
Dihon ben Schalmon und sein Schwiegervater Aschmedai
Edik und ich – das ist eine ganz besondere Liebesgeschichte. Seit drei Jahren bereits sind wir Erzfeinde wider Willen. Auf der Theaterbühne. Als Hausbesitzer Kultun versuchte ich, ihn, Shimele Soroker, aus seinem Haus zu werfen, weil er mir Miete für ein halbes Jahr schuldete. Doch dann gewann er im Lotto und konnte seine Schulden bezahlen. Allerdings gelang es mir als Vikdortschuk mit Hilfe meiner bezaubernden Assistentinnen, dem einfältigen Schneider seinen „Groyse Gevins“ [הזכיה הגדולה] wieder abzuluchsen. So etwa an die 50 000 Rubel. Viel Geld zu Schalom Alejchems Zeiten.
Ein Jahr später standen wir uns wieder auf der Bühne von Beit Hillel gegenüber. Edik als pathetisch sein nahendes Verscheiden beklagender Adam, den ich, Aschmedai, daran hindern wollte, statt das Paradies zu wählen in das Gehinom der „Dämonen“ [שדים] zu kommen. Dummerweise nämlich hatte sich meine damalige heißgeliebte Dämonenfürstin in jenes Menschbalg verliebt, und er war natürlich einfältig genug, seinen Leidenschaften nachzugeben anstatt sich den paradiesischen Vergnügungen zu widmen. Unnötig zu erwähnen, dass Lilith seitdem keinen Zugang mehr zu meinen Lavawhirlpool hat.
Unlängst fand ich mich mit Edik wieder auf der Bühne ein. Edik durfte diesmal das Alter Ego von Benjamin dem Dritten auf „Reisen“ [מסעות] spielen und als Dihon Ben-Schalmon unter der genialen Regie von Yephim Rinenberg wieder in meinem Reich vorbeischauen. Richtig! Wieder spielte ich den Oberdämon Aschmedai. Es hat so seine Vorteile, wenn man einen deutschen Akzent hat, dann ist man hier prädestiniert für Schurkenrollen. Die ich ohnehin interessanter finde, versteht sich. Zumal mir jede Art Heldenpathos und selbstherrliche Herrschaftsideologien zuwider sind. Gott wäre zu überheblich ohne den Teufel.
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Ann-Kathrin Seidel







