Die Maßnahmen, die man in den letzten Jahren – im wahrsten Sinne des Wortes „notgedrungen“ – ergriffen hat, setzen eher äußerlich an der „Effizienz“ der Research Libraries an. David Offensend, Chief Operating Officer und damit Mitglied des neunköpfigen Führungsteams der NYPL, erzählt mir stolz, dass man durch Outsourcing allein in den Hintergrundprozessen der Bibliothek (Erwerbung, Katalogisierung etc.) das Personal fast um 40% reduzieren konnte. Deutliche Einsparungen hat man auch in den Benutzungsbereichen realisiert, indem man z.B. Ausleihtheken und Informationstheken zusammengelegt hat bzw. Informationstheken ganz geschlossen hat. Und gleichzeitig hat man die Öffnungszeiten kontinuierlich erweitert.
Eine ganz andere Herangehensweise an diese Fragen hat Paul Holdengräber, der Director of Public Programs an der NYPL, der mit seiner Veranstaltungsreihe „LIVE from the NYPL“ in den letzten Jahren weltweit für Furore gesorgt hat. Und mit „Furor“ kann man auch den Eindruck beschreiben, den die persönliche Begegnung mit Paul hinterlässt. Seine ganze Art ist mitreißend, seine Bildung ist stupend und trotzdem ist er ein sehr guter Zuhörer. Wir treffen uns in der Eingangshalle, und er hat nur wenig Zeit. An einer Stelle des Gesprächs – ich habe gerade meine Verwunderung darüber zum Ausdruck gebracht, dass es keine Cafeteria gibt – nimmt er mich an der Hand und führt mich in den Eingangsbereich. Wir schauen gemeinsam auf das beeindruckende (und auch ein wenig einschüchternde) Treppenhaus und er fragt mich: „Sehen Sie hier irgendeinen Hinweis, dass Sie sich in einer Bibliothek aufhalten?“
Und dann geht es natürlich darum, dass die Bibliothek sich auch räumlich öffnen muss, nach vorne zur Fifth Avenue und nach hinten zum angrenzenden Bryant Park. Und natürlich braucht sie ein Café, und natürlich braucht sie größere und einladende Ausstellungsräume. Als ich ihn nach seiner Vision von der Bibliothek frage, sagt er: „Ich will die Löwen zum Brüllen bringen.“
Freitag, 20. November 2009
Die Löwen und die Stadt (Forts.)
Geschrieben von Frank Simon-Ritz
in Bibliotheken in den USA / US Libraries , Librarian in Residence, New York
um
19:16
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Donnerstag, 19. November 2009
Persönliche Bibliotheks-Geschichten II
Eine weitere persönliche Bibliotheks-Geschichte, auf die ich bei meinem Besuch in der NYPL hingewiesen werde, handelt von niemand anderem als dem amtierenden Präsidenten der USA. Erzählt hat er sie selber auf dem Annual Conference der ALA (American Library Association) 2005 in Chicago.
Er berichtet, dass er in seiner Zeit in New York nach einem „organizing job“ Ausschau gehalten hat. In New York ergab sich hier keine passende Gelegenheit. Nur mit Hilfe der Mid-Manhattan Library (als Teil der NYPL) fand er eine Übersicht über alle Organisationen, die solche Job-Angebote machen konnten. Und so landete er schließlich in Chicago.
Dies ist sozusagen mit Händen zu greifen. Er führt in seiner Rede aber auch aus: „I remember at different junctures in my life feeling lost, feeling adrift, and feeling that somehow walking into a library and seeing those books, seeing human knowledge collected in that fashion, accessible, ready for me, would always lift my spirits.“
Er berichtet, dass er in seiner Zeit in New York nach einem „organizing job“ Ausschau gehalten hat. In New York ergab sich hier keine passende Gelegenheit. Nur mit Hilfe der Mid-Manhattan Library (als Teil der NYPL) fand er eine Übersicht über alle Organisationen, die solche Job-Angebote machen konnten. Und so landete er schließlich in Chicago.
Dies ist sozusagen mit Händen zu greifen. Er führt in seiner Rede aber auch aus: „I remember at different junctures in my life feeling lost, feeling adrift, and feeling that somehow walking into a library and seeing those books, seeing human knowledge collected in that fashion, accessible, ready for me, would always lift my spirits.“
Geschrieben von Frank Simon-Ritz
in Bibliotheken in den USA / US Libraries , Librarian in Residence, New York
um
17:53
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Mittwoch, 18. November 2009
Die Löwen und die Stadt
"Patience" und "Fortitude" stehen einer Umwelt gegenüber, in die sie nicht mehr so recht zu passen scheinen. Das muss nicht gegen die Löwen und die von ihnen behüteten Schätze sprechen ...
Heute stehen diese beiden Löwen zugleich für die zwei sehr unterschiedlichen Aufgaben, die die NYPL zu erfüllen hat. Zum einen ist sie die Öffentliche Bibliothek für drei der fünf Boroughs (Bezirke) der Stadt New York. Die NYPL ist zuständig für Manhattan, die Bronx und Staten Island. Die Boroughs in Queens und in Brooklyn unterhalten eigene Bibliotheken bzw. Bibliothekssystem. Auch wenn die NYPL nicht für ganz New York zuständig ist, sind die Zahlen doch beeindruckend. So unterhält die NYPL 86 Zweigstellen (branches) in den drei Bezirken. Diese Zweigstellen zählten im vergangenen Jahr 16 Mio. Besucher und 22 Mio. Entleihungen. Und die Tendenz für diese Indikatoren ist steigend.
Und dann versteht sich die NYPL auch als Forschungsbibliothek (research library). Diese Funktion dominiert das historische Hauptgebäude und drei weitere Standorte, die unterschiedliche thematische Schwerpunkte haben. Der Schwerpunkt im sog. Schwarzman Building an der Fifth Avenue mit seinem berühmten Lesesaal sind die Geistes- und Sozialwissenschaften. Hier findet man z.B. eine bedeutende Sondersammlung zur englischen und amerikanischen Literatur, die sowohl Bücher als auch Originalmanuskripte und andere Nachlassmaterialien enthält. Weltberühmt ist auch die Kartensammlung, die mit über 430.000 Karten als die zweitgrößte in den USA gilt. Das Dilemma dieses Teils der Bibliothek besteht darin, dass die Nutzungszahlen seit Jahren deutlich rückläufig sind.
Die Gründe hierfür sind vielfältig. Bestimmt spielt es eine Rolle, dass mittlerweile viele der Materialien Dank großer Digitalisierungsprojekte online zugänglich sind. Und vermutlich macht sich auch bemerkbar, dass die großen geisteswissenschaftlichen Universitätsinstitute selber über attraktive Bibliotheken verfügen. Vielleicht hat der Rückgang der Benutzungszahlen in diesem Bereich aber auch damit zu tun, dass man sich an der Bibliothek selber nicht so ganz sicher ist, wohin die Reise der Forschungsbibliotheken geht. Jedenfalls spüre ich in den Gesprächen, die ich hier führen kann, eine große Unsicherheit in diesem Punkt.
Geschrieben von Frank Simon-Ritz
in Bibliotheken in den USA / US Libraries , Librarian in Residence, New York
um
23:14
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