
Von links nach rechts: Levent Aktoprak, Mouhanad Khorchide, Johann Hinrich Claussen | Foto: Verena Hütter
Die Themen Migration und Integration sind in den letzten Wochen und Monaten kontrovers diskutiert worden. Im Mittelpunkt dieser teils scharf geführten Debatte stand größtenteils die muslimische Bevölkerung der Bundesrepublik Deutschland. Die kontroverse Wahrnehmungdes Islam in Deutschland ist nicht neu, aber momentan durch Diskussionen geprägt, die an verhärteten Fronten durchgeführt werden. Daraus entsteht die Notwendigkeit, differenziert über das Miteinander von unterschiedlichen Religionsgemeinschaften zu reden. So diskutierten Mouhanad Khorchide, Islamwissenschaftler und Religionspädagoge der Universität Münster, und Johann Hinrich Claussen, Theologe, Autor und Probst des Kirchenkreises Hamburg-Ost, über Fragen und Probleme der religiösen Nachbarschaft in Deutschland. Moderiert wurde das Gespräch von Levent Aktoprak, der als Journalist beim Deutschlandfunk tätig ist.
Als zentraler Punkt des Dialogs wurde die Wahrnehmung des Islam in Deutschland thematisiert. Problematisiert wurde, dass die muslimische Glaubensgemeinschaft in der breiten Öffentlichkeit als homogenes Gebilde wahrgenommen wird. Dies wird jedoch der vielfältigen Glaubensgemeinschaft nicht gerecht und verhindert nicht nur vorurteilsfreie Begegnungen, sondern macht es leicht, diskriminierende Fremdzuschreibungen aufrechtzuerhalten.
Die Heterogenität des muslimischen Glaubens in Deutschland ist groß, als solche aber nicht institutionalisiert. Lediglich ein kleiner Teil der muslimischen Gemeinschaft verfügt über eine institutionalisierte Stimme in der Öffentlichkeit. Größtenteils sind es konservative Verbände, die eine offizielle Vertretung haben, wodurch sich die Mehrheit nicht repräsentiert fühlt.
Von Seiten der Regierung werden aber offizielle Ansprechpartner benötigt, um politisch tätig werden zu können. Die Frage ist also, wie eine Plattform für die breite Öffentlichkeit geschaffen werden kann, ohne die bestehenden Verbände auszuschließen und gleichzeitig eine heterogenere Sicht auf den Islam in Deutschland zu erreichen. So wäre es möglich, im bundesdeutschen Diskurs ein differenziertes Bild zu schaffen, dass monolithische Blicke auf den Islam in Deutschland verhindert und den Raum für ein Miteinander im Alltag schafft. Dadurch können öffentliche Begegnungen gefördert werden, die ein gegenseitiges Verstehen fördern und die Islamisierung sozialer Probleme, wie es in der jetzigen Debatte erfolgt, in Zukunft verhindern könnten.
Nina Szogs









