Das Thema der Märzausgabe der deutschen Bibliotheksfachzeitschrift ‚Buch und Bibliothek‘ wirft einen genaueren Blick auf ‚Transatlantische Impulse‘. Bernd Schleh, der Redakteur von Buch und Bibliothek hatte mich gebeten, einen Übersichtsartikel zur Lage des Deutschen in den USA zu schreiben. ‚Die Konkurrenz wächst‘ wählte die Redaktion als Titel. ‚Deutsche Sprache und Kultur verlieren in den USA an Bedeutung‘ erklärt der Untertitel. Der Artikel selbst differenziert natürlich sehr viel stärker. Nach Angaben des statistischen Bundesamtes haben im Jahr 2000 42,8 Millionen (15 Prozent) der US-Amerikaner angegeben, dass sie ganz oder teilweise deutscher Abstammung sind. Damit waren im Jahr 2000 nach wie die deutschen Wurzeln die am weitesten verbreitet. Immerhin 1,4, Millionen Amerikaner geben darüberhinaus an, dass sie zu Hause Deutsch sprechen. Doch die deutsche Kultur und Sprache spielt in den USA nicht unbedingt die Rolle, die diese Zahlen vermuten lassen. Nur ca. 400.000 amerikanische Schüler lernen Deutsch – bei insgesamt 53,8 Millionen Schülern in den USA eine relativ geringe Zahl, allerdings auch das prinzipiell geringe Interesse der Amerikaner am Fremdsprachenerwerb widerspeigelt. Denn Deutsch ist immerhin an dritter Stelle der Fremdsprachen, die an Schulen in den USA gelernt werden. Die Situation an den Hochschulen ist ähnlich: An 1200 Hochschulen wird Deutsch angeboten und ca. 0,6 Prozent aller Studenten lernen Deutsch. Damit steht auch an den Hochschulen an dritter Stelle der Fremdsprachen.
Die deutschen Bestände an Hochschulbibliotheken haben historisch einen hohen Stellenwert. Inzwischen sind es aber nur noch ca. 25 Universitätsbibliotheken, die systematisch und in größerem Umfang deutsche Bestände ausbauen. Bei öffentlichen Bibliotheken ist dagegen ein genereller Abwärtstrend zu beobachten. Der sinkende Bedarf nach deutschen Titeln hat über die Jahre zu einem geringeren Angebot geführt.
Ein weiterer Indikator, an dem sich die schwierige Stellung von Fremdsprachen in den USA ablesen lässt, ist die Zahl der Übersetzungen: Nur drei Prozent der in den USA veröffentlichten Büchern sind Übersetzungen, davon sind drei Viertel Sachbücher, sodass es im Jahr 2004 nur 874 literarische Übersetzungen waren, die in den USA veröffentlicht wurden.
Umso wichtiger sind die verschiedenen Initiativen des Goethe-Instituts, die von der Werbung für Deutsch als Fremdsprach, der Partnerschulinitiative, dem German-American Partnership Program, dem Transatlantic Outreach Program bis zur Übersetzungsförderung reichen. Auch die Aktivitäten im Kontext der bibliothekarischen Kooperation von der Bereitstellung der Bibliothek am Goethe-Institut New York bis zu diesem Blog helfen den Dialog zwischen Deutschland und den USA am Leben zu erhalten und weiter zu stärken.
(Der ausführliche Artikel ist im Heft 3/2010 der Zeitschrift 'Buch und Bibliothek', S. 214-217 nachzulesen. Der freie online-Zugriff auf den Artikel ist ca. sechs Monaten nach Erscheinen möglich.)
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