Inzwischen hat der Berufsverband Information Bibliothek eine offizielle Stellungnahme zum Thema Sonntagsöffnung abgegeben.
Zunächst wird nochmal erinnert, wie die Debatte ins Rollen gekommen ist, als Bundestagspräsident Norbert Lammer gefordert hatte, Bibliotheken sollen, analog zu anderen Kultureinrichtungen wie z.B. Museen, am Sonntag öffnen. Die Stellungnahme des Bibliotheksverbandes folgt der Argumentation, dass eine Öffnung am Sonntag kundenfreundlich wäre. Ein solches Angebot ist jedoch nur durch massive Investitionen im finanziellen und personellen Bereich möglich. Die Idee, die ebenfalls aus dem politischen Lager kam, man könne die Bibliotheken ja an diesem Tag mir ehrenamtlichen Mitarbeitern besetzen, wird zurückgewiesen. Zumal dieser Personenkreis höchsten einen Aufsichts- und Ausleihdienst übernehmen könnte, Bibliotheken aber heutzutage eine ganze Palette von Dienstleistungen anbieten. Man könne daher der Idee einer Sonntagsöffnung nur zustimmen, wenn gewährleistet (sprich: finanziert) werden kann, dass die Sonntagsöffnung nicht zu Lasten von anderen Öffnungsstunden fällt und dass ausreichend qualifiziertes Personal auch an diesem Tag zur Verfügung steht. Im übrigen gibt man zu bedenken, dass Bibliothek inzwischen viele Informationen und Ressourcen inzwischen online und damit rund um die Uhr zur Verfügung stellen. Der Verband gibt außerdem zu bedenken, dass die Mitarbeiter in Bibliotheken schon jetzt Arbeitszeiten haben, die durch Abend- und Samstagsöffnungen sehr kundenorientiert und flexibel sind. Abschließend heißt es: „Unter den gegebenen Bedingungen der durch Ressourcenkürzungen zunehmend unzureichenden Personalsituation, ist eine Ausweitung der Öffnungszeiten auf Sonn- und Feiertag nicht vertretbar.“
Nachtrag: Zu dem Argument, dass Bibliotheken inzwischen eine Vielzahl ihrer Dienstleistungen online anbieten und damit virtuell schon 24 Stunden am Tag und 7 Tage die Woche zugänglich sind, gab es einen bemerkenswerte Hinweis in der Märzausgabe von ‚American Libraries‘. Dort heisst es in dem Artikel ‚Inside, Outside & Online‘, dass eine Studie von OCLC mit dem Titel ‚Sharing, Privacy, and Trust in Our Networked World‘ zeigt, dass zwischen 2005 und 2007 der Gebrauch von Bibliothekswebseiten die einzige Online-Aktivität war, die rückläufig war. Viele Menschen benutzen das Internet mehr und mehr im täglichen Leben, aber sie sehen offensichtlich immer weniger die Bibliotheksseiten als online-Informationsquelle. Gleichzeitig sind die Besucherzahlen in Bibliotheken in den USA zwischen 1994 und 2004 um 61% gestiegen ist und die Ausleihe nahm im selben Zeitraum um 28% zu. In einer Umfrage von 2005 sagten 96% dass sie schon einmal eine öffentliche Bibliothek besucht haben, aber nur 27% hatten jemals eine Bibliothekswebseite besucht!
Bieten Bibliotheken die falschen Dinge auf ihren Webseiten an, wird für die Webangebote von Bibliotheken nicht genug Werbung gemacht - oder sind die Bibliothekskunden einfach an der realen Bibliothek sehr viel mehr interessiert als an der virtuellen?
Tuesday, 28. April 2009
Sonntagsöffnung von Bibliotheken, Teil 2
Posted by Brigitte Doellgast
in Bibliotheken in den USA / US Libraries , Bibliotheken in Deutschland / German Libraries
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16:30
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Monday, 27. April 2009
Sonntagsöffnung von Bibliotheken
Seit einiger Zeit gibt es in der deutschen Fachzeitschrift Buch und Bibliothek (BuB) eine interessante Diskussion über die Frage, ob Öffentliche Bibliotheken am Sonntag geöffnet sein sollten oder nicht. Grundsätzlich stellt sich dabei das Problem, ob es die Arbeitsbestimmungen in Deutschland zulassen, dass öffentliche Bibliotheken auch am Sonntag offen haben. Die deutsche Arbeitszeitordnung legt fest, dass die Arbeit an Sonntagen und Feiertagen prinzipiell ruht. Eine Ausnahme dieser Regelung ist nur möglich, wenn entsprechende Arbeiten ‚unabwendbar benötigt‘ werden bzw. nicht an einem Werktag vorgenommen werden können. Da Bibliotheken an Wochentagen geöffnet sind, müsste nachgewiesen werden, dass das nicht ausreicht und daher auch am Sonntag die Bibliothek geöffnet sein muss. Bibliotheksöffnung am Sonntag wäre außerdem teuer, da für Sonntagsarbeit erhöhte Zuschläge oder höherer Freizeitausgleich anfallen. Die Gründe für eine Sonntagsöffnung scheinen auf der Hand zu liegen. Haben wir als Bibliothekare nicht immer den Eindruck, unsere Kunden träumen von einer 24-Stunden-und-7-Tage-Öffnungszeit? Eine 2005 erstellte stichprobenartige Untersuchung bei über 1.500 Kunden und Nichtkunden der Stadtbibliothek Bremen hat allerdings festgestellt, dass nur 12,6 % der Bibliothekskunden sich eine Sonntagsöffnung wünschen. (S. 161)
Bei der Diskussion wird natürlich auch geschaut, wie das in anderen Ländern mit der Sonntagsöffnung von Bibliotheken aussieht. Die USA wird in Deutschland ja gerne als beispielhaft für die Kundenorientierung angesehen und Sonntagsöffnung ist im Land der unbegrenzten Möglichkeiten und der arbeitgeberfreundlichen Gesetzgebung natürlich arbeitsrechtlich kein großes Problem und auch bei Bibliotheken nicht unüblich.
In der Dissertation von Ulrike Verch (Ulrike Verch: Der Bibliothekssonntag, Berlin 2005) wird aus dem Buch von Elisabeth Simon (Bibliothekswesen in den USA, München, 1988) zitiert, dass jede zweite Public Library in den USA am Sonntag offen hat. Diese Zahl wollte ich mal – ohne jeden wissenschaftlichen Anspruch – näher betrachten. Aus meiner ganz persönlichen New Yorker Perspektive lässt sich leicht erklären, wie es zu dieser hohen Zahl kommt: da die drei Bibliothekssysteme in New York (New York Public Library (NYPLL), Queens Library und Brooklyn Public Library) als je eine Bibliothek gezählt werden, kommt man für New York City sogar auf 66% Sonntagsöffnung, da sowohl Queens als auch NYPL in einigen Zweigstellen Sonntagsöffnung vorhalten. In Brooklyn haben allerdings alle Zweigstellen geschlossen. Wenn man sich jedoch das gesamte Netz der 212 Zweigstellen aller drei Bibliothekssysteme anschaut, sieht die Statistik ziemlich anders aus. Es sind nämlich nur 16 Einzelbibliotheken, die am Sonntag geöffnet habe und damit sinkt der Prozentsatz auf 7,5 %. Wer also in New York am Sonntag in eine Bibliothek will, kann das zwar tun, muss in der Regel einen ziemlichen Anfahrtsweg in Kauf nehmen.
Eine Gesamtstatistik für die Öffnungszeiten der 9208 Öffentlichen Bibliotheken in den USA konnte ich leider nicht finden. Auch eine Nachfrage bei der ALA half da nicht weiter. Die Kollegen dort haben mich aber als Beispiel auf die Bibliotheksstatistik von Florida verwiesen. Auch dort kommt man nicht auf 50% Sonntagsöffnung. Von den 150 Bibliotheken haben nur 44 Sonntagsöffnungen, also ca. 30%. Auch hier werden allerdings Bibliothekssysteme mit bis zu 40 Zweigstellen als nur eine Bibliothek gezählt. Wenn man alle 535 Haupt- und Zweigstellen anschauen würde, wäre der Prozentsatz vermutlich wiederum viel niedriger.
Bei der Diskussion wird natürlich auch geschaut, wie das in anderen Ländern mit der Sonntagsöffnung von Bibliotheken aussieht. Die USA wird in Deutschland ja gerne als beispielhaft für die Kundenorientierung angesehen und Sonntagsöffnung ist im Land der unbegrenzten Möglichkeiten und der arbeitgeberfreundlichen Gesetzgebung natürlich arbeitsrechtlich kein großes Problem und auch bei Bibliotheken nicht unüblich.
In der Dissertation von Ulrike Verch (Ulrike Verch: Der Bibliothekssonntag, Berlin 2005) wird aus dem Buch von Elisabeth Simon (Bibliothekswesen in den USA, München, 1988) zitiert, dass jede zweite Public Library in den USA am Sonntag offen hat. Diese Zahl wollte ich mal – ohne jeden wissenschaftlichen Anspruch – näher betrachten. Aus meiner ganz persönlichen New Yorker Perspektive lässt sich leicht erklären, wie es zu dieser hohen Zahl kommt: da die drei Bibliothekssysteme in New York (New York Public Library (NYPLL), Queens Library und Brooklyn Public Library) als je eine Bibliothek gezählt werden, kommt man für New York City sogar auf 66% Sonntagsöffnung, da sowohl Queens als auch NYPL in einigen Zweigstellen Sonntagsöffnung vorhalten. In Brooklyn haben allerdings alle Zweigstellen geschlossen. Wenn man sich jedoch das gesamte Netz der 212 Zweigstellen aller drei Bibliothekssysteme anschaut, sieht die Statistik ziemlich anders aus. Es sind nämlich nur 16 Einzelbibliotheken, die am Sonntag geöffnet habe und damit sinkt der Prozentsatz auf 7,5 %. Wer also in New York am Sonntag in eine Bibliothek will, kann das zwar tun, muss in der Regel einen ziemlichen Anfahrtsweg in Kauf nehmen.
Eine Gesamtstatistik für die Öffnungszeiten der 9208 Öffentlichen Bibliotheken in den USA konnte ich leider nicht finden. Auch eine Nachfrage bei der ALA half da nicht weiter. Die Kollegen dort haben mich aber als Beispiel auf die Bibliotheksstatistik von Florida verwiesen. Auch dort kommt man nicht auf 50% Sonntagsöffnung. Von den 150 Bibliotheken haben nur 44 Sonntagsöffnungen, also ca. 30%. Auch hier werden allerdings Bibliothekssysteme mit bis zu 40 Zweigstellen als nur eine Bibliothek gezählt. Wenn man alle 535 Haupt- und Zweigstellen anschauen würde, wäre der Prozentsatz vermutlich wiederum viel niedriger.
Posted by Brigitte Doellgast
in Bibliotheken in den USA / US Libraries , Bibliotheken in Deutschland / German Libraries
at
17:14
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Wednesday, 22. April 2009
Europeana
Die Zentrale des Goethe-Instituts hat gerade einen Artikel online gestellt über „Die Europeana – Europa‘s kulturelles Online-Gedächtnis". Die Europeana war ja bekanntermaßen bereits kurz nach dem Start Ende 2008 auf Grund des großen Ansturms zusammengebrochen. Einen Monat später ging sie wieder online und man arbeitet bereits an der 1.0 Version, die im Sommer 2010 online gehen soll. Die im Augenblick bereit gestellten vier Millionen digitalen Bilder, Texte, Tonaufnahmen und Videos aus 1.000 europäischen Bibliotheken, Archiven und Museen sollen dann auf 10 Millionen erweitert werden. Vieles ist dabei noch nicht geklärt, was die Finanzierung, die Abstimmung der Copyrightbestimmungen in den einzelnen Staaten und auch die technischen Voraussetzungen betrifft. Der Ansturm auf die Datenbank, der zum Zusammenbruch geführt hat und die Datenbank gleichzeitig in die Schlagzeilen brachte, zeigte auf alle Fälle, dass das Interesse an dem Projekt ungeheuer groß ist.
Posted by Brigitte Doellgast
in Goethe-Institut
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23:18
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