Der letzte Blogeintrag ist lange her, aber zum Glück gibt es ja Twitter . Inziwschen ist der Bibliothekartag in Deutschland vorbei und die Konferenz der ALA in New Orleans hat angefangen. Die Atmosphäre von „Big Easy“ hilft vielleicht wieder in die Routine des Bloggens zu kommen.
Eine Zeitlang hatte man – bei der Lektüre von Blogs und dem Besuch von Konferenzen - den Eindruck, dass Bibliotheken (und Bibliothekare) langsam den Verunsicherungsprozess, der mit dem Einzug von Internet, eBooks und den „social media“ eingesetzt hat, überwunden haben. Bibliotheken haben als Ort von Lerngemeinschaften, als öffentlicher Internetzugang, als Ort für Informationskompetenz etc. einen neuen Aufgabenbereich gefunden. Nichtsdestotrotz ist die Frage nach der Zukunft von Bibliotheken nach wie vor das brennendste Thema, mit dem sich Bibliothekare beschäftigen. Bei der „Unkonferenz“, die am ersten Tag der ALA angeboten wurde, kristallisierte sich bei der Abfrage nach relevanten Themen schnell der Bedarf heraus, genau darüber zu reden. Wie kann man Studenten in die Bibliothek bringen? Wie kann man mit sinkenden Etats die ständig wachsende Zahl an Veröffentlichungen anbieten? Wie kann man unter diesen Bedingungen mit dem oft nicht gerade bibliotheksfreundlichen Servicespektrum von eBooks umgehen? Wie kann man relevant bleiben? Mit ziemlicher Selbstverständlichkeit (und leisem Bedauern) wurde dabei klar, dass die Zeit, als sich jede Bibliothek (auch) als Wissensspeicher gesehen hat, vorbei ist. E-Medien, Datenbanken und Internetquellen die einen zunehmenden Teil des Informationsbestands von Bibliotheken ausmachen, sind bekanntlich nicht mehr im dauerhaften Besitz der Bibliotheken sondern werden nur noch „geleast“. Sie stehen den Benutzern zur Verfügung – der Anspruch auf Archivierung und Bewahrung dieser Materialien ist selbst bei den akademischen Bibliotheken nicht mehr gegeben. Ich fand es erstaunlich, dass das von den amerikanischen Kollegen offensichtlich noch nicht mal als Problem gesehen wurde. Vielleicht ein eher europäischer Gedanke, dass die Beschäftigung mit einem Thema auch den Blick auf den historischen Werdegang mit einschließt. Wer sich in 100 Jahren mit der Geschichte des Bibliothekswesens beschäftigt, würde bestimmt einen ganz anderen Blick auf die Entwicklung dieser Disziplin gewinnen, wenn ihm in regelmäßigen Abständen publizierte Lexikonartikel dazu vorliegen, als wenn er sich nur noch auf die historische Darstellung in der aktuellen Seite von Wikipedia berufen kann.
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