Hallo an alle MärchenfreundInnen!
Wir haben für euch eine neue Version von Pinocchio geschrieben!
die SchülerInnen der Mittelschule Quintino Di Vona, Milano
Pinocchio auf dem Holzweg
Moderne Fassung von Pinocchio
Zwei Erzähler sitzen in der Mitte des Raumes. Die eine liest in einem Buch, der andere tippt in den Computer. Nach einer Weile schaut der Junge am Computer das Mädchen an und sagt:
Junge : „Was liest du denn da?“
Mädchen : „Eine spannende Geschichte. Mach mal den Computer aus und hör mir zu. Ich lese dir ein wenig vor.“
Junge : „Ach, jetzt nicht. Ich muss noch eine e mail schreiben.“
Mädchen : „Ach, komm schon, nur eine Seite.“
Junge . „Na gut. Zeig mal her… Hast du immer noch kein e book?“
Mädchen : „Du weisst doch, wie sehr ich Bücher liebe. Allein schon den Geruch. Riech mal, wie gut das riecht.“
Sie hält ihm das Buch vor die Nase.
Junge : „Ich rieche nichts.“
Mädchen : „Doch, das Buch riecht besonders gut. Und dann liebe ich es, die Buchseiten in den Händen zu halten und zu blättern. Das kann man mit einem e book nicht machen.“
Junge: „Also, wie auch immer … nun lies schon vor.“
Mädchen: „…..“
Projektion Zeichnungen Pinocchio
Ende Projektion.
Junge : „Ach, das Märchen von Pinocchio, das kennt doch jeder. Das ist doch für kleine Kinder.“
Mädchen : „Ich mag die Geschichte. Wisst ihr, woher der Name Pinocchio kommt?
Alle: „Woher?“
Atea: „Das ist ein Wortspiel von Carlo Collodi. Pino bedeutet Pinie weil Pinocchio ja aus Holz ist und Pinco bedeutet Dummkopf. Ist das nicht lustig?
Mädchen : Du, da kommt mir eine Idee. In der Schule machen wir doch gerade einen Wettbewerb…
Alle: „Einen Wettbewerb?“
Mädchen : Ja, wir sollen ein modernes Theaterstück von einem Märchen schreiben. Warum schreiben wir nicht eine moderne Version von Pinocchio?“
Alle: „Warum nicht?“
Junge : Pinocchio der so alt ist wie wir. Und er kommt ja aus Italien so wie wir.“
Schülerin 1: „Aber wie können wir einen so langen und komplizierten Text vereinfachen?“
Schülrin 2: „Ach, das ist ganz einfach, wie ein Kochrezept. Wir brauchen Licht. 20 Gramm Licht. Sie macht ein Feuerzeug an.“
Schüler 1: „20 Gramm? Das ist sehr wenig. Besser 50 Gramm. Er zündet auch ein Feuerzeug an.“
Mädchen : „Okay. 50 Gramm Licht, dann noch ein Stückchen Holz(→zeigt Holz), eine Prise Humor (→zeigt Smiley), einen Eβlöffel…..“
Junge : „Toll. Machen wir es so: Du diktierst, ich tippe am Computer, ok?“
Mädchen : „Ok“
Sie gehen zu einem Schreibtisch in der Ecke. Der Junge tippt und das Mädchen spricht (ohne Worte).
→Ein Paravan wird vor sie gestellt, man sieht sie nicht mehr gut. Musik von Pinocchio ist zu hören. Erst leise, dann immer lauter.
1. Szene: Zu Hause
Ein Junge sitzt auf dem Boden, in der Hand sein Handy, schreibt eine sms. Auf ihm ist eine Projektion: das Wort HOLZ, das sich unendlich wiederholt.
Man hört die Mutter rufen, sieht sie aber nicht.
Mutter:“Pinocchio“.
Alle: „Pinocchio“
Pinocchio reagiert nicht, tippt weiter.
Mutter (energisch): “P i n o c c h i o”
Alle (energisch): „Pinocchio“
Pinocchio : “Oh Mann, das nervt vielleicht. Wisst ihr was: Ich kann nicht mal in Ruhe eine sms schreiben.“
Mutter (immer noch nicht sichtbar): „Pinocchio, es ist Zeit, in die Schule zu gehen.“
Pinocchio: „Schule? Nein, kein Bock auf Schule. Was mach ich nur.
Alle: „Was macht er nur?“
Pinocchio: „Ich habe eine Idee. Ich stelle mich schlafend.“
Pinocchio legt sich auf den Boden. Die Mutter kommt.
Mutter: „Pinocchio, du bist ja noch im Bett. Bist du krank?“
P: „Ja, Mama.“
Mutter: „Tut dein Kopf weh?“
P: „Ja.“
M: „Tut dein Hals weh?“
P: “Ja“
M: „Tut deine Nase weh?“
P: „Ja.“
Die Mutter dreht sich um.
Von der Seite kommt ein Schüler und hält Pinocchio eine falsche lange Nase an die richtige Nase. Die Mutter versteht, dass es eine Lüge ist.
Mutter: „Komm, Pinocchio, Was ist denn los. Schnell, steh auf.“
Pinocchio steht auf. „Ich hab kein Bock auf Schule“
Mutter: „Ach komm schon, Pinocchio, du weisst doch wie wichtig die Schule ist.
Alle: „Ja, die Schule ist wichtig.“
Mutter: „Du bist schon auf dem Gymnasium, lernst wichtige Sachen, bald machst du dein Abitur und wirst Möbeldesigner… wie dein Vater.“
Pinocchio: „Das interessiert mich nicht. Aber ich geh schon.“
Mutter: „Hier hast du 10 Euro. Kauf dir in der Pause einen Kebab. Wenn du mit dem Moped in die Schule fährst dann pass auf im Verkehr, okay? Und vergiss den Helm nicht.“
Pinocchio (während er sich vor dem Spiegel Gel in die Haare schmiert):“ Jaja, ist klar.“
Pinocchio zum Publikum: „Den Helm lasse ich zu Hause.“
Er nimmt sich nicht seinen Helm und geht weg.
Alle: „Tschüss.“
Zwei Schüler kommen herein mit Plakat:
2. Szene: In der Schule
Auf Stühlen sitzen Schüler. Einer hört Musik mit dem mp3 Player, der andere tippt eine sms, andere spielen mit einem Ball .
Die Lehrerin kommt herein.
Lehrerin : „Guten Morgen. Setzt euch bitte. Wer fehlt heute.“
Schülerin 1. „Pinocchio fehlt.“
Lehrerin : „Ach, das ist ja klar, dass Pinocchio noch nicht da ist. Also, wer hat die Hausaufgabe gemacht?“
Schüler 2 : Hast du die Hausaufgabe gemacht?“
Schülerin 3 : „Natürlich nicht“
Lehrerin : „Komm bitte nach vorne, Clara. Was ist die Hauptstadt von Deutschland?“
Clara kommt nach vorne zeigt auf die Karte: „Bremen!“
Lehrerin : „Bremen? Nein. Tja, Hausaufgabe nicht gemacht. Schlecht. Setzen. Paul, komm du.“
Paul kommt heraus und zeigt auf Berlin. (Paul): „Berlin ist die Hauptstadt von Deutschland.“
Die Lehrerin lächelt. „Wunderbar.“
Die Tür geht auf und Pinocchio kommt herein. Er trägt ein Capi auf dem Kopf.
Pinocchio : „Entschuldigung, aber jemand hat mir Sauerkraut in den Motor von meinem Moped getan.“. Alle lachen, die Lehrerin nicht. Sie reagiert nicht auf Pinocchio, zeigt auf Paul und sagt: „Sehr gut, Paul. Setz dich bitte.“
Paul setzt sich.
Lehrerin : „So, und jetzt zu dir, Pinocchio. Du kommst nun schon das vierte mal diese Woche zu spät und machst auch noch Scherze. Hast du Geografie gelernt? Komm mal nach vorne.“
Pinocchio kommt nach vorne und sagt: „Fischers Fritze fischt frische Fische.“
Nur zwei Schüler lachen, und zwar diejenigen, die so wie Pinocchio ein Capi tragen. Die anderen Schüler schauen unsicher auf die Lehrerin, die sehr sauer ist.
Lehrerin : „Pinocchio, das reicht. Gib mir sofort das Klassenbuch, ich schreibe deiner Mutter einen Brief, sie muss in meine Sprechstunde kommen.“
Klingeln. Die Stunde ist zu Ende. Alle Schüler rennen raus.
Rap: Kein Bock auf Schule.
Nach dem Rap tragen zwei Schüler den Paravan weg und man sieht die zwei Schüler vom Anfang, die die Geschichte schreiben. Er tippt am Computer, sie schaut ins Publikum.
Er : „So, bis hier gefällt mir die Geschichte ganz gut.“
Sie : „Ja, aber wir brauchen noch zwei wichtige Figuren: Es gibt doch noch den Kater und den Fuchs.“
Er: : „Ja, richtig. Der blinde Kater und der hinkende Fuchs.“
Sie : „Los, ich diktiere weiter…“
Der Paravan geht zu.
3. Szene: Im Park
Freund 1 : „Endlich, angekommen im Park. Kommt, setzen wir uns.“
Freund 2 : „Ja, okay. Setzen wir uns.“ Sie setzen sich.
Freund 3: „Komm, Pinocchio, setz dich zu uns, was ist denn los?“
Pinocchio steht. „Ach Mann, ich hab keine Lust mehr. Meine Eltern nerven mich, die Schule auch. Die Lehrerin nervt echt total. Ich hab keinen Bock auf Schule.“
Freund 1 schaut in die Ferne. Er ist beunruhigt.
Freund 1 : „Oh je. Schaut mal, da kommen zwei Jungen auf uns zu.“
Pinocchio : „Das sind Kater und Fuchs aus der Terza. Kennst du sie nicht? Sie werden so
genannt weil der Fuchs schlau ist und der Kater ist falsch.“
Freund 2 : „Sie kommen direkt auf uns zu. Ich habe Angst.“
Pinocchio: „Habt keine Angst. Wir tun so, als ob wir Mathe lernen müssen und reagieren nicht auf sie.“
Alle drei Freunde schauen angestrengt in das Mathebuch und unterhalten sich laut.
Pinocchio : „Mensch! Ich kapiere die Hausaufgaben nicht!“
Freund 1 : „Ich auch nicht!“
Freund 2 : „Das ist doch ganz einfach, ich helfe euch!“
Von hinten sieht man, wie jemand dem Buch einen Schlag gibt.
Kater : „Na ihr drei Streber, lernt ihr Mathe? Schau mal Fuchs, die drei Kleinen aus der Seconda, wie süβ.“
Fuchs : “Sieh an, sieh an, Mathe im Park, das ist ja eine ganz neue Lernmethode. Da wird sich Frau Ullrich aber freuen. Sagt mal, habt ihr einen Kaugummi? “
Freund 1 : „Ja, klar.“ Er gibt dem Fuchs einen Kaugummi.
Fuchs : „Habt ihr ein Pausenbrot?“
Freund 2 : „Ja, klar. Hier.“
Kater: „Habt ihr auch euer Taschengeld dabei?“
Freund 1 zittert vor Angst: „Ja, hier.“
Pinocchio : „Und jetzt basta. Das ist genug.“
Der Kater und der Fuchs umkreisen ihn neugierig.
Fuchs : „Mutig, mutig. Ein interessanter Typ. Er hat keine Angst vor uns. Wie wäre es, wenn er zu unserer Clique kommt?! Pinocchio, wir werden viel tolle Sachen zusammen machen.“
Freund 1 und Freund 2 sagen: „Nein, Pinocchio, bleib bei uns. Wir müssen doch in die Schule haben. Morgen schreiben wir doch eine Klassenarbeit.“
Auf der einen Seite stehen die Freunde, auf der anderen Seite stehen der Kater und der Fuchs und Pinocchio ist hin – und hergerissen.
Pinocchio: „Nein. Doch. Nein. Doch.“
Musik. Pinocchio geht mit Kater und Fuchs davon. Die 2 Freunde schauen ihm hinterher.
Nach der Musik tragen wieder zwei Schüler den Paravan weg und man sieht die zwei Schüler vom Anfang, die die Geschichte schreiben. Er tippt am Computer, sie schaut ins Publikum.
Er : „Und wie geht die Geschichte weiter?“
Sie : „Oh, der arme Pinocchio, er muss so viel schuften. Er muss seinem Vater Geld stehlen und er muβ für einen Mafia Boss arbeiten.“
Er : „Für wen?”
Sie : “Für Mangiafuoco. Alle Zeitungen schreiben darüber.”
Er : ”Und wo ist Pinocchio jetzt?”
Pinocchio kommt herein, er atmet schnell und schwer, er geht schief, gebückt, ist müde, trägt kaputte Kleidung, hat einen Verband an der Hand.
Pinocchio : „Ach, hier seid ihr?! Ich habe euch gesucht. Das ist alles eure Schuld. Seht mich an. Ihr habt mich so böse Personen kennen lernen lassen. Konntet ihr nicht eine andere Geschichte schreiben? Jetzt reicht es mir, ich habe es satt ein böser Junge zu sein. Ändert die Geschichte!
Sie beiden Erzähler sehen sich an. Dunkelheit.
Lied Pinocchios Musik
4. Szene:
Alle sind auf der Bühne. Alle haben eine Pinocchionase auf.
Pinocchio : „Endlich haben mich die zwei Erzähler so gemacht wie ich sein wollte: Ein normaler Junge. Und wollt ihr wissen, was meine Freunde machen? Einer ist Mathematiklehrer und der andere ist Deutschlehrer.“
Die beiden laufen vorbei, mit jeweils einem Schild im Arm:
Hallo, wie geht’s? 1+1=2
Pinocchio : “Und Mangiafuoco begleitet jetzt alte Omas zum Supermarkt.“
Mangiafuoco geht vorbei, eine alte Frau schlägt ihn mit dem Regenschirm.
Pinocchio : „Ah, und wollt ihr auch wissen, was aus dem Fuchs und dem Kater geworden ist, die die Kinder so viel tyrannisiert haben? Einer ist Arzt und der andere ist Schuldirektor. . .
Fuchs und Kater gehen vorbei.
Pinocchio: “. . . denn im Leben ändert man sich. Und ich? Das ist eine lange Geschichte. Ich
erzähle sie euch das nächste Mal.“
E N D E