
Der Artikel „Gypsy-Lampen“ hat unter den taiwanesischen Lesern ein großes Echo ausgelöst. Die Reaktionen zeigen, dass es in Taiwan einen Bedarf gibt für eine echte Auswahl an Energiesparlampen unterschiedlichen Designs. Sie zeigen auch, dass es in der Frage der globalen Erwärmung möglich ist, die Ideen von noch mehr Menschen einzubringen, sei es im Großen oder im Kleinen.
Doch die „Gipsy“-Lampen haben einen Nachteil: sie benötigen eine Minute, bevor sie ihre volle Leuchtkraft erreichen. Wenn man die eher kurzen Aufenthalte auf einer Toilette als Beispiel nimmt, dann wird die Lampe, noch bevor sie ihre volle Leuchtkraft erreicht hat, schon wieder ausgeschaltet. Dafür ist sie natürlich nicht geeignet und häufiges An- und Ausschalten verkürzt ihre Lebensdauer. Darin liegt wohl der Grund, weshalb herkömmliche Glühbirnen noch nicht vollständig verschwunden sind.
In diesem Zusammenhang ist noch eine andere Sache erwähnenswert:
Um das Energiesparen und die CO2-Reduktion voranzubringen, hat Deutschland 2008 damit begonnen, den Verkauf herkömmlicher Glühbirnen schrittweise zu verbieten. Dabei wird der Verkauf von Glühbirnen mit immer niedrigerer Wattzahl verboten. Unglücklicherweise hat dies nach dem Motto „Wenn die Tugend einen Schritt nach vorne macht, macht das Übel zehn Schritte“ zum Entstehen eines Produktes namens „Heatball“ geführt.
„Heatball“ - was soll das denn sein? Es ist nichts anderes als eine herkömmliche Glühbirne. In ihrer Funktion gibt es keinen Unterschied, nur die Produktbezeichnung und die Positionierung des Produkts haben sich geändert, um das Verbot zu umgehen. Diese Idee, den Umweltschutzgedanken in sein Gegenteil zu verkehren, stammt von dem deutschen Geschäftsmann Siegfried Rotthäuser. Er hat die Richtlinien der EU zum Verbot der Glühbirnen eingehend studiert und vergangenes Jahr eine Firma gegründet. Die Glühbirnen lässt er in China herstellen und importiert sie nach Deutschland unter der Bezeichnung „Mini-Heatballs“. Von dort exportiert er sie dann weiter in andere EU-Staaten, in denen der Verkauf von Glühbirnen ebenfalls verboten ist sowie in die USA. Geradezu sarkastisch mutet es an, dass von dem Verkaufspreis von 1,69 EUR für einen “Heatball” 30 Cent als Spende an ein Projekt zum Schutz des Regenwaldes gehen.
Rotthäusers Firma nutzt nicht nur rechtliche Schlupflöcher aus, sondern wendet auch die üblichen Marketingmethoden an: dazu gehören die Preisgestaltung von 1,69 EUR, eine Spende für Umweltschutzprojekte und sogar die Positionierung der „Heatballs“ als eine Art „Aktionskunst“. Anders ausgedrückt heißt das, dass der „Heatball“ eine Form künstlerischer Installation sei. Und wenn der Verbraucher sie kauft, um sie als Lichtquelle zu nutzen, dann ist das seine Sache.
Die herkömmliche Glühbirne wurde ja gerade wegen ihres hohen Energieverbrauchs und der hohen Hitzeentwicklung verboten und steht nun in neuem Gewand wieder auf. Auch wenn dieses Gebaren von vielen Seiten scharf kritisiert wurde, haben die Behörden bislang keine wirksamen Gegenmaßnahmen gefunden. Diese Art von „Smart Crime“ stößt bei den meisten Menschen auf einhellige Ablehnung. Herr Rotthäuser, wo bleibt ihr Gewissen?

Jade Y. Chen







Während meiner Zeit in Deutschland wurde ich bei Besuchen zuhause in Taiwan von meiner Familie oder Freunden gerne beauftragt, etwas „Made in Germany“ mitzu- bringen. Doch dass ich nun Glühbirnen mitbringen sollte, war etwas ganz Neues.
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