In den letzten 13 Jahren haben Neonazis der so genannten „Zwickauer Zelle“ acht Türken, einen Griechen und eine Polizistin aus Thüringen ermordet – das sind mehr Opfer als bei allen islamistischen Terrorangriffen in Deutschland zusammen. Kaum jemand vermutete hinter den Taten eine organisierte rechte Gruppe, bis ein krudes Bekennervideo auftauchte. In einem abstrusen Zusammenschnitt aus Paulchen-Panter-Zeichentrickfilmen und Gewaltvideos bekannte sich eine Gruppe, die sich selbst als „Nationalsozialistischer Untergrund“ bezeichnete, zu den so genannten Döner-Morden. Das Video ließ auch Vermutungen aufkommen, dass die NSU an einem Anschlag in Köln beteiligt war.
Seitdem spricht ganz Deutschland über rechten Terror. Die Regierung diskutiert erneut einen Verbot der rechtsextremen Partei NPD. In fast jeder großen Tagezeitung sind Meinungsartikel mit dem Titel „Auf dem rechten Auge blind“ zu lesen – eine Anspielung darauf, dass Ermittler rechte Gewalttaten übersahen. Der „SPIEGEL“ macht sogar mit dem Titel „Die braune Armee Fraktion“ auf – ein Verweis auf die linksradikale Rote Armee Fraktion.
Allerdings besteht die Armee dem jetzigen Wissenstand nach hauptsächlich aus drei „Soldaten“ – von denen zwei bereits Selbstmord begingen und die dritte sich der Polizei stellte. Momentan werden die Unterstützer gesucht. Von ihnen dürfte es nicht allzu viele gegeben haben. Viele vermuten, dass der organisierte „Untergrund“, von denen die Täter sprechen, eine Phantom-Verband ist. Umso lauter wird die Frage: Wie konnten drei Fanatiker ohne einen Netzwerk 13 Jahre lang ungestraft morden?

Der Schock ist groß. Plötzlich spricht ganz Deutschland über rechtsextremen Terrorismus.


Tim Jungeblut, Hamburg
Julija Ogorodnikowa, Moskau
Swetlana Rybka, Kiew 