In der Annahme, dass die Welt (oder genauer gesagt die EU) bereits zur kroatischen Frage Stellung bezogen hat, flaut die Protestbewegung gegen die kroatische Regierung ab oder sucht nach anderen Wegen, auf die ich hier nicht näher eingehen will. Ein breit angelegter Protest gegen Atomkraftwerke in Kroatien fand hingegen gar nicht erst statt.
Zwar hielten die Protestierenden vor der japanischen Botschaft und zündeten Kerzen an, um die Anteilnahme und das Mitgefühl der Kroaten für die japanischen Opfer zum Ausdruck zu bringen. Und es wurden kulturelle Veranstaltungen organisiert, beispielsweise ein Benefizkonzert mit Nachwuchstalenten wie den Cellisten Stjepan Hauser und Luka Šulić sowie dem Pianisten Maksim Mrvica, die Japan symbolisch mit ihrer Musik unterstützten.
Eine wichtige Aktion gab es tatsächlich zu verzeichnen: Die Grüne Aktion (Zelena akcija), die führende regierungsunabhängige Organisation Kroatiens für Umweltschutz, führte anlässlich des Gedenktages des Reaktorunglücks von Tschernobyl eine gegen die Atompolitik gerichtete Performance auf dem Ban-Jelačić-Platz durch. Aktivisten in weißen Anzügen trugen ein Transparent und ließen sich beim Klang von Sirenengeheul zu Boden sinken, als ob sie tot wären. Obwohl die Umstehenden sich darum versammelten, gingen sie nach ein paar kurzen Kommentaren ihrer Wege und kümmerten sich um ihre Angelegenheiten. Das im Fernsehen zu sehen, hinterließ den bitteren Nachgeschmack eines Theaterstücks, das beim Publikum nicht gut ankommt.
Kroatien betreibt zusammen mit Slowenien nur ein Atomkraftwerk auf slowenischem Gebiet in Krško. Es ist 30 Jahre alt, liegt 40 km von der kroatischen Hauptstadt Zagreb entfernt und steht in einer seismisch instabilen Gegend.
Einige Experten behaupten, dass wir unseren Energiebedarf mit regenerativen Energien decken könnten. Die Politiker jedoch greifen das Thema nicht auf, sondern kämpfen momentan mit ganz anderen Problemen: dem Staatshaushalt, der Arbeitslosigkeit, den Geistern der Vergangenheit und den Verhandlungen mit der EU. In unserem Parlament gibt es immer noch keine grüne Partei, die der Angelegenheit Nachdruck verleihen könnte. Und die Meinung der Öffentlichkeit – abgesehen von der Auseinandersetzung mit der Regierung, die zu einer solchen Apathie führte, dass selbst die traditionellen Gewerkschaftsproteste zum 1. Mai auf der Strecke blieben? Solange es nicht bei mir zu Hause geschieht, geht es mich nichts an. Daher sind wir sehr weit von einer ausgereiften Energiepolitik entfernt und beschränken uns stattdessen auf ein Amateurtheater von ein paar Enthusiasten. Nukleare Probleme machen nicht vor Staatsgrenzen Halt. Doch um ein Bewusstsein dafür zu schaffen, müssen zuerst die Schranken im Kopf fallen.
Übersetzung: Christiane Wagler