<?xml version="1.0" encoding="utf-8" ?>

<rss version="2.0" 
   xmlns:rdf="http://www.w3.org/1999/02/22-rdf-syntax-ns#"
   xmlns:admin="http://webns.net/mvcb/"
   xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/"
   xmlns:slash="http://purl.org/rss/1.0/modules/slash/"
   xmlns:wfw="http://wellformedweb.org/CommentAPI/"
   xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"
   >
<channel>
    <title>Anja Riedeberger - Illusion der Nähe? - Blog - Goethe-Institut</title>
    <link>http://blog.goethe.de/nachbar/</link>
    <description></description>
    <dc:language>de</dc:language>
    <generator>Serendipity 1.5.2 - http://www.s9y.org/</generator>
    <pubDate>Sat, 30 Oct 2010 12:04:30 GMT</pubDate>

    <image>
        <url>http://blog.goethe.de/nachbar/templates/nachbar/img/s9y_banner_small.png</url>
        <title>RSS: Anja Riedeberger - Illusion der Nähe? - Blog - Goethe-Institut - </title>
        <link>http://blog.goethe.de/nachbar/</link>
        <width>100</width>
        <height>21</height>
    </image>

<item>
    <title>Das europäische Wir – Neue Narrative für das 21. Jahrhundert</title>
    <link>http://blog.goethe.de/nachbar/archives/18-Das-europaeische-Wir-Neue-Narrative-fuer-das-21.-Jahrhundert.html</link>
    
    <comments>http://blog.goethe.de/nachbar/archives/18-Das-europaeische-Wir-Neue-Narrative-fuer-das-21.-Jahrhundert.html#comments</comments>
    <wfw:comment>http://blog.goethe.de/nachbar/wfwcomment.php?cid=18</wfw:comment>

    <slash:comments>0</slash:comments>
    <wfw:commentRss>http://blog.goethe.de/nachbar/rss.php?version=2.0&amp;type=comments&amp;cid=18</wfw:commentRss>
    

    <author>nospam@example.com (Anja Riedeberger)</author>
    <content:encoded>
    &lt;div class=&quot;serendipity_imageComment_center&quot; style=&quot;width: 400px&quot;&gt;&lt;div class=&quot;serendipity_imageComment_img&quot;&gt;&lt;!-- s9ymdb:30 --&gt;&lt;img class=&quot;serendipity_image_center&quot; width=&quot;400&quot; height=&quot;210&quot;  src=&quot;http://blog.goethe.de/nachbar/uploads/neue-narrative.jpg&quot;  alt=&quot;&quot; /&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class=&quot;serendipity_imageComment_txt&quot;&gt;Von links nach rechts: Moderator Harry Nutt, Eva Sabine Kuntz, Marek Cichocki, Ulrike Guérot | Foto: Verena Hütter&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;&lt;br /&gt;
Eine europäische Integration allein auf der strukturell-politischen Ebene wird, soll die Europäische Union von Dauer sein, nicht ausreichen. Unabdingbar ist  auch ein emotionales Zusammenwachsen, die Herausbildung einer kollektiven europäischen Identität. Diese wiederum entsteht primär über die kontinuierliche diskursive Konstruktion von Gemeinsamkeit, über Narrative des Europäischen, die integrative Kraft über das Stiften einer gemeinsamen Identität entwickeln. Welche Narrative der Gemeinsamkeit aber entfalten im Europa des 21. Jahrhunderts noch kollektiv bindende Wirkung? Der bisher dominierende Bezug auf die Erfahrung des Zweiten Weltkriegs und des Mauerfalls hat für die jüngeren Generationen kaum noch eine Bedeutung, da diese  Ereignisse keine Relevanz für ihr eigenes Aufwachsen, ihr Alltagserleben haben. Braucht es also neue europäische Narrative der Gemeinsamkeit? Auf welche Inhalte könnten sich diese stützen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu diesen Fragen bezogen drei Diskutanten Stellung: Eva Sabine Kuntz, Generalsekretärin des Deutsch-Französischen Jugendwerks, Ulrike Guérot, Leiterin des Berlin-Büros des European Council on Foreign Relations, und Marek Cichocki, Philosoph und Historiker am Centrum Europejskie Natolin in Warschau. Die Moderation übernahm Harry Nutt, Journalist bei der DuMont Redaktiongemeinschaft in Berlin.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am Beginn des Gesprächs stand die These, dass der Versöhnungsnarrativ, über Jahrzehnte das bestimmende Narrativ zur Begründung der europäischen Integration, seine Plausibilität und damit seine integrative Wirkkraft bei jüngeren Generationen verloren habe. Über das Zutreffen dieser These bestand unter den Diskutanten weitgehend Einigkeit, verschieden eingeschätzt aber wurden die sich daraus ergebenden Implikationen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So versteht Ulrike Guérot das Aufbrechen des Versöhnungsnarrativs als Chance und konstatiert den Beginn einer Post-Jalta- und Post-Maastricht-Ordnung in Europa. Die bisherigen Paradigmen der „europäischen Integration als Westintegration“ und der „guten transatlantischen Beziehungen“ verlören ihre Bindungskraft. An die Stelle einer ideologisch motivierten europäischen Integration trete nun eine stärker interessengeleitete Integration, eine neue Nüchternheit halte Einzug. Neue Narrative seien nun der Bezug auf Eurasien und das Anstreben guter Beziehungen zu Russland. Hier entstehe, so Guérot weiter, ein „postromantisches Narrativ“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Marek Cochicki hielt dagegen, dass ein Großteil der Bürger Europas noch an den Narrativen, die sich aus dem Bezug auf eine gemeinsame europäische Geschichte ergeben, festhielten, und diese nicht zu schnell aufgegeben werden sollten. Auch beurteilte er die Bindungskraft eines über gemeinsame Interessen definierten Narrativs skeptisch, gerade auch im Hinblick auf die aktuelle Finanzkrise. So könne die Definition der Europäischen Union als Interessengemeinschaft schnell zu der Forderung führen, die südlichen Länder als finanzielle Belastung für die nördlichen Staaten aus der Union auszuschließen. Nur ein historisch begründetes Narrativ könne einem Zerfall der Union wirksam entgegentreten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zudem seien nicht alle Narrative veraltet, ergänzte Eva Sabine Kuntz. Trotz gravierender Unterschiede der jungen Generationen zur Gründungsgeneration der EU gebe es auch gemeinsame, paneuropäische Narrative, die nach wie vor Bestand hätten – dazu zählten der Bezug auf eine immer gesamteuropäisch zu denkende Kunstgeschichte, eine gemeinsam entwickelte Rechtsordnung und die gemeinsamen Traditionen von Humanismus und Aufklärung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Zentrum der Diskussion stand im Folgenden die Frage nach dem Umgang mit verschiedenen religiösen Identitäten in Europa, insbesondere die Frage nach einem „Euroislam“, also eines mit europäischen Werten und europäischer Identität kompatiblen Islam. Gerade in dieser Frage, so Ulrike Guérot, werde sich Europa an seinen eigenen Werten messen lassen müssen. Europa sei eben kein „christlicher Club“, sondern definiere sich über Werte wie Rechtsstaatlichkeit, Individualismus und Menschenrechte. Damit müsse auch der Türkei ein legitimes Anrecht auf Mitgliedschaft in einem postmodernen Europa zugestanden werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Frage nach dem Umgang mit verschiedenen religiösen Identitäten werde auch innerhalb der europäischen Staaten kontrovers behandelt, ergänzte Eva Sabine Kuntz. So hätte man im laizistischen Frankreich überwiegend kein Verständnis für Zugeständnisse des Staates an einzelne religiöse Gruppen, wie etwa die gesonderte Öffnung von Schwimmbädern für muslimische Mädchen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Bezug auf gemeinsame Werte wurde zum Abschluss der Diskussion als Kernelement einer europäischen Identität bekräftigt – das Narrativ der Wertegemeinschaft sei somit die grundlegende, vergemeinschaftende Instanz. Dieser Wertekonsens, so führte Marek Cochicki aus, sei Resultat einer langwierigen, konflikthaften innereuropäischen Auseinandersetzung und somit auch einer Streitkultur zu verdanken, die es zu bewahren gelte. Die Fähigkeit zur Selbstreflexion und Selbstkritik drohe verloren zu gehen. Europa tendiere dazu, die vielfachen inneren Differenzen zu leugnen, statt sie als Stärke zu erkennen und sich mit ihnen auseinanderzusetzen. Die Zukunft Europas läge auch in seiner Fähigkeit zur kritischen Auseinandersetzung mit sich selbst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anja Riedeberger 
    </content:encoded>

    <pubDate>Fri, 29 Oct 2010 16:14:35 +0200</pubDate>
    <guid isPermaLink="false">http://blog.goethe.de/nachbar/archives/18-guid.html</guid>
    
</item>
<item>
    <title>Für eine Kulturpolitik der Nachbarschaft</title>
    <link>http://blog.goethe.de/nachbar/archives/11-Fuer-eine-Kulturpolitik-der-Nachbarschaft.html</link>
    
    <comments>http://blog.goethe.de/nachbar/archives/11-Fuer-eine-Kulturpolitik-der-Nachbarschaft.html#comments</comments>
    <wfw:comment>http://blog.goethe.de/nachbar/wfwcomment.php?cid=11</wfw:comment>

    <slash:comments>0</slash:comments>
    <wfw:commentRss>http://blog.goethe.de/nachbar/rss.php?version=2.0&amp;type=comments&amp;cid=11</wfw:commentRss>
    

    <author>nospam@example.com (Anja Riedeberger)</author>
    <content:encoded>
    &lt;div class=&quot;serendipity_imageComment_center&quot; style=&quot;width: 400px&quot;&gt;&lt;div class=&quot;serendipity_imageComment_img&quot;&gt;&lt;!-- s9ymdb:24 --&gt;&lt;img class=&quot;serendipity_image_center&quot; width=&quot;400&quot; height=&quot;268&quot;  src=&quot;http://blog.goethe.de/nachbar/uploads/kulturpolitiker_400px.jpg&quot;  alt=&quot;&quot; /&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class=&quot;serendipity_imageComment_txt&quot;&gt;Charles Malinas, Leiter der Kulturabteilung der Französischen Botschaft in Berlin (Mitte) und Joachim Umlauf, Leiter des Goethe-Instituts Paris (rechts)&lt;br /&gt;
Foto: Verena Hütter&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;&lt;br /&gt;
65 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs sind die alten Konfliktlinien scheinbar beseitigt, die Gefahr eines Rückfalls in kriegerische Konflikte weitgehend ausgeräumt. Ist eine auf Annäherung und Aussöhnung zielende Kulturpolitik innerhalb Europas damit obsolet geworden? Wenn nein, wie soll und muss die Kulturpolitik der Zukunft dann gestaltet werden? Welche Ziele hat sie, und wie kann sie diese erreichen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Antworten auf diese Fragen für die Kulturpolitik Polens, Frankreichs und Deutschlands suchten gemeinsam Tomasz Dąbrowski, Direktor des Polnischen Instituts Berlin, Charles Malinas, Leiter der Kulturabteilung der Französischen Botschaft in Berlin, und Rainer Seider, Leiter des Europa- und Außenwirtschaftsreferats in der Berliner Senatsverwaltung für Wirtschaft. Das Gespräch moderierte Joachim Umlauf, Leiter des Goethe-Instituts Paris.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der gegenwärtige Stand der Beziehungen zwischen den drei Staaten bildete einen ersten Schwerpunkt des Gesprächs: Während es ein sehr dichtes Netz von institutionellen Kooperationen zwischen Frankreich und Deutschland gibt, sind die deutsch-polnischen Beziehungen weit weniger institutionell gefestigt und von großen Assymetrien auch in Bezug auf das Interesse aneinander geprägt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Deutlich wird dies an einem Vergleich: Während 40 Prozent der Polen Deutsch lernen, haben weniger als 0,1 Prozent der Deutschen Interesse am Erlernen der polnischen Sprache. Tomasz Dąbrowski sieht hier eine nach innen gerichtete deutsche Kulturpolitik gefordert, die stärker als bisher Interesse an der polnischen Kultur und Sprache fördern muss, gleichwohl dies durch die föderale Struktur in Deutschland erschwert würde. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Potenzial der deutsch-polnischen Beziehungen, so Dąbrowski weiter, sei bei weitem nicht ausgeschöpft. Dabei, so entgegnete Rainer Seidel, seien die Differenzen zwischen Frankreich und Deutschland weitaus größer als zwischen Deutschland und Polen. Frankophilie in Deutschland sei möglicherweise gerade auf den Reiz dieser Unterschiede zurückzuführen, das wenig verbreitete Interesse an Polen auch Resultat der kulturellen Nähe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die hohe Bedeutung von Sprache war ein weiteres zentrales Thema der Diskussionen: Ohne die Möglichkeit, miteinander weitgehend problemlos zu kommunizieren, könne auch keine Kooperation gelingen. Charles Malinas plädierte daher für einen verstärkten Fremdsprachenerwerb als aktuelle und auch zukünftige zentrale Aufgabe der Kulturpolitik.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein dritter Schwerpunkt lag auf der Fokussierung der Kulturpolitik auf den Ausbau bilateraler Beziehungen – stärker als bisher sollten auch tri- und multilaterale Kooperationen angestrebt werden. Versuche in diese Richtung, wie sie beispielsweise mit der Initiierung des „Weimarer Dreiecks“ unternommen wurden, müssten weiter ausgebaut und vor allem mit praktischen, konkreten Projektvorhaben belebt werden. Dazu zählt auch die Initiierung von Kooperationsprojekten auf europäischer Ebene, bei der allerdings die kulturelle Diversität Europas bewahrt und gefördert werden müsse. Diese Pluralität, so Charles Malinas, sei Europas Reichtum, die Annäherung über nationale Spezifika hinweg die nach wie vor aktuelle Aufgabe der Kulturpolitik. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am Ende des Gesprächs stand eine klare Bejahung der Notwendigkeit der auswärtigen Kulturpolitik, schon allein, weil gute nachbarschaftliche Beziehungen mitnichten selbstverständlich, sondern ein Resultat langjähriger Bemühungen seien. Das fortgesetzte Bemühen um einen nachbarschaftlichen Dialog sei alternativlos, so Tomasz Dąbrowski. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anja Riedeberger 
    </content:encoded>

    <pubDate>Thu, 28 Oct 2010 23:17:00 +0200</pubDate>
    <guid isPermaLink="false">http://blog.goethe.de/nachbar/archives/11-guid.html</guid>
    
</item>
<item>
    <title>Geteiltes Gedächtnis: Für eine Nachbarschaftskultur der Erinnerung</title>
    <link>http://blog.goethe.de/nachbar/archives/7-Geteiltes-Gedaechtnis-Fuer-eine-Nachbarschaftskultur-der-Erinnerung.html</link>
    
    <comments>http://blog.goethe.de/nachbar/archives/7-Geteiltes-Gedaechtnis-Fuer-eine-Nachbarschaftskultur-der-Erinnerung.html#comments</comments>
    <wfw:comment>http://blog.goethe.de/nachbar/wfwcomment.php?cid=7</wfw:comment>

    <slash:comments>0</slash:comments>
    <wfw:commentRss>http://blog.goethe.de/nachbar/rss.php?version=2.0&amp;type=comments&amp;cid=7</wfw:commentRss>
    

    <author>nospam@example.com (Anja Riedeberger)</author>
    <content:encoded>
    &lt;div class=&quot;serendipity_imageComment_center&quot; style=&quot;width: 402px&quot;&gt;&lt;div class=&quot;serendipity_imageComment_img&quot;&gt;&lt;!-- s9ymdb:18 --&gt;&lt;img class=&quot;serendipity_image_center&quot; width=&quot;402&quot; height=&quot;256&quot;  src=&quot;http://blog.goethe.de/nachbar/uploads/historiker-do.jpg&quot;  alt=&quot;&quot; /&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class=&quot;serendipity_imageComment_txt&quot;&gt;Von links nach rechts: Thomas Wagmann, Krystzof Pomian, Étienne François und Norbert Frei | Foto: Verena Hütter&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;&lt;br /&gt;
Unter der Moderation des Journalisten Thomas Wagmann diskutierten der polnische Historiker und Leiter des Europamuseums in Brüssel Krystzof Pomian, der in Frankreich geborene und an der FU Berlin lehrende Historiker Étienne François und der in Jena lehrende Historiker Norbert Frei über den Prozess und gegenwärtigen Stand der Herausbildung eines europäischen Gedächtnisses.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Das Gespräch konzentrierte sich zunächst auf Formen und Methoden der Vermittlung von Geschichte, vor allem in Hinblick auf sich verändernde Lern- und Rezeptionsweisen. Krzysztof Pomian sieht eine zunehmende Reduzierung des Stellenwerts des Geschichtsunterrichts in den Lehrplänen gegeben und konstatiert eine fortschreitende Fragmentarisierung des historischen Wissens. Noch entscheidender sei aber ein Bedeutungszuwachs des Bildes gegenüber textgebundenen Medien, insbesondere, so ergänzend Étienne François, der bewegten Bilder. Beide betonten die dadurch entstehende Illusion der Zeitzeugenschaft, das scheinbare Näherrücken des Vergangenen. Norbert Frei relativierte diese Positionen und verwies auf die umfangreiche Nutzung von Begleittexten in Ausstellungen des Deutschen Historischen Museums. Texte, so Frei weiter, seien und blieben der primäre Zugang zu vertieftem historischen Wissen, Bilder könnten nicht mehr als einen Einstieg bieten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Anschluss führte Moderator Thomas Wagmann das Gespräch auf die Frage nach den Anfängen einer als europäisch zu definierenden Erinnerung nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs und zitierte einleitend Egon Bahr: „Wir versöhnen uns eher mit unseren Nachbarn als mit uns selbst“. Dieses Zitat aufgreifend benannte Norbert Frei die zwischenstaatliche Versöhnung in Europa als die damals drängendere Aufgabe. Den innerdeutschen Konflikten, dem Verhältnis zwischen Tätern, Mitläufern und Opfern sei zunächst mit Schweigen begegnet worden, innerhalb dessen sich aber dennoch vielfache innergesellschaftliche Annäherungsprozesse vollzogen hätten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Frei verwies weiter auf die innereuropäischen Migrationsbewegungen nach 1945 und die damit verbundenen Herausforderungen an die Mechanismen der Gedächtniskonstruktion. Es sei gerade auch ein Verzicht auf Erinnerung und eine Verständigung auf die Notwendigkeit des Vergessens  gewesen, die einen Neuanfang damals möglich gemacht hätten. Die in den 1970er- und 1980er-Jahren verstärkt einsetzende Beschäftigung mit den Verbrechen des Zweiten Weltkriegs und die Dekonstruktion von Geschichtsmythen sei dann Auslöser einer weiteren Annäherung der europäischen Staaten gewesen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Gespräch konzentrierte sich im Anschluss auf die Chancen und Möglichkeiten eines europäischen Gedächtnisses und einer europäischen Geschichtsschreibung. Zentrale Aufgabe der Historiker sei es, so Krzystzof Pomian, die Geschichtsschreibung aus dem bisher vorherrschenden nationalen Rahmen herauszulösen und Nationalgeschichte unter einer europäischen Perspektive neu zu denken. Ein positives Beispiel für solch eine Ausweitung der nationalen Perspektive sei die Dauerausstellung des Deutschen Historischen Museums. Frei stimmte zu, dass es nicht um eine Addierung der einzelnen europäischen Nationalgeschichten zu einer europäischen Geschichte gehen könne, sondern um die Ausweitung der eigenen Geschichtserzählung. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Abschließend diskutierten die Historiker die Frage nach der Bedeutung des eigenen Bekenntnisses zu einer europäischen Identität im Gegensatz zu einer national definierten Identität. Krysztof Pomian verbindet mit europäischer Identität primär das Gefühl der Zugehörigkeit zu einer gemeinsamen Kultur, die Vertrautheit von Architektur und Kunst unabhängig von der Kenntnis der Landessprache. Norbert Frei erfährt europäische Identität vor allem auch in der Zuschreibung von außen, und für Étienne François ist Europäer sein eine selbstverständliche Tatsache und fester Bestandteil seiner Identität. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Fazit der Diskussion steht ein Konsens der Diskutanten in zwei Punkten: Ausgangspunkt eines europäischen Gedächtnisses ist die Kenntnis der Geschichte der jeweils anderen Länder und daran anschließend die Fähigkeit, die eigene Geschichte in diesen anderen Geschichtserzählungen wiederzufinden. Darüber hinaus ist europäische Identität auch mit der Übernahme von Verantwortung verbunden: Jeder muss sich die Frage stellen, wie das Europa der Zukunft aussehen soll und wie man sich selbst für dieses Europa einsetzen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anja Riedeberger 
    </content:encoded>

    <pubDate>Thu, 28 Oct 2010 15:44:54 +0200</pubDate>
    <guid isPermaLink="false">http://blog.goethe.de/nachbar/archives/7-guid.html</guid>
    
</item>

</channel>
</rss>