
Die diesjährige Preisträgerin des amerikanischen Goldman Prize wurde vor ein paar Tagen bekannt gegeben. Preisträgerin ist Ursula Sladek, eine deutsche Hausfrau, die sich nach der Atomkatastrophe von Tschernobyl für alternative Stromquellen engagierte. Der Goldman Prize gilt im Umweltschutzbereich als das Äquivalent des Nobelpreises.
1986 schockierte die Explosion des Atomreaktors im ukrainischen Tschernobyl die Welt. Sladek lebt im Schwarzwald und war damals Mutter zweier Kinder. Nachdem sich das Unglück ereignet hatte, kamen Nachbarn vorbei und teilten ihr mit, das in ihrer Umgebung eine Radioaktivität festgestellt worden war, die über den Grenzwerten lag. Viele Nahrungsmittel aus der Region konnten nicht mehr verzehrt werden, man sollte sogar nicht einmal mehr vor die Tür gehen. Sladeks Alltag wurde völlig durcheinander gewirbelt, für die Kinder wurde es sogar unmöglich, im eigenen Garten zu spielen.
Der Reaktorunfall in Tschernobyl hatte Auswirkungen auf ganz Europa. Sladek begann nun über die umfassende Bedrohung durch die Kernenergie nachzudenken, die sich nicht nur auf die Menschen beschränkt, die in der Nähe eines AKW leben. Sie hoffte auf eine Zukunft ohne Kernenergie für ihre Kinder. Aus diesem Grund machte sie sich stark für ein Leben ohne Kernenergie. Doch sie ging nicht auf die Straße, engagierte sich auch nicht in der Anti-AKW-Bewegung. Sie bündelte stattdessen die Kräfte anderer Hausfrauen und setzte an bei der eigenen Energieeinsparung. In Verhandlungen mit den Stromversorgungsunternehmen forderte sie die Nutzung von Elektrizität, das nicht aus Atomkraftwerken stammte.
Vor zehn Jahren war die Elektrizitätsversorgung in Deutschland noch in staatlicher Hand und die Kernenergie machte einen großen Anteil daran aus. Gerade weil die Energieversorgung noch vom Staat monopolisiert wurde, war der Anteil grüner Energie noch sehr gering. Daher wurde sie bei allen zuständigen Stellen vorstellig und forderte von den Behörden die Öffnung des Energiemarktes für private Betreiber, um so den Anteil grüner Energien zu steigern. Inzwischen beträgt der Anteil grüner Energien in Deutschland schon fast ein Fünftel.
Mit dem Aufruf „Lasst uns Eltern sein, die für eine kernenergiefreie Zukunft unserer Kinder sorgen“ vereinte diese deutsche Mami die Kräfte vieler Eltern und gründete die EWS, die Elektrizitätswerke Schönau, für erneuerbare Energien. Diese suchten nach Kooperationspartnern für die Entwicklung grüner Energie, um eine eigenständige und selbstversorgende Energieerzeugung zu erreichen. Vorübergehend lieferten sie auch illegal Strom an Privathaushalte und kleine Betriebe. Inzwischen hat die grüne Energie der EWS schon über 1000 Vertragskunden im ganzen Schwarzwald und es werden täglich mehr.
Durch Sladeks langjährigen Einsatz ist die private Erzeugung von grüner Energie inzwischen legal. Die Energieerzeugung in Deutschland ist kein staatliches Monopol mehr und es gibt viele Alternativen mit grüner Energie.
Sladek engagierte sich als Hausfrau für die Entwicklung grüner Energie und bekam dafür in den letzten Jahren zahlreiche Preise verliehen. Nach einem Vierteljahrhundert unermüdlichen Bemühens wurde ihr schließlich von allen Seiten Anerkennung zuteil. Sie sagt: „Ich bin nur eine Mutter, worum es mir geht, ist die Zukunft unserer Kinder.“
Sie hofft, dass diese Anstrengungen nicht auf Deutschland beschränkt bleiben und glaubt daran, dass die Mütter überall auf der Welt dieselbe Kraft haben.

Jade Y. Chen

