
Charles Malinas, Leiter der Kulturabteilung der Französischen Botschaft in Berlin (Mitte) und Joachim Umlauf, Leiter des Goethe-Instituts Paris (rechts)
Foto: Verena Hütter
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65 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs sind die alten Konfliktlinien scheinbar beseitigt, die Gefahr eines Rückfalls in kriegerische Konflikte weitgehend ausgeräumt. Ist eine auf Annäherung und Aussöhnung zielende Kulturpolitik innerhalb Europas damit obsolet geworden? Wenn nein, wie soll und muss die Kulturpolitik der Zukunft dann gestaltet werden? Welche Ziele hat sie, und wie kann sie diese erreichen?
Antworten auf diese Fragen für die Kulturpolitik Polens, Frankreichs und Deutschlands suchten gemeinsam Tomasz Dąbrowski, Direktor des Polnischen Instituts Berlin, Charles Malinas, Leiter der Kulturabteilung der Französischen Botschaft in Berlin, und Rainer Seider, Leiter des Europa- und Außenwirtschaftsreferats in der Berliner Senatsverwaltung für Wirtschaft. Das Gespräch moderierte Joachim Umlauf, Leiter des Goethe-Instituts Paris.
Der gegenwärtige Stand der Beziehungen zwischen den drei Staaten bildete einen ersten Schwerpunkt des Gesprächs: Während es ein sehr dichtes Netz von institutionellen Kooperationen zwischen Frankreich und Deutschland gibt, sind die deutsch-polnischen Beziehungen weit weniger institutionell gefestigt und von großen Assymetrien auch in Bezug auf das Interesse aneinander geprägt.
Deutlich wird dies an einem Vergleich: Während 40 Prozent der Polen Deutsch lernen, haben weniger als 0,1 Prozent der Deutschen Interesse am Erlernen der polnischen Sprache. Tomasz Dąbrowski sieht hier eine nach innen gerichtete deutsche Kulturpolitik gefordert, die stärker als bisher Interesse an der polnischen Kultur und Sprache fördern muss, gleichwohl dies durch die föderale Struktur in Deutschland erschwert würde.
Das Potenzial der deutsch-polnischen Beziehungen, so Dąbrowski weiter, sei bei weitem nicht ausgeschöpft. Dabei, so entgegnete Rainer Seidel, seien die Differenzen zwischen Frankreich und Deutschland weitaus größer als zwischen Deutschland und Polen. Frankophilie in Deutschland sei möglicherweise gerade auf den Reiz dieser Unterschiede zurückzuführen, das wenig verbreitete Interesse an Polen auch Resultat der kulturellen Nähe.
Die hohe Bedeutung von Sprache war ein weiteres zentrales Thema der Diskussionen: Ohne die Möglichkeit, miteinander weitgehend problemlos zu kommunizieren, könne auch keine Kooperation gelingen. Charles Malinas plädierte daher für einen verstärkten Fremdsprachenerwerb als aktuelle und auch zukünftige zentrale Aufgabe der Kulturpolitik.
Ein dritter Schwerpunkt lag auf der Fokussierung der Kulturpolitik auf den Ausbau bilateraler Beziehungen – stärker als bisher sollten auch tri- und multilaterale Kooperationen angestrebt werden. Versuche in diese Richtung, wie sie beispielsweise mit der Initiierung des „Weimarer Dreiecks“ unternommen wurden, müssten weiter ausgebaut und vor allem mit praktischen, konkreten Projektvorhaben belebt werden. Dazu zählt auch die Initiierung von Kooperationsprojekten auf europäischer Ebene, bei der allerdings die kulturelle Diversität Europas bewahrt und gefördert werden müsse. Diese Pluralität, so Charles Malinas, sei Europas Reichtum, die Annäherung über nationale Spezifika hinweg die nach wie vor aktuelle Aufgabe der Kulturpolitik.
Am Ende des Gesprächs stand eine klare Bejahung der Notwendigkeit der auswärtigen Kulturpolitik, schon allein, weil gute nachbarschaftliche Beziehungen mitnichten selbstverständlich, sondern ein Resultat langjähriger Bemühungen seien. Das fortgesetzte Bemühen um einen nachbarschaftlichen Dialog sei alternativlos, so Tomasz Dąbrowski.
Anja Riedeberger









