Von der Protestbewegung
No Abbanoa in Italien zur Kampagne “
Patagonien ohne Staudämme” in Chile.
Wir leben in einer Zeit vielfältigster Berichterstattung. Teile dieser Berichte treffen bei ständiger Bewegung aufeinander, stoßen zusammen und werden zerstreut.
Eine Zeit unendlich vieler Kanäle. Wir, die Bewohner dieses infamen “globalen Dorfes”, leben in einer immer kleiner werdenden, hyper-vernetzten Welt. Enorme physische Distanzen verlieren an Bedeutung, denn die kontinuierliche Weiterentwicklung unserer Netze verkleinert soziale Distanzen.
Sechs Klicks. So schnell gelangte ich von der Protestbewegung No Abbanoa (“Nein zur Wasserversorgungsgesellschaft Abbanoa”) zur Kampagne Patagonia sin represas (“Patagonien ohne Staudämme”). Die Erste auf Sardinien (Italien), die Zweite im Herzen Patagoniens in Chile. Wasser stellt dabei den eher unbedeutenden Verbindungspunkt zwischen den beiden Kampagnen dar; eigentlich geht es um lokale und globale ökonomische Fragen, um Nachhaltigkeit und um das essenzielle Recht auf Schutz des Kultur- und Naturerbes der Menschen, den veränderten ökonomischen Verhältnissen zum Trotz.
Die Kampagne No Abbanoa hat in den letzten Jahren acht opponente Gemeindeverwaltungen gegen die Einführung eines Einheitspreises für Wasser auf ganz Sardinien durch die Gesellschaft Abbanoa SpA kämpfen sehen. Die Demonstranten fordern die Weiterführung der autonomen Wasserverwaltung, der Wasserquellen, der Pumpen, des Verteilungssystems und der Wasserzähler. Außerdem beharren sie auf ein flexibles Tarifsystem, das schwächere Einkommensklassen, Agrarbetriebe und den öffentlichen Sektor berücksichtigen soll.
Ich habe drei Jahre in einem dieser dissidenten Ortschaften gelebt und konnte die Kampagne dank meiner physischen Nähe unterstützen. Eine Unterschrift. Eine Busfahrt zum Protestmarsch in der Hauptstadt der Insel. Ein Händeschütteln mit meinen Mitstreitern. Greifbare Signale einer persönlichen Teilnahme.
Ganz anders meine Begegnung mit der Kampagne Patagonia sin represas, die aus einer Abfolge von Klicks im Internet resultierte und sich ausschließlich in der virtuellen Sphäre vollzog. Mir gefällt, dass ich durch meine Beteiligung an der Online-Kampagne – durch meinen “Mitstreit” von der anderen Seite der Welt aus – dazu beitragen kann, ein Projekt aufzuhalten, das den nationalen Schätzen Chiles einen enormen Schaden zufügen würde.
Wir leben in einer sich unaufhaltsam bewegenden Welt. Berichte tauchen auf, fließen und strömen zusammen. Subtil und im Grunde genau wie Wasser.
Übersetzung: Hanna Kulke