
Endspurt: An Saraswati wird letzte Hand angelegt
Bei vielen Handwerkern herrschte in den letzten Tagen Hochbetrieb. Auch im kleinen Dörfchen Karanjali am Rande des Nationalpark Sundarbans, wo ich vor kurzem zwei Tage verbrachte. Unzählige Figuren wurden gefertigt und selbst von dort auf die Märkte von Calcutta gebracht. Dort kaufen sie die Menschen und stellen sie in ihre Gärten oder Wohnungen oder auf ihre Terrassen, um Saraswati heute an Vasant Panchami zu verehren.
Blau ist der See, der sich unter ihr weitet – er steht für das “Urwasser”, denn Saraswati gilt (gemeinsam mit ihrem Mann Brahma) auch als Schöpferin des Universums. Und jede Saraswati-Figur braucht noch drei weitere Dinge: eine Gebetskette, ein Buch (Symbol für die Jahrtausende alten Veden) und die Vina – ein uraltes Saiteninstrument, das auch heute noch erklingt. Ihr Begleittier ist der Schwan, manchmal auch die Gans.
Angesichts der Beinamen wundert man sich nicht, warum Saraswati als Göttin des Lernens gilt: Als “Vac” (Wort) steht sie für die perfekte Rede, zudem nennt man sie “Mahavidya” – große Weisheit. Die spiegelt sich auch in dem Lotos wider, auf dem sie sitzt. Und ihre strahlend weißen Kleider bedeuten Reinheit.
Die Figuren für zuhause werden übrigens aus Heu und Schlamm gefertigt. Ein Jahr stehen sie dann in den Wohnungen. Wenn ihre Nachfolgerin kommt, bringt man sie zum Ganges (als den die Menschen hier übrigens sehr wohl auch den Hugli bezeichnen) oder eben den nächsten heiligen Fluss, wie mir meine Kollegin Debolina Sen gerade erklärt. Dann löst sich Saraswati auf und kehr wieder heim: ins Urwasser.
