
Diesen Blogeintrag möchte ich allen Lehrern zum Weltlehrertag am 5. Oktober widmen. Meine Mutter unterrichtet Geografie an einer Schule in Moskau. Mein Vater – auch ein „Lehrer“ – ist Professor für Geografie an der Staatlichen Universität Moskau. Bei zwei Elternteilen mit geografischem Hintergrund fielen Worte wie „Schleierwolke“, „Kippregel“ oder „Endmoräne“, mit denen die meisten Menschen wahrscheinlich nichts anfangen können, bei uns fast jeden Tag am Abendbrottisch. Es lässt sich daher leicht raten, für welche Fachrichtung ich mich entschied.
Bei meiner Arbeit als Expertin für Klimawandel profitiere ich sehr von meinen Geografie-Kenntnissen. Aber leider können sich selbst unter den akademisch gebildeten Russen nicht viele eines tieferen oder besser gesagt überhaupt eines Verständnisses dieser Problematik rühmen. Nur wenige Universitäten und Hochschulen in Russland bieten Seminare zum Klimawandel an (die gewöhnlich die physikalischen Grundlagen der ablaufenden Prozesse untersuchen). Da die Klimawandelproblematik Hand in Hand mit Energieeffizienz, Forstwirtschaft, Ernährungssicherung, wirtschaftlichem Wachstum und anderen sehr wichtigen Aspekten einhergeht, sollte man meiner Meinung nach die Unterrichtsthematik weiterfassen und Studenten unterschiedlicher Fachrichtungen auf verständliche Art präsentieren.
Diskussionen über den Klimawandel und den sorgsamen Umgang mit Energie stehen nicht auf dem Lehrplan russischer Schulen. Doch wenn wir einer drohenden Klimakatastrophe ernsthaft entgegen wirken wollen, muss auch die jüngere Generation wissen, wie sie zur Schadensminderung beitragen kann. Die Reduzierung des Schadstoffausstoßes fängt nicht nur bei politischen Entscheidungen, sondern bei der Veränderung des persönlichen Verhaltens an. Es gibt unzählige alltägliche Energiespartipps, wie das Licht beim Verlassen des Zimmers auszuschalten oder den Wasserhahn beim Zähneputzen zuzudrehen. Diese und andere Maßnahmen erfordern keine großen Investitionen oder Anstrengungen, aber können viel zur Senkung der persönlichen CO2-Bilanz beisteuern und außerdem die Haushaltkasse schonen. Am besten lernen Kinder solche einfachen Verhaltensregeln von ihren Eltern (wenn die Eltern sie denn beherrschen) und den Lehrern in der Schule.
Seit Beginn meiner Arbeit für die regierungsunabhängige Organisation wollte ich ein Projekt realisieren, das dem russischen Schulwesen die Klimawandelproblematik nahebringt. Dieses Ziel setzten wir uns im vergangenen Jahr mit dem Projekt „Climate sCOOLing“ (Klimaschule). Das Russische Regionale Umweltzentrum und die Britische Botschaft in Moskau entwarfen Richtlinien für Lehrer unterschiedlicher Klassenstufen zur Integration der Klimathematik in den Unterricht, organisierten Workshops und Diskussionsrunden für Lehrer und vermittelten Kindern durch Lernspiele ein Bewusstsein für die Problematik. Einige der teilnehmenden Abiturienten beschlossen sogar, sich nach dem Schulabschluss weiter mit dem Klimawandel im Rahmen eines Hochschulstudiums auseinanderzusetzen. Und je mehr Klimaexperten wir haben, umso besser ist doch unser Klima, oder?
Übersetzung: Christiane Wagler