Von Miguel A. Zamorano
Neulich. Ich war auf dem Weg zum Damaskustor. Eine Demo zur Unterstützung der Proteste in Ägypten sollte dort stattfinden. Nichts wie hin, hatte ich gedacht und mir meine Kamera geschnappt. Muss ja schöne Motive geben.
Ich eilte den Hügel – Jerusalem besteht nur aus Hügeln – im Stadtteil Morascha hinunter. Am Hang vernahm man schon aus der Ferne die Trillerpfeifen, die Rufe und das Hupen der Autos vor dem Kreisel am Damaskustor. Doch etwas anderes lenkte meine Aufmerksamkeit ab.
Eine Frau schien am rechten Straßenrand auf jemand zu warten. Sie hatte ihr gesamtes Haar unter einem Kopftuch versteckt, nichts war zu sehen. An ihren Beinen tollten einige Kinder umher. Die Jungen unter ihnen trugen auch Kopfbedeckung, als ich näher kam, sah ich, dass es Kippas waren.
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Mittwoch, 23. März 2011
Eine halbe Stunde vor Schabbat

Es muss gar nicht erst gesagt werden, dass jede Idee, die mit der Welt in Berührung kommt, einen dann verfolgt, wenn darin etwas mitschwingt, das Widerhall im Menschen findet. Das klingt wie eine komplizierte Anhäufung von Worten? Es tut mir leid. Ich musste den Anfang einfach etwas verkomplizieren, damit es nicht – zu einfach wird.
Ich beginne von Neuem: „Es gibt nichts Neues unter der Sonne.“ Das hat König Salomon gesagt, und da hatte er wohl Recht, wie immer. Und siehe da, auch ich folgte dem Ruf meines Herzens und kaufte mir ein neues Fahrrad. Einige werden vielleicht sagen, dass ich es mir einfach mache und einem Trend folge, wie man ihn gerade zuhauf auf Israels Straßen beobachten kann: Es geht zurück zum Fahrrad, mit einer Verspätung von einigen Jahrzehnten gegenüber Europa und von 100 Jahren gegenüber dem Fernen Osten. Aber nein! Schon Ende 2007, als ich gerade in Jerusalem ankam, setzte ich mir in den Kopf, dass ich mir eines Tages ein Fahrrad kaufen und damit durch die Straßen dieser großen Stadt fahren würde, während ich den Jerusalemer Verkehr belächele, der nicht jeden Tag, sondern eigentlich jede Stunde schlimmer wird.
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Sonntag, 5. Dezember 2010
Jerusalem aufschreiben II

Ann-Kathrin Seidel, Matt Beynon Rees, Miriam Woelke, Gil Yaron
Jerusalem, der heilige Zankapfel der drei Religionen, das Brennglas des Nahostkonflikts, Mikrokosmos und Meinungslabyrinth. Drei Schreiber – ein Krimiautor, ein Journalist und eine Bloggerin – erzählten bei einer Podiumsdiskussion im Jerusalemer Goethe-Institut, was ihnen die Stadt in die Kladde diktiert, wie und warum sie versuchen, ihr Ausdruck zu geben.
Teil 2 – Was verbindet Sie mit Jerusalem?
Teil 2 – Was verbindet Sie mit Jerusalem?
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Donnerstag, 25. November 2010
Jom Kippur in der Altstadt - Teil 1

Ohne Frage gehört der Jom Kippur zu den wichtigsten Feiertagen des Judentums. Doch auch auf Nichtjuden wirkt er einzigartig und interessant, ganz besonders im Kontext unserer heutigen Welt, die uns keine ruhige Sekunde in der unaufhörlichen Betriebsamkeit lässt. Für viele Menschen, darunter Juden genauso wie Nichtjuden, Gläubige und Ungläubige, liegt etwas ganz Spezielles in diesem Tag: Arbeit und Studium fallen aus, die Medien schweigen nach den letzten Nachrichten, Flugzeuge bleiben am Boden, Fahrzeuge stehen, der Mensch wird in eine frühere Zeit versetzt – in eine Zeit, als die Welt noch kein kleines globales Dorf war, sondern eine große Weite. Selbst das winzige Israel wird riesig, wenn das intensive Spiel sich eine Pause von sich selbst gönnt.
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Ann-Kathrin Seidel




