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    <title>Sören Kittel, Jakarta (2010) - Nahaufnahme - Journalistenaustausch</title>
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    <pubDate>Tue, 11 Jan 2011 21:00:16 GMT</pubDate>

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        <title>RSS: Sören Kittel, Jakarta (2010) - Nahaufnahme - Journalistenaustausch - </title>
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    <title>Müllsammler von Jakarta </title>
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    <author>nospam@example.com (Sören Kittel, Jakarta (2010))</author>
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    &lt;div class=&quot;serendipity_imageComment_center&quot; style=&quot;width: 110px&quot;&gt;&lt;div class=&quot;serendipity_imageComment_img&quot;&gt;&lt;!-- s9ymdb:12 --&gt;&lt;img class=&quot;serendipity_image_center&quot; width=&quot;110&quot; height=&quot;83&quot;  src=&quot;http://blog.goethe.de/nahaufnahme/uploads/IMG_1013.serendipityThumb.JPG&quot;  alt=&quot;&quot; /&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class=&quot;serendipity_imageComment_txt&quot;&gt;Der Bagger trifft immer wieder die Müllsammler&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;&lt;!-- s9ymdb:12 --&gt;&lt;img class=&quot;serendipity_image_center&quot; width=&quot;2048&quot; height=&quot;1536&quot;  src=&quot;http://blog.goethe.de/nahaufnahme/uploads/IMG_1013.JPG&quot;  alt=&quot;&quot; /&gt;Eigentlich ist es das totale Klischee, da rauszugehen, in die grösste Müllkippe des 240-Millionen-Landes. Zuzuschauen, wie Hunderte von Menschen auf den riesigen Müllbergen stehen, mit kleinen spitzen Geräten den organischen Müll vom verwertbaren Müll trennen. Große Bagger und Raupen fahren um sie herum und buddeln in den Abfallhügeln. Das ist für die Sammler gefährlich, weil es jederzeit passieren kann dass die Schaufel sie trifft. Aber sie haben schon schlimmeres erlebt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum Beispiel Eca, 21, seit drei Jahren Müllsammlerin, sie wohnt direkt in einer kleinen Hütte neben der „Landfill“, wie Müllkippen auf englisch bezeichnenderweise genannt werden. Das Land wird aufgefüllt. Eca arbeitet acht Stunden, von 8 Uhr früh bis 17 Uhr, mit einer Stunde Pause. Sie verdient 40.000 bis 50.000 Rupien am Tag, umgerechnet 3 bis 4 Euro. Die Höhe hängt von der Menge des getrennten Mülls ab. Am meisten bringen die Plastikflaschen, aber es gibt eben Hunderte andere, die ebenfalls danach suchen, fühlen, picken. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich hab eines der Bilder von der Müllkippe auf Facebook gepostet und einer meiner Freunde kommentierte, im Vergleich zu einigen wirklich armen muss es doch Rudi ganz gut gehen. In der Tat gibt es in Jakarta Menschen, die von 10.000 bis 15.000 Euro am Tag leben. Geht ja auch irgendwie. Nasi Goreng für 5000 Rupien, Brötchen für 1000, Wasser für 2000. Man kommt schon irgendwie durch. Schlafen kann man ja draußen, ist ja ohnehin warm. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wirklich sparen können die Müllsammler auch nicht wirklich. Sie müssen für ihre Hütte Miete zahlen und die Mahlzeiten werden ihnen auch vom Lohn abgezogen. Das ist alles ziemlich furchtbar, aber irgendwie wusste man das schon alles. Ich kannte auch schon die Bilder von den Menschen, die in Lumpen über die Müllberge laufen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Unterschied war der Gestank, bei dem ich immer wieder einen unglaublich starken Brechreiz unterdrücken musste. Also immer noch gerade so, sozusagen. Es roch süß irgendwie, aber halt wie vergammeltes Obst süß riecht, dazu Fleisch und alles andere auch. Ich hatte einmal gelesen, dass Geruchspartikel im Prinzip kleine Partikel der Gegenstände sind, die ihn aussenden. Super, genau jetzt daran zu denken. Der Geruch legte sich auf alles und die schwere feuchte Luft machte das Atmen nur noch durch den Mund möglich. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und dann die Geschichten der einzelnen Müllsammler. „Die Mütze? Die hab ich im Müll gefunden.“ – „Letztens sind wieder mehrere bei einem Unfall gestorben.“ – „Ich hab schon ein paar Mal tote Babys im Müll gefunden.“ Das hatte unter anderem auch Eca gesagt. Klar, Babys, Hunde, Katzen, Schlangen, nunja, Schlangen was seltener.  Vielleicht habe ich sie auch nur falsch verstanden. „Ular“ heißt Schlange und „ulat“ heißt Würmer. Und irgendwie sind Würmer wahrscheinlicher...&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie auch immer. Egal, was ich machte, egal, wie viele der Müllsammler ich egal wie lange interviewte – die Situation wurde nicht weniger absurd. Da bin ich also, der Müllbergtourist in diesem Gestank mit meinen 80-Euro-Schuhen, die ich danach sauberschrubben musste, begleitet von einem Sicherheitsmann der Müllberg-Aufsicht. Das muss sich anfühlen für die Arbeiter wie der Besuch eines Touristen, der ihre Arbeit für so wahnsinnig berichtenswert hält. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Ende der Mülltour führte mich an eine Schule, die für die Kinder der Müllsammler aufgemacht wurde. Die Schüler lernen lesen, schreiben und es soll einige pro Jahr geben, die auch an die höheren Schulen geschickt werden. „Aber wenn der Wind ungünstig steht“, sagt der Lehrer, „können wir hier eigentlich nicht arbeiten.“ Die Kinder riechen das schon gar nicht mehr, aber die freiwilligen Lehrer bekommen Brechreiz. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eca hat noch keine Kinder, hat sie gesagt. Aber einen Freund, der ist auch Müllsammler. Sie wollen hier irgendwann einmal mal weg, klar. Aber das Geld reicht gerade, um ein bisschen was zu sparen für die Heimreise. Dort müssen sie dann auch ihren Eltern Geld übergeben. Dann kommen sie zurück und alles geht von vorn los. Plastik, Obstschalen, Zeitschriften, Kleidung, tote Lebewesen. Wie sie das alles aufgezählt hat, nickte sie mich an, schaute noch einmal auf, dann pickte sie schon wieder wie geistesabwesend eine Plastikflasche auf. Ich hatte sie mit meinen Fragen irgendwie schon wieder nur aufgehalten.  
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    <pubDate>Sat, 18 Dec 2010 21:54:00 +0100</pubDate>
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    <title>Nachrichten aus dem Bibi-Land</title>
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    <author>nospam@example.com (Sören Kittel, Jakarta (2010))</author>
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    Okay, zugegeben, es war ein Fehler. Alle haben es von Anfang an gesagt, alle hatten Recht. Wenn Du in Jakarta wohnen willst, brauchst Du einen Blackberry. Oder wie man hier sagt: „Bibi“ (BB). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vor rund zwei Wochen, genau zur Halbzeit meiner Zeit hier, hab ich mir also endlich einen gekauft. Und  in der Tat hatte ich danach einen besseren Zugang zu meinen Kollegen, Freunden und Interviewpartnern. Alle wollen immer sofort den Blackberry-Pin-Code haben. Wenn man den hat, kann man kostenlos zwischen den Blackberries Nachrichten hin- und herschicken. Und das wird hier exzessiv genutzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Innerhalb von kurzer Zeit hatte ich zehn BB-Freundinnen und -Freunde. Die Kollegen bei Kompas verschicken so ihre Arbeitsaufträge jeden Morgen und zum Teil Informationen von Pressekonferenzen und Interviews. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich muss aber leider zugeben, dass BB trotz allem nicht so praktisch ist, wie das iPhone. Klar, kann man leichter Artikel tippen, es ist leichter, mit Freunden in Kontakt zu bleiben, aber: Der Bildschirm ist klein, die Navigationskarte funktioniert bei weitem nicht so problemlos und vor allem, man wird quasi automatisch zu einem Kommunikations-Junkie. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Innerhalb von zwei Tagen schon, wurde ich genau zu einem von diesen BB-Besitzern, die eigentlich in jeder freien Minute auf ihr Gerät schauen. Denn eigentlich hat die rote Signallampe immer einen Grund, aufzublinken. Sie zeigt nämlich gleich sechs Sachen gleichzeitig an: Neue E-Mail, neue SMS, neue BB-Message, neue Twitternachricht, neue Facebook-Information – und ein neuer Chat bei Yahoo-Messenger.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese sechs Applikationen sind gleich auf der Startseite und immer ist man live mit ihnen verbunden. Das geht zwar auf dem iPhone auch, aber irgendwie ist es da nicht so penetrant. Das hat vielleicht mit der fehlenden roten Signalleuchte zu tun. Oder mit der Fülle an Applikationen, die den Stress noch mehr aufteilt auf verschiedene Programme. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie auch immer. Morgen fliege ich ja zurück und ich gehöre dann auch zu den Journalisten, die dann beide Geräte haben. Dass BB in Indonesien einfach viel billiger ist (rund 200 Euro) und schon allein deshalb so beliebt ist, interessiert in Deutschland keinen. Ich werde mich also nach meiner Rückkehr entscheiden müssen. BB oder iPhone. Beide Telefone immer dabei zu haben, ist nun wirklich... naja... verhaltensauffällig, ne?  
    </content:encoded>

    <pubDate>Fri, 17 Dec 2010 03:56:34 +0100</pubDate>
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    <title>„Wenn ihr Jesus liebt – lasst mich Eure Hände sehen!“ </title>
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    <author>nospam@example.com (Sören Kittel, Jakarta (2010))</author>
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    Viel wird ja in Deutschland davon geschrieben, dass das Weihnachtsfest zu kommerziell geworden sei. Hier in Indonesien hat man da weniger Berührungsängste. Man kann zum Beispiel jeden Sonntag einfach einen Gottesdienst besuchen, der direkt in der Einkaufspassage stattfindet. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das hat mehrere Gründe. Zum einen gibt es in der Tat zu wenig Kirchen in Indonesien. Keine Neuigkeit: Christen werden diskriminiert hier. Erst vorgestern haben sich Christen aus Bandung, einer Stadt zwei Stunden von Jakarta entfernt, hilfesuchend an den Präsidenten gewandt, weil sie nicht ungestört von radikalen Demonstranten eine Adventsfeier ausrichten konnten. Der Präsident hält sich aber zurück mit Kommentaren. Ingesamt gab es in den letzten drei Jahren 256 Vorfälle gegen Christen in Indonesien, Pfarrer wurden mit Messern angegriffen, Kirchen wurden abgebrannt und einzelne Feiern wurden mit Rufen und Pfiffen gestört. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist natürlich gerade jetzt im Advent besonders „sensitiv“. Übrigens zu sensitiv für „meine“ Zeitung Kompas. Die hat sich der Religionsneutralität verschrieben und berichtet konsequent nicht von religiösen Auseinandersetzungen, geschweige denn über religiöse Besonderheiten. Das hat wohl mit der Verantwortung der Gesellschaft gegenüber zu tun, damit man für „Frieden“ sorgt und niemanden aufstachelt. In der Tat gibt es immer wieder kleine und große Auseinandersetzungen, aber gerade weil viele in der Chefredaktion Katholiken sind, wollen sie eben nicht eine Seite ergreifen. Irgendwie also verständlich, aber dass sie damit auch gleichzeitig schlicht die Augen vor realen Problemen und Themen verschließen und die Leser das natürlich merken und als „feige“ einstufen, ist auch nicht gerade dem gesellschaftlichen Frieden zuträglich. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Doch ich schweife ab. Der Gottesdienst am Sonntag war: Der Hammer! Da standen in einer riesigen bis zum letzten Platz gefüllten Festhalle Tausende, ja Tausende Menschen und tanzten zu Liedern die allesamt wie Versionen von „Heal the World“ oder „Will you be there“ von Michael Jackson klangen. Nur dass deren Inhalt eben immer mit „Allah“ oder „Tuhan“, also Gott, zu tun hatte. Begrüßt wurden wir übrigens mit dem Wort „Shalom“, obwohl sonst Indonesien nicht gerade Israel zugewandt ist. Aber ich gerate schon wieder in „nicht sensitives“ Fahrwasser hier. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hinter der Pop&amp;Rockband (!) im Anzug standen ungefähr 70 junge gut gekleidete Chormitglieder in rot und schwarz, die tanzten, klatschten, die Arme in die Luft warfen und kolektiv beteten, wenn es gerade auf der „Setlist“ stand. Was natürlich nicht fehlen darf: Hinter dem Chor wurde auf zwei riesigen Leinwänden der Text geezeigt – so dass alle flüssig mitsingen konnten, auf Englisch und Indonesisch, wie bei einer richtigen Karaoke-Vorstellung. Nur dass es um „Gottes Liebe für alle seine Kinder“ geht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neben mir haben die Jugendlichen (die meisten Anhänger waren jünger als ich) geweint, immer wieder ihre rechte Hand in die Luft gestreckt („Wenn ihr Jesus liebt – lasst mich Eure Hände sehen!“) und dazu mit geschlossenen Augen laut den Text mitgesungen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dann, nach einer Stunde großer Bühnenshow, trat der Prediger auf. Und auch wenn ich nicht alles verstanden habe, was er vorgelesen, geflüstert, gerufen, gekreischt und wieder geflüstert hat, es war eine sehr beeindruckende Show, wie Glenn Beck in seiner US-Fernsehshow oder eben wie ein Sektenführer. Immer hat er wiederholt, dass wir nicht sündigen sollen, dass wir anderen helfen sollen, dass wir verzeihen sollen, dass wir nur dann in den Himmel kommen, wenn wir... Naja, ich muss jetzt nicht alles nochmal im Detail aufzählen. Also inhaltlich kam nicht viel „Neues“ bei rum, aber nach weiteren 45 Minuten waren zumindest alle in der richtigen Stimmung für das Abendmahl. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dann tauchten wieder die Bühnenshow-Leute auf, liefen in die Zuschauerränge und verteilten kleine wiederverschließbare durchsichtige Plastiktütchen, die man in Berlin „szenetypisch“ nennen würde, in denen noch einmal drei weitere Tütchen waren: eine mit einer Hostie, eine mit einem Plastikbecherchen „Rotwein“, und eines mit einer Tube verdächtig gelbem Öl. Der Salbung wegen, kapiert? Das Öl könne Wunder wirken, meinte meine Nachbarin. Ich brings mit nach Deutschland. Man weiß ja nie, ne?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich hatte meine Mühe mit dem Plastikbecherchen, weil der Deckel natürlich wie bei allen Plastikdingern hier nicht zu öffnen ging. Meine Hostie war schon zerbröselt und auch das Öl war ein bisschen ausgelaufen und alles war glitschig. Also keine optimalen Bedingungen. Aber ich war ja ohnehin aus Recherchezwecken in diesen Gottesdienst gekommen. Denn trotz dem zweistündigen Riesen-Spektakel, dass die Menschen auf der Bühne veranstalteten: Ich glaube, so ein traditioneller Gottesdienst ohne gewollt-charismatischen Einpeitscher sagt mir mehr zu. Irgendwie. Aber ich will ja nicht urteilen, das wäre auch „zu sensitiv“. &lt;br /&gt;
 
    </content:encoded>

    <pubDate>Thu, 16 Dec 2010 05:42:21 +0100</pubDate>
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    <title>Ratten, Fußball und &quot;Tschüss&quot;</title>
    <link>http://blog.goethe.de/nahaufnahme/archives/27-Ratten,-Fussball-und-Tschuess.html</link>
    
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    <author>nospam@example.com (Sören Kittel, Jakarta (2010))</author>
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    In diesem Eintrag will ich mich den Dingen widmen, denen man nicht guten Gewissens einen eigenen Blogeintrag widmen kann. Was soll ich schon schreiben, über die Ratten zum Beispiel. Sobald es dunkel wird, hört man dieses intensive kurze Fiepen überall auf der Straße. Aber wenn ich eine Ratte wäre, würde ich auch gern in Jakarta leben. Überall leckerer Müll zum drinwühlen, kleine Löcher im Boden, durch die man schnell verschwinden kann und viele andere Rattenfreunde, mit denen man sich die ganze Nacht fiepend unterhalten könnte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anderes Thema: Ich hab nie verstanden, warum es in Indonesien kein „Tschüss“ gibt. Kein „Ciao“. Kein „See you later“. Es gibt nur: „Danke“, indonesisch: „Terima kasih“, was wörtlich „die Liebe annehmen“ heißt. Wenn man also aus dem Taxi steigt, ein Geschäft verlässt, einen alten Freund verabschiedet – nie sagt man etwas anderes als „Danke“. Ich sage das dann meistens gleich zweimal. Einmal, wenn ich mich wirklich bedanken will und dann fällt mir auf, dass ich mich ja auch verabschieden will. Das klingt dann immer so: „Danke!“ und ähm... „Danke!“. Hm. Wenn ich mich dran gewöhnt habe, das nur einmal zu sagen, bin ich wohl wirklich angekommen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anderes Thema: Seit drei Wochen werfe ich jeden Tag um die dreimal Wasser über mich. Duschen sind hier unüblich. Man bekommt eine Schöpfkelle und entnimmt damit Wasser aus einem Bottich. Das ganze heißt &quot;Mandi&quot;. Ich mandie, du mandiest, er/sie/es mandiet, sozusagen. Wenn das kalte Wasser dann über den Körper läuft, klatscht das schön erfrischend und das Rattengefiepe von der Nacht davor ist schon wieder vergessen. Tolles System. Hab mir übrigens ein Duschbad mit dem Namen „Vaseline“ gekauft. Es gab auch die Version, die eine „hellere Haut“ macht. Aber irgendwann hat die Anpassung auch Grenzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anderes Thema: Ich habe einen Blockwart. Das ist ein älterer Herr, der am Eingang zu meiner Wohnsiedlung steht und jeden misstrauisch beobachtet, der hineinwill. Auch ich war erst einmal sein Feind. Als er nach drei Tagen noch keinen Pass von mir hatte, wurde er richtig ungemütlich und wollte mich schon nicht mehr in mein Haus lassen. Jeder Indonesier muss sich nach einer Nacht in einer fremden Wohnung anmelden. Wer das nicht tut, handelt gegen das Gesetz. Aber dass auch jeder Gast deshalb so behandelt wurde, hätte ich nicht gedacht. Einmal musste ich nachts um drei eine halbe Stunde diskutieren, bevor ich meine Wohnung betreten durfte. Nur weil ich „unangemeldeten Besuch“ aus Deutschland hatte. Bis jetzt weiß ich immer noch nicht, ob ich nicht vielleicht doch verschämt mein Portemonnaie hätte zücken sollen. Das soll ja hier angeblich... Ach, damit fangen wir gar nicht erst an. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anderes Thema: Die Klick-Zigaretten. Ich rauche ja in Deutschland eher weniger. Hier ist es etwas mehr geworden, zum Teil wegen „Flava“, einer neuen Zigarettenmarke, die hier groß auf Plakaten überall beworben wird. Es ist eine normale „leichte“ Nelkenzigarette, mit dem Unterschied, das im Filter eine Pfefferminzkapsel versteckt ist. Durch kräftiges Drücken („Click“) platzt diese und beim Rauchen entsteht ein starker Zahnpasta-Geschmack. Sehr schräg. Und ja, ich bring ein paar Packungen mit. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Letzter Themenwechsel: Fußball ist hier genauso populär wie in Deutschland. Indonesien hat sich gerade für die Ausrichtung der WM beworben und wenn sie in Südafrika stattfinden kann, dann mit Sicherheit auch hier. Gerade finden der ASEAN-Cup statt und in Jakarta sind alle völlig verrückt danach. Normalerweise ist Indonesien kein Favorit, aber jetzt mit dem neuen niederländischen Trainer, könnte es klappen. Die ersten drei Spiele: 5:1 gegen Malaysia, 6:0 gegen Laos und ein knapper 2:1-Sieg gegen den ernsten Gegner Thailand. Am Donnerstag geht es in die K.o.-Phase. Die Philippinen sind auch nicht leicht zu schlagen, aber ich werd&#039;s mitbekommen. Das große Stadion der Stadt, in dem gestern übrigens der vorgezogene Weihnachtsgottesdienst (???!!!???) stattfand, ist nur auf der anderen Straßenseite. Mir ist alles recht, was das Rattenfiepen übertönt.  
    </content:encoded>

    <pubDate>Sun, 12 Dec 2010 06:50:08 +0100</pubDate>
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    <title>Und der Vogel singt von Heimweh...</title>
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    <author>nospam@example.com (Sören Kittel, Jakarta (2010))</author>
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    Fast jedes Unternehmen in Jakarta macht einmal im Jahr einen Ausflug in die Umgebung. Sie fahren dann meist in die umliegenden Berge, wo das Wetter besser und kühler ist. „Rapat“ heißen diese Treffen und alle müssen mit, schon allein, weil es am Abend... aber dazu später. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Kompas-Redaktion ist in diesem Jahr nach Sukabumi gefahren, in ein kleines Hotel mit Swimming-Pool und einer großen luftigen Halle. Dort wurde früh um zehn eine Leinwand aufgebaut und die Chefredakteure und Ressortleiter setzten sich for diese Wand und hielten Vorträge. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch hier zeigte sich, dass die Probleme, vor denen die Kompas-Redaktion steht gar nicht so anders sind als die in Deutschland. Sinkende Auflagen, Vernetzung mit der Online-Seite, bessere Nutzung der iPad-Applikation und das Hauptthema der Veranstaltung: Journalistische Ethik. Gerade in einem Land, dessen Präsident stolz auf Titelseiten präsentierte, dass Indonesien gerade beim Korruptions-Index von Transparency International nach oben gestuft wurde von 2,1 auf 2,6. Zehn ist Maximum, Eins ist Minimum. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Klartext, hier läuft quasi nix ohne Kontakte zur Wirtschaft, gerade in einer Stadt wie Jakarta, die so wahnsinnig reich wirkt, mit seinen gläsernen Wolkenkratzern und einer Forbes-Liste, die zeigt, dass sämtliche Superreichen des Archipels in Jakarta mehrere von diesen Hochhäusern besitzen und auch Naturschutzgebiete dafür abreißen dürfen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gab also offenbar einen Wirtschaftsjournalisten, der Insidergeschäfte betrieben hat. So richtig klar ist der Vorwurf nicht und er streitet auch jetzt noch alles ab. Viele Kollegen kennen ihn gut und können sich auch keine Korruption bei ihm vorstellen. Aber er ist erst einmal beurlaubt. Keiner der Kompas-Journalisten darf an der Börse handeln, das ist das Ergebnis. Der Chefredakteur hat noch einmal deutlich gemacht, dass gerade in einem Land wie Indonesien, die Glaubwürdigkeit einer Zeitung ihr höchstes Kapital ist. Wer Leute auf der Straße nach Nachrichten fragt, hört immer wieder: „Das hab ich im Kompas gelesen, also muss es stimmen.“ Trotz der vielen Konkurrenzzeitungen behauptet sich Kompas eben seit Jahren auf dem ersten Platz. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das hat natürlich auch für gute Stimmung gesorgt. Als die Fragerunde eröffnet wurde, gab es vor allem Gelächter. Redakteure (keine der Redakteurinnen, nebenbei) standen auf und erzählten von ihrem Alltag da draußen in einer der 22 Außenredaktionen oder in Jakarta. Das mit dem Gelächter ist echt nicht zu unterschätzen. Hab selten früh um 10 Uhr eine so ausgelassene Sitzung erlebt. Zwischenrufe, Schulterklopfen und spontaner Applaus umschreiben das nur zum Teil.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am lautesten wurde der Applaus als der Kompas-Fotograf Agus Susanto noch einmal geehrt wurde, der den korrupten Politiker Gayus bei einem Tennismatch erkannt und fotografiert hatte. Gayus sollte eigentlich im Gefängnis in Jakarta sitzen, schmierte aber seine Wärter, um regelmäßig Freigang zu bekommen, eben unter anderem für dieses Tennismatch in Bali. Er setzte eine Perücke und Brille auf und dachte das reicht. Agus aber trat mit seinen Fotos eine Debatte los, die noch immer alle Zeitungen bestimmt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Abends dann wurde groß gefeiert. Während das in Deutschland nie ohne Alkohol funktioniert, wurde hier schon um gegen 7 Uhr abends ausgelassen getanzt. Als ich es wagte, mir die zweite kleine Büchse Bier aufzumachen (&#039;Bintang&#039; zu deutsch: &#039;Stern&#039; – auch wenn es zum nichts mit dem Berliner &#039;Sterni&#039; zu tun hat), kamen schon die ersten Warnungen, dass ich doch schon betrunken sein müsse. Well... Die dritte Büchse ließ ich dann trotzdem besser stehen. Passt hier einfach nicht her. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Musik war Dangdut, das lässt sich vergleichen mit deutschem Schlager, also Musik, die meist irgendetwas von Liebe oder Heimatgefühlen erzählt. Der Hit des Abends war „Aku Rindu“. Der Refrain ist total Schlager: „Oh burung nyanyikanlah , Katakan padanya aku rindu.“ Auf Deutsch: „Oh, bitte, Vogel, sing – und sagt ihr/ihm, dass ich sie/ihn vermisse.“ Klingt irgendwie nach Heimweh... Selbst der Chefredakteur stand da und ... ähm, wie beschreibt man das ... wedelte mit erhobenen den Händen im Takt. Das ist die offizielle Tanzform für Dangdut-Lieder. Toll, das.  
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    <pubDate>Fri, 10 Dec 2010 07:05:24 +0100</pubDate>
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    <title>Sudah makan!!!</title>
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    <author>nospam@example.com (Sören Kittel, Jakarta (2010))</author>
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    Dass Essen in Asien ein sozial wichtiges Ereignis ist, wusste ich ja schon vorher. Auf Chinesisch heißt „Wie geht’s“: „Ni chi le ma?“, wörtlich: „Hast Du schon gegessen?“. Und auch auf Indonesisch ist die Frage „Sudah Makan?“ ebensowenig auf den tatsächlichen Hungerzustand ausgerichtet. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gerade eben zum Beispiel war ich mit Kompas-Kollegen zum Mittagessen. Es war lecker, wie immer typisches Essen aus einer bestimmten Region. Heute war Zentraljava dran, also Hühnchen, Tofu und in Teigmantel gebackene Käserollen. Aber nur eine Stunde später wieder die Frage: „Sudah makan?“ Ich denke: Du warst doch dabei! Aber sage nur: „Sudah kenyang.“ Schon satt. Doch ungefähr eine Minute später steht trotzdem eine Schüssel mit der landesweit bekannten Fischbällchen-Suppe Bakso vor mir. „Ist lecker, musst du essen!“. Klar. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dabei ist die Küche hier nicht so, wie man asiatische Küche aus dem Restaurant kennt. Mit Stäbchen wird in Indonesien nur in Ausnahmen gegessen. Ursprünglich benutzen Indonesier ihre Hände zum Essen: Da wird an Hühnerflügeln oder Froschschenkeln herumgeknaubelt, werden die Gräten aus Fischen entfernt und das Fleisch von den Saté-Spießen abgebissen. Auch der Reis wird mit der Soße zusammen in kleine Häufchen gelegt und irgendwie elegant in den Mund gestopft. Wenn man dabei zufällig neben dem Chefredakteur der größten Zeitung des Landes sitzt, ergeben sich dann zwangsläufig komisch-intime Situationen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ansonsten ist die Küche hier in der Stadt vor allem: sehr unterschiedlich. In China-Restaurants kann man Dim Sum bekommen, bei dem man erst eine lange Essanleitung anhören muss, bevor man essen darf: Dim Sum Aufstechen, Flüssigkeit in Löffel laufen lassen, trinken, Rest-Dim-Sum vorsichtig anheben, in Sojasosse tunken, essen. Beim Koreaner wird für alle in einem „Hotpot“ am Tisch gekocht und beim Sumatra-Indonesier einfach alles was das Restaurant bietet auf den Tisch gestellt. Bezahlt wird nur für die Schüsseln, die man angerührt hat. Meine Lieblingsschüssel ist die mit „Rendang“, einem scharfen Rindfleischgericht, das ungefähr 24 Stunden lang gekocht wird. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einmal war ich im „Paulaner Bräuhaus“ (das heißt wirklich so) und hab mit einen Leberkäs mit Sauerkraut und Spiegelei bestellt. Sah gut aus, schmeckte aber nach Nix mit viel Essig. War eh keine gute Idee. Dann doch lieber mit Kollegen in die „Kantin“, die nur einen Meter vom Verlag liegt. Nur nicht jetzt. Bin noch ganz kenyang. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachtrag: Gerade als ich den Text fertig hatte, kam schon wieder ein Kollege und bot mir e mir das „Nicken uneine Spezialität aus der Region an, aus der kommt. Medan, eine Stadt, die übersetzt „Schlachtfeld“ heißt. Das müsse ich jetzt doch unbedingt probieren, sonst wäre er beleidigt... Ich hoffe, ich gewöhne mir das &quot;Lächeln und Danke-Sagen“ schnell wieder ab in Deutschland.  
    </content:encoded>

    <pubDate>Mon, 06 Dec 2010 11:07:16 +0100</pubDate>
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    <title>„MACET TOTAL!“ und die freundliche Hupe</title>
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    <author>nospam@example.com (Sören Kittel, Jakarta (2010))</author>
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    &lt;div class=&quot;serendipity_imageComment_right&quot; style=&quot;width: 110px&quot;&gt;&lt;div class=&quot;serendipity_imageComment_img&quot;&gt;&lt;!-- s9ymdb:9 --&gt;&lt;img class=&quot;serendipity_image_right&quot; width=&quot;110&quot; height=&quot;79&quot;  src=&quot;http://blog.goethe.de/nahaufnahme/uploads/Macet-Total1.serendipityThumb.jpg&quot; title=&quot;MAAAACET!!!&quot; alt=&quot;Nix geht mehr.&quot; /&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class=&quot;serendipity_imageComment_txt&quot;&gt;Alles dicht. &lt;/div&gt;&lt;/div&gt;Soeben kam eine E-Mail aus Deutschland. Meine Heimat-Redaktion in Berlin sucht Erlebnisse aus dem BVG-Winterchaos, der öffentliche Verkehr ist offenbar zeitweise in Berlin einmal wieder zusammengebrochen. Hier in Jakarta vermisse ich gerade das so „unzuverlässiges“ System. Hier ist der öffentliche Verkehr zu Stoßzeiten eine derartige Katastrophe, dass man eigentlich gleich zuhause bleiben kann. Die Straßen sind grau vom Benzin und die Autos stehen sich die Räder in den Bau... naja, sie stehen eben im Stau rum. Der Indonesier ruft dann: „Macet!“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ging den Öffentlichen Bussen genauso. Deshalb hat sich Jakarta vor 2003 das Busway-System ausgedacht: Eine Extra-Spur nur für eine Buslinie namens „Transjakarta“. Die Busse sind toll, es gibt Klimaanlage, sie kosten nur 3500 Rupiah (30 Eurocent) und sie kommen alle paar Minuten. Sogar die kommende Haltestelle wird angesagt und ein Hinweis darauf, dass man seine Habseligkeiten tauschen soll, gibt es auch. Oder hab ich das „Please Change Your Belongings!“ falsch verstanden? Ein tolles Gefühl jedenfalls, mit dem Bus am Stau vorbeizufahren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jedenfalls im Idealfall, außerhalb der Stoßzeiten. Nur gibt es drei Probleme. Problem #1: Diese Extra-Spur muss irgendwo herkommen und sie wurde natürlich den Autos weggenommen. Das Stau-Problem wurde also für Einzel-Fahrer noch schlimmer. Problem #2: Man hat nicht berechnet, dass über große Kreuzungen auch der Busway nicht fliegen kann. Die Folge ist, dass die Busse eigentlich immer in Gruppen kommen, weil sie zwischendurch mit dem Normalverkehr zusammentreffen. Und Problem #3: Zu Stoßzeiten stehen so viele Leute für den Bus an, dass sich alles drängelt und schubst und die sonst so zurückhaltenden Indonesier richtig wütend werden können. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Immerhin gibt es inzwischen ein richtiges Netz von diesen Bussen, auch wenn man sich lieber eine U- oder S-Bahn wünschen würde. Die soll aber kommen. Eine 15-Kilometer-MRT ist geplant, schon 2014 soll sie fahren. Aber niemand, wirklich: NIEMAND, glaubt, dass Jakarta wirklich eine solche Bahn bekommen wird. „Mimpi“, sagen sie dann: „Ein Traum“. Dieser Traum heißt uebrigens ausgerechnet „Jakarta 21“ und soll an die Pläne von „Hanoi 21“ und „Bangkok 21“ erinnern, beides Städte, in denen das mit dem Stau besser geregelt ist als in Jakarta. Insgesamt gibt es übrigens rund 11,3 Millionen Fahrzeuge in der Stadt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine neue Hoffnung machen da die Fahrräder. Immer wieder sieht man plötzlich durch den Motor-Nebel einen mutigen Fahrradfahrer mit Nasen- und Mundschutz in Pedalen treten. Er schlängelt sich noch wendiger als die Motorräder zwischen den Autos lang – und wenn das wirklich Schule macht, könnte es wirklich zu einem „Green Jakarta“ werden hier. Diese Parole wirkt fast etwas zynisch, wenn man sie hört, in einer Stadt mit einem derartigen forciertem Stillstand. aber immerhin wurde sie von einem Berliner ausgerufen. Den werd ich nächste Woche mal treffen und interviewen. Vielleicht vermisst er ja das Berliner Winterchaos genauso wie ich. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kleine Ergänzung: Heute hab ich einen kleinen Auffahrunfall im Stop-(and-maybe-Go-)-Verkehr gesehen. Das war schon deshalb interessant, weil es wieder einmal etwas über das Gemüt der Indonesier erzählt. Selbst im schlimmsten Stau, der seit Stunden nicht vorangeht, sieht niemand einen Grund, den anderen in so einer Situation anzuschreien. Der Fahrer des angefahrenen Autos jedefalls stieg aus und redete ruhig mit dem anderen Fahrer. Die Schlange hinter den beiden Autos wurde immer länger. Und das Hupe immer lauter. Aber sogar das Hupen hier klingt zurückhaltender und freundlicher...&lt;br /&gt;
 
    </content:encoded>

    <pubDate>Thu, 02 Dec 2010 15:37:13 +0100</pubDate>
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    <title>Die Schreibwütigen</title>
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    <author>nospam@example.com (Sören Kittel, Jakarta (2010))</author>
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    Montag, 14 Uhr. Es spielt gerade jemand “I am sailing” von Rod Stewart auf seinem Computer. Die Musik aus den Lautsprechern ist so laut, dass sie jedes Telefongespräch stören würde. In Deutschland hätte jetzt schon längst jemand gerufen: „Andere müssen hier arbeiten!“ oder „Sach ma’, geht’s noch?“ Bei Kompas hingegen ist das üblich. Es trägt zur angenehmen Arbeitsatmosphäre bei, genau wie das Essen, das ausgeteilt wird, die kleinen Oleh-Olehs (siehe ersten Text) und der omnipräsente Kaffee. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Doch das soll nicht darüber hinwegtäuschen, dass „Kompas“ die älteste, seriöseste und wichtigste Tageszeitung in Indonesien ist. Sie erscheint täglich in einer Auflage von rund 500.000 Ausgaben, was für ein Land mit 240 Millionen Menschen nicht wirklich hoch ist. Es gibt eben einfach noch kein großes Publikum für ein tägliches Produkt, das schon halb so teuer ist, wie eine Mahlzeit. 3500 Rupiah kostet eine Ausgabe. 7000 Rupiah eine gute Portion Nasi Goreng mit gebratenem Huhn. Zudem macht sich „Kompas.com“ mit seinen kostenlos zur Verfügung stehenden Nachrichten selbst Konkurrenz. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Probleme der Zeitungen vor Ort sind also ganz ähnlich denen in Deutschland: sinkende Leserschaft, keine Zahlungsbereitschaft Online, aber eine große Stadt, die jeden Tag abgebildet werden will. Kompas hat mehr als 20 Regionalteile auf den verschiedenen Inseln verteilt und liefert dort auch jeweils eine eigene Ausgabe. Hier in der Hauptstadt heißt der Lokalteil nicht Lokalteil, sondern „Metropolitan“. Für eine Stadt mit 14 Millionen Einwohner auch nicht zu hoch gegriffen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gearbeitet wird in einem sogenannten Integrated Newsroom. Die gesamte Redaktion sitzt in einem großen Raum: Wissenschaft, Kultur, Politik, Sport und „Metropolitan“. Kompas hat das System schon vor fast 30 Jahren eingeführt. Aber es gibt eigentlich keine Verpflichtung, wirklich jeden Tag auf dem Arbeitsplatz zu erscheinen. Das ließe sich gar nicht durchsetzen. Deshalb werden die meisten Autoren am Morgen per Blackberry (siehe früheren Blogeintrag) kontaktiert und so zu ihren Terminen geschickt. Der Stau in der Stadt verhindert also ein allmorgendliches Meeting. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem Termin gehen sie meist zu ihren Fitnesskursen oder essen mit Freunden zu Mittag. Erst am Nachmittag kommen sie in die Redaktion und schreiben ihre Texte in „Hülsen“, die sich nicht sehr von denen in Deutschland unterscheiden. Und auch hier gibt es Redakteure, die nur noch die Texte anderer redigieren und auf Fehler untersuchen. „Früher durfte ich noch schreiben“, sagen sie dann. „Aber jetzt muss ich redigieren.“ Auch dieser Blick von älteren Kollegen kam mir sehr bekannt vor. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber auch sie arbeiten alle gern bei Kompas, wie mir hier nie jemand müde wird zu versichern. Damit hat sicher die sehr angenehme Arbeitsatmosphäre zu tun, bei der Lieder wie „Purple Rain“ von Prince im Hintergrund laufen und es jeden Freitag das Ritual der „Bürosäuberung“ („Kebersihan Kantor“) gibt. Dann muss jede Redaktion im Wechselsystem das gesamte Büro ernähren. Ein großer Wagen mit Suppe wird dann aufgefahren und ein zweiter Wagen mit einer Spezialität aus einer Region Indonesiens. Letzten Freitag war Bandung dran. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Außerdem wird bei dieser Gelegenheit der Redakteur, der im Laufe der Woche den saubersten Schreibtisch hatte, mit einem Fahrrad ausgezeichnet. Der Betrieb schenkt also ein Fahrrad. Toll oder? Auch wenn Fahrradfahren hier eigentlich Selbstmord ist (vor ein Uhr nachts), wäre das sogar für mich in Berlin ein Anreiz eine Clean-Desk-Policy einzuführen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So. Jetzt ist es bald 15 Uhr. Im Hintergrund läuft “Another Day in Paradise” von Phil Collins. Irgendjemand singt verträumt mit: „Oh think twice…” Gleich kommen die Redakteure und schreiben bis rund neun Uhr an ihren Stücken. Die Musik wird dann ausgemacht und es sind nur noch Tastaturen zu hören. Und vielleicht die jubelnden Sportredakteure, die gerade die Asian Games 2010 verfolgen. Indonesien hat schon Gold im Drachenbootrennen und Badminton geholt. Viele Redakteure bleiben bis 22 Uhr oder länger, vielleicht auch, um dem Stau zu umgehen. Am nächsten Morgen stehen sie trotzdem halb neun auf einer Pressekonferenz. Aber das erfahren sie später per SMS. Journalist, sagen sie hier im Büro, sei eben ein 24-Stunden-Job. Minus der Zeit, in der sie in Jakarta im Stau stehen, müsste man aber sagen, ein 18-Stunden-Job. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 
    </content:encoded>

    <pubDate>Mon, 29 Nov 2010 08:50:16 +0100</pubDate>
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    <title>The twittering nation</title>
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    <author>nospam@example.com (Sören Kittel, Jakarta (2010))</author>
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    Ey, sorry, aber diese Fahrradklingel macht mich wahnsinnig. Vorn auf der Leinwand kämpft Harry Potter gerade gegen &quot;den, dessen Namen wir nicht nennen dürfen&quot;, ich versuche die Klimaanlagen-Kälte im Kino zu ignorieren, aber was ich nicht ignorieren kann, ist diese furchtbare Fahrradklingel. Ring-Ring. In Originallautstärke. Und jedesmal, wenn das Geräusch ertönt, kramt meine Sitznachbarin ihren Blackberry hervor und schaltet ihn ein. Dann liest sie eine Nachricht, dann antwortet sie, tippt lange auf dem Gerät herum, und dann packt sie es wieder tief in ihre Handtasche. Als ob sie nicht damit rechnen würde, dass gleich die nächste Nachricht kommt. Aber nur drei Minuten später: Ring-ring!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dazu muss man wissen, dass dieses Land auf einem Spitzenplatz steht, was die Blackberry-Verkaufszahlen angeht – und gleichzeitig auf Platz Eins, noch vor den USA, bei der Nutzung von Twitter. Rund 21 Prozent der Bevölkerung haben einen Twitter-Account und es ersetzt für viele die ohnehin fast schon abgeschaffte SMS. Aber dass es so die Gesellschaft verändert, hätte ich nicht gedacht. Als ich vor eineinhalb Jahren hier war, saßen zumindest noch nicht alle im Bus und checkten ihre Mails, twitterten und verschickten Blackberry-Messages (BBMs). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das besondere an BBMs ist, dass man sehen kann, ob sie schon gelesen wurden. Wer sie verschickt, sieht einen kleinen Briefumschlag mit einem „D“ für „delivered“. Die Nachricht ist also angekommen. Aber erst, wenn „R“ für „Read“ auftaucht, weiß man, dass die Nachricht auch gelesen wurde. Die schnelle Kommunikationskontrolle. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am Sonntag war ich bei einem Essen eingeladen. Von 15 Gästen hatten 15 einen Blackberry und sie alle saßen zwischendurch nebeneinander und starrten auf ihre kleinen Bildschirme. Wir kennen diese Bilder aus Deutschland, klar, aber dass ALLE mit dem gleichen Gerät arbeiten und sich wirklich unablässig damit beschäftigen, das habe ich noch nicht erlebt.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber dabei passt Twitter auch super zu Jakarta. Man kann schnell mit vielen Leuten in Kontakt kommen und sich verabreden. Es gibt ohnehin nur vielleicht zehn große Einkaufszentren, in denen man sich aufhält, sobald Feierabend ist. Grand Indonesia, Plaza Indonesia, Central Park, Pacific Place und noch ein paar mehr. Wenn man also twittert, dass man sich gerade über die Bedienung bei Starbucks im Grand Indonesia ärgert, sind sofort drei andere Freunde zur Stelle, die etwas dazu kommentieren – oder gerade in der Nähe sind und selbst einen Kaffee bestellen. Alle lesen immer alles mit. Das hilft auch dabei, beim täglichen Klatsch mithalten zu können. Bei mir aber hat es dazu geführt, dass ich meinen Twitter-Account praktisch nicht mehr benutzen kann. Ich hatte ihn vor vielleicht drei Jahren eingerichtet und vor allem Mediendienste und Nachrichten-Webseiten abonniert. Jetzt habe ich zwischendurch immer wieder kleine Meldungen wie: „Stehe im Stau, laaaangweilig.“ Oder: „Harry Potter ist im Teil 7 viel erwachsener als in den früheren Filmen.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wahrscheinlich hat die junge Indonesierin neben mir im Kino auch keine Nachrichten geschrieben, sondern über den Film getwittert. Jedenfalls habe ich es nach dem zehnten Fahrradklingeln nicht mehr ausgehalten und sie einfach lange angeschaut. Der Kampf Gut gegen Böse hatte sich auf der Leinwand gerade zugespitzt, als wieder Ring-Ring dazwischen kam. Ich starrte sie also an und irgendwann zuckte sie mit den Achseln und meinte nur, dass ich mich nicht so haben soll. Vielleicht hat sie ja recht. Kurz darauf hörte ich den Titelsong aus „Titanic“ neben mir. Es war ihr Telefon-Klingeln. Und ja, sie hat den Anruf entgegengenommen. „Sitze gerade im Kino...“ Ey, sorry, geht’s noch? 
    </content:encoded>

    <pubDate>Thu, 25 Nov 2010 12:55:40 +0100</pubDate>
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    <title>Erster Auftrag: Die Welt der Jokis</title>
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    <author>nospam@example.com (Sören Kittel, Jakarta (2010))</author>
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    Frau Hati lebt vom Stau. Sie stellt sich morgens und abends an die Straße ganz in der Nähe meiner Wohnung hier und hält ihren Zeigefinger ausgestreckt auf die Straße. Gestern hat sie auf diese Art in nur drei Stunden 3 Euro verdient. Das reicht für vier Mahlzeiten und ihre Heimfahrt, wenn sie das Geld gut einteilt. Heute allerdings hat sie noch nichts verdient. Diese Arbeit hängt eben stark vom Zufall ab. Und neben ihr stehen eben noch rund 30 andere, die auch mitfahren wollen. Und Frau Hati hat zwei Nachteile: Sie ist nicht jung und sie hat kein Baby im Arm. Mit Kind wird man leichter mitgenommen, denn dann zählt man eben gleich doppelt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Jakarta wurde im Jahr 2004 versucht, gegen den Stau zu den Stoßzeiten vorzugehen, in dem man die 3-in-1-Regel für die Innenstadt eingeführt hat. Es dürfen nur Fahrzeuge auf den breiten Hauptstraßen fahren, in denen mindestens drei Menschen sitzen. Was aber in Singapur perfekt funktioniert, führt in Jakarta zu einem neuen Markt von Mitfahrgelegenheiten. Besonders Jugendliche und junge Mütter stehen also jeden morgen und jeden Abend am Rand der Innenstadt und bieten sich als Mitfahrer an, für rund ein bis zwei Euro pro Fahrt. Bis zu drei Fahrten schaffen sie an guten Tagen pro Schicht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es war mein erster Auftrag, jemanden wie Frau Hati zu interviewen. Die Jobbezeichnung ist übrigens „Joki“, was wie „Jockey“ klingt und wohl auch so gemeint ist. Ich sollte über sie schreiben, weil sie wohl bald nicht mehr existieren werden. Sie sollen einem digitalen Bezahlsystem weichen, dann wäre auch die 3-in-1-Regel obsolet – und wahrscheinlich der Stau noch schlimmer. Jeden Tag werden nach wie vor in Jakarta rund 250 neue Autos und 900 neue Motorräder zugelassen. Da der Öffentliche Nahverkehr eine Katastrophe (Busse stehen eben auch nur im Stau) und eine Hochbahn noch in weiter Ferne ist. Geplant ist die 15-Kilometer-Strecke für das Jahr 2014. Aber wer jemanden hier darauf anspricht, erntet nur Gelächter. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erst wollte Frau Hati ja nicht mit mir reden, weil ich schließlich erkennbar Europäer sei und eben nicht für eine Lokalzeitung arbeiten könne. Aber irgendwann erzählte sie dann doch, wie sie zu dem Job kam. Es war nämlich erst ihr zweiter Arbeitstag, eine Freundin hat ihr davon erzählt, nachdem sie aus der Nähfabrik entlassen wurde. Jetzt will sie jeden Tag am Straßenrand stehen, damit sie weiter für die Schule ihrer jüngsten beiden Kinder bezahlen kann. Einen Traum hat sie allerdings: ein eigenes Auto. Denn wer das hat, gehört eben automatisch zur wachsenden Mittelklasse.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weil die Jokis aber verboten sind, müssen sie sich immer verstecken, sobald die nächste Polizeistreife vorbeikommt. Andere Jokis erzählen davon, wie sie gefangen genommen wurden, in verschiedenen Stadtteilen Toiletten putzen mussten. Aber sie alle kommen an ihrem ersten Tag in Freiheit zurück an den Straßenrand. Und lernen, wie sie schon von weitem die Polizeiwagen erkennen können und ihren Zeigefinger einziehen. Das jedenfalls hat Frau Hati schon gelernt - und dass man sich die Fahrer immer genau anschauen sollte, bevor man einsteigt. Ihre Joki-Kollegen haben ihr da schon Geschichten erzählt...&lt;br /&gt;
 
    </content:encoded>

    <pubDate>Mon, 22 Nov 2010 19:36:06 +0100</pubDate>
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    <title>Gruseliges Deutsch</title>
    <link>http://blog.goethe.de/nahaufnahme/archives/20-Gruseliges-Deutsch.html</link>
    
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    <author>nospam@example.com (Sören Kittel, Jakarta (2010))</author>
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    Indonesier fürchten sich gern. Anders kann ich mir den Erfolg von Horrorfilmen hier nicht erklären. Rund zwei von fünf Filmen, die pro Jahr im Land produziert werden, sind Horrorfilme. Und selbst ausländische Filme, die nur mit englischen Untertiteln gezeigt warden, können ganze Säle füllen – solange sie einem so richtig Angst einjagen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gerade läuft in Jakarta das Internationale Horror Film Festival. Ich war gestern dabei und habe mir im ausverkauften Kino den Film “Rammbock” angeschaut, der ausgerechnet in Berlin spielt. Die Handlung ist kurz erklärt: Ein Mann will seine Ex-Freundin überraschen und findet in ihrer Berliner Wohnung nur noch Zombies vor. Als er sich in Sicherheit gebracht hat und den Fernseher einschaltet, ist in den Nachrichten von einer Epidemie die Rede. Ganz Berlin wird zu einer Stadt voller Zombies. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun, so richtig Angst haben die Indonesier vor den Deutschen Zombies nicht. Vielmehr lachen sie lauter, je mehr das Leinwandblut spritzt, wenn sie nicht gerade twittern. Denn hier wird IMMER getwittert. Die Liebe zum Horrorfilm erklären sich einige lokale Experten mit dem Glauben an Naturgeister der nicht nur auf dem Land noch verbreitet ist. Auch in Jakarta kann man Wahrsager treffen und den, den ich einmal getroffen habe, der hat mir mit seinem Wissen von mir schon Angst gemacht… &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Doch ich schweife ab. Horror jedenfalls ist hier nur für die wenigsten wirklich etwas, das ihnen schlaflose Nächte bereitet. Zumindest was die Gespräche nach dem Film draußen vor dem Kino angeht, war zu spüren, dass die meisten Indonesier sich weniger gefürchtet, als vielmehr bestens “entertained” haben. “Besser als Twilight”, sagte ein Zuschauer und seine Freundin sagte, dass sie vor allem mochte, dass alle Deutsch gesprochen haben. Das hätte dadurch noch viel gruseliger gewirkt. Soso. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich hab mich einfach gefreut, wieder einmal den Fernsehturm zu sehen – auch wenn nur ganz klein im Hintergrund. Das Festival geht noch bis Sonntag, übrigens in einem Kino, das “Blítz” heißt. Das mit dem Haken über dem “i” konnte mir bisher noch niemand erklären. &lt;div class=&quot;serendipity_imageComment_left&quot; style=&quot;width: 110px&quot;&gt;&lt;div class=&quot;serendipity_imageComment_img&quot;&gt;&lt;!-- s9ymdb:6 --&gt;&lt;img class=&quot;serendipity_image_left&quot; width=&quot;110&quot; height=&quot;83&quot;  src=&quot;http://blog.goethe.de/nahaufnahme/uploads/rammbock_04.serendipityThumb.jpg&quot; title=&quot;Zombies in Berlin&quot; alt=&quot;&quot; /&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class=&quot;serendipity_imageComment_txt&quot;&gt;Bild aus &quot;Rammbock&quot;&lt;/div&gt;&lt;/div&gt; 
    </content:encoded>

    <pubDate>Fri, 19 Nov 2010 05:43:29 +0100</pubDate>
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    <category>blitz</category>
<category>horror</category>
<category>jakarta</category>
<category>kino</category>

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<item>
    <title>Wo ist das Oleh-Oleh? </title>
    <link>http://blog.goethe.de/nahaufnahme/archives/19-Wo-ist-das-Oleh-Oleh.html</link>
    
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    <author>nospam@example.com (Sören Kittel, Jakarta (2010))</author>
    <content:encoded>
    In Indonesien darf man einen Geburtstag vergessen, man darf gern auch mal eine Stunde später zu einem Treffen erscheinen, man darf sogar wichtige Wörter wie „tinggal“ (wohnen) oder „meninggal“ (sterben) verwechseln. Aber auf gar keinen Fall sollte man vergessen, ein „Oleh-Oleh“ mitzubringen. „Oleh“ ist das Wort für „von“ oder „durch“, aber verdoppelt heißt das Wort so etwas wie „Mitbringsel“. Und das sollte man auf jeden Fall dabei haben, wenn man das Land betritt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gelernt habe ich das auf die unangenehme Tour. Ich habe an einem Museum in Jakarta gearbeitet und war am Samstag für einen Tag in der zwei Stunden entfernten Stadt Bandung. Nach meiner Rückkehr am Montag waren meine Kollegen irritiert. „Hast du nichts mitgebracht?“, fragte jeder einzelne. Oder auch: „Hast du deine Freunde hier auf Arbeit völlig vergessen?“ Natürlich wollten sie wissen, ob es mir gefallen hat, etc., aber nicht einmal eine kleine Süßigkeit dabei gehabt zu haben, das war schon ein Affront. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Früher, als ich noch im Touristenladen unter den Linden gearbeitet habe, war das kein Problem. Jetzt aber muss ich den vollen Preis für einen Magneten (fünf Euro!) oder ein Frühstücksbrett (8,50 Euro) bezahlen. Außerdem dabei: Ein Buch namens „Smiling Berlin“, das schräge Situationen in Fotos zusammenstellt. Ein Haus, auf dem groß „Pups mal“ steht, oder ein Schöneberger Klo, an dessen Wand küchenphilosophische Sprüche stehen wie: „Rettet die Erde, sie ist der einzige Planet mit Schokolade.“ Unter jedem Bild wird alles auf Englisch erklärt. Es ist also das perfekte kleine Mitbringsel. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Vorteil vom Buch ist, dass es sich gut hält, genauso wie die Magnete und die Berliner Frühstücksbretter sicher ankommen werden. Nur die Schokoladen machen mir Sorgen. Die Hitze werden sie wohl nicht überstehen, denn schon jetzt, als ich sie für das Foto zusammenstellte, hatten einige die Konsistenz von Butter. Aber das ist zum Glück nicht so wichtig. Denn das Gute an der Oleh-Oleh-Kultur ist: Die Geste zählt mehr als alles andere. &lt;br /&gt;
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    <pubDate>Tue, 16 Nov 2010 08:53:35 +0100</pubDate>
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