;img class=&quot;serendipity_image_center&quot; width=&quot;225&quot; height=&quot;300&quot;  src=&quot;http://blog.goethe.de/nahaufnahme/uploads/DSC00248-225x300.jpg&quot;  alt=&quot;&quot; /&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class=&quot;serendipity_imageComment_txt&quot;&gt;VVIP - Was soll denn das sein? &lt;br /&gt;
&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was soll denn das sein? Eine Firma? Zumindest kenne ich so was nicht. Und der Sponsor des Abends ist ja die Stuttgarter Lapp-Gruppe. Eine indischer, bengalischer, chinesischer oder tibetischer Name? Auch eher unwahrscheinlich. Denn erstens ist selbst für diese Sprachen die Buchstabenkombination relativ ungewöhnlich und zweitens müsste ja dann die ganze Verwandtschaft des Herrn Vvip mitkommen – so viele Plätze sind da reserviert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
VIP, das sagt mir was. Very important person. Jemand ganz wichtiger also. Aber VVIP? Da könnte ich mir höchstens noch eine Very very important Person vorstellen. Jemand ganz ganz Wichtiges also.  Und Sucheta Hossain vom Goethe-Institut bestätigt mir später meine Vermutung: “Genau so ist es!”&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
VVIP zu sein, das ist ja fast das Optimalste. Da fehlt nur noch ein Schritt zum Alleroptimalsten. Und ich, der ich noch der Einzigste bin, dem es vergönnt ist, sogar noch eine Reihe weiter vorn zu sitzen – bin ich jetzt eine VVVIP? Das würde meinem Ego gewaltig schmeicheln. Gottseidank befindet sich keine Reihe mehr vor mir. Denn sonst säße ja ein VVVVIP vor mir und ich wäre buchstäblich zweitrangig. Noch mal Glück gehabt!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mal ganz im Ernst: Nicht nur für die VIPs und VVIPs hat das Konzert nichts gekostet. Sondern alle, die kommen wollten, hatten freien Eintritt, auch die Schüler und Studenten des Goethe-Instituts. Und das wurde auf großen Plakaten auch angekündigt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser Abend war in der Tat eine großartige Werbung für das von Staatsministerin Cornelia Pieper (einer großen Freundin Nürtingens übrigens, denn die Frau aus Sachsen-Anhalt kennt sich auch in der Partnerstadt Zerbst bestens aus) im Herbst in New Delhi eröffnete deutsch-indische Jahr. Aus Anlass des 60. Jahrestages der Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen der Republik Indien und der Bundesrepublik wird es gefeiert. Und auch für die deutsche Kultur war der Abend eine prima Visitenkarte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Filmorchester Babelsberg entpuppte sich als  ein toller Botschafter unseres Landes. Es lohnt sich übrigens, auch mal in dessen Homepage reinzuschauen: www.filmorchester.de.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 
    </content:encoded>

    <pubDate>Sat, 28 Jan 2012 12:55:00 +0100</pubDate>
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    <title>“Hier spricht Calcutta!”</title>
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    <author>nospam@example.com (Jürgen Gerrmann, Kolkata)</author>
    <content:encoded>
    Mein Festnetz-Telefon geht langsam kaputt. Ich könnte mir ein Siemens kaufen. Wenn das auch wieder kaputt ist, kann ich eine Service-Hotline anrufen und lande – in Kolkata!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Siemens hat dort nämlich (wie viele Unternehmen aus aller Welt) ein riesiges Call-Center eingerichtet. Immerhin 300 Menschen arbeiten dort. Sie haben keinen angenehmen Job: Wenn irgendwo in Deutschland etwas nicht so funktioniert, müssen sie das ausbaden. Sie kriegen die Wut ab. Und viele merken gar nicht, dass sie gar nicht mit einem Deutschen reden, sondern ihr Gesprächspartner 7500 Kilometer weit entfernt sitzt und Inder ist, erzählt Durbha Alivelu, die im Goethe-Institut in Kolkata Deutsch unterrichtet. Dass das gar nicht auffällt, spricht eine deutliche Sprache: Der Deutschunterricht in Kolkata muss exzellent sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Etwa 20 Studenten aus Kolkata werden demnächst Teil eines außergewöhnlichen Call-Centers. Zwischen dem 17. und dem 25. Februar telefonieren sie mal sieben, mal fünf Stunden lang mit Auckland in Neuseeland. Aber da sind keine Telefone kaputt. Sondern dort findet das New Performance Festival mit Theatergruppen aus aller Welt statt. Und die jungen Leute vertreten mit „Call cutta in a box“ das renommierte Ensemble Rimini Protokoll aus Berlin.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;div class=&quot;serendipity_imageComment_center&quot; style=&quot;width: 300px&quot;&gt;&lt;div class=&quot;serendipity_imageComment_img&quot;&gt;&lt;!-- s9ymdb:40 --&gt;&lt;img class=&quot;serendipity_image_center&quot; width=&quot;300&quot; height=&quot;225&quot;  src=&quot;http://blog.goethe.de/nahaufnahme/uploads/DSC00201-300x225.jpg&quot;  alt=&quot;&quot; /&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class=&quot;serendipity_imageComment_txt&quot;&gt;Studenten aus Calcutta werden zu Schauspielern. &lt;/div&gt;&lt;/div&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Helgard Haug, Stefan Kaegi und Daniel Wetzel hatten schon 2005 internationales Aufsehen erregt: Damals ließen sie noch Menschen quasi aus einem Call-Center „ferngesteuert“ durch das Straßengewirr Kolkatas (und später Berlins) irren, aber auf die Dauer wurde das zu aufwändig, wie Martin Wälde, der Leiter des Goethe-Instituts in Kolkata (damals wie heute Partner des Projekts) bei der Vorstellung der Truppe sagt, die für Kolkata beim Festival in Auckland im Einsatz ist. Die zweite Version von „Call cutta“ sei nicht vergleichbar mit der Erstauflage, aber auch sie bringe viele Menschen zusammen und ermögliche eine neue Sicht auf Kolkata.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Call cutta in a box“ funktioniert so: Das Publikum kauft Eintrittskarten – aber nicht für ein Theater, sondern für ein Bürohochhaus. Die Leute  sitzen dort auch nicht zu Hunderten, sondern allein in einem Zimmer. Und in dem klingelt dann das Telefon. Der Dialog beginnt wie eine Art Bewerbungsgespräch, aber dann entwickelt sich von Minute zu Minute mehr menschliche Nähe. Und im letzten Drittel des Gesprächs kann man sich dann sogar sehen – per Webcam.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie gut das klappt, weiß Dicky Banerjee, ein Videofilmer aus Kolkata, der schon von Anfang an dabei ist. Technisch sei die Welt mittlerweile überall gleich, sagt er. Nur die persönliche Beziehung schaffe Individualität. Und dann spüre man Nähe über Tausende von Kilometern. Denn Technik trenne die Menschen, Gefühle aber verbänden sie miteinander. Denn worum es wirklich gehe, das sei überall gleich: „Schmerz ist Schmerz, Liebeskummer ist Liebeskummer. Und Freude ist Freude.“&lt;br /&gt;
 
    </content:encoded>

    <pubDate>Fri, 27 Jan 2012 12:49:00 +0100</pubDate>
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<item>
    <title>Gesundheit und Wohlstand</title>
    <link>http://blog.goethe.de/nahaufnahme/archives/74-Gesundheit-und-Wohlstand.html</link>
    
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    <author>nospam@example.com (Jürgen Gerrmann, Kolkata)</author>
    <content:encoded>
    Keine Angst! Die Tiger haben mich nicht gefressen. Und auch kein Krokodil hat nach mir geschnappt. Wir waren auch nur am Rand der Sundarbans. Zwar schon im Nationalpark. Aber nur in der Randzone. So wie der Albtrauf bei Neuffen, Beuren und Kohlberg ja auch Randzone des Biosphärengebiets Schwäbische Alb ist. Zu den Mangrovenwäldern ist es noch ein Stück, aber wenn es irgend geht, möchte ich das nächste Woche noch machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dennoch waren diese beiden Tage in Karanjali eine erfüllte Zeit. Über die noch viel in Blog und Zeitung zu berichten sein wird. Vor allem über die intensiven Gespräche mit den Menschen, dank der ich auch das ländliche Indien inclusive seiner Probleme und Schönheiten kennenlernen durfte. Was mich besonders faszinierte: die Menschen dort geben auf Äußerlichkeiten nichts. Und das Dorfleben macht auf mich einen sehr intakten Eindruck. Man kennt sich, und man hilft einander. Und die Gemeinschaft trägt offensichtlich sogar über Jahrhunderte hindurch, auch wenn sich die Zeiten geändert haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mein Gastgeber Ashish Gosh wohnt in einem 250 Jahre alten Haus, das allerdings schon viel viel bessere Zeiten gesehen hat. Aber dennoch genießt er denselben Respekt wie seine Vorväter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir reden viel miteinander, auch Basav, der mich zu dieser Fahrt aufs Land eingeladen hat, gibt mir wertvolle Informationen über Geschichte, Politik und soziale Situation in Indien allgemein und in Bengalen im besonderen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich frage viel, und anscheinend tut es den Gastgebern gut, dass man sich für sie und ihr Dorf interessiert. Als wir schon fast am Aufbrechen sind, lässt mir “Mister Gosh”, wie er auch von Basav voller Respekt genannt wird, eine kleine Eule aus Holz bringen: “Sie ist das Symbol der Göttin Lakshmi”, erzählt mir Basav. Da die Eule viel Ratten fresse und man daher viel Reis für sich behalten könne, stehe sie für Wohlstand. Und für Gesundheit noch dazu. Da fällt mir spontan das Lied “Viel Glück und viel Segen auf all Deinen Wegen” ein, das wir daheim immer zu Geburtstagen singen: “Gesundheit und Wohlstand sei auch mit dabei.”&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;div class=&quot;serendipity_imageComment_center&quot; style=&quot;width: 225px&quot;&gt;&lt;div class=&quot;serendipity_imageComment_img&quot;&gt;&lt;!-- s9ymdb:39 --&gt;&lt;img class=&quot;serendipity_image_center&quot; width=&quot;225&quot; height=&quot;300&quot;  src=&quot;http://blog.goethe.de/nahaufnahme/uploads/DSC00390-225x300.jpg&quot;  alt=&quot;&quot; /&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class=&quot;serendipity_imageComment_txt&quot;&gt;Die Eule – Symbol der Göttin Lakshmi &lt;/div&gt;&lt;/div&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Bengalen und in ganz Indien habe Lakshmi einen hohen Stellenwert, sagt mir Basav noch, während ich mich (wie hier üblich) zum Dank mit gefalteten Händen leicht nach vorne beuge: “Ob arm oder reich – jeder hat eine Lakshmi-Figur in seinem Haus und verehrt sie.”&lt;br /&gt;
Wir müssen gehen. Runter zum Auto. Es wird Nacht, und eine Fahrt im Dunkel nach Kolkata ist kein Zuckerschlecken. Basav ist nicht zu beneiden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich packe die kleine Eule in meinen Rucksack und bin sehr gerührt über dieses Zeichen der Verbundenheit zweier angeblich so ferner Kulturen.&lt;br /&gt;
 
    </content:encoded>

    <pubDate>Thu, 26 Jan 2012 12:45:00 +0100</pubDate>
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</item>
<item>
    <title>Nationalfeiertag</title>
    <link>http://blog.goethe.de/nahaufnahme/archives/73-Nationalfeiertag.html</link>
    
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    <author>nospam@example.com (Jürgen Gerrmann, Kolkata)</author>
    <content:encoded>
    Morgen ist der 26. Januar. Einer von drei Nationalfeiertagen Indiens. Neben dem Unabhängigkeitstag am 15. August und dem Geburtstag Mahatma Gandhis (dem 2. Oktober). Am Freitag gedenkt man des Tages im Jahre 1950, an dem die Republik ausgerufen wurde. Bis dahin war der König von England formell als Kaiser von Indien noch Staatsoberhaupt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich muss heute früh raus. Obwohl es gestern nach einem ereignisreichen Tag reichlich spät wurde. Nachmittags erst zur Eröffnung der Buchmesse (der größten Indiens), wobei es allerdings noch nicht viel zu berichten gab, denn es wurden zwar eine Menge Festreden  und Grußworte gehalten, aber in den Hallen ringsum ebenso eifrig gehämmert und gezimmert. Kaum einer von den Aberhunderten Ständen waren fertig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Danach nur quer über die Straße ins Auditorium von Science City zum Highlight des Goethe-Instituts von Kolkata zum deutsch-indischen Jahr:  das Filmorchester Babelsberg spielt Werke des indischen Komponisten und Oscar-Preisträgers A. R. Rahman. Das Grußwort für den Hauptsponsor hält ein Neckartailfinger – Dr. Roland Kern, stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender der Stuttgarter Lapp-Gruppe. So klein ist doch die Welt! Und wie gut, dass da die Lokalzeitung vor Ort war!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Über das Konzert wird noch zu berichten sein. Spät ist es auf jeden Fall geworden, und heim musste ich ja auch noch. Nur ein paar Stunden Schlaf, dann diesen Eintrag in den Blog geschrieben, und gleich (morgens um 7.30 Uhr) holt mich Basav Bhattacharya ab, der eigentlich Chef einer PR-Firma ist, sich aber auch sehr für Sozialprojekte engagiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den Nationalfeiertag werde ich nutzen, um eins davon zu besichtigen: Heute und morgen sind wir im Dörfchen Karanjali im Ganges-Delta. Ich werde unter anderem eine Schule besuchen, den morgendlichen Markt erleben und überhaupt das Leben auf dem Land, jenseits des Häusermeers Calcuttas, kennenlernen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schön soll es dort auch sein: Karanjali liegt im Nationalpark Sundarbans mit den größten Mangrovenwäldern der Welt. Bob Roy von der Times of India  hat mich allerdings gewarnt: Ich solle nur mit dem Boot unterwegs sein und nie meine deutsche Sehnsucht nach dem Wald  zu Fuß ausleben. Im Wasser lauerten Krokodile, im Forst jede Menge Giftschlangen (unter anderem Kobras), und jedes Jahr würden um die 100 Bauern vom Tiger gefressen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Na das kann ja heiter werden. Aber dennoch freu ich mich drauf. Und hoffe natürlich, dass wir uns am Freitag wiederlesen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 
    </content:encoded>

    <pubDate>Wed, 25 Jan 2012 10:27:30 +0100</pubDate>
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</item>
<item>
    <title>Praktikum gesucht</title>
    <link>http://blog.goethe.de/nahaufnahme/archives/72-Praktikum-gesucht.html</link>
    
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    <author>nospam@example.com (Jürgen Gerrmann, Kolkata)</author>
    <content:encoded>
    Eigentlich waren sie schwer im Stress. Kämpften für ihre Schule bei den College-Meisterschaften von Calcutta um Siege in der Leichtathletik. Avinash Pathak zum Beispiel gewann Gold über 100 Meter – in 12,5 Sekunden. “Gold” ist hier nicht übertrieben. Denn die Sieger-Zeremonie läuft genauso ab wie bei Olympischen Spielen. Obwohl (außer den Athleten) kaum Zuschauer da sind. Sei’s drum: Ein freundlicher alter, schon etwas tatterig wirkender Mann, bekommt von einem hübschen jungen Mädchen die Medaillen auf einem Tablett gereicht und hängt sie dann den ersten drei um den Hals.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Avinash hat mich mit seinen Freunden direkt in den Innenraum gebracht, als ich etwas verwirrt vor dem Eingang des Salt Lake City Stadiums, der größten Arena von ganz Asien stand, und nicht wusste, wohin ich sollte. Die Sicherheitsleute haben wir nicht groß gefragt, sondern sind einfach durchgelaufen. Nun schaue ich vor dem Fußballspiel zwischen East Bengal Calcutta und Hindustan Aeronautics Bangalore noch eine Weile den Wettkämpfen der jungen Leute zu. Etwa den 400 Metern der Frauen – einer beinharten Strecke, deren Siegerin den anderen m mindestens 30 Meter enteilt ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber sofort nach Ende ihrer Wettkämpfe sind Avinash und seine Freunde wieder da und umringen den Mann aus Deutschland, wollen wissen, was ich hier tue, wie mir Indien im allgemeinen und Calcutta im Speziellen gefallen. Und möchten abends mit mir um die Häuser ziehen. In ihrer Schule, dem Gurunak Institute of Hotel Management in Sudhpur, sei heute ein Party mit Rock-Musik, da gehe es gewaltig ab. Danach könne man noch die Bars in der Umgebung testen, das sei doch alles genau richtig für mich. Aber ich weiß nicht so recht: Erstens will ich heute noch was in meinen Blog schreiben, und zweitens schmeicheln sie mir dann doch einen Tick zu viel. Der eine hält mich für 35, der andere für 20 – was vermutlich eine Beleidigung für meinen Sohn Benedikt wäre. So viel Komplimente braucht einer, der straff auf 60 zugeht, dann doch nicht mehr.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;div class=&quot;serendipity_imageComment_center&quot; style=&quot;width: 300px&quot;&gt;&lt;div class=&quot;serendipity_imageComment_img&quot;&gt;&lt;!-- s9ymdb:38 --&gt;&lt;img class=&quot;serendipity_image_center&quot; width=&quot;300&quot; height=&quot;225&quot;  src=&quot;http://blog.goethe.de/nahaufnahme/uploads/DSC00216-300x226.jpg&quot;  alt=&quot;&quot; /&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class=&quot;serendipity_imageComment_txt&quot;&gt;Träumen von einem Praktikum in Deutschland: Avinash, Pritam, Ralkesh, Himanshu und Manisch (von links).&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber trotzdem sind sie ja ganz nett, und wir unterhalten uns gut. Wobei sie in manchem schon etwas merkwürdige Vorstellungen haben. Zum Beispiel, dass die deutschen Mädchen wohl kein solches Problem damit hätten, wenn man sie anfasse, wie die indischen Girls. Als ich ihnen sage, dass sie dann vermutlich genauso eine gescheuert bekämen wie in ihrer Heimat, gucken sie ganz verwundert.&lt;br /&gt;
 Träumen von einem Praktikum in Deutschland: Avinash, Pritam, Ralkesh, Himanshu und Manisch (von links). &lt;br /&gt;
Manish, Himanshu, Rakesh, Pritom und Avinash wollen ins Hotelfach. Eineinhalb Jahre haben sie auf ihrem College schon hinter sich – und eineinhalb Jahre liegen noch vor ihnen. In großen und renommierten Häusern haben sie schon Praktika über viereinhalb Monate absolviert: im 125 Jahre alten Oberoi Grand in Calcutta mit dem Charme der Kolonialzeit, im Radisson Blu in der Nähe des Flughafens von Delhi, im Taj in Bangalore.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber alle träumen dennoch denselben Traum: ein Praktikum in Deutschland oder im restlichen Europa machen zu dürfen. “Wir können überall eingesetzt werden”, versprechen sie: “Im Service, im Putzdienst, an der Rezeption oder in der Küche.”&lt;br /&gt;
Nun, ein Hotel hab ich keins. Aber vielleicht weiß  ein Leser dieses Blogs, ob es nicht nur deutsch-indische Austauschprogramme für Journalisten gibt, sondern auch für Hotelfachschüler. Manchmal tut sich ja völlig unerwartet ein Türchen auf.&lt;br /&gt;
 
    </content:encoded>

    <pubDate>Tue, 24 Jan 2012 10:24:00 +0100</pubDate>
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<item>
    <title>Im Fernsehen</title>
    <link>http://blog.goethe.de/nahaufnahme/archives/71-Im-Fernsehen.html</link>
    
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    <author>nospam@example.com (Jürgen Gerrmann, Kolkata)</author>
    <content:encoded>
    &lt;div class=&quot;serendipity_imageComment_center&quot; style=&quot;width: 300px&quot;&gt;&lt;div class=&quot;serendipity_imageComment_img&quot;&gt;&lt;!-- s9ymdb:36 --&gt;&lt;img class=&quot;serendipity_image_center&quot; width=&quot;300&quot; height=&quot;225&quot;  src=&quot;http://blog.goethe.de/nahaufnahme/uploads/DSC00229-300x225.jpg&quot;  alt=&quot;&quot; /&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class=&quot;serendipity_imageComment_txt&quot;&gt;Gopal Roy von Star Ananda interviewt den schwäbischen Fußball-Experten &lt;/div&gt;&lt;/div&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das hätte ich mir auch nicht träumen lassen, als ich von Nürtingen nach Calcutta aufbrach: zur (relativen) indischen Fernseh-Berühmtheit zu werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am Samstag hatte ich das I-League-Match zwischen dem Heim-Team East Bengal und den Gästen von Hindustan Aero aus Bangalore verfolgt. Von der Pressetribüne aus. Schon da wurde ich des öfteren nach meiner Meinung gefragt. Schließlich handelt es sich bei der I-League um das indische Pendant zur deutschen Bundesliga.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Meine Kommentare wurden schon während des Spiels höchst interessiert und begeistert verfolgt. Witz und Esprit hätten sie fasziniert, sagten mir die indischen Kollegen, und so wurden nach der Pressekonferenz nach dem 2:0 nicht nur die beiden  Trainer James Morgan und Ramalingam Thyagraj von Journalistan umringt, sondern der Mann aus dem Schwabenland, der natürlich im T-Shirt seines Leib-und-Magen-Vereins seit Jugend an – des 1. FC Kaiserslautern selbstverständlich –  das Match verfolgt hatte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch dabei wurde gefachsimpelt, und am Ende bat Gopal Roy von Star Ananda, einem der beliebtesten TV-Sender Westbengalens, den deutschen Experten vor die Kamera. Noch am selben Abend wurde dessen Kommentar zum Match sowie die Informationen über den vom Goethe-Institut ermöglichten Austausch zwischen der Times of India in der Sendung “X-tra time” zur indischen Nachrichten-Primetime um 22.30 Uhr ausgestrahlt. Dies nicht zuletzt den Kollegen zur Kenntnis, die in der Redaktion stets so lustvoll über meine angebliche Unkenntnis in Fußballdingen ablästern. Die werden mir sicher verzeihen, dass ich angesichts dessen nach dem Interview schon ein bissle in mich hineingegrinst habe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber jetzt im Ernst: Darin spiegelt sich nicht zuletzt die unerhört hohe Wertschätzung wider, die der deutsche Fußball im Moment in Indien genießt. Nicht mehr die einstige Kolonialmacht England ist Vorbild, sondern Jogi Löws Jungs. Wenn von denen die Rede ist, dann leuchten die Augen. Und immer wieder höre ich: “Hoffentlich schafft Ihr es im Sommer bei der Europameisterschaft!”&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 
    </content:encoded>

    <pubDate>Mon, 23 Jan 2012 11:57:00 +0100</pubDate>
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    <title>Handwerkskunst</title>
    <link>http://blog.goethe.de/nahaufnahme/archives/70-Handwerkskunst.html</link>
    
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    <author>nospam@example.com (Jürgen Gerrmann, Kolkata)</author>
    <content:encoded>
    In Frankreich ist es eine Touristenattraktion: eine mittelalterliche Burg wird mit alten Handwerkstechniken wieder aufgebaut. In Calcutta aber ist das keine Show, sondern Alltag. Und es betrifft auch keine historischen Gebäude, sondern Neubauten mitten in einer Millionen-Metropole. Das ist oft atemberaubend, aber immer aller Ehren wert. In Abwandlung eines deutschen Kinderliedes könnte man sagen: “Wer will fleißige Handwerker seh’n, der muss zu den Indern geh’n.”&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;!-- s9ymdb:35 --&gt;&lt;img class=&quot;serendipity_image_center&quot; width=&quot;225&quot; height=&quot;300&quot;  src=&quot;http://blog.goethe.de/nahaufnahme/uploads/DSC00177-225x300.jpg&quot;  alt=&quot;&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Direkt neben dem Goethe-Institut an der Ballygunge Circular Road entsteht zurzeit ein Neubau. Die Mauer seines Vorgängers steht noch, das riesige Eisentor ist geschlossen. Dahinter reckt sich ein Gerüst aus Bambus in den Himmel, das hierzulande wohl viele als “primitiv” bezeichnen würden. In Wirklichkeit aber ist es ein wahres Kunstwerk. Und standfest noch darüber hinaus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es trägt nämlich nicht nur einen einsamen Mann, sondern auch die Rolle eines Flaschenzugs, auf dem immer wieder ein Werkzeug hochgezogen wird, das an eine Ramme erinnert, wie sie im Straßenbau eingesetzt wird. Der Mann oben auf dem Gerüst positioniert das Eisenteil  und lässt es  nach höchstens einer Sekunde zielgenau wieder nach unten sausen. Zwischendurch hat er noch Zeit, dem Menschen aus Deutschland zuzuwinken, der da staunend auf der anderen Straßenseite steht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als sich kurze Zeit später das Eisentor öffnet, weil einer der hier allgegenwärtigen Sicherheitsleute etwas zu besprechen hat, nutze ich die Chance, hineinzuspicken. Und sehe, dass mit dieser urtümlichen Technik eine mächtige Stahlstütze für das Fundament ins Erdreich gerammt wird. Mich begeistert das, die Arbeiter strahlen über meine per Zeichensprache zum Ausdruck gebrachte Anerkennung. Aber meine Kamera darf ich dann doch nicht in Betrieb nehmen. “No photos”, sagt der Security-Mann freundlich, aber bestimmt – und macht mir das Tor vor der Nase zu. Und daher muss es beim Foto von der anderen Straßenseite bleiben, das die Leistung der Männer indes allenfalls halb deutlich werden lässt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mancher mag das, was sie tun, als “rückständig” belächeln. Ich aber ziehe meinen Hut davor. Ganz tief. Denn so was muss bei uns in Deutschland erst einmal einer hinkriegen.&lt;br /&gt;
 
    </content:encoded>

    <pubDate>Sat, 21 Jan 2012 11:51:00 +0100</pubDate>
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    <title>Rupie an den Kopf</title>
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    <author>nospam@example.com (Jürgen Gerrmann, Kolkata)</author>
    <content:encoded>
    Die Armut begleitet einen in Calcutta auf Schritt und Tritt. Man kann ihr nicht entrinnen. Höchstens, wenn man sich in den von Mauern und Stacheldraht gesicherten und rund um die Uhr von bewaffneten Security-Leuten bewachten vornehmen Tennis- und Cricket-Clubs einschließt.  Ansonsten vermag  das Auge den Armen nicht zu entrinnen, und es brennt sich einem regelrecht ins Bewusstsein ein, auf welch hohem Niveau wir daheim in Deutschland alle jammern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Manches kann einem das Herz zerreißen (und davon wird in diesem Blog noch zu erzählen sein). Kein Wunder also, dass es Menschen gibt, die betteln. Die meisten sitzen still und kraftlos am Straßenrand oder der Kreuzung. Aber es gibt auch welche, die offensiv – ja zuweilen sogar aggressiv – auf einen zugehen. Dann nämlich, wenn sie mich als Touristen erkennen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Soll man denen etwas geben oder nicht? Die meisten Inder sagen “Nein”. “Wenn Sie einem was geben, stehen gleich fünf weitere um Sie herum!”, hat mich zum Beispiel Sucheta Hossain, die beim Goethe-Institut das Projekt betreut und sich engagiert darum  kümmert, dass ich mich schnell zurecht finde, schon auf der Fahrt zum Flughafen in mein Quartier gewarnt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gerade eben hab ich allerdings diese Warnung in den Wind geschlagen. Ich war mit Arnab vom Grafik-Team der Times of India unterwegs. Ich habe mein Akku-Ladegerät in Nürtingen vergessen, brauchte Ersatz. Zehn Minuten Fußmarsch bis zum Laden, kein Problem für mich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vor dem Laden dann ein Obsthändler, ich kriege Lust auf Vitamine, Arnab verhandelt mit ihm, weil aus seiner Sicht der Preis viel zu hoch ist. Schon nach einem Satz seines indischen Landsmanns geht der Mann mit dem Obst mit dem Preis kräftig runter. Ich kaufe Kap-Stachelbeeren und Erdbeeren aus Indien, und schon während der Verhandlungen zerrt mich eine Frau mit einem Baby auf dem Arm laufend am Ärmel und klagt (wohl zurecht, wie ich mir denke) über ihre Armut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Warnungen hin oder her: Ich lass mich erweichen und geb ihr die Münze vom Wechselgeld. Da geht das Klagen in Schimpfen (konkreter gesagt: Beschimpfen) über, Arnab drängt mich sanft, aber bestimmt, von ihr weg (wie dies die Bodyguards der Politiker auch so gut drauf haben), dann wird das Lamento noch lauter. Als wir drei bis vier Schritte weg sind, trifft mich ein Zwei-Rupien-Stück am Kopf. Im Fußball wäre das Spiel jetzt wohl abgebrochen worden, hier geht es weiter. Ein Passant (auch er Inder) bückt sich und gibt mir das Stück mit dem Ausdruck des tiefsten Bedauerns im Gesicht in die Hand.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
“Gib solchen Leuten nie mehr was!”, sagt Arnab. Und ich frage mich lautlos, wie arm wohl jemand tatsächlich ist, wenn er andere mit Münzen bewerfen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 
    </content:encoded>

    <pubDate>Fri, 20 Jan 2012 11:49:56 +0100</pubDate>
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    <title>Tagore und Stuttgart</title>
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    <author>nospam@example.com (Jürgen Gerrmann, Kolkata)</author>
    <content:encoded>
    “50 Jahre deutscher Rundfunk” – diese Schallplatte habe ich mir 1973 gekauft. Einer der faszinierendsten Stücke drauf: “Nobelpreisträger Rabindranath Tagore rezitiert ein Gedicht.” Man mag es kaum glauben: So was kam damals tatsächlich im Radio. Und zwar zur besten Sendezeit. Deutschlandweit. Und nicht versteckt in Nischensendern wie SWR2 Kultur.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damals hab ich (wie wohl alle Zuhörer) nichts verstanden. Denn Tagore sprach Bengalisch. Nur der Rhythmus und die Melodie der Sprache haben mich schon vor fast 40 Jahren fasziniert. Komisch: Gleich an meinem ersten Abend in Calcutta bin ich diesem Klang und diesem Poeten wieder begegnet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
“Rabindranath Tagore und sein deutscher Verleger Kurt Wolff”, heißt  der Titel des Abends im Goethe-Institut, an dem unter anderem die Beziehung des Pharmaunternehmens Merck mit der Literatur im allgemeinen und Rabindranath Tagore deutlich gemacht werden soll. Kurt Wolff war nämlich der Opa des Vorstandsvorsitzenden der Merck KG, Jon Baumhauer. Und der ist an diesem Abend ebenso anwesend wie Karl-Ludwig Kley, der Vorsitzende der Geschäftsführung. Und daher sind auch rund ein Fünftel der Plätze im Auditorium für (überwiegend indische) Mitarbeiter von Merck reserviert. “Merck ist eine der bekanntesten deutschen Familien in Indien”, sagt denn auch Martin Wälde, der Leiter der Goethe-Instituts hier, zur Begrüßung. Schon 1895 habe Merck eine Fabrik in Calcutta eröffnet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kley wiederum wartet gleich zu Beginn mit einem Bonbon auf: Sein Unternehmen habe den Merck-Tagore-Preis gestiftet, der künftig alle zwei Jahre an Menschen verliehen werden soll, die sich um den deutsch-indischen Kulturaustausch verdient gemacht haben. Und er verrät ein Geheimnis: Erster Preisträger wird Tagore-Intim-Kenner Dr. Martin Kämpchen sein, der auch den Vortrag des Abends hält. Zuvor aber erinnert Baumhauer an seinen Großvater, der unbedingt verleger werden wollte (was ihm ja dann auch höchst erfolgreich gelang) und das Glück hatte, dass ihm ein Freund aus London, der Tagore den Briten nahebrachte, den Bengalen empfahl. Kurz nach Erscheinen von Wolffs deutscher Ausgabe erhielt der Mann aus Indien dann den Nobelpreis. Rainer Maria Rilke hatte es übrigens abgelehnt, Tagores Texte ins Deutsche zu übertragen. Er befürchtete, er könne den Nuancen dieser Poesie nicht gerecht werden. Das übernahm dann Wolffs Frau Elisabeth, eine geborene Merck. Und wie!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bis Mitte der 20er-Jahre übersetzte sie dann sofort jedes Buch, das in Großbritannien erschien, ins Deutsche, erzählt daraufhin Kämpchen. Tagores Naturnähe und Romantik hätten den Zeitgeist von damals wohl punktgenau getroffen. Dessen Deutschland-Besuch von 1921 sei zum Triumphzug geworden, auch Wolff sei bei der persönlichen Begegnung von der Ausstrahlung des bengalischen Poeten zutiefst beeindruckt gewesen.&lt;br /&gt;
Die Inflation von 1923 machte Tagores Bücher sogar zur Wertanlage: Eine Million davon wurden bis Ende dieses Jahres verkauft. Nach den Schrecken der Geldentwertung nahm in der Weimarer Republik die Begeisterung für den Fernen Osten indes rapide ab. Als “Friedensdichter” war Tagore, der Deutschland noch weitere zweimal besuchte (1926 und 1930), dereinst verehrt worden. Nun gewannen andere Töne die Oberhand. Martialische.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für Wolff wiederum scheint er die verlegerische Liebe seines Lebens gewesen zu sein: Nach ihm brachte er (abgesehen von Buddha-Weisheiten) nie mehr ein spirituelles Buch heraus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Peter Rauscher hat übrigens in diesem Blog auch einen  Text von Carl von Ossietzky gepostet, der den Wirbel um Tagore und dessen “Missbrauch” durch manche in Deutschland kritisiert, gepostet. Auch ihm lohnt es sich (als Ergänzung) zu lesen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;iframe width=&quot;420&quot; height=&quot;315&quot; src=&quot;http://www.youtube.com/embed/kzwr9xDi03E&quot; frameborder=&quot;0&quot; allowfullscreen&gt;&lt;/iframe&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber im Goethe-Institut kann man Tagore auch hören. Er war nicht nur ein Dichter, sondern auch ein Komponist eindrucksvoll meditativer Musik. 13 Lieder hat er während seiner DeutschlandTour 1926 geschrieben, sieben davon singt-Promita Mallick, eine Folklore-Sängerin, die in Bengalen jeder kennt, nach den Reden. Eins aus jeder Stadt, in der er komponiert hat. Eins aus Hamburg. Eins aus München. Eins aus Nürnberg. Eins aus Köln. Eins aus Düsseldorf. Eins aus Berlin. Und eins aus Stuttgart. Das im September 1926 entstandeneLied  aus dem Schwabenland handelt von einem alten Mann, dessen Leben zu Ende geht und der seiner großen Liebe für alles Schöne dankt. Wobei bei Tagore nie ganz klar sei, ob er mit der “großen Liebe” nun eine schöne Frau oder Gott meint, sagt mir eine pensionierte Lehrerin bei der abschließenden Garten-Party (ja, auch das kann man im Januar in Calcutta machen).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und da der gute Rabindranath  ein großer Naturfreund war, kommt mir der Gedanke in den Sinn, ob er während seines Stuttgart-Aufenthalts auch mal den Hohenneuffen gesehen oder gar besucht hat. Vielleicht sollte Axel Vetter seine alten Gästebücher nochmals wälzen. Und im September 1926 nachschlagen.&lt;br /&gt;
 
    </content:encoded>

    <pubDate>Wed, 18 Jan 2012 10:27:00 +0100</pubDate>
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    <title>Angekommen</title>
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    <author>nospam@example.com (Jürgen Gerrmann, Kolkata)</author>
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    Die Beinfreiheit der Boeing hab ich schon vermisst, als wir mit einem wohl recht betagten Airbus (noch mit Aschenbechern ausgestattet) von Dubai weiter nach Kalkutta flogen. Aber ruhig ging es auch da in aller Regel zu.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
“Mit 0,3 Prozent der Sonne der Sahara könnte man ganz Europa mit Energie versorgen”, haben die Emire zum Abschied noch auf ein riesiges Plakat geschrieben. Vielleicht kommt es ja wirklich irgendwann mal so weit. Aber auf jeden Fall scheint auch in Calcutta die Sonne, als wir um 8.30 Uhr Ortszeit dort landen. Es liegt ein Geruch wie in den Gewächshäusern der Wilhelma über der Flughafenhalle, die im Vergleich zum Terminal in Dubai reichlich vergammelt anmutet. Auch die Gepäckabholung wird zur Gelassenheitsübung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber dann hab ich endlich alle Kontrollen hinter mir, und draußen warten neben Sucheta Hossain, der Mitarbeiterin des Goethe-Instituts, und dem Fahrer auch noch eine Menge Bettler auf mich. Einer hält den Kofferraum des uralten Ambassador auf und will einen Euro dafür. Da in West-Bengalen ist Europas Währung offensichtlich noch was wert. Knapp 61 Rupien bekomme ich in der Wechselstube am Flughafen für einen Euro, dann machen wir uns auf den Weg vom Flughafen zu meinem Zimmer im Stadtteil Ballygunge.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da wir über die Innenstadt fahren, brauchen wir fast drei Stunden dazu. Zumal es hier keine Blitzer braucht, um die Einhaltung von Tempo 50 zu überwachen. Es geht in dem Gewühl schlichtweg nicht schneller. Die Taxis haben allesamt ein paar Jahrzehnte auf dem Buckel, auch die anderen Autos sind nicht viel neuer (was bei der akuten Blechchadensgefahr) auch nicht weiter verwunderlich ist), es wird pausenlos gehupt, Rikschafahrer, die mit ihrer eigenen Leibeskraft reiche Inder durchs Zentrum kutschieren, leben quasi in ständiger Lebens-Gefahr.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber sie haben es immer noch besser als die, die unter Stoff-Verschlägen auf dem Gehweg hausen, sich vor aller Augen im Rinnstein waschen und auch des Nachts nicht von der Stelle weichen und sich mit den Straßenhunden einen Wettstreit um die Reste der Garküchen liefern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So tief kann ich aber jetzt noch nicht eintauchen. Die lange Nacht verlangt ihren Tribut. Jetzt geh ich erst mal ins Bad, mach mich frisch. Und lege mich dann hin. Am Abend marschier ich dann zu Fuß ins Goethe-Institut. Da geht es um Literatur-Nobelpreisträger Rabindranath Tagore und seinen deutschen Verleger Kurt Wolff. Danach gibt’s noch was zu essen. Und morgen wartet ja schon mein erster Arbeitstag bei der Times of India auf mich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bin schon gespannt. Auch darauf, ob ich bei dem Lärm drunten auf der Straße schlafen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 
    </content:encoded>

    <pubDate>Tue, 17 Jan 2012 10:25:00 +0100</pubDate>
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    <title>In Dubai</title>
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    <author>nospam@example.com (Jürgen Gerrmann, Kolkata)</author>
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    Allzu viel sieht man nicht, wenn man kurz nach 23 Uhr in Dubai einschwebt.&lt;br /&gt;
Die Fenster der Boeing sind klein. Aber das riesige Lichtermeer da unten beeindruckt auch, wenn man nichts Konkretes sieht. Auch den höchsten Turm der Welt mit seinen 820 Metern nicht. Ich Sitze wohl auf der falschen Seite, und der Mittelgang ist für Sightseeing wohl auch nicht gerade optimal. Im Gegnsatz zum Flug. Wir mussten gerade mal (auf Höhe von Bahrain) für zehn Minuten die Sicherheitsgurte anlegen. Das war’s dann aber schon.&lt;br /&gt;
Die fünfeinhalb Stunden ab Frankfurt waren wirklich vom Feinsten.&lt;br /&gt;
In der hochmodernen Halle des Flughafens von Dubai kommt man sich als Schwabe richtig heimisch vor. Hugo Boss ist hier wohl heiß begehrt, und die Duty Free Shops hier veranstalten eine Tombola. Hauptgewinn?| Selbstverständlich ein Mercedes!&lt;br /&gt;
Ansonsten Gold an Juwelen überall. Mir ist jetzt erst mal nach einer Kleinigkeit zum Essen. Habe mir einen arabischen Vorspeisenteller bestellt, der mich in Marokko so begeistert hat. Dazu ein Bier. Der Emir hat nichts dagegen, daß das hier verkauft wird im Transitbereich des AirPort. leider gibt es kein Schlachthofbräu. ich muß mit Birra Peroni vorlieb nehmen. Salute!&lt;br /&gt;
 
    </content:encoded>

    <pubDate>Mon, 16 Jan 2012 10:22:00 +0100</pubDate>
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    <title>Gleich geht es los.</title>
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    <author>nospam@example.com (Jürgen Gerrmann, Kolkata)</author>
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    <pubDate>Mon, 16 Jan 2012 10:19:00 +0100</pubDate>
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    <title>Da unten steht mein Flugzeug. In zehn Minuten wird geboarded.</title>
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    <pubDate>Mon, 16 Jan 2012 10:18:00 +0100</pubDate>
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