
Der Dokumentarfilm „Smangus: A Year in the Clouds“ bietet einen tiefen Einblick in das Leben einer Gruppe von Ureinwohnern vom Volk der Atayal, die tief in den Bergen von Neiwan bei Hsinchu leben. Sie führen ein Leben, das den Idealen einer chinesischen „Volkskommune“ oder einem „Utopia“ der westlichen Philosophie zu entsprechen scheint. Ihr Leben besteht aus gemeinsamer Arbeit, gemeinsamer Nutzung der Erträge, gemeinsamer Verwaltung und Teilen des gemeinsamen Erfolgs. Sie folgen zudem der Weisheit ihrer Vorfahren und führen ein Leben im Einklang mit der Natur.

Der Dokumentarfilm beginnt mit dem wesentlichen Inhalt der überlieferten Weisheit der Atayal: „GAGA“ - eine Richtschnur zum Führen eines Lebens in Gemeinschaft mit den Geistern. Anhand dieses Prinzips beschreibt der Film, wie die Atayal von heute dem Geist ihrer Vorfahren folgen, indem sie „aus der Natur nehmen und im Verbrauch Maß halten“. In anderen Worten bedeutet dies, dass es der Wunsch der Vorfahren ist, dass nachfolgende Generationen von den unzähligen Gütern, die die Natur ihnen bereitstellt, nur das entnehmen, was für ihren Eigenbedarf notwendig ist und dass sie nicht das ökologische Gleichgewicht zerstören. Diese Richtschnur findet auch Anwendung bei weiteren ihrer Aktivitäten, so beispielsweise beim Jagen und beim Anbau der Hirse.

Dies ähnelt dem Initiationsritus der Atayal, bei dem die Stammesälteren ihre Jagdkünste an die Jüngeren weitergeben und den jungen Nachwuchskriegern in freier Wildbahn Gelegenheit zum Sammeln praktischer Erfahrungen vermitteln. Nach den heutigen Gesetzen ist das Jagen allerdings illegal. Daher geben die Älteren heutzutage nur die Jagdtechniken an die Jüngeren weiter. Sie bieten ihnen dabei die Gelegenheit, seltene Tier- und Pflanzenarten der Bergwälder kennenzulernen und Verantwortung für den Schutz dieser Arten zu übernehmen. Die jungen Krieger lernen dabei auch Geschwülste an Bäumen zu erkennen und wie man den Schädigungsgrad eines Baumes einschätzt. Sie lernen Maßnahmen zum Schutz vor illegalem Einschlag kennen und werden so zu kleinen Schutzengeln der Bergwälder.
Während die Hirse als ein Welterbe gilt, das vom Aussterben bedroht ist, wird die Pflanze nach wie vor vom Volk der Atayal kultiviert. Die Stammesälteren lehren die Jungen, wie man die Hirse erkennt und wie man sie anbaut.

Dies steht in krassem Gegensatz zu den Leuten, die immer Slogans wie „Umweltschutz“ oder „Bewahrung der natürlichen Umwelt“ im Munde führen und doch nach wie vor zu ihrer Zerstörung beitragen. Der Atayal-Stamm, der im Dokumentarfilm vorgestellt wird, nutzt die Weisheit seiner Vorfahren und weiß daher, wie man in friedlicher Koexistenz mit seiner natürlichen Umwelt leben kann. Es ist, als ob eine echte kleine Elitetruppe zum Schutz der natürlichen Umwelt herangebildet wird.
Detailliertere Informationen zum Thema bietet der Dokumentarfilm "Smangus - A Year in the Clouds", der in Koproduktion des taiwanesischen öffentlich-rechtlichen Senders PTS und der britischen Regisseure Dean Johnson und Frank Smith entstanden ist.

Jade Y. Chen

