Der Finnische Winter war hart, aber ich eignete mir schnell die Überlebenstechniken der Einheimischen an: Mehrstündige Kaffeepausen und häufiges Eisbaden. Die langen Winterabende verbrachte ich mit dem Erlernen der Finnischen Sprache, was mir entgegen aller Erwartungen sehr leicht fiel. Während ich Knäckebrot buk, lies ich zu meiner Unterhaltung den Deutschlandfunk laufen und übersetzte das Gehörte simultan ins Finnische: "pirkka ökommmoniiissa tervetuuullaa hololsssos halpa halli utmmellappa kallewalla pööölifhgäüväinäimöghgfhgfhnmölkn niinistö okkööjmavnhj kiitos"
Auch künstlerisch war ich äußerst produktiv. Die von harter körperlicher Arbeit gezeichneten Gesichter der Einheimischen gaben mir reichlich Material für Portraitstudien. Meine außergewöhnliche zeichnerische Begabung sprach sich schnell herum und das Finnische Kaiserhaus lies anfragen, ob ich nicht ein Portrait der Kaiserin für die kommende Documenta anfertigen wolle. Ich lehnte zuerst ab, da die Finnische Einsamkeit mir jegliche Auftragsarbeit verleidet hatte. Zudem scheute ich die weite Reise nach Helsinki. Aber als die junge Kaiserin, von meiner Absage bestürzt, daraufhin selbst nach Solf reiste, war es mir unmöglich ihr Gesuch abzulehnen. Ich malte mehrere Portraits, hier ein kleinformatiges, welches für das Schlafzimmer das Kaisers gedacht war:
Nun, da mein dreimonatiger Residenzaufenthalt sich dem Ende nähert, wird mir erst bewußt was für eine wunderbare Zeit ich in Finnland hatte. Besonders der Holzschnitzer Johanna Pekka Castell ist mir ans Herz gewachsen und ich werde unseren regen geistigen Austausch sehr vermissen. Als letzte Erinnerung an heitere Stunden in Finnland möge das folgende Bild dienen.
Rosalie Schweiker













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