Drei Monate nach Kriegsende in Abidjan wird die Wirtschaftsmetropole wieder sauber. Umfangreicher Plan der Aktion «Saubere Stadt» mit dem Ziel, die Lebenswelt der Menschen zu verbessern.
Verfaulende Leichen verbreiten einen abscheulichen Gestank. Müllberge versperren die öffentlichen Straßen… Diese, für eine moderne Metropole wie Abidjan entwürdigenden Bilder, die im vergangenen März und April zu sehen waren, sind mittlerweile Vergangenheit. Tatsächlich wird die Stadt vier Monate nach Waffenstillstand wieder erträglich. Man kann wieder atmen. Die Straßen sind wieder sauber, weil sie jeden Morgen von Frauen mit Besen und Schippe gereinigt werden. Die Müllhalden, von denen es in der Stadt wimmelte, sind verschwunden. Die großen Straßen von Abidjan sind mühelos für Autofahrer zugänglich. «Die Situation hat sich wirklich gewandelt», räumt der Informatiker Paul Méa ein. «Man konnte nicht atmen, so sehr hat es in Abidjan gestunken, vor allem weil die Leichen der Menschen, die während des Krieges getötet wurden, einen unerträglichen Gestank verbreiteten.»
Doch dieser positive Wandel ist nicht zufällig. Alles ging von der Aktion «Saubere Stadt» aus, die von den neuen Behörden des Landes über das Sofortprogramm des Präsidenten mit einer Summe von 45 Milliarden CFA-Francs initiiert wurde. «
Sobald die Kämpfe beendet waren, musste das Land sofort wieder aufgebaut werden, und zwar, indem verschiedene lebenswichtige Bereiche ins Leben gerufen wurden. Ich denke da an die Bildung, die Gesundheit und vor allem an die Hygiene, weil ohne eine gesunde Umwelt nichts möglich ist. Es war also äußerst dringend, die Stadt wieder in einen sauberen Zustand zu versetzen, denn mit den Leichen, die auf den Straßen herumlagen, war die Seuchengefahr groß», bemerkt der Politologe Malick Touré.
Die im April 2011 begonnene Aktion «Saubere Stadt» trug schon bald Früchte. So wurden zum Beispiel zwischen dem 20. April und dem 7. Mai 230 von 330 Müllhalden in den Gemeinden des Bezirks Abidjan beseitigt. Innerhalb von achtzehn Tagen also.
230 Müllhalden in zwei Wochen beseitigt
Von Abobo (Anador und Rond Point de la Mairie) über Cocody (Joconde und ONUCI in den Vierteln Riviera 2 und 3) bis nach Yopougon (Fourrière in Richtung Corridor de Gesco), Treichville (von der Abfahrt der HB-Brücke und der Rue 38 bis zum Markt von Belleville), Koumassi (Boulevard du 7 Décembre) und Port-Bouët (Centre Pilote und 43ème BIMA) – all diese Orte, die von Abfall überhäuft waren, sind zur großen Zufriedenheit der Bewohner wieder davon befreit. «Wir sind wirklich froh, dass der Müll fortgeschafft wurde. Der Gestank hat uns vergiftet und wir konnten kaum atmen. Das war ein echter Nährboden für Krankheiten», freut sich eine Kosmetikerin, die nicht weit entfernt vom Centre Pilote in Port-Bouët arbeitet.
Die Aktion «Saubere Stadt» wurde mit Hilfe der Finanzierung des Sofortprogramms für städtische Infrastruktur (Projet d’Urgence d’Infrastructures Urbaines, PUIUR) initiiert und in Zusammenarbeit mit den Gemeinden und verschiedenen Müllabfuhrunternehmen ausgeführt. Dem Koordinator des PUIUR-Programms Pierre Demba zufolge wurden 49 420 Tonnen Haushaltsmüll eingesammelt von insgesamt mehr als 200 000 Tonnen in den dreizehn Gemeinden des Bezirks Abidjan. «Auf die Beseitigung der Müllhalden folgen Reinigungsarbeiten an den jeweiligen Orten, um sie wieder in einen hygienischen Zustand zu versetzen», erklärt er. Außerdem wurde die Houphouët-Boigny-Brücke gesäubert und von Sand befreit.
Die Bemühungen, Abidjan sauber zu halten, dauern noch immer an. Die Regierung hat beschlossen, die Aktion nachhaltig durch einen nationalen Hygieneplan zu sichern. Experten haben sich mit den Inhalten und der Umsetzung beschäftigt, und zwar im Rahmen einer Arbeitsgruppe, die vom 14. bis 16. Juli in Grand-Bassam stattfand, einer historischen Touristenstadt etwa zwanzig Kilometer von Abidjan entfernt.
Ziel ist es, so erklärt Frau Anne Ouloto, Ministerin für Stadthygiene, Sortier- und Recyclinganlagen für den Müll zu schaffen. «Wir werden die Müllabfuhr umgestalten, überall Mülleimer aufstellen, damit die Leute ihre Abfälle dort wegwerfen können», fügt sie hinzu.
Schließung der größten Müllkippe des Landes
Dennoch ist sie davon überzeugt, dass dieses Ziel nur unter zwei Bedingungen erreicht werden kann. Erstens muss Verständnis bei der Bevölkerung geweckt werden, damit sie neue Verhaltensweisen annimmt. Zum Beispiel den Müll nicht auf die Straße wirft, wie es leider sehr oft der Fall ist. Zweitens müssen die Bürgermeister sehr stark einbezogen werden und in ihren Gemeinden die Mülltrennung und die Müllabfuhr organisieren.
Doch eines der wichtigsten Signale in diesem Kampf für den Umweltschutz ist, dass die Müllkippe von Akouédo, die größte des Landes, ein Riesenmüllberg unter freiem Himmel im Westen Abidjans in der Gemeinde Cocody, am 31. Dezember 2012 geschlossen werden soll.
Bis dahin wird weiter Müll getrennt, werden die Wege gefegt, die Rinnsteine gesäubert und gesundheitsschädliche Orte instandgesetzt. Und außerdem soll in den nächsten Wochen eine Hygieneabteilung entstehen. Abidjan scheint also ab sofort auf Sauberkeit zu setzen. Hoffentlich hält das an …
Übersetzung: Kirsten Gleinig