Je größer die Chöre aus schief singenden Menschen, umso weniger Zuhörer, oder nicht? Entsprechend kann man in dem Gewirr aus widersprüchlichen, verworrenen, irritierenden Informationshappen über den Klimawandel vielleicht einen Faktor für das Stillschweigen der Öffentlichkeit zu diesem Thema sehen. Vor Kurzem führte ich ein angestrengtes, gestelztes, überkorrektes Gespräch über den Klimawandel mit zwei Freunden (intelligente, kultivierte Personen wohlgemerkt, von denen ich sonst einen offenen und freien Meinungsaustausch erwarten würde). Auf lange, zögerliche Pausen folgten da peinlich genau und sehr allgemein formulierte Aussagen, denen stets der eine oder andere abschwächende Kommentar nachgesetzt wurde, wie „… aber ich bin natürlich kein Experte“ und „… natürlich haben beide Seiten gute Argumente“ und nicht zuletzt einer der beliebtesten Ausflüchte, wenn es um den Klimawandel geht: „Die wissenschaftliche Seite an dem Ganzen ist ja wirklich überwältigend, ich kann nicht wirklich behaupten, dass ich das alles verstehe“.
Das ist natürlich nicht das erste Gespräch dieser Art, das ich erlebt habe; letztlich folgen diese Unterhaltungen immer dem gleichen universellen Schema. Bei diesen Debatten kommen immer wieder genau die gleichen Verhaltensmuster zum Vorschein, die auf eine Mischung von Unsicherheit und Überzeugung, gepaart mit einem feinen Hauch von extremer Höflichkeit hindeuten (als letzte klägliche Überreste unseres britischen Erbes sind uns die sexuelle Hemmung und die gegenstandslosen sozialen Nettigkeiten geblieben) – gebildete, rationell denkende Erwachsene wenden sich im Angesicht von Halbwahrheiten, die ihnen zum ersten Mal zu Ohren kommen, von ihrer Sichtweise ab und verheimlichen oder entkräften ihre Ansichten sowohl aus Angst vor der gesellschaftlichen Ausgrenzung als auch aus dem verzweifelten Bedürfnis heraus, mit allen anderen konform zu gehen („Na ja, sicher, ganz abgesehen davon muss natürlich der Kohlendioxid-Ausstoß reduziert werden“). Die Tatsache, dass diese Art von Gesprächen jenseits innerstädtischer Cafés scheinbar gar nicht geführt wird, bedeutet entweder, dass es umso wichtiger ist, zu realisierbaren, zweckmäßigen Ergebnissen zu gelangen, oder lässt alle unsere fadenscheinigen Ansprachen angesichts der Mauer des Schweigens von Seiten Australiens ins Leere laufen, der wir mit unseren zart vorgetragenen Argumenten nichts entgegensetzen können.
Die kurze Pause, die wir oftmals kurz vor einem Einwand zu diesem Thema machen, ist zweifelsohne Beleg für unsere Verwirrung und die hartnäckige Unsicherheit, die jeden unserer Gedanken zum Klimawandel begleitet. Die Stimmen in den Köpfen der Australier erwecken, zumindest in puncto Klimawandel, eher den Eindruck verstreuter Tiere auf einer weiten Fläche als den eines kohärenten griechischen Chors. Neben der Kakophonie der jammernden, quengelnden Politiker, die das Gewissen der Öffentlichkeit in alle möglichen Richtungen zerren, trifft der aufgeweckte, sozial engagierte Bürger auf eine Reihe von Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens, die ihre Stimme in das Vakuum des australischen Bewusstseins hinein schallen lassen – in dem verzweifelten Versuch, eine kritische Masse zusammenzukratzen.
Alan Jones gilt gemeinhin als Australiens „König des Debattierradios” und stellt damit die wütende Stimme Mittelaustraliens dar – entmachtet durch einige undurchsichtige politische Winkelzüge und viel weniger interessiert an der schrecklichen wissenschaftlichen Wahrheit des Klimawandels denn an den Risiken für die Jobsicherheit, „die Wirtschaft“ (ein Begriff, der – wenn Sie mich fragen – viel zu häufig von Menschen verwendet wird, die nicht wirklich um die Bedeutung dieses Begriffs wissen) und für den zunehmend kohlendioxidlastigen australischen Lebensstil. Seine antiwissenschaftlichen Tiraden werden nur noch von denen seiner Anrufer übertroffen, die die festgefahrenen Ansichten – von dumm und unwissend bis bestens informiert, aber eben nur sehr einseitig (zuweilen aber auch einfach nur sonderbar und verschroben) – von Millionen Australiern wiedergeben, die das Klimaproblem rundweg leugnen („In den 70ern hieß es noch, es würde kälter werden“, „Ich kann mich noch an diese extremen Hitzewellen in den 40ern erinnern, das ist vollkommen normal“). Damit und mit seinem Ratschlag zum Vorschlag des Emissionshandels, „Wenn Sie über etwas nicht Bescheid wissen, stimmen Sie für ‚Nein‘“, fördert er jedoch die tief verwurzelte Ahnungslosigkeit breiter Bevölkerungsschichten Australiens nur noch weiter (das ist immerhin wesentlich weniger provokativ als „Wenn Sie nicht Bescheid wissen, dann informieren Sie sich“).