Neulich erregte eine außergewöhnlich hitzige politische Debatte die Gemüter der Menschen in Helsinki. Täglich wurde das Thema in den Zeitungen ausgebreitet, und die Politiker untermalten ihre erbosten Tiraden mit Anspielungen auf die Stalinisten, die Pharisäer und ihre eigenen traumatischen Kindheitserinnerungen.
Der Grund für diesen Sturm moralischer Entrüstung ist die Entscheidung des Stadtrates, einmal wöchentlich in der Schulspeisung nur vegetarische Gerichte anzubieten.
Wissenschaftler sind sich einig, dass die Fleischverarbeitung für einen beträchtlichen Teil aller Treibhausgase verantwortlich ist. Einer aktuellen Studie des Worldwatch Institutes zufolge trägt die für den Fleischkonsum bestimmte Tier- und Geflügelaufzucht zu 51% aller vom Menschen verursachten Treibhausgas-Emissionen bei (http://www.worldwatch.org/files/pdf/Livestock%20and%20Climate%20Change.pdf).
Eine pflanzenbasierte Ernährung wäre auch im Sinne der Nachhaltigkeit. Der Anbau von eiweißreichen Pflanzenprodukten wie Soja erzeugt nicht einmal annähernd so viele Emissionen wie die Erzeugung von Fleischprodukten mit dem gleichen Nährstoffgehalt, selbst wenn man Soja von Brasilien nach Europa transportiert.
Außerdem verringert eine ausgewogene vegetarische Ernährung das Risiko von koronaren Herzkrankheiten, Fettleibigkeit und bestimmten Krebserkrankungen.
Außer den Grünen konnte sich keine der Parteien im Stadtrat bei der internen Abstimmung auf einen gemeinsamen Nenner einigen. Bezeichnenderweise plädierten die meisten jungen Abgeordneten für einen vegetarischen Tag, während sich die meisten älteren dagegen aussprachen. Die Debatte zeigt, dass eine vegetarische Ernährung nicht nur ein moralisch und emotional aufgeladenes Thema ist, sondern auch eine große Kluft zwischen den Generationen offenbart.
Übersetzung: Christiane Wagler
Die genaue Studie zum Thema finden Sie hier: http://ehp03.niehs.nih.gov/article/fetchArticle.action?articleURI=info:doi/10.1289/ehp.11034