Allerdings braucht ein Bauer rund 1000 kg pro Hektar pro Jahr für den Eigenbedarf. Die Farmer können mit ihrem Ertrag also nicht einmal ihre eigene Familie ernähren. Eine schlechte Ernte liegt oftmals an der minderwertigen Qualität des Bodens. Und noch eine weitere Folge des Klimawandels macht den Bauern schwer zu schaffen: die immer häufiger herrschenden extremen Wetterbedingungen, etwa die zunehmende Zahl an Fluten. Ältere Bauern aus Tamale erzählen, dass die Vegetationszeit früher von März bis September ging. Heute wird erst im späten Mai oder Juni angepflanzt, manchmal sogar erst im Juli. Eine Analyse der Niederschlagaufzeichnungen der vergangenen Jahrzehnte in Tamale im Norden Ghanas zeigt, wie der Regen im Monat Juli stetig zugenommen hat.
Zu den regenreichen Monaten August und September kommt also der steigende Niederschlag im Juli, was dazu führt, dass viele Ackerflächen im September und Oktober überflutet sind. Der im Juni gepflanzte Mais steht im August/September in voller Blüte. Doch es ist kein Bild der Freude, wenn man weiß, dass diese blühende Pracht ein paar Wochen später wahrscheinlich den Wasserfluten zum Opfer fallen wird.
Die Bauern werden damit nicht nur um ihren Ertrag gebracht, die Missernten haben auch negative Auswirkungen auf die gesamte Nahrungsmittelproduktion. Auf dem nationalen Markt beträgt das Defizit oftmals 20%. Durch diese extremen Klimabedingungen sind viele Getreideernten stark bedroht und führen in vielen Gebieten zu enormen Fluktuationen. Ein Klimawandel würde bei weiterhin vorherrschendem extremem Wetter die Situation sogar noch verschlimmern. So müsste Ghana hin und wieder noch Mais importieren, um ausreichende Mengen für das eigene Land produzieren zu können.
Die neue Herausforderung besteht nun darin, neue Technologien zu entwickeln, die den Ernteverlust durch solche extremen Wassermassen, wie sie etwa eine Flut verursacht, eindämmen. Um der Flut entgegenzuwirken, errichten die Farmer in Tamale sogenannte
Ridge-and-furrow-Systeme (Bild 2). Diese Technik ist zwar ein effektiver Weg, um während und nach heftigen Stürmen überschüssiges Wasser abfließen zu lassen. Das Anbringen dieser Konstruktion erfordert jedoch enorme Zusatzarbeit.
Zu den weiteren Maßnahmen, die ein wirksamer Schutz gegen Flut und Dürre sein können, gehört das
Tied-Ridging (ohne Abbildung), das bereits in einigen afrikanischen Ländern, etwa Kenia, angewendet wird. Die Landwirtschaft in Ghana kann von solchen Modellen, mit deren Hilfe die Ertragskraft der Pflanzen trotz Flut gesichert werden soll, also nur lernen. Es bleibt jedoch die Frage, wie solche Hilfsmittel finanziert werden sollen. Sollten etwa Bauern, die sich aktiv gegen die negativen Einflüsse des Klimawandels auf die Nahrungsmittelproduktion wehren, finanzielle Anreize oder Belohnungen erhalten? Diese Frage wird in der Politik noch zu diskutieren sein.
Übersetzung: Sabine Bode