Am 11. März 2011 wurde Japan, das Land der aufgehenden Sonne, durch das stärkste Erdbeben in seiner Geschichte erschüttert. Mit einer Stärke von 9,0 auf der Richter Skala und einem anschließenden verheerendem Tsunami wurden große Teile des Landes zerstört und tausende Menschen wurden in den Tod gerissen. Kurze Zeit später wurden als Folge des Erdbebens Probleme bei der Stromversorgung in den japanischen Atomkraftwerken festgestellt und in den internationalen Medien folgte eine Flut von Informationen. Es wurde von Megabeben, GAU und Super-GAU berichtet, Begriffe, deren Inhalte und Bedeutung für die menschliche Wahrnehmung, ähnlich wie die Abermilliarden Euro der Wirtschafts- und Finanzkrise, kaum mehr zu erfassen sind. Einer Horrormeldung folgte die nächste und schon bald gab es im öffentlichen Diskurs fast kein anderes Thema mehr.
Kaum haben wir in den deutschen Medien von den katastrophalen Ereignissen in Japan erfahren, wurden auf Bundes- aber auch auf Landesebene ganze Politikideologien regelrecht umgekehrt. Die Kanzlerin reagierte schnell, in Baden-Württemberg kam es zu einer Politikwende und die Katastrophe in Japan stand auf einmal vor der Tür. Aber was hat das zu bedeuten? Seit vielen Jahren tritt ein Großteil der deutschen Bevölkerung für den Ausstieg aus der Atomenergie ein und mit unermüdlichem Engagement wird von diversen NGOs aber auch von Seiten der Politik immer wieder auf die Gefahren und Risiken der Atomkraft hingewiesen. Aber benötigen wir solch eine Katastrophe - die Berichte über so viel Leid, Angst und Trauer, damit das Gros der Gesellschaft kritische Politikfelder hinterfragt und sich in demokratischen Strukturen dem Willen der führenden Regierung widersetzt? Genügen nicht die Vorwarnungen und Risikoabschätzungen von Experten, um rationale Entscheidungen über Gefahrenpotenziale zu erkennen und daraus Schlüsse für die Zukunft des eigenen Landes zu ziehen? Deutschland ist bestimmt kein Erdbeben gefährdetes Land, aber dennoch können wir uns mit den Problemen aufgrund der politischen Brisanz in unserem Land identifizieren.
Interessant dabei sind aus gesellschaftlicher Sicht vor allem die Globalität von Katastrophen und die Wirkungsmächte von globalen Problemen auf die lokalen Ebenen, die zum Ausdruck bringen, dass eine Katastrophe, die weit weg in einem anderen Land passiert, plötzlich auch vor der eignen Haustür zu einem Umdenken führen kann.
mit Interesse habe ich Ihren Artikel gelesen und kann dem nur aus vollem Herzen unterstützen. Ihren Namen habe ich über "Compact" Petition für den Ausstieg... entnommen und komme somit zu meinem Anliegen. Wir sind "Aktionsbündnis gegen Atomkraft" und veranstalten jeden Montag in Hannover am Kröpcke um 18 Uhr eine Mahnwache mit anschließender Demonstration und Kundgebung. Wir haben ein "offenes" Mikrophon, wo jeder seine Ängste äußern kann. Es wäre schön, wenn wir Sie dafür gewinnen könnten, eine unserer Montagsdemos mit einem Wortbeitrag zu bereichern. Mit freundlichen Grüßen Siegrid Manz
herzlichen Dank für Ihre Einladung zu der Demo in Hannover. Ich habe Ihnen eine Mail an die angegebene Adresse geschickt.
ich frage mich ob diese Ereignisse wirklich langanhaltend nachwirken. Es wird jetzt mehr oder weniger aus wahlkampftaktischen Gesichtspunkten viel bewegt aber wird das auch anhalten. Oder setzen unsere Politker darauf dass in den Zeiten der Nachrichtenflut und Globalisierung schnell eine Katastrophe die andere ablöst und damit der Zeitfaktor bewirkt, dass das öffentliche Interesse wieder abnimmt. Dann kann man doch wieder weitermachen wie bisher?! Oder wer denkt haute noch an die Ölpest im Golf von Mexiko?
vielen Dank für Ihren Kommentar zu meinem Blogbeitrag. Sie haben sicherlich Recht, dass gerade bedingt durch die Nachrichtenflut und die anstehenden Wahlkämpfe eine gewisse Übertreibung der Politik für einen schnellen Wandel stattgefunden hat. Aber ich denke und hoffe vor allem, dass die Sensibilität der Gesellschaft und damit auch das politische Engagement ihrer einzelnen Mitglieder mittlerweile so groß ist, dass ein Weiter-So-Wie-Bisher nicht durchzuführen ist...und die Politikwende in Baden-Württemberg wurde ja gerade von den Währlerinnen und Wählern angetrieben.