Die ALA Konferenz ist praktisch vorbei – und ich war so beschäftigt in den letzten vier Tagen, dass ich noch nicht mal dazu gekommen bin, meinen Blog zu schreiben. Daher mit etwas Verspätung ein nicht-mehr-ganz-live-Bericht von der ALA in Chicago.
Am Freitag Abend hatte ich die Gelegenheit Claudia Lux zu treffen. Als amtierende Präsidentin der IFLA war sie von der ALA nach Chicago eingeladen worden und ich habe mich natürlich sehr gefreut, dass sie Zeit für ein kurzes Treffen hatte. Ich war vor allem neugierig zu erfahren, wie es nach den zwei Jahren unter ihrem Motto `Bibliotheken auf die Tagesordnung` nun weitergehen wird. Und es wird, da ist sie sich ganz sicher, weitergehen. Nachhaltigkeit ist natürlich etwas, was sich auch die IFLA Präsidentin auf ihre Fahnen geschrieben hat.
Die IFLA möchte Basiskurse für Lobbyarbeit entwickeln, die an die Bibliotheksverbände in aller Welt vermittelt werden sollen, die diese wiederum in den einzelnen Ländern dann stärker bei Bibliotheken vor Ort vermitteln können. Drei Dinge muss man laut Claudia Lux bei der erfolgreichen Lobbyarbeit beachten. Zum ersten muss man sich klar machen, dass es immer (auch) um Macht geht. Wenn die Bibliothek mit ihrem Anliegen gewinnt, muss in der Regel zwangsläufig jemand anderes nachgeben oder verlieren. Die derzeitige Diskussion um das Urheberrecht und der Streit zwischen Verlagen und Bibliotheken zeigt das sehr deutlich. Das zweite wesentliche Element ist die Gestaltung. Politiker wollen sehen wo es hingeht und Bibliotheksentwicklungspläne sind in diesem Kontext von entscheidender Bedeutung. Und das dritte, mit dem man in der Lobbyarbeit punkten kann sind die Werte. Und da haben die Bibliotheken eigentlich alles, was positiv besetzt ist zu bieten. Es gibt eigentlich keinen Grund, eine Bibliothek nicht zu unterstützen. Dass heißt aber natürlich leider noch nicht (wie vermutlich die meisten von uns schon selbst erlebt haben), dass Bibliotheken so unterstützt werden, wie sie es – nicht nur nach unserer Meinung – verdienen. Ein Schwerpunkt des Schulungsprogramms ist daher das professionelle Auftreten bei Lobbyaktivitäten um diese drei Aspekte optimal zu verbinden und optimal zu vertreten.
Zu den Plänen einer Ansiedlung der Zentral- und Landesbibliothek (ZLB) auf dem Gelände des alten Flughafen Tempelhof wollte Claudia Lux nichts sagen. Im Augenblick seien sie erstmal froh, dass sie im Humboldtforum so gut aufgestellt sind. Die ZLB hat dort bei der derzeitigen Ausstellung z.B. ein Telefon, das nicht nur den Besuchern anbietet, dass man es benutzen kann um in der Bibliothek Fragen zu stellen, dieses Telefon klingelt auch unvermittelt mal und jeder Ausstellungsbesucher soll sich ermuntert fühlen abzuheben. Was er dann erfährt ist, was die ZLB macht und wie sie sich im Humboldtforum präsentiert. Falls Sie also in den nächsten Wochen im Humboldtforum sind und das Telefon klingelt – nicht erschrecken, sondern einfach abheben.
Wednesday, 15. July 2009
Konferenz der American Library Association 2009, Teil 2 - Ein Gespräch mit Claudia Lux
Monday, 15. June 2009
Bibliothek des Jahres
In den USA wurde gerade die Queens Library vom Library Journal zur Bibliothek des Jahres ausgerufen. 'The politics of Excellence' ist der Artikel überschrieben, der die Entscheidung begründet. In dem Artikel werden die vielen vorbildlichen Dienstleistungen, die die Queens Library in den letzten Jahren entwickelt hat vorgestellt. In der schwierigen finanziellen Situation die Sicherung der Stellen und die Beibehaltung der Öffnungszeiten die erste Priorität. Das 'New American Program' der Queens Library hat inzwischen eine enorme internationale Bekanntheit erreicht (wie unsere beiden 'Librarian in Residence' 2008 bestätigen können). Aber auch die Angebote für Teenager sind herausragend: mit 4000 Programmen wurden im Jahr 2008 58.700 Jugendliche erreicht. Über 2200 Schulkinder finden in den Zweigstellen der Queens Library eine ruhigen und sicheren Platz um ihre Hausaufgaben nach der Schule machen zu können. Daneben gibt es eine Vielzahl für Aktivitäten für Erwachsene, aber auch für kleinere und mittlere Betriebe. Die 62 Zweistellen des Bibliothekssystems haben einen Bestand von 6,6 Millionen Medieneinheiten, 15 Millionen Besucher im Jahr und insgesamt 28.000 Programme mit über 500.000 Teilnehmern.
Auch in Deutschland wurde gerade die 'Bibliothek des Jahres' verkündet. Der Preis wird seit zehn Jahren von der ZEIT Stiftung verliehen. Der Gewinner 2009 ist die Stadtbibliothek Biberach an der Riß, einer Kleinstadt mit ca. 31.000 Einwohnern. Die Bibliothek hat 10 Mitarbeiter und einen Bestand von 73.000 Medien - aber auch in diesem Rahmen kann man herausragende Arbeit leisten. Die Begründung lobt vor allem, dass die Bibliothek "höchst kreativ und flexibel immer wieder neue Angebote und Produkte entwickelt und konsequent an die Bedürfnisse ihrer Kunden anpasst." Als besonders vorbildlich erschien den Juroren die "erfolgreiche Zusammenarbeit mit den beiden Biberacher Gymnasien (...), deren Mediothek im letzten Jahr als Zweigstelle der Stadtbücherei in Betrieb genommen wurde. Die Jury war vor allem begeistert von der erfolgreichen und verbindlichen Einbindung der Mediothek in den Lehrplan der Schulen und in den Unterrichtsalltag."
Die Unterschiede in der amerikanischen und der deutschen 'Bibliothek des Jahres' zeigen exemplarisch, dass es nicht auf die Größe ankommt, sondern auf Serviceorientierung, Ideenreichtum und engagierte Mitarbeiter.
Glückwunsch an beide Bibliotheken!
Auch in Deutschland wurde gerade die 'Bibliothek des Jahres' verkündet. Der Preis wird seit zehn Jahren von der ZEIT Stiftung verliehen. Der Gewinner 2009 ist die Stadtbibliothek Biberach an der Riß, einer Kleinstadt mit ca. 31.000 Einwohnern. Die Bibliothek hat 10 Mitarbeiter und einen Bestand von 73.000 Medien - aber auch in diesem Rahmen kann man herausragende Arbeit leisten. Die Begründung lobt vor allem, dass die Bibliothek "höchst kreativ und flexibel immer wieder neue Angebote und Produkte entwickelt und konsequent an die Bedürfnisse ihrer Kunden anpasst." Als besonders vorbildlich erschien den Juroren die "erfolgreiche Zusammenarbeit mit den beiden Biberacher Gymnasien (...), deren Mediothek im letzten Jahr als Zweigstelle der Stadtbücherei in Betrieb genommen wurde. Die Jury war vor allem begeistert von der erfolgreichen und verbindlichen Einbindung der Mediothek in den Lehrplan der Schulen und in den Unterrichtsalltag."
Die Unterschiede in der amerikanischen und der deutschen 'Bibliothek des Jahres' zeigen exemplarisch, dass es nicht auf die Größe ankommt, sondern auf Serviceorientierung, Ideenreichtum und engagierte Mitarbeiter.
Glückwunsch an beide Bibliotheken!
Posted by Brigitte Doellgast
in Bibliotheken in Deutschland / German Libraries
at
22:45
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Thursday, 7. May 2009
Bibliothekartag und Bibliotheksreise
Ab Mitte Mai werden die Blogbeiträge vielleicht etwas spärlicher, denn ich werde in Deutschland sein und weniger Zeit haben. Auf der anderen Seite wird es vielleicht auch mehr, denn es wird viel zu berichten geben. Nach einer Tagung aller RegionalbibliothekarInnen des Goethe-Instituts in München, werde ich vom 24.-30. Mai eine Gruppe von sieben Vertretern amerikanischer Bibliotheksausbildungsstätten durch Deutschland begleiten. Die Kolleginnen und Kollegen werden die Gelegenheit haben, die Hochschulen in Stuttgart, Köln, Berlin und Potsdam zu besuchen. Die Gespräche sollen zu verstärktem Austausch und Zusammenarbeit zwischen und deutschen und amerikanischen Bibliotheksausbildungsstätten anregen.
Ich freue mich schon sehr auf die Reise. In Stuttgart werde ich die Gelegenheit haben zu sehen, wie sich meine alte ‚alma mater‘ inzwischen verändert hat. Vermutlich werde ich gar nichts wiedererkennen, da meine eigene Ausbildung dort schon… viele Jahre zurückliegt. Köln ist als Station einer solchen Studienreise natürlich besonders attraktiv, weil gleich neben dem Hauptbahnhof eine der Hauptattraktionen, der Kölner Dom liegt. Selbst bei dem engen Zeitplan einer solchen Studienreise kann man so wenigstens ein bisschen Kultur und Tourismus einbauen. Auch in Berlin gibt es ein wenig Gelegenheit, berufliches und touristisches zu verbinden, da wir gleich am Tag unserer Ankunft dort einen Besuch in der Bibliothek des deutschen Bundestages angesetzt haben. Mit der Aussicht auch einen Blick auf die berühmte Kuppel zu erhaschen. Aber auch in Berlin stehen natürlich die Gespräche mit den Kolleginnen und Kollegen im Vordergrund. Die letzte Station ist Potsdam, wo wir – wie ich gerade erfahren habe – nicht nur Fachgespräche an der Hochschule führen, sondern auch die Bibliothek Friedrich des Großen besichtigen können. Leider können wir in einer Woche nicht alle Bibliotheksausbildungsstätten in Deutschland besuchen, aber die Kolleginnen und Kollegen aus Hamburg, Hannover und Leipzig haben sich netterweise bereit erklärt nach Berlin zu kommen, so dass die amerikanischen Kollegen wirklich ein sehr umfassendes Bild bekommen werden. Die Reise wird von Bibliothek & Information International mitunterstützt.
Gleich anschließend ist ja dann auch schon der Bibliothekartag in Erfurt und ich werde nicht nur einen Vortrag im Kontext der Veranstaltung ‚Brücken über den Atlantik‘ halten (wo es auch um Austausch und Austauschprogramme geht), sondern auch am Stand des BIB zusammen mit anderen Kolleginnen aus dem Ausland ‚Tipps für den Weg ins Ausland für Newcomer und Praktiker‘ geben.
Also werde ich ab Mai vielleicht doch eher mehr statt weniger bloggen…
Ich freue mich schon sehr auf die Reise. In Stuttgart werde ich die Gelegenheit haben zu sehen, wie sich meine alte ‚alma mater‘ inzwischen verändert hat. Vermutlich werde ich gar nichts wiedererkennen, da meine eigene Ausbildung dort schon… viele Jahre zurückliegt. Köln ist als Station einer solchen Studienreise natürlich besonders attraktiv, weil gleich neben dem Hauptbahnhof eine der Hauptattraktionen, der Kölner Dom liegt. Selbst bei dem engen Zeitplan einer solchen Studienreise kann man so wenigstens ein bisschen Kultur und Tourismus einbauen. Auch in Berlin gibt es ein wenig Gelegenheit, berufliches und touristisches zu verbinden, da wir gleich am Tag unserer Ankunft dort einen Besuch in der Bibliothek des deutschen Bundestages angesetzt haben. Mit der Aussicht auch einen Blick auf die berühmte Kuppel zu erhaschen. Aber auch in Berlin stehen natürlich die Gespräche mit den Kolleginnen und Kollegen im Vordergrund. Die letzte Station ist Potsdam, wo wir – wie ich gerade erfahren habe – nicht nur Fachgespräche an der Hochschule führen, sondern auch die Bibliothek Friedrich des Großen besichtigen können. Leider können wir in einer Woche nicht alle Bibliotheksausbildungsstätten in Deutschland besuchen, aber die Kolleginnen und Kollegen aus Hamburg, Hannover und Leipzig haben sich netterweise bereit erklärt nach Berlin zu kommen, so dass die amerikanischen Kollegen wirklich ein sehr umfassendes Bild bekommen werden. Die Reise wird von Bibliothek & Information International mitunterstützt.
Gleich anschließend ist ja dann auch schon der Bibliothekartag in Erfurt und ich werde nicht nur einen Vortrag im Kontext der Veranstaltung ‚Brücken über den Atlantik‘ halten (wo es auch um Austausch und Austauschprogramme geht), sondern auch am Stand des BIB zusammen mit anderen Kolleginnen aus dem Ausland ‚Tipps für den Weg ins Ausland für Newcomer und Praktiker‘ geben.
Also werde ich ab Mai vielleicht doch eher mehr statt weniger bloggen…
Posted by Brigitte Doellgast
in Bibliotheken in Deutschland / German Libraries
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20:15
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