„Es ist fünf vor zwölf, Zeit, dass unsere Politiker endlich aufwachen.“ Bei einer Zigarettenpause vor dem Konferenzraum in einem Hotel in Abidjan, in dem sich ein Expertengremium zum Thema Klimawandel berät, schlägt Klimaexperte Paul Achy Alarm. Die Elfenbeinküste bleibt vom Klimawandel nicht verschont, befürchtet er, und noch schlimmer, sie setzt sich den mit dem Klimawandel einhergehenden Problemen mit Nachdruck aus.
Die Elfenbeinküste belastet ihre Umwelt durch den Ausstoß zahlreicher Gase, darunter auch Treibhausgase. Die Ursache sind eine galoppierende Bevölkerungsentwicklung, eine zunehmende Verstädterung und eine wachsende Industrieproduktion, gepaart mit einer drastischen Zunahme des Verkehrsaufkommens und der Entwaldung. All diese Faktoren tragen zur Klimaerwärmung bei.
Zahlen, die für sich sprechen …
In diesem 20 Millionen Einwohner starken und 322.462 km² großen Land Westafrikas ist die Luftverschmutzung eine erschreckende Realität, die viele Ursachen hat. Zunächst sind da die Industriestandorte, die Umweltschadstoffe in die Atmosphäre ausstoßen. In der Wirtschaftsmetropole Abidjan produzieren 400 Industriebetriebe Treibhausgase und andere Umweltgifte. Dazu kommen die Haushalte und Gewerbetreibenden mit ihren Holzfeuern (im ländlichen Bereich) und Holzkohlefeuern (in den Städten), mit denen sie aufgrund unvollständiger Verbrennung Umweltschadstoffe wie CO, CO2, FOV (flüchtige organische Verbindungen), SO2 und PM (Feinstaub) an die Atmosphäre abgeben. In geringeren Mengen werden außerdem NO2, Fluorverbindungen, POM (partikuläres organisches Material), Aldehyde und Formaldehyd freigesetzt. Auch Tankstellen setzen FOV frei, ebenso wie die zahlreichen Handwerksbetriebe und Autowerkstätten, die verschiedene umweltgefährdende Arbeiten durchführen (Schweißen, Lackieren, Reinigen mit Lösungsmitteln, etc.). Ein weiterer Grund ist die mangelhafte Abfallwirtschaft: Abfälle werden entweder auf eine Deponie gekippt, auf denen durch den Verrottungsprozess Methangas- und CO2-haltige Biogase entstehen, oder werden verbrannt (was in Abidjan gängige Praxis ist) und setzen so große Mengen an Umweltgiften frei.
Auch der Autoverkehr trägt erheblich zur Umweltverschmutzung bei, hauptsächlich in Form von Auspuffgasen. Zwischen 1998 und 2006 hat sich die Zahl der Kraftfahrzeuge praktisch verdoppelt und hat die Schwelle von 300.000 überschritten. Das Verkehrsaufkommen wurde 2006 auf knapp 5.700 Millionen gefahrene Autokilometer geschätzt. „Wir haben zwar Statistiken über die Ursachen, aber nur sehr wenige Zahlen über die Intensität der Luftverschmutzung und die Mengen der freigesetzten Umweltgifte, weil wir kein Überwachungssystem für die Belastung der Luft, des Wassers und des Bodens haben. Doch die Daten, die es gibt, zeigen, dass die Umwelt an der Elfenbeinküste belastet ist, insbesondere in Abidjan und in anderen Großstädten“, analysiert Dr. Fofana, Berater für Umweltschutz. Für ihn ist die Klimaveränderung eine direkte Folge der zunehmenden Luftverschmutzung. Wenn die Temperatur steigt, nimmt die Regenmenge ab.
Hinzu kommt: Mit den immer häufiger auftretenden Gewitterstürmen und Unwettern steigen die Risiken für Naturkatastrophen, nimmt die Erosion der Küsten zu und sind die Böden immer weniger fruchtbar. Für die Bevölkerung wird der Zugang zu Trinkwasser immer schwieriger. Urbare Böden werden seltener, der landwirtschaftliche Ertrag und die Kaufkraft sinken spürbar. Die landwirtschaftlichen Flächen nehmen aufgrund der übermäßigen Bewirtschaftung des Waldes ab (extensiver Anbau, Entwaldung, Buschfeuer) und führen zu Grundstückskonflikten. „Die Lage ist alles andere als erfreulich. Angesichts der Gefahr, die über unseren Köpfen schwebt, dürfen wir die Hände nicht untätig in den Schoß legen“, appeliert Paul Achy. Bleibt zu hoffen, dass dieser Appell nicht auf taube Ohren stößt.
Übersetzung: Karin Heese