Der Minister Assoa Adou gab ihrem Antrag statt und wählte ein Gebiet von 400 Hektar aus, das zu dem unter Naturschutz stehenden Waldgebiet von Anguédédou gehörte. Dieser Wald liegt zwischen Yopougon, einer großen Gemeinde von Abidjan, und Abobo-Ndotré, einer weiteren Siedlung Abidjans an der Straße Richtung Agboville, einer Stadt etwa 80 km von Abidjan entfernt. Umweltexperten stellten sich diesem Vorhaben entgegen, da der Wald nicht nur unter Naturschutz steht, sondern weil sich hier außerdem eines der größten Grundwasservorkommen Abidjans findet, durch das ein großes Gebiet im Norden der Wirtschaftskapitale versorgt wird. „Das war ein großer Fehler und es stellt eine große Gefahr für die Umwelt und für das Überleben der Bevölkerung dar“, sagt der Diplomforstwirt Ambroise Diké. Neben ihm rieten auch andere Spezialisten von diesem Vorgehen ab. Doch Minister Assoa Adou kümmerte sich nicht darum. Er entließ sogar die Beamten der Forstverwaltung, die sich dieser tatsächlich zweckwidrigen Maßnahme widersetzten. Und im Juli 2005 erkannte er per Ministerverordnung 400 Hektar des Waldes den Status des Schutzgebietes ab. Der Rest ist bekannt … Ein enormer Raubbau dieses Waldes begann. Anstelle von Nahrungsmittelkulturen fand man schließlich Wohnungen, sprich Immobilienhandel, Geschäfte, Funkantennen von Mobilfunkanbietern … „
Das Schlimmste daran ist, dass manche ihre Parzellen an Wirtschaftsunternehmen verkauft haben. Sie haben ihre Macht missbraucht“, bedauert der Forstangestellte Paul-Marie Konan, der meint, dass ein Teil dieses Waldes niemals den Schutzstatus hätte verlieren dürfen.
Seitdem befindet sich der Wald von Anguédédou in einem bedauernswerten Zustand. Die Bäume werden weiterhin heimlich gefällt, manchmal mit dem Wissen von Mitarbeitern der Forstverwaltung. Darüber hinaus sind die von der Gesellschaft für Wasserversorgung (Société de Distribution d’Eau, Sodeci) gemachten Bohrlöcher zur Versorgung der Bevölkerung mit Trinkwasser zum Teil stillgelegt. „
Die Tatsache, dass dieser Wald besiedelt ist, verschlechtert in erheblichem Maße das Funktionieren der Bohrlöcher. Die Bevölkerung produziert Abfälle, insbesondere Abwässer, Fäkalien, die sich im Boden festsetzen, und da sich die Siedlungen in der Nähe dieser Bohrlöcher befinden, besteht das Risiko, dass das Grundwasser infiziert wird“, stellt der Wasserbauingenieur Ousmane Touré ganz nüchtern fest.
Angesichts dieser zumindest beunruhigenden Situation hat sich der derzeitige Minister für Forstwesen, Clément Nabo Bouéka, entschieden zu handeln. Zunächst hat er sich im vergangenen Dezember selbst vor Ort ein Bild davon verschafft, wie umfangreich der Schaden im Wald von Anguédédou mittlerweile ist.
„
Alle, die den Wald illegal besetzen, werden verschwinden“, warnte er. Ja, er kündigte sogar an, dass der Wald wieder unter Naturschutz gestellt würde. Und seit einigen Wochen ist die Sache tatsächlich abgeschlossen. Minister Clément Nabo Bouéka hat den Wald von Anguédédou auf Ministerverordnung wieder in den Status des geschützten Waldes versetzt. Daher werden alle, die hier wohnen, dazu aufgefordert werden, den Ort zu verlassen. „
Doch an diesem Punkt sind wir noch nicht. Im Moment geht es darum, den Schutz des Waldes wieder gesetzlich zu verankern. Ansonsten können wir nicht handeln, denn einige der hier lebenden Menschen haben eine rechtmäßige Eigentumsurkunde. Und so werden wir denen, die hier wohnen, klarmachen, dass sie diesen Ort netterweise verlassen müssen. Und die gebauten Wohnungen werden zerstört“, erklärt Lt-Colonel Arafan Haidara, Forstingenieur, der die Wiederaufforstung und das Waldkataster leitet. Einstweilen begrüßt Synacos, der Nationalverband der Beamten der Gesellschaft für Waldentwicklung (Sodefor/Société de Développement des Fôrets), die Entscheidung der Regierung, den Wald von Anguédédou wieder unter Schutz zu stellen. „
Das ist ein Sieg für uns. Das ist der erfolgreiche Abschluss eines Kampfes, den wir seit mehr als sechs Jahren führen“, freut sich Yao Koffi Georges, der Generalsekretär des Verbandes. Ihm zufolge ist die Entwaldung des Forêt d’Anguédédou ein Drama für die Elfenbeinküste. Und der Forstbeamte führt aus: „
Weil uns der Schutz einer gesunden Umwelt am Herzen liegt, haben wir uns hartnäckig dagegen gestellt, dass den 400 Hektar dieses Waldes der Schutzstatus entzogen wird. Wir wurden dabei nicht unterstützt und einige meiner Kollegen haben dadurch sogar ihren Job verloren.“ Seiner Meinung nach muss die Regierung im Parlament ein Gesetz verabschieden, das generell verbietet, Wäldern den Schutzstatus zu entziehen, und zwar, wie er sagt, „
um die unerlaubte Zerstörung des Waldes zu verhindern“.
Inzwischen macht sich der Wald von Anguédédou daran, sein „
verlorenes Gebiet“ zurückzuerobern. Die größte Aufgabe gilt es allerdings noch zu tun, nämlich die Tausenden von Menschen, die hier ihre Bleibe gebaut und sich eingerichtet haben, zum Weggehen zu bewegen. Das wird ganz offensichtlich kein Zuckerschlecken werden …