Jetzt war sogar schon ein Bericht im ARD Radio über ein Projekt der Bibliothek des Goethe-Instituts New York – und hier im Blog noch (fast) kein Wort dazu. Das muss sich endlich ändern!
Am 2. Dezember 2011 hat der Bereich Information & Bibliothek des Goethe-Instituts New York gemeinsam mit dem Pratt Institute das Projekt „German Traces“ der Öffentlichkeit präsentiert. Warum beschäftigt sich das Goethe-Institut mit den deutschen Spuren in New York? Warum tut es ausgerechnet der Arbeitsbereich Information & Bibliothek? Und warum in Zusammenarbeit mit dem Pratt Institute?
Ende 2009 meinte einer der Kollegen am Goethe-Institut New York dass es eigentlich erstaunlich sei, wieviel es an deutschen Spuren es in New York gäbe und wie wenig man davon wahrnimmt. Sein Schlagwort dafür - “Invisible Heritage” – leuchtete unmittelbar ein. Immerhin hatten um 1840 circa ein Drittel der Bewohner von New York City (ca. 400.000) deutsche Wurzeln. Nur in Wien und Berlin lebten damals mehr deutschsprachige Einwohner. Und diese deutschen Immigranten verbreiteten natürlich auch ihre Kultur: Sie gründeten Clubs und Vereine, bauten Hospitäler und Kirchen, sie gründeten Geschäfte und Industrien. Im Laufe der Jahre wurden die deutschen Spuren dieser großen Zahl an Einwanderern in der Stadt jedoch zunehmend unsichtbar. Der Umstand, dass nahezu über die gesamte Zeitspanne des 20. Jahrhunderts viele Amerikaner mit deutschen Wurzeln sich von ihrer Herkunft aus nachvollziehbaren Gründen eher distanzierten, trug natürlich wesentlich dazu bei. Auch Firmen – von der Germania Fire Insurance bis zur Germania Bank – beschlossen bereits am Anfang des 20. Jahrhunderts den Deutschlandbezug aus ihren Namen zu entfernen. Während wohl jeder New Yorker einen Touristen den Weg nach „Little Italy“ weisen könnte, wären die meisten vermutlich ratlos, wenn man sie fragen würde, welcher Teil der Stadt einst „Kleindeutschland“ genannt wurde oder wo der „German Broadway“ ist.
Auch wenn der Holocaust natürlich immer noch „the elephant in the room“ ist, hat sich doch in den Jahren nach der Wiedervereinigung das Bild von Deutschland bei vielen Amerikanern sehr positiv geändert und einen deutsch klingenden Nachnamen oder deutsche Vorfahren zu haben ist eher ein Grund für Neugier auf Deutschland – oder eine Grund nach Berlin zu fahren. Denn auch viele New Yorker finden, dass Berlin richtig cool ist (und als einer der wenige der Orte dieser Welt der neben New York bestehen kann). Der richtige Zeitpunkt also um auch wieder die vielen faszinierenden Geschichten der deutschen Einwanderer und die Spuren, die in New York noch zahlreich sichtbar sind, hinzuweisen. Und durch die Beschäftigung mit den deutschen Spuren vor Ort auch ein Interesse an dem heutigen Deutschland anzuregen.
(Fortsetzung folgt)
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