Heute ging der Evangelische Kirchentag zu Ende. Über 100 000 Gäste fahren nun nach Hause, einige von ihnen ausgestattet mit gebatikten „Kirche ist cool“-Shirts und Kameraspeicherkarten voll mit Fotos von Rock-Gottesdiensten und Heavy-Metal-Konzerten. Um junge Menschen anzulocken gab es bei Kirchentag nämlich ein Extraprogramm. 10 000 Jugendliche wurden erwartet. Diese Zahl scheint zunächst gar nicht so klein, doch das ist nur ein Neuntel der Rock am Ring Besucher. Scheint, als stünde Rocken höher im Kurs als Beten. Wie steht es um Jugend und Religion in Deutschland?
Zuerst ein paar Rahmendaten: Knapp über ein Drittel aller Menschen in Deutschland gehören der Römisch-Katholischen Kirche an, fast genauso viele der Evangelischen. Knapp unter fünf Prozent sind muslimisch, die restlichen Religionen machen zusammen weniger als zwei Prozent aus. Der größte Teil der Deutschen ist konfessionslos. Traditionell sind die Katholiken eher im Süden und im Westen des Landes verbreitet, die Protestanten im Nordosten. Die wenigsten Christen gibt es in den neuen Bundesländern – dort, wo früher die atheistische DDR war.
Viele Jugendliche praktizierende Christen sind, ist schwer zu sagen. Der Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) hat 650 000 Mitglieder, die Arbeitsgemeinschaft der Evangelischen Jugend in Deutschland (AEJ) vertritt die Interessen von 1.2 Millionen junger Menschen. Was deutsche Jugendliche über die Kirche denken, wurde zum letzten Mal in einer Sinus-Studie untersucht, die im Auftrag des BDKJ und Misereor Menschen zwischen 14 und 27 zu ihren Werten und Lebensstilen befragte. Unter Sinus-Milieus versteht man Gruppen, die sich in ihrer Lebensauffassung und Lebensweise ähneln. Laut Studie erreiche die katholische Kirche drei der sieben Milieus: die „traditionellen“, die „bürgerlichen“ und die „postmateriellen“ Jugendlichen. Die „jugendlichen Performer“, das Leitmileau aus gut Ausgebildeten und Ehrgeizigen, interessierten sich aber nicht für die Kirche.
Trotz Weltjugendtag und Hype um den Deutschen Papst, fänden viele Jugendliche das Auftreten der Kirche verstaubt. Dabei sie die Kernbotschaft der Religion nicht das Problem. Junge Menschen wollten sich engagieren, sie sehnten sich nach „Richtigem und Wahrem“ und „Spiritualität“. Diese suchten sie aber immer weniger in der Kirche, sondern bei Greenpeace, ATTAC oder Amnesty International. Für viele bleibt Kirche einfach nicht cool – egal wie viele T-Shirts man batikt.

Das offizielle Plakatmotiv des 33. Deutschen Evangelischen Kirchentages in Dresden


Tim Jungeblut, Hamburg
Julija Ogorodnikowa, Moskau
Swetlana Rybka, Kiew 