Die unerträgliche Hitze und der stickige Smog über Moskau bewegten viele Bürger der Stadt dazu, ihre Urlaubspläne noch einmal zu überdenken.
Den Russen ist im Sommer nichts heiliger, als Zeit in ihrer Datsche zu verbringen. (Das ist ein privates kleines Landhaus, das den meisten von uns als Zufluchtsort in der warmen Jahreszeit dient.) Datschen sind in Russland weit verbreitet. Schätzungen zufolge besitzen ungefähr 25 % der Familien in den großen Städten einen Zweitsitz auf dem Land. Unsere Familie macht da keine Ausnahme. Doch durch die zweimonatige Hitzewelle in diesem Sommer, die zu schlimmen Wald- und Torfmoorbränden rund um die Hauptstadt führte, war es an den sonst so angenehmen ländlichen Rückzugsorten kaum noch auszuhalten.
Meine Mutter ergriff als Erste die Flucht. Sie ist kürzlich von ihrer Südostasienreise zurückgekehrt und berichtete, dass es dort viel kühler als in Moskau gewesen sei. Meine Oma, die ihren Garten nur selten verlässt, gönnt sich soeben eine Woche Auszeit an einem frischeren Ort. Selbst mein Mann plant bereits unseren Weihnachtsurlaub, obwohl wir damit sonst nie vor Mitte Oktober anfangen.
In der Sowjetunion war die Reisefreiheit für Sowjetbürger eingeschränkt. Deshalb erkunden seit dem Fall des Eisernen Vorhangs russische Touristen nun plötzlich scharenweise die Fremde. Mittlerweile sind zehn Millionen Reisende jährlich zu verzeichnen, Tendenz steigend.
Doch nur wenigen Russen ist bewusst, dass besonders Flugreisen unserer empfindlichen Natur weiteren Schaden zufügen können. So sorgt ein Flug von Moskau nach Frankfurt für einen CO2-Ausstoß von einer Tonne. Das kommt der Hälfte des jährlichen Stromverbrauchs eines russischen Haushalts gleich. Nun können nicht viele unter uns ein halbes Jahr lang ohne Strom auskommen oder Flüge gänzlich vermeiden. Der Lösungsansatz kam von den Flugunternehmen. Ist eine Flugreise unumgänglich, kann man die persönliche CO2-Bilanz durch einen Extrabeitrag für den erhöhten CO2-Verbrauch ausgleichen. Das Verfahren für solche Ausgleichszahlungen ist einfach, denn die meisten Flugunternehmen bieten die Extragebühr für Klimagase bei der Onlinebuchung des Tickets an.
Die Mehrzahl der großen Mietwagenfirmen stuft bereits ihre Fahrzeuge nach dem CO2-Verbrauch ein. Entscheidet man sich für ein klimafreundliches Fahrzeug, bekommt man zusätzliche Vergünstigungen (von der Einsparung der Benzinkosten ganz zu schweigen!). Nun folgen auch Hotels diesem Beispiel. In Australien, Neuseeland und vielen anderen Ländern kann Hotels ein weiterer Stern zu ihrer Klassifikation verliehen werden, wenn sie umweltfreundlich operieren.
Natürlich erfordern solche Maßnahmen eine wirksame Aufklärungsarbeit unter der Bevölkerung, damit die Menschen verstehen, wofür sie bezahlen und warum das notwendig ist. Als meine Großmutter mich fragte, wieso sie für ihr Flugticket eine Zusatzgebühr entrichten solle, antwortete ich einfach: „Damit Moskau in Zukunft nicht mehr unter einer so schlimmen Hitze leiden muss.“ Denn für uns Russen gibt es nicht Schöneres, als die langen, warmen (nicht heißen) Sommerabende und die frische (nicht verräucherte) Luft in der Datsche zu genießen.
Übersetzung: Christiane Wagler