Ebenso wie die Organisatoren der Leseclubs im Sommer hat sich schon 2006 eine Bibliotheksleiterin in Schleswig-Holstein, Regine Berthold aus Sörup, die Frage gestellt, was die Leseförderungsangebote der Bibliothek bewirken können. Zusammen mit der Dozentin und Sprachheilpädagogin Eva-Maria Jahn und der Lektorin für Kinder- und Jugendmedien bei der Büchereizentrale Schleswig-Holstein, Cornelia Jetter, führte sie während eines Schuljahres eine Untersuchung durch, bei der die Lesefähigkeit in vier zweiten Klassen in Sörup und Flensburg beobachtet wurde.
Durch Testverfahren wurde zu Beginn festgestellt, dass die Schüler zumindest in drei der vier Klassen über dieselbe Lesefähigkeit verfügten. Zwei zweite Klassen in Sörup erhielten während des Schuljahres durch regelmäßige Büchereibesuche eine intensive Leseförderung; die zwei Klassen zum Vergleich keine. Innerhalb des Schuljahres besuchten die Schüler aus Sörup sechsmal die Bibliothek, konnten sich ein Buch aussuchen, aus dem vorgelesen wurde, und hatten danach Gelegenheit, sich Bücher auszuleihen. Dabei wurde darauf geachtet, dass nur geeignete Erstlesetitel ausgeliehen wurden. Außerdem konnten die Kinder das Buch in die Schule mitnehmen und in Stillarbeitsphasen darin weiterlesen. Durch Arbeitsbögen wurden die Kinder im Unterricht angeleitet, sich intensiv mit dem Buch zu beschäftigen und es auch wirklich zu lesen. Neben den regelmäßigen Besuchen in der Bibliothek wurden Veranstaltungen wie Bilderbuchkino für die Schüler in der Bibliothek oder im Unterricht durchgeführt. Da festgehalten wurde, was die Kinder bei den Bibliotheksbesuchen ausliehen, konnte man feststellen, dass die Jungen viel mehr Comics ausliehen als die Mädchen (Jungen 21,7 Prozent, Mädchen 1,8 Prozent) und auch die Sachbücher lagen bei den Jungen bei 38 Prozent.
Zu Ende des Schuljahres wurde wieder die Lesefähigkeit der Schüler getestet und als Ergebnis zeigte sich, dass die Leseförderung in der Bibliothek keinen Einfluss auf die Lesefähigkeit hatte. Die Schüler der Vergleichsgruppe hatten dieselbe oder – wie schon zu Beginn des Schuljahres – eine bessere Lesefähigkeit. Verändert hatten sich jedoch das Leseverhalten und die Lesemotivation. Die Comic-Leser hatten sich im Laufe des Projekts auch für andere Bücher interessiert und die Kinder, die sich zu Beginn kein Interesse hatten, sich Bücher mitzunehmen, haben zum Ende des Projekts regelmäßig Bücher ausgeliehen. Vor allem die intensive Auseinandersetzung mit den ausgeliehenen Büchern hatte den Kindern viel Freude gemacht und die eingesetzten Mittel wie Bilderbuchkino, Arbeitsbögen und Nachspielen von Geschichten haben auch den Unterricht in der Schule vielfältiger gestaltet. Die Schüler konnten sich sprachlich besser ausdrücken und die gelesenen Texte besser verstehen. Für die beteiligten Lehrerinnen und Lehrer war eine Zusammenarbeit mit der Bibliothek neu und sie wollten sie gerne fortsetzen, da das Ergebnis zwar gezeigt hatte, dass die Technik des Lesens in der Schule vermittelt wird, dass aber die Förderung der Lesemotivation und des Leseverhaltens durch die Bibliothek sich positiv auf die weitere Lesefähigkeit auswirkte.
Zusammenfassung des Artikels „Spaß, Lust und Freude am Buch geweckt“ von Regine Berthold, Eva-Maria Jahn und Cornelia Jetter, in „Buch und Bibliothek“ 58 (2006) 2, S. 150-153
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