
Der unter Naturschutz stehende Wald Forêt d’Anguédédou ist bedroht.
Verlassene Brunnen, Häuser, die wie Pilze aus dem Boden schießen, gefällte Bäume … Der unter Naturschutz stehende Wald
Forêt d’Anguédédou zwischen der MACA (Maison d’Arrêt et de Correction d’Abidjan), dem größten Gefängnis des wirtschaftlichen Zentrums an der Elfenbeinküste, und der nördlichen Autobahn ist im Begriff, zerstört zu werden. „Die Situation ist alarmierend. Illegale Holzhändler holzen Bäume ab, Fabriken lassen hier ihre nicht aufbereiteten Abwässer ab und Wirtschaftsakteure aus der Immobilienbranche bauen hier Wohnungen“, stellt Maméry Koné, persönlicher Referent des Ministers für Forstwesen, bitter fest.

In
Anguédédou herrscht Ratlosigkeit unter den Angestellten des Ministeriums. Sie sehen ohnmächtig der Zerstörung dieses Walde zu, der 13 Brunnen und vor allem das Grundwasser zur Versorgung eines Großteils der Metropole Abidjan birgt.
„Ohne den Rückhalt der Regierung können wir nichts machen“, sagt Koffi, einer der Mitarbeiter, der in
Anguédédou arbeitet. Allen Erwartungen zum Trotz wurde dem Wald am Stadtrand am 11. Juni 2004 vom damaligen Minister für Forstwesen, Assoa Adou, der Status des Naturschutzgebietes entzogen. Sofort wurde bewilligt, dass auf 400 Hektar der geschätzten Gesamtfläche von 7940 Hektar Kulturen angelegt werden durften, die zur Ernährung dienen. Der Rest ist bekannt … eine enorme Schädigung dieses Waldes.
„Anstelle von Pflanzen sind Häuser wie Pilze aus dem Boden geschossen, sogar Funkantennen von Mobilfunkanbietern wurden aufgestellt. Diejenigen, denen die Parzellen zugesprochen worden waren, haben sie leider ganz einfach wieder verkauft“, bekräftigt Monsieur Touré, ein anderer Angestellter des Ministeriums, enttäuscht und fügt hinzu, dass dieser geschützte Wald auf keine Fall besiedelt werden dürfe. „Die dort lebende Bevölkerung produziert Müll, der sich im Boden ablagert und durchaus das Grundwasser verschmutzen könnte, das einen Großteil von Abidjan mit Trinkwasser versorgt“, gibt er zu Bedenken.
Die Anwohner fühlen sich aber keineswegs schuldig. „Wir bewohnen das Gelände ganz legal, es wurde uns vom Staat Elfenbeinküste zugesprochen. Und als wir uns hier niedergelassen haben, hat man uns nicht gesagt, dass das gefährlich für das Grundwasser ist. Die heutigen Probleme sind nicht unsere Schuld“, verteidigt sich Romain Akou, der seit sechs Jahren in
Anguédédou lebt.
Experten für Umweltfragen zufolge ist die Tatsache, dass diese 400 Hektar des Walds von
Anguédédou nicht mehr unter Schutz stehen, der Hauptgrund für den Wassermangel in Yopougon. In diesem bevölkerten Ort im Westen von Abidjan, zu dem eben auch der
Forêt d’Anguédédou gehört, kommt seit mehreren Monaten kein Wasser mehr aus den Wasserhähnen vieler Familien. Jeden Morgen laufen die Frauen mit Schüsseln auf den Köpfen mehrere Kilometer weit auf der Suche nach der „Quelle des Lebens“. „Um eine Chance zu haben, Wasser zu bekommen, muss man um vier Uhr morgens aufstehen, lange laufen und sich wegen des großen Andrangs vor den Pumpen anstellen. Das ist ein echtes Martyrium“, berichtet die Kosmetikerin Marie-Louise Sagbo, die in Gesco, einem Viertel in Yopougon, lebt.
Für Monsieur Touré ist der Wassermangel in Yopougon vor allem auf die Herabstufung der 400 Hektar des
Forêt d’Anguédédou zurückzuführen. „Dreizehn Brunnen der SODECI (Société de Distribution d’Eau de Côte d’Ivoire – Gesellschaft für Wasserversorgung der Elfenbeinküste) befinden sich in diesem geschützten Waldgebiet und darum herum. Im Zuge der Nutzung der 400 Hektar durch die Bevölkerung hat die SODECI vier versiegte Brunnen stillgelegt, nachdem das Grundwasserniveau gesunken war, denn das Regenwasser kann nicht durchsickern, um den Grundwasserspiegel wieder anzuheben“, erklärt er.
Angesichts dieser Bedrohung hat der Minister für Forstwesen, Nabo Clément, beschlossen, auf die Barrikaden zu gehen. „Alle, die in Waldschutzgebieten wohnen, werden wieder verschwinden. Wir werden die 400 Hektar wieder unter Schutz stellen“, kündigte er Ende November nach einem Besuch im Forêt d’Anguédédou an, bei dem er mit eigenen Augen das Ausmaß der Schädigung festgestellt hatte.
Zur Information: Der Forêt d’Anguédédou war von der Kolonialverwaltung der Verordnung Nr. 2314 A.G. zufolge unter Schutz gestellt worden. Die Waldfläche wurde damals auf 7940 Hektar geschätzt, heute sind es nur noch 5065 Hektar.