Yungas und Gran Chaco bilden zusammen die zweitgrößte Waldfläche Amerikas. Sie erstrecken sich über Argentinien, Paraguay, Bolivien und Brasilien und bedecken mehr als eine Million Quadratkilometer Land. Diese Region zeichnet sich durch eine große Artenvielfalt aus, darunter auch einige seltene Spezies wie die Jaguare.
Die Ausbreitung des Soja-Anbaus auf aktuell 14 Millionen Hektar hat in den letzten Jahren zu massiven Problemen geführt. Wenn Wald zerstört oder auch in seiner Zusammensetzung verändert wird, dann ist das ein verheerender Eingriff in ein natürliches System mit Auswirkungen auf die Biodiversität, den Wasserkreislauf, das Klima.
Argentinien ist der drittgrößte Sojaproduzent und der größte Exporteur der Welt. Die global steigende Nachfrage an Soja hat zu einer wachsenden Nachfrage an landwirtschaftlich nutzbaren Flächen geführt, und damit zur Abholzung der Wälder. Ist der Wald aber zerstört, kann er kein Wasser mehr filtern: Trinkwasser muss teuer aufbereitet werden. Der Regen fließt schneller ab: Hochwasser nehmen zu.
Wälder besitzen eine große Bedeutung sowohl als Senke als auch Quelle im globalen Kohlendioxid-Kreislauf und sind anfällig gegenüber Klimaveränderungen. Daher ist Waldpolitik immer auch Klimapolitik und von hoher außen- und sicherheitspolitischer Relevanz.
Gerade wurde erstmals ein Moratorium auf weitere Abholzungen von Urwald zugunsten des Sojaanbaus erlassen. Der Gouverneur der Provinz Santiago del Estero im Norden des Landes unterzeichnete das Dekret, nachdem Kirchen, Landarbeiter und Bauernkooperativen monatelang dafür gekämpft hatten. Santiago del Estero gehört zu den Hauptanbaugebieten von Soja in Argentinien. Für eine gewisse Zeit dürfen nun im Gran Chaco keine Wälder mehr gerodet werden, um Platz für weitere Anbauflächen zu schaffen.
Das ist eine historische Entscheidung. Von den Urwäldern des Chaco bestehen heute im Vergleich zu 1914 noch weniger als ein Drittel. Das Moratorium ist ein erster wichtiger Schritt, diesen Rest zu bewahren. Die Behörden müssen die gewonnene Zeit nutzen, um eine nachhaltige Landwirtschaft einzuführen und dem Chaco-Urwald eine langfristige Chance zu geben.
Ich bin überzeugt, dass viele Menschen die Zerstörung dieser einmaligen Wälder und die Umwandlung der Gegend in eine Soja-Wüste stoppen wollen. Wenn wichtige Ökosysteme zerstört werden, werden Menschen ihrer Häuser und ihres Lebensunterhalts beraubt und wild lebende Tiere geraten in Gefahr.
Ich denke, dass dieses Moratorium nicht das Ende der Bemühungen sein darf, die Abholzung der Urwälder aufzuhalten. Aber es ist ein Anfang – ich finde es immer positiv, wenn sich Menschen für die Zukunft ihrer Kinder und Enkel interessieren und sich im Sinne der Biodiversität Gedanken über den Umgang mit dem Wald machen.