“Vermeide das Offensichtliche, such nach dem Versteckten”, war eine der Regeln, die Kim & Kima für ihre Arbeit aufgestellt hatten. Entsprechend ließen sie die Militärruinen, Tunnel und Burgen links liegen und suchten nach anderen Blickrichtungen auf der/die Insel. Nach kurzer Zeit stießen sie auf eine Aussichtsplattform, von der aus sie einen Blick auf den Trockendock werfen konnten, der bereits unter schwedischer Herrschaft eingerichtet worden war. Damals pumpte eine Windmühle das Wasser aus dem Innenbecken. Kim & Kima fragten sich, wie lange es wohl heutzutage dauern würde, das Becken, das zehn große Segelschiffe beherbergte, zu entleeren oder zu füllen. Die Dockarbeiter waren noch damit beschäftigt, die Schiffe für den großen Tag zu reparieren und zu präparieren: Am folgenden Morgen würde das Becken mit Wasser gefüllt und die Schiffe würden den Dock nach einem langen (und überaus harschen) Winter verlassen.
“Lass uns zur anderen Seite wechseln!” rief Kima (der kalte Wind schnitt ihnen jedes Wort vor dem Mund ab). Ein Schotterweg führte auf das Hafengelände zu. Zu beiden Seiten waren gelbe Schilder aufgestellt: “Työmaa-alue. Pääsy kielletty” las Kim, aber bevor sie dazu kam, ihrer Partnerin den Inhalt zu übersetzen, war Kima schon in Richtung Kran unterwegs. “Das sieht hier genauso aus wie in der Krimiserie aus Baltimore, die wir uns vor kurzem angeschaut haben” rief sie freudig aus und fing an, den Kran von allen Richtungen aus zu fotografieren. “Aber eher im Kleinformat”, antwortete Kim, als sie nach wenigen Minuten das Ende des Weges erreicht hatten. Alte Boote, kleine Wohnmobile, Metallreste und eine Menge merkwürdiger Objekte säumten den Wegesrand. Kima war glücklich, so viele Fotos des Gesamtensembles und seiner Einzelteile machen zu können, während Kim bereits in Gedanken versuchte, ihre Frage richtig zu formulieren: “Milloin alkaa vesi nousemaan huomenna?” dachte sie “oder sollte ich besser sagen: Milloin alkaa veden nouseminen huomenna?” – “Um sieben Uhr früh” antwortete der Dockarbeiter knapp, bevor er weiterging. Kim & Kima tauschten einen schnellen Blick. “Wir haben eh’ schon genug Bilder vom Hafen, oder?” flüsterte Kim, als sie das Gelände verließen. Bei einem letzten Blick zurück wurden sie Zeugen eines merkwürdigen Vorfalls….
Comments