Nach meinem gestrigen Blog machte mich jemand darauf aufmerksam, dass es zu der in der Wochenzeitung ‚Die Zeit‘ veröffentlichten Deutschlandkarte eine Stellungnahme des Deutschen Bibliotheksverbandes gibt. Neben der Freude darüber, dass Bibliotheken und ihr Angebot Beachtung in der ‚Zeit‘ gefunden haben, wird kritisiert, dass dieses ‚ranking‘ nur die Ausleihzahlen als Kriterium nimmt und nicht andere Dienstleistungen, wie z.B. Besucherzahlen, Öffnungszeiten und sonstige Angebote berücksichtigt.
Hintergrund dieser Stellungnahme ist, dass offensichtlich nicht nur Bibliothekare, sondern auch Vertreter der Städte und Gemeinden den Artikel und das Ranking in der ‚Zeit‘ gelesen haben und nun sehen sich einige Bibliotheken, die eher schlechte Ausleihzahlen aufweisen, scharfer Kritik ihrer Geldgeber ausgesetzt. Vor allem die Bibliothek in Homburg steht unter Rechtfertigungsdruck. Der deutsche Bibliotheksverband macht nun die Gegenrechnung auf, dass der Anschaffungsetat der Bibliothek in Homburg deutlich unter dem der Bibliotheken liegt, die höhere Ausleihzahlen aufweisen.
Die Schlussfolgerung der 'Zeit', dass man im Süden der Republik sparsamer ist und deswegen die Ausleihzahlen so hoch sind, ist daher nicht unbedingt korrekt: die Bürger können sparsam sein (und Bücher aus der Bibliothek ausleihen, statt sie kaufen zu müssen), weil die Städte eben gerade nicht ‚sparsam‘ sind sondern die Bibliotheken mit ausreichendem Etat ausstatten.
Eine statistische Deutschlandkarte in der aufgezeigt wird, welche Kommunen am meisten und am wenigsten für ihren Anschaffungsetat ausgeben, würde also vielleicht genauso aussehen, wie die Karte der Ausleihzahlen – aber der schwarze Peter würde woanders liegen.
Dieses Beispiel macht aber vor allem mal wieder deutlich, wie wenig aussagekräftig und wie interpretationsbedürftig statistische Zahlen oft sind.
Thursday, 26. March 2009
Bibliothekskarte Deutschland II
Posted by Brigitte Doellgast
in Bibliotheken in Deutschland / German Libraries
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21:35
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Tuesday, 24. March 2009
Bibliothekskarte Deutschland
Die deutsche Wochenzeitung ‚Die Zeit‘ versucht das Leben und die Interessen der Deutschen durch originelle statistische Übersichten und Auswertungen darzustellen. Wo wird am meisten gegoogelt? An welchen Orten in Deutschland werden welche Literaturpreise verliehen? Welche Tiere befinden sich in den Stadtwappen der Republik? Und – ganz wichtig – wie heißen die Friseurläden in Deutschland?
Ende Februar wurde auf der Deutschlandkarte der ‚Zeit‘ aufgezeigt, wo die lesehungrigsten Deutschen leben, bzw. wo am meisten und am wenigsten an öffentlichen Stadtbibliotheken ausgeliehen wird. Untersucht wurden die Bibliotheken in Orten mit mehr als 40.000 Einwohnern und die Tendenz ist ganz interessant: im Süden der Republik werden Bibliotheken sehr viel mehr genutzt als in der Mitte. Und keine der am wenigsten genutzten Bibliotheken lag im Osten Deutschlands. Die Frage bleibt, ob dort, wo die Bibliotheken mehr genutzt werden die Buchhandlungen einen größeren Umsatz haben? Oder wird dort wirklich weniger gelesen?
Ende Februar wurde auf der Deutschlandkarte der ‚Zeit‘ aufgezeigt, wo die lesehungrigsten Deutschen leben, bzw. wo am meisten und am wenigsten an öffentlichen Stadtbibliotheken ausgeliehen wird. Untersucht wurden die Bibliotheken in Orten mit mehr als 40.000 Einwohnern und die Tendenz ist ganz interessant: im Süden der Republik werden Bibliotheken sehr viel mehr genutzt als in der Mitte. Und keine der am wenigsten genutzten Bibliotheken lag im Osten Deutschlands. Die Frage bleibt, ob dort, wo die Bibliotheken mehr genutzt werden die Buchhandlungen einen größeren Umsatz haben? Oder wird dort wirklich weniger gelesen?
Posted by Brigitte Doellgast
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Monday, 9. March 2009
Die ultimative Spezialbibliothek
Die Bibliothek der ‚American Bible Society‘ kann wohl mit Fug und Recht als die ultimative Spezialbibliothek bezeichnet werden: sie sammelt nur ein einziges Buch. Davon hat sie allerdings 46.000 Exemplare in 2500 Sprachen. Die Bibliothek hat damit die größte Sammlung von Bibeln in Nordamerika.
Die American Bible Society wurde 1816 gegründet und schon 1817 kam eine Bibliothek dazu. Heute ist die Gesellschaft in einem modernen, hellen und freundlichen Bau am Broadway in der Nähe des Columbus Circle untergebracht. Im Erdgeschoss befindet sich ein Museum mit wechselnden Ausstellungen und im zweiten Stock die Sammlung mit ihrem Herzstück der seltenen Büchern. Wenig verwunderlich, dass bei diesem Bestand normale Klassifikationen wie z.B. Dewey wenig hilfreich sind. Die Bestände sind nach Sprachen und Publikationsdaten geordnet. Auch wer kein allzu tiefes inneres Band zum Buch der Bücher hat, kann sich der Faszination dieser Sammlung kaum entziehen angesichts z.B. der ersten in Amerika gedruckten Bibel. Gedruckt wurde diese keineswegs in englischer Sprache – diese Bibeln konnte man schließlich einfach aus dem englischen Mutterland importieren – sondern in der Sprache der Algonquin Indianer. 1663 wurde das von Thomals Eliot übersetzte Buch gedruckt von dem noch 80 bekannte Exemplare erhalten sind.
Zum Leidwesen wohl nicht nur der Bibliothekarin, besitzt die Gesellschaft keine Gutenberg Bibel. James Lenox, der zusammen mit John Jacob Astor die New York Public Library ins Leben rief, war zwar auch Mitglied der Bible Society, hat sein Exemplar der Gutenberg Bibel jedoch der New York Public Library überlassen. Die Bible Society hat ‚nur‘ vier Originalblätter aus Gutenbergs Druckwerkstatt. Dafür hat die Spezialbibliothek am Broadway eine Vielzahl anderer Schätze wie z.B. die erste englische, in den USA gedruckte Bibel. 1782 machten es die politischen Umstände bekanntermaßen schwierig, Importe aus England zu bekommen. Eine Neuübersetzung der Bibel wurde daher in den USA erstellt und gedruckt - und empfohlen vom Kongress! Ein Vorgehen das nicht mehr möglich war, nachdem in der amerikanischen Verfassung von 1787 die Trennung von Staat und Kirche verankert worden war.
Ein Besuch in der Bibliothek des American Bible Society zeigt die Bibel als ein faszinierendes Stück Kulturgeschichte.
Die American Bible Society wurde 1816 gegründet und schon 1817 kam eine Bibliothek dazu. Heute ist die Gesellschaft in einem modernen, hellen und freundlichen Bau am Broadway in der Nähe des Columbus Circle untergebracht. Im Erdgeschoss befindet sich ein Museum mit wechselnden Ausstellungen und im zweiten Stock die Sammlung mit ihrem Herzstück der seltenen Büchern. Wenig verwunderlich, dass bei diesem Bestand normale Klassifikationen wie z.B. Dewey wenig hilfreich sind. Die Bestände sind nach Sprachen und Publikationsdaten geordnet. Auch wer kein allzu tiefes inneres Band zum Buch der Bücher hat, kann sich der Faszination dieser Sammlung kaum entziehen angesichts z.B. der ersten in Amerika gedruckten Bibel. Gedruckt wurde diese keineswegs in englischer Sprache – diese Bibeln konnte man schließlich einfach aus dem englischen Mutterland importieren – sondern in der Sprache der Algonquin Indianer. 1663 wurde das von Thomals Eliot übersetzte Buch gedruckt von dem noch 80 bekannte Exemplare erhalten sind.
Zum Leidwesen wohl nicht nur der Bibliothekarin, besitzt die Gesellschaft keine Gutenberg Bibel. James Lenox, der zusammen mit John Jacob Astor die New York Public Library ins Leben rief, war zwar auch Mitglied der Bible Society, hat sein Exemplar der Gutenberg Bibel jedoch der New York Public Library überlassen. Die Bible Society hat ‚nur‘ vier Originalblätter aus Gutenbergs Druckwerkstatt. Dafür hat die Spezialbibliothek am Broadway eine Vielzahl anderer Schätze wie z.B. die erste englische, in den USA gedruckte Bibel. 1782 machten es die politischen Umstände bekanntermaßen schwierig, Importe aus England zu bekommen. Eine Neuübersetzung der Bibel wurde daher in den USA erstellt und gedruckt - und empfohlen vom Kongress! Ein Vorgehen das nicht mehr möglich war, nachdem in der amerikanischen Verfassung von 1787 die Trennung von Staat und Kirche verankert worden war.
Ein Besuch in der Bibliothek des American Bible Society zeigt die Bibel als ein faszinierendes Stück Kulturgeschichte.
Posted by Brigitte Doellgast
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