Ich entdeckte meinen ersten Albergo diffuso im Jahr 2007. Er lag hinter einer großen, alten Holztür verborgen, die Zutritt zu einem wunderschönen Innenhof mit Zitronenbäumen, Kräutern und Rosenbüschen bot. Das Gebäude, ein Gutshaus aus dem 18. Jahrhundert, war zu einem Hotel umfunktioniert worden, das von zwei Generationen der Nachfahren der ursprünglichen Besitzer geführt wird. Die Alberghi diffusi (etwa „verstreute Hotels“) sind Häuser, Wohnungen oder sogar Stallungen, die zur neuen Nutzung umgebaut worden sind und sich nahtlos in die bestehende Architektur, aber auch in die Kultur und Bräuche der Einheimischen einfügen sollen.
Die
Alberghi diffusi bieten alle Services gewöhnlicher Hotels, doch der Aufbau ist nicht standardisiert. Dreh- und Angelpunkt ist ein Hauptgebäude mit beispielsweise einer Rezeption, einem Restaurant und einigen Gästezimmern. Die anderen Zimmer sind im buchstäblichen Sinne über das ganze Stadtzentrum oder Dorf verstreut. Solche Hotels eignen sich für neugierige Touristen, für all jene, die das Lokalkolorit nicht nur oberflächlich erleben wollen. Die
Alberghi diffusi ermöglichen es, voll in das Leben der historischen Zentren Italiens einzutauchen.
Ein
Albergo diffuso ist sowohl umweltfreundlich als auch ökonomisch rentabel und aktiviert Ressourcen, von denen die Zukunft des Tourismus abhängen wird, besonders die Umgebung, vorhandene Gebäude und das soziale Gefüge der Gastgebergemeinde. Diese Tourismusform kann sich durchaus förderlich auf die Wiederbelebung und Erhaltung lokaler Bräuche und Traditionen auswirken.
Sardinien war die erste italienische Region, die 1998 ein Gesetz zur Regulierung und Förderung der
Alberghi diffusi verabschiedete. Bis heute haben 16 weitere Regionen eine Gesetzgebung zur Unterstützung dieser Tourismusform aufgelegt. Mit 52 offiziell anerkannten Alberghi diffusi hat das Konzept in Italien Fuß gefasst. Vor kurzem ist die Regierung Sardiniens einen Schritt weitergegangen: Sie initiiert und finanziert Weiterbildungskurse für Tourismusfachleute, die in einem
Albergo diffuso arbeiten wollen. Die Lehrkräfte rekrutieren sich oft aus den Wegbereitern der
Alberghi diffusi, die nun erfolgreiche Hotels dieser Art auf der Insel betreiben. Durch die Professionalisierung der Belegschaft bestärken die
Alberghi diffusi ihre Rolle als authentische Tourismusform, die in der Region und Gastgebergemeinde tief verwurzelt ist.
Aber nehmen Sie meine Worte nicht einfach für bare Münze. Der beste Weg, um das Konzept der
Alberghi Diffusi wirklich zu verstehen, ist eine Erfahrung aus erster Hand. Wenn Sie also einmal in Santu Lussurgiu im Herzen der Region Montiferru auf Sardinien weilen, fragen Sie die Einheimischen nach einem „verstreuten Hotel“ oder begeben Sie sich selbst durch das Labyrinth der Straßen auf die Suche und genießen Sie dann Ihren Aufenthalt als „Dorfbewohner auf Zeit“.
Übersetzung: Christiane Wagler