Auch in diesem Sommer fanden in den deutschen Bibliotheken die Sommerleseclubs statt. Das Projekt, mit dem die Stadtbibliothek Brilon 2002 begann (s. Artikel „Leseclubs im Sommer“), hat sich in den letzten neun Jahren auf immer mehr Bundesländer ausgeweitet und ist zur größten deutschlandweiten Sommerferienaktion in Bibliotheken geworden. Die Zahlen sind beeindruckend: schon 2010 lasen 65 400 Schülerinnen und Schüler freiwillig 379 000 Bücher; 482 Bibliotheken beteiligten sich in Kooperation mit den Schulen vor Ort. Was die Werbung anbetrifft, ließen sich die Kolleginnen und Kollegen allerhand einfallen: Videoclips auf Youtube mit lesenden Turmspringern der Stadtbibliothek Bremen oder originelle Slogans wie „Beim Lesen tau ich auf“, „Buchdurst“, „Heiß auf Lesen“ oder „Lesen gefährdet die Dummheit“. Über eine Mailingliste und jährliche Treffen auf den Bibliothekartagen sind die Initiativen in den einzelnen Ländern vernetzt und tauschen ihre Erfahrungen aus. Wichtige Themen des Netzwerks sind die Ziele des Programms und die Evaluation. Die Leseclubs sollen in erster Linie die Lesemotivation fördern, d.h. Spaß am Lesen vermitteln und die regelmäßige Bibliotheksbenutzung, u.a. um zu verhindern, dass die Jugendlichen den Bibliotheken fernbleiben. In Deutschland gibt es noch keine Evaluation des Programms, aber eine Studie aus den USA ergab, dass die Kinder, die an den Sommerleseclubs teilnehmen, bei den Lesetests in der Schule besser abschneiden und im Sommer mehr Zeit mit dem Lesen verbringen. Wenn man sich allerdings genauer anschaut, wer an den Sommerleseclubs teilnimmt, so sind es in der Mehrzahl Jugendliche, die ohnehin lesefreudig sind, eine bessere Leseleistung haben als andere und meist auch Leser der Bibliothek sind. Außerdem waren bei den Programmen in Deutschland im Jahr 2010 durchschnittlich 65 Prozent Mädchen und nur 35 Prozent Jungen beteilig. Das heißt: Die Sommerleseclubs erreichen nur wenige Jungen und leseschwache Jugendliche. Die Programme in einigen Bundesländern bieten daher ein Gold-Silber-Bronze-Modell an, bei dem bereits das Lesen von ein bis zwei Büchern ein Erfolg ist, und das auch diesem Grund mehr Jungen und Schüler aus Hauptschulen anspricht. Es wird auch vorgeschlagen, bei der Auswahl und Werbung verstärkt Sachbücher, Mangas, Graphic Novels und E-Bücher zu integrieren oder eine Auswahl von Jugendlichen für Jugendliche anzubieten. Insgesamt ist die Bilanz jedoch positiv: Die Leseclubs regen die Jugendlichen dazu an, auch im Sommer zu lesen und in die Bibliothek zu gehen, und 17 Prozent aller beteiligten Schülerinnen und Schüler werden durch das Programm als neue Kunden für die Bibliotheken gewonnen.
Zusammenfassung des Artikels „Die Lust am Lesen wecken. Leseclubs im Sommer: „Leseferne“ Jugendliche im Visier/Bilanz und Perspektiven“ von Ute Hachmann und Kerstin Keller-Loibl, in „Buch und Bibliothek“ 63 (2011) 6, S. 481-483
Vollständiger Text






Zu der Frage, was Leseförderung bewirken kann, hat die Akademie für Leseförderung der Stiftung Lesen interessanterweise aus der Definition des idealen Lesers drei Aspekte abgeleitet: „Der ideale Leser liest gut, gern und viel.“ Leseförderung benötigen als
Aufgenommen: Okt 25, 12:04