Es wird vorbeigehen, es geht ja alles vorbei. Auch Berlusconi wird vorbeigehen, mitsamt seinem buntscheckigen Hofstaat von Jasagern. Früher oder später kommt die Nachkriegszeit, und nachdem es uns schlecht gegangen ist, wird es uns wieder besser gehen. Die Wirtschaft wird sich erholen, und wir werden mehr oder weniger zufrieden sein, wenn auch nicht geradezu glücklich. Nichts ist ewig. Die Schäden, die diese schmutzigen Jahre angerichtet haben, werden verschwinden.
So gut wie alle. Fast der schlimmste betrifft die Umwelt. Hier wird es schon schwieriger. Die Schäden, die der Umwelt zugefügt werden, sind nicht wieder gutzumachen. In Italien hat sich in den letzten Jahren die Idee durchgesetzt, Freiheit bedeute, dass jeder machen kann, was er will, egal wo und zu jeder Zeit.
Besonders verheerend waren die Auswirkungen, die die wiederholten „condoni“ (nachträgliche Bewilligung für ohne Genehmigung durchgeführte Bauvorhaben, Anm. d. Ü.) auf die Landschaft dieses unglückseligen Landes hatten, das sich in den letzten 60 Jahren einen größeren Niedergang zufügte als in all den Jahrtausenden zuvor.
Das moralische Prinzip, nach dem alle frei sind, zu tun, was sie wollen, führte zur Erfindung eines neuen Architekturstils, den man als “Regolarmente Abusivo”, also etwa als „Erlaubt Illegal“ bezeichnen könnte. Die Wohnsiedlungen, für die der Pizzo Sella parzelliert wurde, oder das große Einkaufszentrum Poseidon, beide vor den Toren Palermos gelegen, sind ein gutes Beispiel hierfür. Wo sie sind, dürften sie per Gesetz nicht sein. Und doch hat irgendjemand die Genehmigungen unterschrieben, die für ihre Errichtung notwendig waren. Sie sind illegal, und sie erfüllen gleichzeitig doch alle Vorschriften. Es ist mir klar, dass man dieses pirandellianische Paradoxon einem Nichtsizilianer kaum erklären kann, aber so ist es.
Wenn unsere Kinder von uns Rechenschaft fordern, können wir nur die Arme ausbreiten und sagen, dass es irgendwann in Italien eine Art Referendum gegeben hat. Die Frage lautete: „Wenn Sie sicher wissen, dass Sie unter einem großen Haufen Scheiße verrecken werden, wollen Sie dann vorher noch ein paar Jahre Wohlstand genießen?“ Und alle haben mit Ja gestimmt.
Übersetzung: Karin Heese